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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Zahlungsunfähigkeit
18.11.2019 | 16:14
Elisabetha

Ich habe gestern einen wertvollen und von mir dringend benötigten Beitrag zum Thema Zahlungsunfähigkeit, Insolvenz im Alter etc. gelesen und kann ihn nach einem Systemabsturz nicht mehr finden.

Wäre es möglich, mir bitte nochmals einen Hinweis zu geben, wo ich diesen finden kann?

Für Ihre Unterstüzung herzlichen Dank.

Elisabetha

19.11.2019 | 08:04
martinhamborg

Hallo Elisabetha, am 29.1.2013 hatte susanne1 eine Frage zu diesem Thema hier in unserem Forum. War diese Beitrag? Ihr Martin Hamborg

19.11.2019 | 18:05
Elisabetha

Sehr geehrter Herr Hamborg,
herzlichen Dank für Ihre Antwort. Ja, es war dieser Beitrag und ich habe ihn inzwischen auch gefunden.

Meine aktuelle Situation stellt sich ähnlich wie bei susanne1 dar. Somit wurden die meisten meiner wichtigsten Fragen in diesem Beitrag beantwortet.

Der Mann (85) meiner Mutter wurde aufgrund seiner neuerdings ausgeprägten Weglauftendenz zum zweiten Mal in einer geschlossenen gerontopsychatrischen Station aufgenommen. Der erste Aufenthalt liegt ca. 6 Monate zurück, damals war Alkoholmissbrauch Auslöser zu einem Demenzschub.

Die Atmospähre auf der Station empfand ich bei meinen Besuchen mehr als beklemmend. Es war fast klischeehaft, welche Szenarien sich abspielten (Schreien, Einnässen, Ausziehen etc.). Mein Mitgefühl für den Mann meiner Mutter hat mich fast zerrissen. Als ich beobachtete, wie eine erwachsene Tochter unter Tränen plötzlich aufsprang und ihre Mutter verabschiedete (die Mutter schimpfte sie permanent: "Du bist gemein, dass Du mich nicht mitnimmst"), war mir klar, dass ich mich viel zu sehr unter Druck setze, die Situation mit Ausgeglichenheit und Gelassenheit bewältigen zu wollen. Auch dieser Frau schien es das Herz zu zerreissen.

Heute war Sprechstunde für Angehörige, dadurch bekam ich die Gelegenheit, deren Reaktionen hautnah mitzuerleben. Es ist nicht in Worte zu fassen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Ich bin noch immer sprachlos. Mein Denken steht so massiv unter diesen Eindrücken, dass ich wie gelähmt bin. Dabei gibt es für mich so viele Baustellen zu bearbeiten. Durch eine Kaufsucht der beiden, von der ich hier bereits berichtet habe, ist das Gerüst der vereinbarten Ratenzahlungen zusammengebrochen. Nach einem Telefonat mit einer Schuldnerberatung sprach man mir die Empfehlung aus, sofort alle Überweisungen einzustellen und die Zahlungsunfähigkeit in einem entsprechenden Brief/E-Mail mitzuteilen. Mir wird jetzt schon ganz schlecht, wenn ich an die jeweiligen Reaktionen denke.

Obwohl sich die Ärzte heute für die Rückkehr in die häusliche Situation aussprachen, bin ich der Überzeugung, dass sich die Weglauftendenz und eine Verschlechterung seines Zustands wieder einstellen wird. Ein zuständiger Pfleger riet mir, gleich welches Ergebnis die Sprechstunde bringen werden uns unbedingt nach einem Heimplatz umzuschauen.

So weit, so gut! Wenn eine Unterbringung stattfinden muss, wird das nicht ohne Unterstützung durch das Sozialamt möglich sein. Die Konsequenz für meine Mutter, wird ebenfalls eine Veränderung der Wohnsituatin mit sich bringen, denn deren Einkünfte liegen unter der Pfändungsfreigrenze.

Die beiden erwachsenen Kinder aus der ersten Ehe ihres Mannes denken gar nicht daran, uns in irgendeiner Form zu unterstützen. Im Gegenteil, ich wurde mit Vorwürfen bombardiert, warum ich ihn nicht auf Normalstation verlegen lassen würde.

Meine Schilderungen sind weder für Sie, noch für die meisten der Besucher in diesem Forum Neuland. Dennoch hilft es mir ungemein, mich mitteilen zu können. Durch meine aktuellen Besuche in der Klinik stehe ich noch derart unter Schockstarre, dabei muss ich schnellstmöglich meine überlebenswichtigen Strukturen wieder aufnehmen, um die Baustellen zu befrieden.

Sie merken, in meinem Kopf herrscht das absolute Chaos. Aber auch dieser Tag geht vorüber.

Nochmals meinen herzlichen Dank für Ihre rasche Antwort.

Elisabetha

19.11.2019 | 20:02
Elisabetha

Sehr geehrter Herr Pawletko,

heute habe ich bereits einige Antworten von Versandhäusern auf mein Schreiben bezüglich der Zahlungsunfähigkeit meiner Mutter erhalten, in denen die Weiterleitung an das jeweilige Inkassobüro angekündigt wird.

Soll ich nun darauf reagieren oder nicht? Was empfehlen Sie mir?

Es grüßt Sie herzlich


Elisabetha

21.11.2019 | 20:48
Angehöriger

Guten Abend Elisabetha,

grundsätzlich empfehle ich (aber ohne jede Haftung oder Gewähr!) aus eigener Erfahrung, das Gespräch zu suchen. Auf Anhieb wüßte ich nicht, was dagegen spricht, mit den Zuständigen zu kommunizieren und Ihre Situation zu schildern. Sofern Ihr Gegenüber wenigstens ein Mindestmaß an Menschlichkeit aufweist, sollten Sie so besser aus der Nummer 'rauskommen als mit der üblichen Schuldnerstrategie "Kopf in den Sand stecken".

Haben Sie schon (z. B. durch einen Nachsendeauftrag bei der Post) dafür gesorgt, daß Ihre Eltern keinen Zugriff mehr haben auf Werbeprospekte und Bestellmaterial, damit nicht noch mehr Schulden entstehen können?

Oder/Und haben Sie sich zur gesetzlichen Betreuerin bestellen lassen, damit die Eltern rechtsgeschäftlich entmündigt sind? So können sie bestellen, was sie wollen, und SIE annullieren hinterher alles ohne daß Sie oder die Eltern dafür zahlen müßten.

Ich habe Ihre konkrete Situation viel zu wenig vor Augen als daß ich Ihnen präziser raten könnte, deshalb nur noch mal allgemein: sorgen Sie dafür, daß die Eltern entweder keinen Bockmist mehr fabrizieren können oder aber zumindest, daß das ohne finanzielle Folgen für Ihre Familie bleibt.

Und überdenken Sie, ob die Sichtweise der Kinder Ihres Stiefvaters nicht ihre Berechtigung hat (was ich nicht beurteilen kann, da ich nichts darüber weiß). Vielleicht liegt auch darin ein Funke Wahrheit und somit eine Möglichkeit, Ihre eigene Be- oder Überlastung zu reduzieren.

Auch wenn ich die extreme Verschuldungsmanie heutzutage auf den Tod nicht leiden kann (da ich dadurch in vielfältiger Weise selber geschädigt werde, während die Schuldner es sich gut gehen lassen), stelle ich noch folgendes in den Raum: was wäre so schlimm daran, wenn Ihre Eltern überschuldet wären? Deutschland ist de facto ein Paradies für Schuldner; die können hier machen, was sie wollen, leben weiterhin auf relativ großem Fuß und sind ein paar Jahre später schuldenfrei. Wenn's also gar nicht anders geht, lassen Sie sie in die Insolvenz rutschen. Dann gucken die Versandhäuser etc. in die Röhre und Ihre Eltern können sich bis zur Pfändungsfreigrenze die Notwendigkeiten für den Alltag leisten. Außerdem sorgt der Wohlfahrtsstaat dafür, daß sie weder verhungern noch obdachlos werden.

Sie kennen doch bestimmt den Spruch "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's völlig ungeniert." Das gilt heutzutage insbesondere für die Finanzen, schließlich will die Staatsmacht ja, daß die Leute auf Teufel komm raus konsumieren, um das Wirtschaftswachstum zu fördern. Früher kamen die Leute bei Zahlungsunfähigkeit in den Schuldturm, heutzutage werden sie mit schneller Insolvenzabwicklung belohnt und können weiterhin über ihre Verhältnisse leben.

Also: wäre es wirklich dramatisch für Ihre Eltern oder "nur" peinlich, wenn sie in die Insolvenz gingen? Würden sie es überhaupt realisieren?

23.11.2019 | 22:14
hanne63

Hallo Angehöriger,

ich denke inzwischen ähnlich wie Sie...
nein...die kranken Angehörigen würden es nicht realisieren....

allerdings würde das ganze Familienvermögen den Bach runtergehen...

darf man sich als eventueller zukünftiger Erbe da keine Sorgen machen?

ich mache mir welche und möchte mich dafür auch nicht rechtfertigen müssen.....

an alle, die mitleiden müssen derzeit...viele Grüße

24.11.2019 | 08:54
Elisabetha

Guten Morgen, Angehöriger, guten Morgen Hanne63,

ich freue mich, dass Sie zu diesem Thema Stellung nehmen. Rückblickend hätte ich diesem Wahnsinn sicher früher Einhalt gebieten können. Nach mehreren Telefonaten mit der Alzheimer-Gesellschaft erklärte man mir, dass sich das Verhalten der Angehörigen in einem Entwicklungsprozess befindet und das logische Erkennen, nicht automatisch bedeutet, entsprechend handeln zu können. Ich lasse dies einfach so stehen, denn Selbstvorwürfe bringen mich heute auch nicht weiter.

Obwohl ich inzwischen den für mich "harten Schritt" gegangen bin und den Gläubigern die Zahlungsunfähigkeit mitgeteilt habe, kommen mir immer wieder Zweifel, ob dies richtig war, ob ich so etwas tun darf. Ja - ich darf! Ich es muss sogar! Gestern erhielt ich den ersten Brief eines Inkasso-Unternehmens. Also werde ich morgen Kontakt aufnehmen und die Sachlage schildern. Gleich was kommt, da muss ich jetzt durch.

Ich erlebe zwei Menschen, die nunmehr weder miteinander, noch ohneeinander leben können und sich total auf mich fixieren. Sobald ich die Wohnung verlasse, fallen beide in einen erholungslosen Tiefschlaf. Gerade jetzt müsste er Ansprache erleben und beschäftigt werden, aber meine Mutter ist nicht mehr in der Lage dazu. Selbst im Schlaf hält sie sich mit einer Hand die Augen zu, wohl um das Elend nicht anzusehen zu müssen. Er hat nun eine Woche auf der geschlossenen Gerontopsychatrie im wahrsten Sinne des Wortes "ausgesessen". Pflegeleicht, freundlich, unauffällig. Hier zu Hause ist er bereits wieder in die alte Gangart verfallen.

Gestern besuchte ich ein Foodsharing-Treffen, bei dem gerettete Lebensmittel mitgenommen werden durften. Auch wieder eine Überwindung für mich. Dieses Thema interessiert mich schon sehr lange und war mich in unserer jetzigen Situation ein Rettungsanker. Vor Wochen hatte ich mich per E-Mail erkundigt, ob und wann diese Treffen auch bei uns in der Nähe stattfinden. Als ich bei einem Besuch angesprochen wurde, wie ich auf diese Initiative aufmerksam geworden bin, traf ich exakt auf die Person, mit der ich gemailt hatte. Ich war so erleichtert und auch berührt über deren freundliche und herzliche Reaktion. Man nahm mich sogar in einen Verteiler auf, von dem ich regelmäßig über sogenannte "Essenskörbe, etc. " informiert werde.

Nun bin ich inmitten des Strudels, vor dem ich so Angst hatte. Ich gehe Schritt für Schritt weiter, so wie es meine Kraft aktuell zulässt. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, nicht wahr.

Vielen Dank für Ihre Empfehlungen, deren Umsetzung nun unumgänglich geworden sind und die moralische Unterstützung!

Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen

Elisabetha

25.11.2019 | 20:36
Angehöriger

Guten Abend Hanne,

Ihr Einwand mit dem Familienvermögen ist mehr als berechtigt; wenn ein solches existiert, sieht die Situation natürlich anders aus, wobei "Profischuldner" auch da wissen, wie sie andere betrügen und trotzdem ihre Schäfchen im Trockenen behalten.

Ich würde allen sorgenden Angehörigen DRINGENDST davon abraten, eine Betreuung beim Amtsgericht anzustrengen, wenn nennenswerte Einkommens- oder Vermögensverhältnisse existieren, weil man dann eine Form von Entmündigung erleben wird, wie sie sich die allermeisten wohl kaum vorzustellen wagen. Zumal, wenn noch ein steuerlicher Gestaltungsbedarf (im Rahmen der LEGALEN GESETZLICHEN Freibeträge) bzgl. der zu erwartenden künftigen Erbschaftssteuer besteht. Im Fall von Elisabetha war ich allerdings davon ausgegangen, daß die finanzielle Lage (leider) eher bescheiden ist.


Guten Aben Elisabetha,

die von Ihnen beschriebene Angst werden Sie schnell loswerden, sobald Sie sich aktiv einbringen. Was es aus meiner Sicht übrigens noch moralisch leichter macht, ist, daß ich keinerlei Mitleid mit Unternehmen und Institutionen habe, deren Geschäft darin besteht, unbedarfte Mitbürgerinnen und Mitbürger in Verschuldung bzw. Überschuldung zu treiben. Und dazu zählen für mich eben auch Versandhäuser und Banken, die Konsumkredite bzw. -schulden aufzwängen. Die sollen ruhig Geld an Ihnen verlieren! Achten Sie nur darauf, daß die "Guten" im Spiel wie Pflegedienste und andere Dienstleister ihr Geld bekommen, was sie sich redlich verdient haben.

Sofern Sie trotz der unglücklichen Finanzlage der Eltern noch ein paar Euro erübrigen können, lohnt es sich nach meiner neuesten Erfahrung, diese in gute Dienstleister(innen) zu investieren. Das erprobe ich seit kurzem bei meiner Mutter und es kommen viele positive Rückmeldungen bei mir an. Vielleicht / Hoffentlich haben Sie auch eine solche Möglichkeit! Ich habe dazu schlicht Kleinanzeigen geschaltet. Man sollte nicht sofort ein perfektes Ergebnis erwarten; lieber immer mal wieder für kurze Zeit inserieren, dann pausieren, wenn nichts fruchtet, und eine Weile später erneut versuchen. Damit das nötige Quentchen Glück seine wohlverdiente Chance erhält.

27.11.2019 | 20:02
martinhamborg

Hallo an die Runde! Danke für die guten Ideen für die große Not. Ich möchte nur kurz ergänzen, dass ich auch von den Schuldnerberatungen Tipps und Anregungen erwarten würden. Ihr Martin Hamborg



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