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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Validation für Angehörige
18.11.2019 | 08:49
FridaB

Guten Morgen,
ich beschäftige mich in den letzten Tagen viel mit dem Thema Validation, da meine Mutter zunehmend aggressiver in Gesprächen reagiert und wir hier wohl einiges falsch machen. Also möchte ich lernen, wie ich es besser machen kann. Dazu habe ich mir diverse im Internet vorhandene Videos angeschaut, jedoch kratzen diese nur an der Oberfläche. Vieles ist mir völlig einleuchtend in der Theorie, in der Praxis ist das aber so schwer.
Kleines Beispiel:
Ich komme abends zu meinen Eltern und frage:
"Und, habt ihr schon zu Abend gegessen?"
Mein Vater (in sehr freundlichem Ton): "Nein, wir haben heute beschlossen, nichts zu essen, wir haben am Nachmittag schon so viel genascht, Kekse und Waffeln, stimmt's Waltraud?"
Ich (zu meiner Mutter in freundlichem Ton gewandt): "Das ist aber gut, zu viel Süßes ist ja auch gar nicht gesund."
Meine Mutter (in sehr aggressivem, lauten Tonfall): "Ich ess doch gar nichts Süßes!!!! Das ist doch zum kotzen hier, ich ess überhaupt nichts Süßes!!!" usw. usf.

Mir ist jetzt im Nachhinein schon klar, meine Mutter kann das Gespräch in keine zeitliche Abfolge mehr bringen und keine Zusammenhänge herstellen, sie fühlte sich angegriffen, dass ich ihr angeblich vorwerfe, sie würde zu viel Süßes essen.

Mir fällt es noch unheimlich schwer, demenzgerecht zu kommunizieren, ich bin immer liebevoll, zugewandt und freundlich zu meiner Mutter, nehme sie ganz oft in den Arm und sage wir sind füreinander da. Aber zunehmend entstehen jetzt diese Kommunikationsknoten und deshalb will und muss ich lernen.

Bei der Pflegekasse habe ich vor einem Jahr einen Pflegekurs beantragt, bis heute keinen bekommen. Nun meine Frage, wo gibt es eventuell Validationsseminare für Angehörige? Kann mir da jemand weiterhelfen?

18.11.2019 | 10:23
Rosina

Hallo,ich möchte dir darauf antworten,solche Kurse werden über die Krankenkasse angeboten und zwar kostenfrei,ich hatte mich dort erkundigt,und man hat mich auf eine Warteliste geschrieben,als sich genug Teilnehmer gemeldet hatten ,wurde mir der Termin mitgeteilt. Es waren 20 Stunden,immer als Doppelstunde,die Ausbildung ging um Demenz ,Arten,warum es dazu kommt und der Umgang damit.Der Vortragende bildet Pfleger aus,das war in
Erfurt.Es bleiben mir die Worte im Gedächtnis,wenn der Patient sagt,es steht ein Wolf vor der Tür,dann steht eben ein Wolf vor der Tür oder auch,sie könnten den ganzen Tag eingeschnappt
Sein aber sie sind nicht verpflichtet dazu.
Sie wollen helfen bekommen aber nur Vorwürfe,Verdächtigungen usw.zurück.Es liegt an ihnen,wielange sie die Betreuung übernehmen können,3 Jahre oder 5 oder 8.Manchmal gibt es solche Kurse auch an der Volkshochschule,die werden auch von den Krankenkassen getragen. Ich habe diese Kurse besucht ,zsie haben mir nur zeitweise geholfen,denn die Realität sieht doch noch anders aus.Aber es hilft zeitweise.Viel Glück.

18.11.2019 | 10:53
FridaB

Danke Rosina!
Aber ich habe ja bereits geschrieben, dass ich den beantragten Kurs bei der Krankenkasse bis heute nicht bekommen habe, auf Nachfrage habe ich die Begründung erhalten, dass sich nicht genügend Interessenten gemeldet haben. Nach einem Jahr für mich unwahrscheinlich, aber was will ich machen?
Unsere VHS bietet einen solchen Kurs leider auch nicht an, daher suche ich nach Alternativen.
Das mit dem Wolf vor der Tür ist mir völlig klar, mir geht es hauptsächlich um die Erlernung von Gesprächstechniken und wie ich in Krisensituationen deeskalierend reagieren kann. Ich finde, mit solchen Dingen werden wir Angehörigen am meisten alleine gelassen.

18.11.2019 | 11:06
hanne63

Hallo Frida,
ich habe an einem solchen Kurs teilgenommen. Ich stand auch auf einer Warteliste und mußte 3/4 Jahr warten bis ein Kurs zustande kam.
Es war sicher teilweise eine Hilfe für mich...aber wie Rosina schon schreibt: in der Realität und mit Fortschreiten der Demenz sieht es dann noch mal gaaanz anders aus....

Also erwarten Sie sich nicht allzuviel von solch einem Kurs. Man kann sich das Meiste davon auch gut anlesen.

Manchmal werden solche Kurse auch von der Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, Kirchlichen Organisationen etc angeboten....und dann über die Pflegekasse abgerechnet....ich habe damals von der eigenen Krankenkasse keinen Anbieter genannt bekommen, sondern mich selbst bei verschiedenen Organisationen durchfragen müssen....




[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 18.11.2019 um 11:06.]

18.11.2019 | 14:39
jochengust

Hallo FridaB,

ohne Bundesland oder Region zu kennen, kann ich Ihnen keinen direkten Anlaufpunkt nennen für Ihr Anliegen.

Nachfragen könnten Sie aber (sofern vorhanden) beim Kompetenzzentrum Demenz Ihres Bundeslandes, bei der regionalen Alzheimer Gesellschaft oder auch - wiederum abhängig vom Bundesland, in einem örtlichen Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz. Ggfs. hat auch Ihr örtlicher Pflegestützpunkt Kurstermine.

Viel Erfolg.

Es grüßt Sie

Jochen Gust

18.11.2019 | 15:16
FridaB

Hallo Herr Gust,
ich komme aus der Region Dresden.

Ich möchte auch keinen allgemeinen Demenzkurs besuchen, ich weiß inzwischen gut genug über die Krankheit an sich Bescheid, mir muss niemand mehr erklären was Demenz ist.

Allein die Kommunikation fällt mir immer noch unheimlich schwer, man kann sich in der Theorie so viel zurecht legen und vornehmen, aber dann in der Praxis und vor allem spontan und auf unvorhersehbare Reaktionen richtig zu reagieren, ist nochmal eine ganz andere Hausnummer. Dazu braucht es Grundlagen und Übung.

Noch ein Beispiel: Wenn ich meine Mutter aus der Tagespflegeeinrichtung abhole, beschwert sie sich immer, warum sie nicht M. abholt, ihr Mann (mein Vater). Sonst hat es immer gereicht, wenn ich sagte, er hat heute viel zu tun und deswegen hole ich sie ab, aber er wartet schon auf sie und freut sich, dass sie kommt. Dann war bisher immer alles in Ordnung. Neuerdings wird sie dann sehr böse und fängt an zu schimpfen, dass mein Vater was erleben könne, dem wird sie es aber zeigen, als ob er zu viel zu tun habe! So ein Quatsch!!!

Ich bin da einfach in spontanen Situationen nicht kreativ genug und das frustriert mich. Denn diese zunehmenden Beschimpfungen auszuhalten ist doch ziemlich schwer, wie ja hier alle zur genüge wissen und vielleicht kann ich das durch die richtige Kommunikation doch zumindest ein Stück weit verhindern.

18.11.2019 | 18:45
jochengust

Hallo FridaB,

ich konnte für den Raum Dresden eben keinen Kurs in Validation finden. Zumindest nicht für Angehörige. Ggfs. lohnt sich die Nachfrage bei der örtl. Alzheimer Gesellschaft: http://www.alzheimergesellschaft-dresden.de/ oder bei einer der hier genannten Stellen, ob 2020 so etwas vielleicht geplant, aber noch nicht veröffentlicht ist: https://www.dresden.de/media/pdf/sozialamt/Uebersicht_Angehoerigengruppen_Demenz.pdf .

Zu Ihrem Beispiel:
Ggfs. versuchen Sie beim nächsten mal keine (rationale) Begründung, kein Argument zu liefern warum der Ehemann nicht zum Abholen kam, sondern fokussieren auf das Gefühl, was hinter der Aussage Ihrer Frau Mutter steckt und versuchen dies als Ansatz.
Sprechen Sie über das Gefühl, das Sie wahrnehmen bei ihr und geben Sie ihr (nur) dazu eine Rückmeldung, statt zu erklären.
"Du ärgerst Dich...".
"Du würdest Dich sicherer fühlen, wenn Dein Mann....".

Schauen Sie einmal, was passiert, wenn Sie beim Gefühl bleiben, wenn Sie auf die "Aussage hinter der Aussage" schauen.
Und nein, ich will damit nicht sagen, dass es leicht ist. Nur, dass es es wert ist, es zu versuchen.

Ich hoffe, Sie finden alsbald einen entsprechenden Kurs.

Es grüßt Sie

Jochen Gust

22.11.2019 | 11:35
FridaB

Hallo Herr Gust,
vielleicht habe ich Glück, und sie können mir schnell antworten, bevor ich dann in die Tagespflege fahre.

Wenn ich beispielsweise zu meiner Mama sage "Du ärgerst dich, dass M. dich nicht abholt, stimmts?" Und sie dann vielleicht sagt "Ja, ich bin ärgerlich" Und ich sage "Du würdest dich sicherer fühlen wenn M. dich abholt?"
Und sie das wieder bejaht...wie aber führe ich das Gespräch zu Ende? Muss ich das überhaupt? Kann ich das beispielsweise so beenden indem ich sage "Ich verstehe deinen Ärger aber vielleicht ist es in Ordnung, dass ich dich jetzt zu M. heimfahre?"
Wäre das eine Möglichkeit?

22.11.2019 | 11:39
FridaB

Ich habe mir mangels Validationskursen in meiner Gegend das Buch "Brücken in die Welt der Demenz" gekauft und lese es gerade. Außerdem einige Videos von der Österreicherin Maria Hoppe angeschaut, diese Frau beeindruckt mich sehr. Als Tipp für andere...

Meine Mutter wischt ja momentan stundenlang mit den Händen den Wohnzimmertisch...ich habe meinem Vater angeraten, ihr einen Putzlappen zu geben und das Wohnzimmer putzen zu lassen...warum nicht? Außerdem habe ich gestern so reagiert, als ich kam und sie wieder wischte:
"Na, du bist wohl am putzen?"
Sie "Ja, ich muss putzen"
Ich "Du möchtest ja auch, dass immer alles sauber ist, das ist wichtig"
Sie "Ja, muss alles sauber sein"
Ich "Na dann hast du bestimmt nichts dagegen, wenn wir Haare waschen gehen, die müssen ja auch sauber sein"

Und ohne Stress hat sie mir Folge geleistet. Das war schon toll.



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