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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Klempner hat geklaut und Jahre später die Sachen zurück gebracht
27.11.2019 | 21:15
Oliver

Meine Mutter (80) lebt alleine in einem Haus.

Sie hat seit langer Zeit ein Problem mit dem Wegwerfen von Sachen, gemeinhin "Messy-Syndrom" genannt. Sie ist ansonsten aber sehr perfektionistisch und reagiert sehr gereizt, wenn ihr jemand sagt, dass sie dies hätte.

Vor zwei Jahren mussten im Keller einige Wasserleitungen erneuert werden. Dabei mussten natürlich zwangsläufig auch einige Sachen umgeräumt werden. Danach meinte meine Mutter, ein Angestellter unseres Klempners hätte ihr einige Bücher aus dem Keller geklaut. Ich war mir damals schon unsicher, weil diese Bücher eigentlich völlig wertlos waren, etc. und Sie auch nicht sagen konnte, welche Bücher ihr geklaut worden sind. Auf den Einwurf, dass die Sachen vielleicht nur verlegt sind, reagierte Sie ablehnend. Wir einigten uns letzten Endes darauf die Sache auf sich beruhen zu lassen, und nur beim nächsten Mal auf einem anderen Angestellten zu bestehen.

Jetzt rief mich meine Mutter bestürzt an, dass der Angestellte des Klempners (oder der Klempner selbst) in ihre Wohnung eingebrochen sei. Er hätte ihr Sachen zurückgebracht, und auch Sachen, die ihr überhaupt nicht gehörten mit deponiert. Es gibt keinerlei Einbruchspuren. „Der Kerl muss damals einen Nachschlüssel gemacht haben.“ Es gibt für mich keinerlei Anzeichen, dass jemand im Haus war. Alles sieht nach Muttis „Ordnung“ aus (Details der Sortierung, Platzierung, Beschriftung, …). Auf freundliche, sachliche Begründungen warum es extrem unwahrscheinlich ist, wie sie es sieht, reagierte sie extrem verletzt und aggressiv. Nur welcher Einbrecher bringt nach zwei Jahren Gerümpel zurück?

Ich konnte ihr erst Mal ausreden den Klempner zur Rede zu stellen,
oder zur Polizei zu gehen.
Ich darf ihr ein neues Schloss einbauen.

Beginnende Demenz? Es gibt vielleicht andere leichte Anzeichen. Bin mir aber nicht sicher. Eigentlich hatte sie immer ein Gedächtnis wie ein Elefant. Viel besser als meins.
Ich bin echt ratlos, wie ich nun weiter vorgehen soll. Wie reagiert man auf so etwas? Hätte ich ihr den Gang zur Polizei/zum Klempner besser nicht ausreden sollen?

Bin beruflich ohnehin im Stress und habe nur eingeschränkt Zeit, wenn ich meinen Job nicht gefährden will.

27.11.2019 | 21:45
Barbara66

Hallo Oliver
Ja,das sieht ganz nach einer beginnenden Demenz aus.
So ähnlich fing es im Januar 2017 bei meiner Mutter auch an.
Die Polizei wurde gerufen,da sie einen Einbrecher vor der Tür (mit einem Beil ??)gesehen hatte und ein Knacken im Türschloss gehört hatte!!??
Nachdem die Polizei wieder weg war und sie und meinen Vater beruhigt hatte,daß die Haustür sehr einbruchssicher sei,sind wir runter gefahren.
Wir haben ihr das voll abgenommen,weil sie total klar war -fit wie immer.
Mein Bruder hat zusätzlich noch eine Kamera gekauft, die wir anbringen wollten.Dann war erstmal Ruhe.
Ein paar Wochen später traf sich angeblich ein verliebtes Pärchen vor ihrer Haustuer! !??
Der Rest des Jahres verlief relativ ruhig.
Im Februar 2018 wurde die Polizei auch wieder von ihr gerufen,da sie immer ein schreiendes Kind hörte.
Auch das haben wir ihr geglaubt -sie war ja klar !!!!!
Erst als ein paar Tage später die Polizei bei mir war und mich dazu befragte(immer wenn sie kämen, wäre nichts zu hören ),machte es klick und mir wurde langsam klar,daß hier etwas nicht stimmen konnte.
Ich habe sofort den Hausarzt angerufen und einen Termin vereinbart.
Es folgte eine sofortige Einweisung in die Psychiatrie - Diagnose :Psychose/Delir.
Sie wurde mit Medikamenten behandelt und kam im August erneut in die Psychiatrie. Meine Recherchen ergaben dann die schrecklichste aller Demenzen , die Lewykoerperchendemenz. Eine Demenzform mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen.
Seitdem machen wir die Hölle durch und kommen nicht mehr zur Ruhe.Diese Diagnose,mit der wir niemals gerechnet hätten, hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen.
Suche zuerst mal den Weg zum Hausarzt und dieser wird dann sicher an einen Neurologen ueberweisen.
Alles Gute
Barbara

28.11.2019 | 07:47
jochengust

Hallo Oliver,

wenn Sie befürchten, dass Ihre Frau Mutter eine Demenz entwickelt, ist zunächst der Besuch beim Hausarzt anzuraten. Dieser wird ggfs. an einen Facharzt weiterüberweisen zur Abklärung.
Ggfs. gibt es in erreichbarer Nähe auch eine sog. Memory-Clinic / Gedächtnisambulanz.

Etwas zum Thema erfahren Sie hier:
https://www.wegweiser-demenz.de/informationen/medizinischer-hintergrund-demenz/wegen-vergesslichkeit-zum-arzt/diagnose-demenz-demenztest.html
oder hier: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-demenz/krankheitsbild-und-verlauf.html#c8238

Für Fragen zur Diagnose stehen Ihnen auch dieses Forum zur Verfügung: https://www.wegweiser-demenz.de/no_cache/weblog-und-forum/rat-im-internetforum.html?tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_topic&tx_mmforum_pi1%5Bfid%5D=2

Es grüßt Sie

Jochen Gust

28.11.2019 | 10:10
Oliver

Danke für den Zuspruch. Auch wenn die Prognosen nicht gerade beruhigend sind.

Der Hausarzt, zu dem meine Mutter vertrauen hatte, ist vor Jahren verstorben. Vom Nachfolger in der Praxis hatt sie nie was gehalten. Sie hat die Praxis gewechselt. War da aber auch nur ein Mal.
Sie ist im Wesentlichen körperlich fit, und lebt alleine.

Bei dem Arzt ohne Sie darüber sprechen? Wie ist das mit dem Patientengeheimnis? Bei meinem eigenen Hausarzt darüber sprechen?

Wegen des Verdachts selbst wird meine Mutter nie freiwillig zum Arzt gehen.

Sie hat ja nach 20 Jahren, und immer mehr zugekramten Räumen, auch immer noch nicht eingestanden, dass Sie ein Problem mit dem Wegwerfen hat. Und lässt sich da auch nicht helfen.

28.11.2019 | 18:41
Angehöriger

Guten Abend Oliver,

sofern noch nicht vorhanden, wird es nun auch allerhöchste Zeit für die Beschaffung von Patientenverfügung, Bankvollmacht und (notarieller) Vorsorgevollmacht.

Zu den Themen können Sie hier und woanders viel nachlesen und erfahren.

Unerfreulich, aber unbedingt notwendig! Leider mitunter nur mit großem Widerstand zu erlangen.

28.11.2019 | 23:40
Oliver

Halluzinationen hat meine Mutter, so weit ich weiß, keine. Sie hat den Einbrecher ja nie gesehen oder gehört.

Nur ihr Gedächtnis ist nicht mehr so perfekt, wie es mal war. Nach Beurteilung Außenstehender könnte es aber immer noch ziemlich gut sein.

Sie kann sich genau darin erinnern, welche lange Liste von Gegenständen sie mir vor Stunden mündlich zum Einkaufen aufgetragen hat, und was Ich dann vergessen habe.

Auf der anderen Seite fragte sie mich heute, wo die Außenweihnachtsbeleuchtung im Keller wäre, Sie könnte sie nicht finden. Ich kümmere mich jedes Jahr um Auf- und Abbau, von daher nicht völlig unnormal. Sie befand sich gut auffindbar in durchsichtigen Kunststoffboxen von mir. Sie meinte, sie hätte nach Pappkartons gesucht und sich nicht an die Boxen erinnert. Damit könnte ich leben, auch wenn Sie mir früher mal gesagt hatte, dass sie die Lösung mit den Boxen toll fände.

Nur eine viertel Stunde später zeigte Sie mir ein unwichtiges Buch, neben anderem Zeug, dass sie da so niemals deponiert hätte, das müsste eindeutig zu den Büchern gehören, die der Klempner geklaut und zurückgebracht hätte.
Das Buch war aber von 2018, also nach dem "Diebstahl". Ihre Erklärung auf den Hinweis: Der Klempner muss dann wohl auch 2018 schon mal heimlich bei ihr eingestiegen sein.
Ich solle ihr Gedächtnis nicht anzweifeln, dass sei immer noch perfekt.

Weihnachtsbeleuchtung?

Wilde Stapel von Büchern gab und gibt es in fast allen Räumen. Das Buch ist keine Socke im Kühlschrank. Niemand würde die Lage auffällig finden, außer Mutti.

Tschuldigung, musste mir das gerade einfach mal von der Seele schreiben. Eine Stunde mit Mutti, und ich bin nach zwei Stunden immer noch mit den Nerven runter.

29.11.2019 | 04:06
hanne63

Hallo Oliver,
aus meiner Einschätzung sind Sie jetzt noch ziemlich am Anfang....es wird schlimmer werden..
Deshalb würde ich Ihnen raten alle möglichen Vollmachten ..Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung...etc....zu erstellen..
und sich zu informieren...über die Erkrankung und örtliche Hilfsmöglichkeiten...
Wenn Sie allerdings nicht vor Ort wohnen und beruflich oder aus anderen Gründen die Zeit gar nicht aufbringen können... dann wäre daran zu denken, eine rechtliche Betreuung durch einen Berufsbetreuer bei Gericht zu beantragen...mit allen Konsequenzen dann halt auch leider....
erst mal im Ruhe nachdenken...aber Handeln ist angesagt...
liebe Grüße



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