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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Verdorbene Lebensmittel.....
14.11.2019 | 18:47
hanne63

Guten Abend,
nach jedem Besuch bei meinem Vater bin ich ratloser......(ich bin nur alle paar Wochen dort...es kümmert sich vor Ort ein Pflegedienst und ein rechtlicher Betreuer)....
Mein Vater kauft mit Hilfe eines Nachbars noch Lebensmittel für sich ein und verliert oft den Überblick, was noch im Kühlschrank ist.
So fand ich heute mehrere geräucherte Blutwürste jeweils mit unterschiedlicher Schimmelschicht außen am Darm versehen.....
Wegwerfen durfte ich die Würste nicht....

Rücksprache mit Pflegedienst ergab ebenfalls, dass Vater die verschimmelten Würste nicht entsorgen läßt...da geräuchtert, sei das angeblich nicht gar so schlimm...

Naja....ich bin ratlos und sprachlos obendrein....

Die Heimunterbringung (mit richterlichem Beschluß, der noch aussteht)....ist fraglich...weil Vater sich daheim wohlfühlt, selber ißt und trinkt und sich auch mehrmals von selbst in der Dusche duscht.....
so sagt man mir...

ich sehe allerdings einen völlig hilflosen Vater mit dick verschimmelter Wurst im Kühlschrank....der zudem zu 100 % schwerhörig ist...mir sagt Vater eindrücklich, dass er sich total selbst versorgt und alles selber und allein macht....(er erinnert sich nicht einmal daran, das 2 x tägl. ein Medikamentdienst vorbeikommt....er sagt, er nehme gar keine Medikament und braucht niemand dafür). Er möchte nach wie vor daheim bleiben.

Andererseits wäre eine Lebensmittelvergiftung ja dann endlich ein Anlaß für eine Klinikeinweisung und weitere Maßnahmen....ist das schon zynisch gedacht?.....das mit dem Recht auf Verwahrlosung...wie weit geht das eigentlich??

kann es wirklich verantwortet werden, weiter abzuwarten....??? hat jemand eine Idee.....??



15.11.2019 | 08:16
klauspawletko

Hallo Hanne63,
wenn ich Ihre Schilderung richtig verstehe, kommt 2mal am Tag jemand vom Pflegedienst, der Medikamente verabreicht.
Das ist nicht, was Sie mit "kümmern" bezeichnen. Hier scheint mir auch das wesentliche Problem zu liegen.
Der Aufgabenkreis des Pflegedienstes sollte erweitert werden um Einkauf und Kontrolle der Lebensmittel - zumindest letzteres.
Das muss wahrscheinlich mit einer Einschränkung der Geldverwendung seitens des Vaters einher gehen.
Sie haben keine Angaben gemacht, wer die rechtliche Betreuung inne hat. Der oder die Verantwortliche sollte umgehend
- den Aufgabenkreis des Pflegedienstes erweitern
- Einkauf und Essensversorgung neu regeln ( eventuell mit "Essen auf Rädern")
-Absprachen mit dem Nachbarn treffen

Mit diesen Massnahmen sollte ein weiterleben des Vaters in der eigenen Wohnung eigentlich bis aus Weiteres möglich sein, ohne dass er sich selbst und andere gefährdet.

Vielleicht bekommen Sie dann auch ein wenig Gelassenheit angesichts der Lebenssituation des Vaters zurück.
Das wünscht Ihnen
Klaus Pawletko

15.11.2019 | 09:03
hanne63

Hallo Herr Pawletko,
die rechtliche Betreuung für alle Aufgabenbereiche hat ein Berufsbetreuer, also nicht ich.

Es kommt zusätzlich zu dem Medikamentendienst vom Pflegedienst auch eine hauswirtschafltiche Hilfe. Diese darf aber auch die Lebensmittel nicht wegwerfen und weiß um das Problem.....

Essen auf Rädern wurde mehrfach versucht, aber wird von Vater nicht akzeptiert.

Der Nachbar ist zwar eingebunden (nicht von mir!!), hält sich aber oft nicht an Absprachen und ist selbst schon sehr alt....

Ich versuche mich weiterhin in Gelassenheit zu üben....

Viele Grüße
hanne63

15.11.2019 | 09:05
hanne63

Hallo Sonnenblümchen....
danke...so weiß ich jedenfalls, dass ich nicht allein in dieser Situation bin.....

ja....die lieben Nachbarn....

liebe Grüße

15.11.2019 | 14:19
Angehöriger

Nein, Hanne, mit dem Thema sind Sie garantiert nicht alleine! Ist mir alles bekannt, was Sie schildern, inkl. Maden im Essen, welches im Kühlschrank steht. Und gelegentliche Magen-Darm-Probleme meiner Mutter, für die das die Ursache sein könnte, kenne ich auch.

Wer auch immer bei Ihrem Vater vor Ort ist, darf natürlich nicht den Fehler machen, ihn um Erlaubnis zu fragen zur Entsorgung von Vergammeltem. Wenn er partout dagegen ist, dann muß das eben so geschehen, daß er es nicht mitbekommt!

Meine Erfahrung mit dem für meine Mutter tätigen Pflegedienst ist, daß die für meinen Geschmack etwas zu viel Bürokratie praktizieren; da muß quasi alles detailliert besprochen und beauftragt und besonstwas werden. Was eine "normale" Hausfrau oder Mutter mal eben so erledigen würde, weil es halt ansteht, löst da Papierberge aus. (Ist aber verständlich, weil die sich streng an Verordnungen, Vorgaben und Gesetze halten müssen, um nicht in Teufels Küche zu kommen.)

Versuchen Sie, "informell" die Dinge zu regeln bzw. regeln zu lassen, sonst wird das nie etwas. Ich habe jetzt mehrere Privatpersonen für meine Mutter ausfindig machen können, die sich um all das kümmern (inkl. Entsorgung alter Medikamente etc.). So hoffe ich, erstmal wieder für eine Weile einen ausreichenden Standard bieten zu können. Bis das Alleinwohnen gar nicht mehr möglich ist und eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung erforderlich wird.

Ihr Stichwort "Lebensmittelvergiftung" bringt die Sache auf den Punkt: an der Demenz selber verstirbt wohl kaum jemand, aber an den Folgen des durch die Demenz Unterlassenen oder falsch Gemachten. Das liegt natürlich im Rahmen des möglichen, daß sich ein geschwächter und betagter Mensch auf diesem Wege selber etwas zufügt, was der Organismus nicht mehr bewältigt bekommt.

Und was die von Ihnen erwähnten "lieben Nachbarn" betrifft, findet man hier im Forum schon genügend zu lesen. Darauf kann man nun wirklcih nicht zählen.

15.11.2019 | 19:20
hanne63

Guten Abend Angehöriger,

danke für Ihre Antwort.
Mir ist auch ein Rätsel wieso das die beauftragten und bezahlten Diensterbringer nicht auf die Reihe bekommen, die verdorbenenen Sachen zu entsorgen...die sind doch auch ausgebildet...
...in der ambulanten Pflege scheint mir sehr wenig Aufsicht und Kontrolle vorhanden zu sein....aber das ist halt leider die Realität....

Dass Sie für Ihre Mutter anderweitig, "informelle"Hilfe organisieren konnten, finde ich toll. Da ist in meiner Situation der Zug inzwischen abgefahren, da die rechtliche Betreuung ja jemand anders hat (Berufsbetreuer) und ich das selbst nicht übernehmen kann und auch nicht will....wenn ich nochmal zurück auf "Start" könnte, würde ich wahrscheinlich vieles ganz anders machen...aber da hat mir die Erfahrung noch gefehlt und auch hatte ich wenig Unterstützung anfangs durch die staatlichen Stellen etc...das würde ich jetzt ganz anders einfordern....etc....aber ich denke, die wenigsten Angehörigen sind Profis und Fachleute von Anfang an.....

bzgl. meines Vaters steht ja immer noch der beantragte Unterbringungsbeschluss aus...das Verfahren dauert jetzt schon über 9 Wochen und noch immer stehen angeforderte Stellungnahmen aus..kann sich also noch weiter hinziehen.....

Entweder zieht sich Vater also bis zum Abschluß des Verfahrens tatsächlich eine Lebensmittelvergiftung zu...oder sonst etwas stößt ihm zu...und er kommt dann ins Krankenhaus...und dann Akutfall....oder hält bis dahin durch...und ich auch...und er wird dann in einem Heim untergebracht..sofern sich dann auch ein Platz findet.....

Ich war nur gestern abend wieder sehr verzweifelt und bin immer wieder überrascht, was alles möglich ist...und mir ja quasi die Hände gebunden sind, außer dass ich die ganzen Aufgaben selbst übernehme, was nicht geht.....dann könnte man mich außerdem ein paar Tage später ebenfalls "einliefern"...ich schütze mich also selbst und halte insoweit auch mein schlechtes Gewissen aus.

Sie haben derzeit einen guten Weg für alles gefunden...toi toi toi weiterhin....

17.11.2019 | 09:20
martinhamborg

Hallo Hanne63, mit dem Thema "Recht auf Verwahrlosung" sprechen Sie die Zwickmühle aus unterlassener Hilfeleistung und dem Selbstbestimmungsrecht an. In der Abwägung beider Aspekte kann Ihre Beobachtung und Einschätzung wichtig sein: Will Ihr Vater die verschimmelte Wurst oder will er nicht reglementiert werden? Versteht er das was die Hauswirtschaftskraft will oder fühlt er sich angegriffen? Beschützt Ihr Vater den Kühlschrank oder vergisst er das was drin ist?

Unter dem Aspekt der Selbstbestimmung würde ich Ihrem Vater die Wurst zeigen und an seine Einsicht appellieren. Ist er nicht mehr in der Lage die Risiken einzuschätzen, geht es meistens - sprichwörtlich - um die Wurst, z.B. um Bevormundung, Bedrohung oder Überforderung, weil er es durch die Schwerhörigkeit nicht versteht und die Abwehr größer wird, je lauter das Gegenüber wird...

Wenn wir diese Gefühle respektieren, kann es tatsächlich unerheblich werden, dass der Kühlschrank plötzlich aufgeräumt ist und anstelle der schlechten eine gute Wurst liegt...

Da Sie aus guten Gründen im Handeln eingeschränkt sind, bleibt Ihnen die sachliche Information des Betreuers und des Gerichts. Jede weitere Information sollte das Verfahren beschleunigen. Das alles ist traurig aber nicht zynisch, - es gibt viele Menschen, die ihr risikoreiches Verhalten erst ändern, wenn etwas passiert.
Ein Hinweis auf eine Lebensmittelvergiftung wird täglich erkannt sollte wiederum an die Verantwortlichen gemeldet werden. Haben Sie einen Eindruck, wie oft Ihr Vater tatsächlich verdorbene Lebensmittel isst?

Ihnen wünsche ist sehr, das sehr bald alles geregelt ist und Sie Ihren Vater in einer guten Einrichtunge besuchen können... Ihr Martin Hamborg

17.11.2019 | 17:55
hanne63

Hallo Herr Hamborg,

danke für Ihren Zuspruch.
Den rechtlichen Betreuer habe ich sachlich bzgl. schimmeliger Lebensmittel erneut informiert. Er hat sich wohl dann auch umgehend mit dem beauftragten Dienst in Verbindung gesetzt.

Das Betreuungsgericht möchte ich derzeit noch nicht informieren......ich warte noch einige Zeit ab, ob nicht doch endlich eine Entscheidung bzgl. Unterbringung von dort kommt.

Und ich bin ja schon einmal bzgl. einiger Beanstandungen im Pflegeheim bei meiner Mutter sehr ins Fettnäpfchen getappt....das möchte ich mir ersparen....

Ja.....ich wünsche mir tatsächlich derzeit sehr, dass ich meinen Vater "ganz normal" und entspannt als Tochter in einem geeigneten Heim besuchen kann und mich nicht um die ganze Situation so sorgen muß wie derzeit....vielleicht geht mein Weihnachtswunsch in Erfüllung...
viele Grüße und danke.

03.12.2019 | 18:13
hanne63

Hallo Herr Homborg und alle anderen,

ich dachte schon ich könnte aufatmen, weil der Gerichtsbeschluß zur Unterbringung meines Vaters da war und der rechtliche Betreuer auch einen Heimplatz gefunden hatte.
Heute erhalte ich nun die Nachricht, dass Vater sich heute das Heim zusammen mit Betreuer angesehen hat, das Heim aber meint, mein Vater sei nicht soweit, dass er in einer geschützten Station untergebracht werden müßte und wollte ihn nicht aufnehmen, obwohl vorher Zusage laut Betreuer vorlag.
Daraufhin wurde Vater wieder nach Hause gefahren und lebt jetzt wieder daheim.
Die Hauswirtschaftliche Hilfe vom Pflegedienst meint ebenfalls, dass es zu Hause noch weiter gut geht.
Die Gutachterin hat allerdings für das Betreuungsgericht geschrieben, dass sie eine Unterbringung für angezeigt hält...und das sollte doch letztlich aussschlaggebend sein. Offenbar kann aber trotz eines Unterbringungsbeschlusses...weiter abgewartet werden.....
Ich dreh jetzt langsam aber sicher durch...weil ich nicht hinter die Kulissen blicke......
hat jemand irgend eine Idee.....???
bitte...das kann doch alles gar nicht sein.....
Morgen kann ich mit dem rechtlichen Betreuer telefonieren...viel mehr wird er mir vermutlich zum derzeitigen Sachstand auch nicht sagen können...
Wäre schön, wenn ich hier vorab ein paar Tipps bekommen könnte.

04.12.2019 | 08:36
martinhamborg

Hallo Hanne63, ich hoffe sehr, dass Ihr Gespräch heute mit dem Berufsbetreuer Klarheit bringt. Die rechtliche Ebene können wir an dieser Stelle nicht beleuchten. Das Heim muss Ihren Vaten nicht zwingend aufnehmen, aber es braucht für eine Aufnahme den richterlichen Beschluss. Es kann sein, dass lediglich hinterfragt wurde, ob wegen der verschimmelten Wurst tatsächlich weitreichende Einschränkungen durch freiheitsentziehende Maßnahme erforderlich sind oder ob sich das Problem in einem nicht geschlossenen Heim auch lösen würde. In jedem Fall liegt der Handlungsauftrag bei dem Betreuer und er wird sich darum kümmern und im Sinne der richterlichen Einschätzung handeln.
Ihr Martin Hamborg



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