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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor demenz? und dann?
29.12.2019 | 19:58
eva88

hallo,

mein Vater ist 78 Jahre alt. Seit dem Tod meiner Mutter (2014) habe ich mich um ihn gekümmert, da er seit 2014 Darmkrebs hat. Er hat Bluthochdruck, Cholesterin und ist seit 20 Jahren chronisch Herzkrank. Er muss jeden Tag 9 verschiedene Tabletten nehmen, was er auch selbstständig gemacht hat. Aus dem Erbe meiner Mutter stehe ich jetzt auch mit im Grundbuch und habe das Einfamilienhaus gemeinsam mit meinem Vater bewohnt. Er ist stark schwerhörig, sein Fernseher läuft immer sehr laut und die Nachbarn haben sich deshalb auch schon beschwert. Morgends um 4 h fängt er an Holz zu hacken auf dem Marmorboden vor dem Kachelofen - ok
Er hat Depressionen, was mir jetzt auch seine Hausärztin bestätigt hat. (Einmal hat er mich gefragt, ob ich den Hund reingelassen habe. Wir haben gar keinen Hund. Auf meine Nachfrage, ob er das geträumt hat, war er fest davon überzeugt, da sei ein Hund in seinem Zimmer gewesen. Wir wohnen auf dem Land, es wäre evtl möglich, wenn auch sehr unwahrscheinlich). Seine Medikamente habe immer ich online bestellt. Er kann keine Formulare ausfüllen. Alle schriftlichen Angelegenheiten habe ich für ihn geregelt.
Anfang Dezember hatte er wieder einen Autounfall, an dem er angeblich nicht schuld war. Zeitgleich hat er angefangen mich täglich zu beschimpfen, Türen zu schlagen und zu schreien (auch draußen auf der Straße vor meinem Fenster, an dem Tag weil ich Wäsche gewaschen habe). Da ich Angst hatte, musste ich nachts meine Schlafzimmertür abschließen. Er hat auch eine Waffe (ob er die Salzsäure noch hat, weiß ich nicht, Hatte er mir mal gezeigt und ich gedrängt die bitte fachgerecht zu entsorgen). Er hat immer gesagt, wenn er pflegebedürftig wird, erschießt er sich). Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung liegen auf seinem Tisch. Hat er natürlch, da Formular nicht ausgefüllt und ich ihn nicht weiter gedrägt, da er schon wenn ich Staub gesaugt habe in Tränen ausgebrochen ist und jeden Tag gejammert hat, er sterbe ("was ein elend").
Am 6.12. als er mich bei einem Streit (ich saß beim Abendessen Käsebrot, da ihn am Tag davor der Geruch von Spaghetti schon wieder hat schreien lassen) wieder angreifen wollte ("totschlagen"), habe ich das Haus verlassen und bin in ein Hotel gezogen.
Am 21.12. war ich zu Hause um nach dem Rechten zu sehen und habe gesehen, dass er meine Post geöffnet, gelesen und dann im Kachelofen verbrannt hat. Daraufhin war ich am 23.12. bei der Polizei (der Polizist war über meinen Besuch gar nicht erfreut, warum ich "jetzt mit so einem Fall käme"!) und habe das aufnehmen lassen. Seine Hausärztin konnte ihn nicht erreichen. Die Frau von der Sozialstation hat gesagt, solange er aggressiv ist. schickt sie da niemand hin, denn sie will sich auch nicht schlagen lassen. Beim Amtsgericht habe ich eine Betreuung für meinen Vater beantragt.
Wie muss ich mir das jetzt vorstellen, was passiert jetzt? wahrscheinlich verbrennt er jetzt jegliche Post.
wie kann ich wieder in das Haus einziehen, so dass es für mich keine Gefahr ist? Der Polizist meinte, ich solle warten und wenn ich was brauche aus dem Haus, es mit einem Polizisten betreten. Wie lange soll ich denn warten?
Das Amtsgericht hat gesagt, es dauert mehrere Wochen..
ich weiß nicht, was ich machen soll.
danke fürs lesen.
ich befürchte als nächstes verbrennt er all meine Sachen, die ja noch dort sind oder gleich das ganze Haus :(

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 29.12.2019 um 20:02.]

30.12.2020 | 00:43
hanne63

Hallo Eva88,
da Sie ja bereits bei Polizei und beim Betreuungsgericht waren, fällt mir nur noch ein, sofort selbst auch den sog. sozialpsychiatrischen Dienst einzuschalten (über Gesundheitsamt bzw. Landratsamt). Dort ist dann auch ein Amtsarzt zuständig, der eine zwangsweise Unterbringung in der (Gero)-Psychiatrie Ihres Vater wegen Fremdgefährdung veranlassen könnte.....dann könnten Sie auch wieder selbst in dem Haus wohnen, bzw. Ihre Sachen dort herausholen. Bei Gericht könnten Sie nocheinmal vorstellig werden und die Eilbedürftigkeit schildern.....am besten auch schriftlich.

Auch ein bestellter Betreuer braucht für eine zwangsweise Unterbringung nochmals einen gesonderten Gerichtsbeschluß. Es wäre auch zu überlegen, ob ein außenstehender Berufsbetreuer eingeschalten werden sollte, oder ob Sie selbst die Betreuung übernehmen wollen.

Ich bin selbst "nur" Angehörige.....vielleicht fällt den Fachleuten hier im Forum noch weiteres ein.....ich wollte nur schon mal auf die Schnelle antworten.....weil morgen, am Montag, ja der sozialpsychiatrische Dienst und somit auch ein Amtsarzt errreichbar sein dürfte. Schildern Sie den Ernst der Lage und lassen Sie sich nicht abwimmeln. Drängen Sie am besten auch dort auf eine eilige Entscheidung.
Denken Sie bitte immer auch an Ihren eigenen Schutz. Von daher finde ich es schon einmal gut, dass Sie in ein Hotel gezogen sind.

30.12.2020 | 16:29
eva88

beim Gesundheitsamt war ich heute. Die Frau da hat gesagt es kann 5 Wochen dauern. Ich soll ins Frauenhaus gehen. Nur wenn ich Strafanzeige stelle wg meiner verbrannten Post, geht es evtl schneller.
Beim Amtsgericht war ich heute auch nochmal, Eile wurde vermerkt und der Name seiner Hausärztin, die wohl die Untersuchung durchführen soll. Die ist aber überhaupt erst am 2.1. wieder da. Gegenüber der Polizei hat sie meinen Vater auch nur als "eigensinnig" beschrieben. Da erhoffe ich mir keine Hilfe.

Ich werde in den nächsten Tagen all meinen Mut zusammen nehmen und nach Hause gehen. Seine Wutanfälle soll ich dokumentieren auf Video. Sobald er wieder anfängt zu schreien und zu toben, werde ich den Notarzt rufen, damit er endlich untersucht wird, die richtige Behandlung/ Medikamente bekommt und endlich wieder Lebensqualität entstehen kann für uns alle.

30.12.2020 | 17:05
hanne63

Hallo Eva88,
da haben Sie heute schon einiges unternommen. Wenn Sie jetzt wieder nach Hause gehen und es tritt ein neuer Notfall ein, wo sich sich bedroht fühlen, können Sie natürlich auch wiederum die Polizei rufen!
Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass nur immer wieder neues anrufen und herbeirufen in Notfällen.....und immer wieder habe ich auch erneut alle beteiligten Stellen angerufen und informiert....also dass nur durch permanten Druck meinerseits und leider mehrmalige Vorfälle nötig waren...die Behörden dann etwas schneller in die Gänge kamen.
Ich drücke Ihnen die Daumen.

30.12.2020 | 19:54
Rosina

Hallo,Eva,das,was Sie erleben, ist ja furchtbar. Meiner Meinung nach müsste der sozialpsychiatrische Dienst informiert werden ,der eine Einweisu ng in eine Psychatrie veranlassen kann,denn es liegt ja Fremdgefährdung vor.Mir hatte es damals die Hausärztin geraten,als es mit meiner Mutter ganz schlimm war.Die
Nummer war 116/117.Nun weiß ich aber nicht,ob das in allen Bundesländern gleich ist.
Hoffentlich erhalten Sie Hilfe,ansonsten Hausarzt,der Beruhigungsspritze geben kann,wenn nötig auch mit Hilfe der Polizei.Viele Grüße Rosina

01.01.2020 | 22:06
eva88

ich bin heute wieder zu Hause eingezogen.
Mein Vater hatte das Türschloss gegen ein kaputtes (das werde ich mir auch noch schriftlich bestätigen lassen) Türschloss ausgetauscht. Ich musste den Schlüsseldienst rufen (auf telefonischen Rat der Polizei) um das Schloss öffnen zu lassen und ein neues Schloss einbauen zu lassen - als er mittags essen war. Als er kam, hat er gar nichts dazu gesagt, dass ich wieder da bin, sondern nur geschimpft, wieso das Licht an sei. Ich habe das mit meinem Handy gefilmt.
Die Polizei muss ihn wohl iwie kontaktiert haben, da ich 2 Briefe für mich fand.
Die 116117 habe ich angerufen, die Ärztin hat es abgelehnt vorbeizukommen, weil gegen den Willen meines Vaters darf sie ihn nicht untersuchen. Fremdgefährdung sei nur wenn er mich tatsächlich schlägt oder Mobiliar zertrümmert. Ich solle bei einer Freundin einziehen..
Er heizt jetzt das große Wohnzimmer, das seit 5 Jahren nicht mehr benutzt wird u kontrolliert bis zu 3 mal pro Stunde, dass alle Türen im Haus u die Haustür zu sind und beschimpft mich dabei. 1 Brötchen hatte ich im Backofen, den hat er mir deshalb ausgemacht. Meine Schlafzimmertür muss ich wieder abschließen.

02.01.2020 | 12:31
hanne63

Liebe Eva88,
ich finde Ihre Situation sehr sehr schwierig.
In den 4 Foren hier sind unterschiedliche Moderatoren (Fachleute) tätig, die jeweils offenbar nur in ihrem eigenen Forum dann antworten.
Ich rate Ihnen daher, am besten in dem Forum (Wohnen, Betreuung und Pflege)....die 4 Foren sehen Sie hier auf der linken Seite....also dort nocheinmal Ihr Anliegen kurz zu schildern und um Rat zu bitten. Am besten verweisen Sie auf ihre Beiträge hier in diesem Forum. Der Moderator könnte dann den gesamten Beitrag auch in das meines Erachtesn zutreffende Forum (Wohnen, Betreuung und Pflege) verschieben.
liebe Grüße

11.01.2020 | 11:28
martinhamborg

Hallo Eva88, eben sehe ich erst Ihren Beitrag im Forum, es ist merkwürdig. Ich hoffe meine Antwort kommt nicht zu spät.
Sie sind in einer absolut schwierigen Lage und haben alle Register gezogen. Den Rat des Polizisten, sofort im Falle einer drohenden Gewalt die Polizei zu rufen, möchte ich noch mal betonen. Besteht eine unmittelbare akute Selbst- oder Fremdgefährdung, kommt auf Veranlassung der Polizei der Sozialpsychiatrische Dienst und ein Amtsarzt und eine Zwangseinweisung ist umgehend möglich, wenn sie nötig ist. Bei akuter Bedrohung wird die Polizei so lange bleiben, bis alles geklärt ist. Ihrem Vater kann dann sofort geholfen werden.

Warten Sie also im Gefahrenfall nicht zu lange für diesen Plan B. Der Plan A ist De-Eskalation und jede Vermeidung von Streit und Diskussion. Das fängt mit möglichen Halluzinationen an, denn wenn Ihr Vater den Hund sieht - und nicht mit einer Aktentasche verkennt, dann ist dies ein wichtiges Symptom zur Diagnose. Kann er Ihnen sagen, warum er so wütend und ärgerlich auf Sie ist - können Sie zuhören und ggf. Hinweise herausziehen, dass Sie in eine wahnhafte Struktur hineingezogen wurden? Es könnte sein, dass er Sie gar nicht persönlich meint sondern dass das Verhalten Symptom einer gut behandelbaren Wahnerkrankung ist, Voraussetzung, er nimmt die Medikamente an - und da beginnt oft ein weiteres Problem.
Ihnen wünsche ich sehr, dass Sie die Situation gut und gesund überstehen und schnell eine Behandlungs im Krankenhaus möglich wird!
Ihr Martin Hamborg

11.01.2020 | 15:29
eva88

ich musste wieder ins hotel ziehen.
am 5.1. habe ich meinen vater um 3 h nachts im schnapskeller, der direkt unter meinem schlafzimmer ist, flaschen rücken gehört (dort lagern über 100 Liter 38% Alkohol) u weinen "und wenn ich sie totschlagen muss (beschimpfungen)". der kachelofen ist nur 3 m davon entfernt. rauchmelder sind nicht installiert.

ein mann vom landratsamt hat mich angerufen, dass er meinen vater zu hause aufsuchen will u in den nächsten wochen wieder von sich hören lässt.

11.01.2020 | 18:16
Elisabetha

Guten Abend eva88,

die Empfehlung von Hanne63 kann ich nur bestätigen: schalten Sie umgehend den sozialpsychatrischen Dienst - per Eilantrag - ein.

Rufen Sie bei der nächsten eskalierenden Situation die 112 an und schildern Sie die Sachlage. Es ist zu erwarten, dass Ihr Vater wohl dann wieder schreien wird und keine Einsicht zeigen wird.

Die Fahrer/Ärzte vom Rettungsdienst dürfen zwar niemanden ohne dessen Einverständnis mitnehmen, es sei denn, es besteht Selbst- oder Fremdgefährdung. Dann erfolgt ein Anruf bei Ihrer ortsansässigen Polizei. Ich habe die Beamten selbst in solch einer Situation erlebt, die Beamten sind geschult und ich war perplex, wie es der jungen Polizistin gelang, unseren Opa innerhalb von 2 Minuten freiwillig zum Mitgehen überzeugen konnte. Fünf Minuten zuvor hatte er mit Selbstmord gedroht.

Danach erfolgte die Einweisung in eine geschlossene Gerontopsychatrische Station für 7 Tage. Das ist nicht schön, ich weiß. Aber nun stellt sich nur noch die Frage, Sie oder Ihr Vater. Glauben Sie mir, es wird nicht besser. Diese Erfahrung mache ich gerade mit meinen beiden dementen Eltern.

Ich wünsche Ihnen von Herzen viel Kraft und Erfolg. Vor allem, ignorieren Sie Ihr schlechtes Gewissen. Es besteht kein Anlass dazu.

Liebe Grüße

Elisabetha



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