Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Aggression unter Mitbewohnern
17.11.2019 | 19:27
ekirlu

Hallo in die Runde,
ich brauche einen Rat, da die Situation um meine Mutter zu eskalieren droht. Folgende Situation:
Meine Mutter, 86 Jahre, Demenz mit Pflegegrad 3 ist seit März in einem Pflegeheim untergebracht. Meine Schwester und ich hatten sie zuvor mit Hilfe einer Tagespflegeeinrichtung ca. 2 Jahre betreut. Da wir aber beide in Vollzeit berufstätig sind, wurde die Situation immer schwieriger, so dass wir uns schweren Herzens zu dem Pflegeheim entschlossen haben. Es lief auch alles gut, Mutter hat sich von Anfang an dort sehr wohl gefühlt, sie hat ein schönes Zimmer. Es gibt auch eine Reihe von Aktivitäten, an denen sie gerne teilnimmt (Bingo, Sport). Meine Schwester und ich besuchen sie abwechselnd täglich. Wir waren sehr erleichtert, dass es so gut lief. Mutter hat überhaupt nicht von zuhause gesprochen. Auf der Station (es gibt drei Stationen, im Haus gibt es 57 Bewohner) sind zu 90 % Demenzerkrankte unter anderem auch Frau E., und damit beginnt das Problem: Frau E. geht immer wieder in das Zimmer meiner Mutter, wühlt alles durch, geht dort zur Toilette pp. Zu Beginn waren die Besuche nicht so häufig, in den letzten zwei Wochen sind sie aber fast stündlich. Mutter regt sich darüber unheimlich auf und ist sehr gestresst. Sie guckt nur noch, wo Frau E. hingeht, wenn sie in ihrem Zimmer ist, wartet sie ständig darauf, dass Frau E. hereinkommt. Kommt Frau E. dann herein, reagiert Mutter durchaus aggressiv, es kommt auch zu Schubsen und Stößen. Mit der Heimleitung wurde besprochen, dass die Zimmertür abgeschlossen wird, wenn Mutter beim Sport oder Spiel ist. Das klappt auch. Ansonsten hat die Heimleitung aber wohl keine Idee, wie diese Situation in den Griff zu bekommen ist. Inzwischen redet Mutter auch wieder vermehrt von zuhause. Mit der Heimleitung wurde erörtert, ob Mutter mit einem Schlüssel klar kommt. Wir befürchten aber, dass sie dann selbst Probleme bekommt. Auch ein Drehknopf an der Tür wurde von uns angesprochen, passiert ist aber noch nichts. Die Heimleitung scheint mit der Situation überfordert zu sein und hat keine Ideen, was man machen könnte.
Ich habe inzwischen Angst, dass meine Mutter Frau E. irgendwann verletzt -wobei auch meine Mutter blaue Flecke davon trägt- und dann als aggressiv eingestuft wird, was sie definitiv nicht ist. Sie reagiert einfach nur im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten.
Hat vielleicht jemand ähnliches erlebt und wie kann man die Situation entschärfen?

17.11.2019 | 19:35
Angehöriger

Hallo ekirlu,

ist denn ein Grund ersichtlich, warum Frau E. immer wieder in dieses eine Zimmer geht? Hat sie dort vielleicht zuvor selber gewohnt, so daß sie daran gewöhnt ist? Oder geht sie in viele Zimmer und macht überall dasselbe?

Mein Vater wurde gegen Ende seines Lebens auch schon mal in einem anderen Bett in einem anderen Zimmer schlafend gefunden oder sogar in einem versteckten Raum im Keller liegend, wohin er sich selbst begeben hatte. Nachdem er ewig gesucht wurde.

Ein Patentrezept weiß ich auch nicht; versuchen Sie etwas über die Beweggründe zu erfahren; möglicherweise kann man dann gegensteuern.

Notfalls das Zimmer tauschen; mein Vater hat auch wiederholt andere Zimmer bekommen.

Übrigens hat er, vor allem die letzten Monate seines Lebens, auch immer von Leuten erzählt, die (nachts) in sein Zimmer kämen. Unter anderem die Hausangestellten, von denen einer angeblich bei ihm Fußball geguckt hat. Was davon glaubhaft war und was nicht, konnten wir nicht herausfinden.

Zunächst einmal glaubt man das ja alles gar nicht, aber nachdem mir ein Bekannter von mir, der füher Nachtdienste in der Pflege getätigt hat, erzählte, was er dort nachts so alles "getrieben" hat, wundert mich nichts mehr.



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 17.11.2019 um 19:38.]

17.11.2019 | 19:39
svenjasachweh

Hallo ekirlu,
vielleicht könnte es helfen, die Türklinke "andersrum" zu montieren, also so, dass die Tür aufgeht, wenn man den Hebel nach oben zieht - könnte Ihre Mutter das noch lernen? In anderen Häusern hat das mal funktioniert...

Freundliche Grüße
S. Sachweh

17.11.2019 | 19:44
ekirlu

Angehöriger:
So wie ich es gehört habe, geht sie noch in zwei weitere Zimmer. Deren Bewohner reagieren aber möglicherweise nicht s.o stark darauf.
svenjasachweh:
Das wäre dann so ähnlich wie der Drehknopf. Es wäre in jedem Fall einen Versuch wert.

Ich werde noch einmal das Gespräch mit der Heimleitung suchen, ich will einfach, dass für meine Mutter Ruhe einkehrt.


17.11.2019 | 21:17
hanne63

Hallo Ekirlu,
so ähnlich erlebe ich das leider auch bei meiner Mutter im Heim auf einer sog. beschützten Demenzstation....sie lebt in einem 2-Bett-Zimmer...aber ständig kommen andere Bewohner der Station ins Zimmer...benutzen das Bad, WC, ziehen sich aus und stehen in Windeln da...oder gehen auch an die Schränke..die sind aber abgeschlossen meistens...ich selbst würde da verrückt werden...bei einem Besuch..habe ich keine ruhige Minute mit meiner Mutter dort...es ist schrecklich...
zum Glück reagiert meine Mutter nicht aggressiv...aber vermutlich auch aufgrund der Medikamente....
es ist offenbar sehr häufig der Fall auf solchen Stationen...dass andere Bewohner ins Zimmer kommen...wenn Ihre Mutter noch nicht so schwer demenz-erkrankt ist..wäre evtl eine andere Station..anderes Heim..geeigneter??

viel Glück und viel Gelassenheit und Geduld...

18.11.2019 | 20:31
ekirlu

Guten Abend,
ich hatte heute ein Gespräch mit der Stationsleitung. welches doch recht positiv verlaufen ist. Die Stationsleitung hatte sich schon einige Gedanken gemacht, fand ich sehr beruhigend, ich fühlte mich mit der Problematik ernst genommen. Wir werden jetzt doch als Sofortmaßnahme den Zimmerschlüssel versuchen. Ob meine Mutter damit zurecht kommt, müssen wir abwarten. Man wollte noch heute mit dem Training beginnen. Dann soll eine dunkle Matte vor die Tür gelegt werden, da Menschen mit dem Krankheitsbild von Frau E. davor zurückschrecken, diese zu betreten. Der Drehknopf für die Zimmertür ist bestellt, je nach Situation kann das ausprobiert werden. Sehr angetan war ich von einem Lösungsansatz, der wohl aus den Niederlanden kommt: Die Zimmertür wird zweigeteilt (wie bei einer Tür für Pferde) dann kann der obere Teil geöffnet werden und der Bewohner kann noch am 'Leben' auf der Station teilnehmen, durch das Schließen des unteren Teils werden ungebetene Besucher ausgesperrt. Ob sich diese Lösung bei der Heimleitung allerdings aus Kostengründen realisieren lässt, bleibt abzuwarten. Aber es werden Versuche gestartet und das macht Mut..



Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker