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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Richtiger Umgang - in Ruhe lassen gegen ständige Beschäftigung
27.12.2019 | 16:33
Benz

Hallo,

meine Mutter ist 71 und die Demenz ist inzwischen soweit, dass wir Sie vor kurzen in Pflege geben mussten. Sie ist auf Hilfe angewiesen und nicht mehr in der Lage irgendetwas komplett alleine hinzubekommen.

Wir haben uns für ein Heim entschieden, welches auf Demenzpatienten spezialisiert ist.
Dieses vertritt die Philosophie, die Bewohner auch mal "sich selbst zu überlassen". Diese dürfen also in ihrer eigenen Welt sein und sich im gesamten Haus frei bewegen.

Dies ist aber genau das Gegenteil von dem, was mein Vater getan hat. Er hat immer für möglichst viel Beschäftigung gesorgt und ist nun der festen Überzeugung, dass das Heim nicht das richtige Vorgehen hat. Außerdem ist er der Meinung, dass meine Mutter diverse Fähigkeiten eingebüßt hat z.B. Toilettengänge und Zähneputzen, wobei dies auch zu hause nicht mehr möglich war.

Er ist sehr Fakten orientiert und reden hilft nicht sonderlich viel.

Daher folgende Fragen:

- Wie ist der richtige Umgang mit dementen Patienten?

- Gibt es Empfehlungen für Studien oder Lektüre?

- Andere Ratschläge?

Vielen Dank
Gruß
Benjamin

28.12.2019 | 09:37
martinhamborg

Hallo Herr Benz, natürlich können wir von außen nicht sagen, was für Ihre Mutter richtig ist. Eine sogenannte Zwangsbeschäftigung im strengen Regiment ist für Menschen mit Demenz in der Regel nicht hilfreich, genauso wenig wie ein völliges sich selbst überlassen sein. Wenn Ihre Mutter aber entspannt neue Kontakt findet und sich im Alltag und besonders in der Begegnung mit anderen beschäftigen kann, verbessert dies oft die Stimmung, das Einleben und die sozialen wie kognitiven Fähigkeiten.
Eine andere Frage ist es, wie Sie Ihren Vater unterstützen können, dass er mit überfordernden Erwartungen loslassen kann und Vertrauen in das Heim aufbaut. Eine Hilfe kann sein, immer wieder den Blick auf kleine Erfolge und positive Erfahrungen zu lenken. Ein klassisches Gedächtnistraining hat nur dann einen positiven Effekt, wenn es Spaß macht, Erfolgserlebnisse in der Gruppe vermittelt und die soziale Einbindung unterstützt. Der eigentlich Trainingseffekt ist immer weniger zu erwarten, je mehr die Demenz zunimmt.
Ihnen auch ein schönes Jahresende, Ihr Martin Hamborg

28.12.2019 | 18:44
klauspawletko

Hallo Herr Benz,
Ihr Vater fühlt sich vielleicht "abgemeldet", jetzt wo das Heim alles übernommen hat.
Kann man ihn nicht einbinden? Ein gutes Heim müsste doch auch ein Konzept haben, wie man Angehörige an der Betreuung beteiligt. Davon hätten beide Seiten etwas: Ihr Vater würde das Betreuungskonzept des Heimes kennen lernen und das Heim würde Entlastung erfahren.
Das ist natürlich abhängig vom Naturell Ihres Vaters, aber das können Sie wahrscheinlich beurteilen. Sprechen Sie doch einmal mit der Pflegedienstleitung darüber. Einen Versuch ist es Wert!
Alles Gute wünscht Ihnen
Klaus Pawletko



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