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Ratgeberforum "Gesetzliche Leistungen"

Bild: Ratgeberforum "Gesetzliche Leistungen" Menschen mit Demenz haben Anspruch auf Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung, um ihre medizinische Versorgung, Betreuung und Pflege zu finanzieren. Manchen steht auch ergänzende Sozialhilfe zu. Die Sozialarbeiterinnen Renate Gascho und Birgit Spengemann verfügen gemeinsam über mehr als 45 Jahre Berufserfahrung in der Betreuung und Beratung älterer und demenzkranker Menschen. Sie wissen, was Betroffenen zusteht und beraten im Internetforum kompetent zu leistungsrechtlichen Fragen. Bitte beachten Sie dabei, dass die Auskünfte allgemein gehalten sind. Auskünfte zu landesspezifischen Sonderleistungen wie z. B. Pflegewohngelder sowie das Errechnen von Leistungen im Einzelfall können bei der Beantwortung der Anfragen nicht berücksichtigt werden. Bitte wenden Sie sich hierzu an Ihre zuständige Behörde.

Autor Erhöhung der zusätzlichen Betreuungsleistungen
18.11.2011 | 17:22
Enkelkind

Sehr gehrte Ratgeber,

meine Mutter erhält Pflegestufe 1 und 100€ "Demenzgeld". Nach neuen Befunden ist sie an Alzheimer erkrankt. Ich möchte sie nun, statt an zwei Tagen, die ganze Woche in der Tagespflege unterbringen und eine Erhöhung des "Demenzgeldes" auf 200€ beantragen.
Macht das eine erneute Begutachtung durch den MDK erforderlich, den wir in sehr schlechter Erinnerung haben, oder kann das auch auf der Grundlage von neurologischen Gutachten von der Kasse bzw. dem MDK entschieden werden?
Kann Pflegestufe und/oder "Demenzgeld" bei einer erneuten Begutachtung wieder aberkannt werden?

Vielen Dank!

19.11.2011 | 20:03
birgitspengemann

Sehr geehrtes Enkelkind,

wenn Sie für Ihre Mutter einen Antrag auf Erhöhung des zusätzlichen Betreuungsgeldes gemäß § 45 SGB XI stellen, wird dieser grundsätzlich an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) zur Prüfung weitergeleitet. Das heißt, es wird wieder eine Begutachung in der häuslichen Umgebung stattfinden.

Es ist zwar wichtig, dass sie ein Attest des behandelnden Arztes vorweisen können, in dem die Diagnose Demenz oder Alzheimer bescheinigt wird, für die Einstufung des Betreuunggeldes reicht dies leider nicht aus.

Bei demenzbedingten Fähigkeitsstörungen wird ein spezielles Screening durchgeführt, in dem die psychosozialen Aktivitäten des täglichen Lebens untersucht werden. In dem Screening werden die vorhandenen krankheitsbedingten Auffälligkeiten beziehungsweise Defizite herausgearbeitet und danach die Höhe des Betreuungsgeldes festgelegt.

Wenn Sie folgenden Link öffnen, erhalten Sie eine Übersicht der Fähigkeitsstörungen, die untersucht werden und unter welchen Bedingungen ein Anspruch auf das erhöhte Betreuungsgeld (200,-€) besteht.
http://www.seniorenberatung-neukoelln.de/system/files/31_Pflegeleistungsergaenzungsgesetz_0.pdf

Ich wünsche Ihnen diesmal angenehmen und verständnisvollen Besuch vom MDK.

Mit freundlichen Güßen
Birgit Spengemann

20.11.2011 | 15:18
Enkelkind

Sehr geehrte Frau Spengemann,

vielen Dank für Ihre Antwort. Würden Sie mir bitte noch die Frage beantworten, ob bei dieser erneuten Begutachtung die Pflegestufe und/oder das "Demenzgeld" wieder aberkannt werden kann?
Nach unseren negativen Erfahrungen möchte ich da kein Risiko eingehen.

Vielen Dank!

20.11.2011 | 19:03
birgitspengemann

Sehr geehrtes Enkelkind,

bitte entschuldigen Sie meine Unaufmerksamkeit. Die zweite Frage soll natürlich auch beantwortet werden.

Es kann passieren, dass eine Pflegestufe nach einer erneuten Begutachtung aberkannt oder heruntergestuft wird. Ebenso kann dies mit dem zusätzlichen Betreuungsgeld geschehen. Auch wenn allgemein bekannt ist, dass es bei demenziellen Erkrankungen oder der Alzheimerkrankheit keine Besserung gibt und nach einem festgelegten Raster begutachtet wird, kann es trotzdem zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Das hängt sicher auch von der jeweiligen Tagesform des Erkrankten ab.

Gerade deshalb ist es sehr wichtig, sich auf den Besuch des Gutachters vorzubereiten, zum Beispiel indem alle Pflegemaßnahmen und auch die Fähigkeitsstörungen notiert werden. Ich werde in den nächsten Tagen näher darauf eingehen, wie Sie sich noch besser auf eine erneute MDK-Begutachtung vorbereiten können. Bitte haben Sie noch ein wenig Geduld.

Mit freundlichem Gruß

Birgit Spengemann

20.11.2011 | 23:12
Enkelkind

Sehr geehrte Frau Spengemann,

herzlichen Dank für die schnelle Antwort.
Da ich jetzt schon den Antrag, der in dem Fall eine erneute Begutachtung nach sich ziehen würde, eigereicht habe, meine letzte Frage zu diesem Thema:
Können wir eine erneute Begutachtung auch ablehnen?

21.11.2011 | 22:28
birgitspengemann

Sehr geehrtes Enkelkind,

das Ablehnen der Begutachtung nach Beantragung von Leistungen der Pflegeversicherung ist sicher nicht Ziel führend. Der Antragsteller unterliegt einer gewissen Mitwirkungspflicht, ansonsten kann nicht über den Antrag entschieden werden. Das bedeutet, er würde abgelehnt werden.

Wenn Sie bereits unangenehme Erfahrungen während einer Begutachtung gemacht haben, rate ich dazu, dass Sie die Begutachtung möglichst detailiert vorbereiten und den Begutachtungsverlauf dokumentieren.
Wenn sich ein Gutachter zum Beispiel Menschen verachtend oder rassistisch äußert oder seiner Sorgfaltspflicht nicht nachkommt (Begutachtungsdauer von nur 15-20 Minuten), sollte dies dem MDK schriftlich mitgeteilt werden.

Hier noch einige Tipps für die Begutachung von Demenzkranken:

- Sorgen Sie dafür, dass der Gutachter den Erkrankten in der Alltagssituation antrifft. Lehnt der Erkrankte zum Beispiel die Körperpflege ab und riecht unangenehm, dann sollte der Gutachter das auch so vorfinden.

- Am Tag der Begutachtung sollte unbedingt die /eine Pflegeperson mit anwesend sein, die den Hilfebedarf des Betroffenen kennt und darüber Auskunft geben kann.

- Als Betreuer oder Pflegeperson des Erkrankten können Sie vom Gutachter ein 4-Augen-Gespräch einfordern. Darin können Sie Themen ansprechen, die dem Erkrankten unangenehm sind und deshalb geleugnet werden, z.B. Inkontinenz.

- Halten Sie alle Pflegemaßnahmen, die geleistet werden, vorab schriftlich in einem Pflegetagebuch fest, damit diese auch berücksichtigt werden.

- Werden zusätzliche Betreuungskosten beantragt, sollte der Hausarzt oder ein Neurologe die Diagnose Demenz oder Alzheimer in einem Attest bestätigen.

Ein abschließender Tipp - Sie können gegen den Bescheid der Pflegeversicherung innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen, wenn Sie mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind.

Mit freundlichem Gruß
Birgit Spengemann

22.11.2011 | 08:00
Enkelkind

Sehr geehrte Frau Spengemann,

noch einmal vielen Dank für Ihre Auskünfte.
Doch die momentane Gesetzgebung ist nun einmal so, dass Demenz nicht genügend bei der Pflegebedürftigkeit berücksichtigt wird. Deshalb lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.

Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Woche!

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 22.11.2011 um 08:06.]



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