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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Aggressives, lautes Verhalten
06.11.2019 | 12:38
Jutta60

Hallo zusammen,
ich habe bei meiner Mutter eine ganz umfassende Betreuungsvollmacht gehabt. Zu den freiheitsentziehenden Maßnahmen gehören auch die "chemischen" Maßnahmen, so wurde das glaube ich, genannt. Also die Gabe von sedierenden Medikamenten (nicht als Nebenwirkung gemeint). Mir fällt da immer wieder auf, wie sich die Angehörigen in Grauzonen bewegen müssen, zusätzlich zu den übrigen Belastungen bei der Pflege u Betreuung der dementen Angehörigen. Auch ein GPS-Tracker ist so eine Grauzone. Oder - wie ich es gemacht habe - die Medikamente klein machen (weil meine Mutter nicht mehr gut schlucken konnte) und in den Joghurt geben.
Lieber Andydreas, hoffentlich ist der neue Hausarzt kooperativ und kann ein paar Vorschläge machen. Ich würde Ihnen sehr wünschen, dass Sie da Unterstützung bekommen. Viele Grüße an alle Jutta

06.11.2019 | 18:57
hanne63

Ein hallo an Alle,
ja es ist besteht tatsächlich eine Grauzone.....zumindest solange die Angehörigen noch zu Hause sind.

Aber keine Klinik und kein Heim wird jemanden gegen seinen Willen ohne richterlichen Beschluß dabehalten......auch wenn die Angehörigen eine Betreuungsvollmacht haben und auch wenn eine rechtliche Betreuung besteht.....

das heißt man mag zwar die Aufgabengebiete Gesundheitsfürsorge und Bestimmung Aufenthalt haben........aber gegen den Willen ist ohne richterlichen Beschluß trotzdem nichts möglich.......

07.11.2019 | 07:53
Andydreas

Moin,
ich war ja gestern bei meinem neuen Hausarzt, wie ich berichtete.
Er ist wenigstens nicht so passiv wie mein bisheriger Hausarzt und bemüht sich uns zu helfen.
Ich habe jedoch den Eindruck, dass ich in Sachen Demenz fast schon besser informiert bin als er. Ich habe ihm einen Flyer des hiesigen Krankenhauses gezeigt. Es geht um die Gedächtnissprechstunde in 3 Terminen. Er will jetzt das Blut meiner Mutter untersuchen und ich soll mich schon mal um einen Termin kümmern. Das Problem der Verweigerung meiner Mutter besteht jedoch weiterhin. Da werde ich tricksen müssen.
Er hat mir außerdem ein Rezept für ein Beruhigungsmittel ausgestellt. Promethazin-neuraxpharm 25 mg.
Kennt sich jemand mit diesem Medikament aus ?
Ich habe ihr gestern eine Tablette gegeben und hatte den Eindruck, dass sie die ganze Nacht durchgeschlafen hat. Scheint also zu wirken. Enthält leider wohl Laktose, was zu einem anderen Problem führen könnte. Es bleibt schwierig.
Sie klagte gestern über Schmerzen und Rücken und ist Ausnahmsweise nicht weggelaufen. Auch unser Abendspaziergang fiel ihr wohl schwer.
Ich denke, da zeichnet sich so langsam eine Veränderung ab.
Noch kurz zu der Betreuungsgeschichte. Ich dachte, wenn ich mich beim Betreuungsgericht als Betreuer eintragen lasse wäre ich auf der sicheren Seite. Jetzt steht da noch was davon, dass meine Mutter ohne richterlichen Beschluss nicht gegen ihren Willen in einem Heim untergebracht werden kann ?
Es gibt also Vorsorgevollmacht, Eintragung als Betreuer beim Betreuungsgericht und einen richterlichen Beschluss ?
Ich bin verwirrt.
Danke an alle Mitpflegenden.

07.11.2019 | 08:46
FridaB

Guten Morgen,
eine Unterbringung im Altenheim ist meines Wissens zulässig wenn Du Betreuer bist und das Aufenthaltsbestimmungsrecht und die Entscheidung über die Unterbringung hast. So wurde mir das vom Richter selbst gesagt.
Außerdem gibt es dazu einige Rechtssprechungen, zum Beispiel:

"OLG Bremen, Beschluss vom 06.02.1998, 1 W 4/98, MDR 1998, 432:

Die Unterbringung der Betroffenen durch ihre Betreuerin in einer Altenpflegeeinrichtung ist vom Aufenthaltsbestimmungsrecht gedeckt und bedarf keiner Genehmigung nach § 1906 BGB. "

Ich glaube, für die Unterbringung auf der geschlossenen Gerontopsychiatrie war damals nur der richterliche Beschluss notwendig.

Andydreas, erkundige Dich bitte beim zuständigen Betreuungsgericht, wie hier die eindeutige Rechtslage ist. Ich weiß nur eins, ohne diese Betreuungsvollmacht geht eigentlich gar nichts, rein theoretisch hätte nicht mal der Hausarzt mit dir reden dürfen, wenn es deine Mutter nicht gewollt hätte. Und dass Hausärzte viel zu wenig über Demenz wissen, diese Erfahrung habe ich leider auch machen müssen. Im Blut sieht man schon mal nichts zu Demenz, Deine Mutter muss in ein MRT. Nur dort kann man mit Sicherheit eine Demenz diagnostizieren, Uhrentest etc. bringen nur erste Indizien...das Medikament was dein Hausarzt aufgeschrieben hat kenne ich nicht, das hat meine Mutter im Zusammenhang mit ihrer Demenz noch nie bekommen. Dazu kann ich Dir leider nichts sagen. Eine medikamentöse Einstellung ist jedenfalls nicht einfach und gehört in die Hände von Fachärzten. Normalerweise sollte er dir eine Überweisung zum Neurologen oder Psychiater ausstellen, in unserem Krankenhaus gibt es dafür eine Institutsambulanz. Ich weiß, es ist wahnsinnig schwer, man ist so schon überfordert mit der Pflege und bekommt aber überall noch Steine in den Weg gelegt. Deshalb nochmal mein Rat an Dich, sei nicht zaghaft, lass dich nicht abwimmeln. Mir hat damals der sozialpsychiatrische Dienst im Krankenhaus enorm weitergeholfen, auch was die ganzen Formulare zur Beantragung des Pflegegrades angeht. Auch die Pflegekasse war sehr kooperativ und hat mir gute Hinweise gegeben, vielleicht rufst du auch dort mal an.

07.11.2019 | 10:24
Andydreas

Hallo Frida,
ich habe schon mit so ziemlich allen Institutionen gesprochen. Als da wären: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, sozialpsychiatrischer Dienst, Pflegestützpunkt, Pflegekasse usw.
Ich habe meine Umgebung schon ausgiebig genervt indem ich mir immer die Frage stellte was eigentlich passiert, wenn ich mal ausfallen sollte. Die einzige Lösung war dann eine sogenannte Notfallkarte, die wir seitdem beide bei uns tragen. Ich habe mir vorgenommen viel gelassener zu werden und alles auf mich zukommen zu lassen. Leider reagiere ich in Krisensituationen panisch und es gelingt mir nicht die Ruhe zu bewahren. Da arbeite ich aber an mir. Hinsichtlich einer Heimunterbringung. habe ich nun beschlossen alles seinen Lauf gehen zu lassen. Eine vorausschauende Planung scheint sowieso nicht möglich zu sein. Ich weiß eigentlich auch nicht so recht, ob ich die von meinem Hausarzt auf mein Bitten angeordneten Maßnahmen überhaupt sinnvoll sind. Wie gesagt, ich lasse das alles auf mich zukommen und reagiere angemessen wenn es nötig ist. Sollte der Fall eintreten, dass meine Mutter ins Krankenhaus muss und von dort in ein Pflegeheim werde ich das Nötige dann entscheiden. Das würde ja bestimmt ein gängiges Verfahren sein und da werden dort Erfahrungswerte vorliegen. Dafür gibt es ja dort einen Sozialdienst. Es ist einfach frustrierend wenn man alles versucht und so gut wie nix klappt.
Danke für die Unterstützung und wir bleiben in Kontakt.

07.11.2019 | 10:42
FridaB

Ich wünsche Dir viel Kraft weiterhin! Und die Beantragung einer Betreuungsvollmacht so ganz nebenbei kann ja aber auch nicht schaden ;-).
Mir ist eigentlich manchmal völlig unklar, wie wenig die Gesellschaft, die Allgemeinheit, von dieser Krankheit weiß, während diese stetig und unaufhaltsam zunimmt. Die meisten meiner Bekannten und Freunde musste ich erst einmal aufklären, dass Demenz nicht bedeutet, dass man vergessen hat, wo man seinen Autoschlüssel hingelegt hat. Wenn es nur das wäre, bräuchten wir wahrscheinlich dieses Forum nicht.

08.11.2019 | 07:03
Andydreas

Hallo Frida,
da sprichst Du mir sehr aus der Seele. Man hat den Eindruck, dass da schon längst eine Volkskrankheit entstanden ist und keiner merkt es, bzw. will es merken. Man muss das alles selber erlebt haben um mitreden zu können. Meines Erachtens müsste viel mehr in die Erforschung dieser Krankheit gesteckt werden. Was nützt es mir, wenn ich 100 werden kann, aber die letzten 20 Jahre vom Leben nichts mehr mitkriege. Ich habe mal gelesen, dass jeder irgendwann Alzheimer kriegt. Die meisten Menschen sterben vorher, aber da wir ja immer älter werden verschiebt sich das natürlich.
Ich gebe ihr jetzt die Beruhigungstabletten, obwohl sie Laktose enthalten. Die vom Arzt aufgeschriebenen Tabletten waren zur Zeit nicht lieferbar. Da gibt es wohl einen Engpass zur Zeit. Wenn sie die Tabletten nicht vertragen sollte muss ich wohl oder Übel wieder beim Hausarzt vorsprechen. Es hört nie auf.
Alles Gute.

08.11.2019 | 08:01
hanne63

Hallo FridaB und Andydreas,
Ihr sprecht mir aus der Seele......
auch ich war mir lange nicht bewußt, was Demenz wirklich bedeutet.....bis ich in der eigenen Familie dann gleich 2 Fälle hatte.....
keiner, der nicht selbst betroffen ist...kann das nachvollziehen...da helfen auch Spielfilme, die nur die geschönten Seiten zeigen nicht viel weiter....
...und am schlimmsten finde ich derzeit, den langen Zeitraum, Jahre (!!) über den sich die permanenten Verschlechterungen hinziehen.....
...und das dann alles aushalten zu müssen.....

Forschung und Aufklärung tun bitter Not! schließlich kann jeder einmal später selbst daran erkranken...

08.11.2019 | 09:38
Andydreas

Mich hat mal eine Arbeitskollegin gefragt, ob ich den Film "Honig im Kopf" schon gesehen hätte.
Ich habe geantwortet, dass ich mir den nicht ansehen bräuchte, da ich ihn jeden Tag zu Hause erlebe.
Ich habe den Film wirklich nicht gesehen, kann mir aber nicht vorstellen, dass er die Realität trifft.

08.11.2019 | 10:50
hanne63

Hallo Andydreas,
ich habe den Film gesehen, bevor ich mit der ganzen bitteren Realität bei meinen Eltern konfrontiert wurde.....

daher schätze ich den Film so ein, dass er nur die "schöneren" Seiten zeigt....und nicht die schlimmen....und vor allen Dingen nicht die Spätphasen dann in aller Härte.....

und das habe ich auch von anderen Angehörigen schon so gehört....



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