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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor demenz? und dann?
11.01.2020 | 21:21
eva88

116117 hat, wie gesagt, verweigert zu kommen. 112 wird dasselbe sein.
die polizei hat mir "fast" unterstellt, ich würde lügen. wir wohnen abgelegen, bis die da sind dauert es 30 Minuten. Bis dahin ist der Wutanfall von meinem Vater vorbei u er legt sich wieder schlafen. die polizei hat mir geraten, da nicht wieder hinzugehen.

den rat des landratsamts, ich soll es filmen, habe ich gemacht.
mein vater hat danach nicht mehr mit mir geredet. ob er mich überhaupt noch als seine tochter erkennt, weiss ich nicht. er lief nur patrouille durchs haus (er fährt seinen eigenen film) u ich mich in meinem zimmer gefürchtet. davon werde ich krank (keine toilette - blasenentzündung/ kein essen/ keine waschmaschine). deshalb musste ich wieder ins hotel.

11.01.2020 | 23:58
hanne63

Hallo Eva88,
ich gehe davon aus, dass dieser Mann vom Landratsamt, der Sie angerufen hat, ein Mitarbeiter vom sozialpsychiatrischen Dienst war. Der wird sicherlich Ihren Vater aufsuchen und sich selbst ein Bild von Ihrem Vater machen und dann die Situation mit dem Amtsarzt besprechen und dann wird gegebenfalls der Amtsarzt Ihren Vater auch noch aufsuchen......das dauert alles einige Zeit...und so war das bei meinen Eltern....und dass ganze mehrmals......ich habe immer wieder diesen sozialpsychiatrischen Dienst angerufen und auf Eile gedrungen...und von neuen Vorfällen berichtet.
Vielleicht wäre es ganz gut, Sie würden diesen Mann vom Landratsamt nocheinmal anrufen und ihm die Eilbedürftigkeit verdeutlichen...und bitten, schneller zu handeln....weil: Sie können doch nicht ewig auf eigene Kosten im Hotel wohnen bleiben.....oder?

in Ihrem ersten Beitrag erwähnte Sie auch, dass evtl eine Waffe und Salzsäure im Haushalt Ihres Vaters sein könnten und Sie davor Angst haben.....(niemand hat Ihnen bisher dazu geantwortet.....wenn es ums Eingemachte geht, steht man halt sehr oft allein da!)...ich hätte jedenfalls da auch sehr große Angst. Deshalb meine ich, dass Sie der Polizei auch davon erzählen sollten und evtl die Gegenstände beschlagnahmt werden könnten, bzw. der Waffenschein eingezogen, der Schützenverein, falls Ihr Vater dort Mitglied sein sollte, informiert werden sollte etc....aber daran haben Sie sicher selbst schon gedacht....

Die Nr. 112 ist die Rufnummer für den Rettungsdienst.....die "müssen" kommen......genauso wie die Polizei.....aber das steht ja jetzt nicht an, weil Sie im Moment ja selbst gar nicht mehr bei Ihrem Vater wohnen. Aber falls Sie doch wieder dort einziehen sollten: Sie können den Rettungsdienst 112 im medizinischen Notfall immer anrufen.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 12.01.2020 um 10:46.]

12.01.2020 | 18:23
Teuteburger

Hallo Eva,

hinter jeder Aggression liegen meist unbefriedigte Bedürfnisse. Es können aber auch chemische Ungleichgewichte im Gehirn auftreten, durch Mängel an B12 und Vit. D ect.,. Dafür müsste aber eine Untersuchung möglich sein.

So, wie Sie die Lage beschreiben, ist eine Fremdgefährdung vorhanden und Sie müssen erst einmal außer Haus wohnen. Offensichtlich hat ihr Vater Zugang zu Alkohol, einer Waffe und zu Salzsäure und er versucht die Dinge zu lösen, indem er sich abschottet und vielleicht auch das vernichtet, worauf er seine unerfüllten Bedürfnisse projiziert.

Wenn ihr Vater vor der Demenz auch recht dominant, manchmal auch cholerisch gewesen ist und er in negativen Situationen, auch schon mal Mordgedanken entwickelt hat, ohne sie in die Wirklichkeit umsetzen zu wollen, dann kann in der jetzigen geistigen Schieflage, verstärkt auftreten. Aber das können nur Sie selbst beurteilen.

Ich habe vor einigen Jahren einmal von einem Fall in den Nachrichten gehört, indem ein Demenzkranker seine Frau umgebracht hat. Das ist eher die absolute Ausnahme, aber ich hätte auch keine ruhige Minute unter diesen Umständen.

Das Dumme ist, dass für die Polizei erst etwas passieren muss, bis diese tätig werden kann. Ich würde in keinem Fall dort noch einmal einziehen, sondern nur mit Begleitung hingehen.

Andererseits verstehe ich aber auch den Vater, der sich im Notfall selbst erschießen will. Das Wegnehmen der Waffe ect., wird für ihn ein Einschnitt in die eigene Selbstständigkeit bedeuten.

Die Wahl zwischen Pest und Cholera wird in ihrem Fall wieder mehr als deutlich.

Ich denke mir einfach, dass Dritte hier handeln müssen und dass Sie ausziehen sollten, bis sich die Lage irgendwie verändert hat und der Arzt hier entsprechende Untersuchungen machen kann. ect.

Liebe Grüße an Sie



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 12.01.2020 um 18:24.]

14.01.2020 | 18:56
eva88

den Mann vom Landratsamt habe ich nochmal kontaktiert. Er hat mir nur gesagt, dass er mit meinem Vater gesprochen hat, jetzt einen Bericht darüber an das Amtsgericht schicken wird und sonst darf er mir dazu nichts sagen "aus datenschutzrechtlichen Gründen wg familiären Streitigkeiten".

14.01.2020 | 19:11
hanne63

Hallo Eva88,
das ist schon einmal ein gutes Zeichen, dass "der Mann vom Landratsamt" relativ zügig handelt und bereits mit Ihrem Vater gesprochen hat. Offenbar wird er dem Amtsgericht (Betreuungsgericht) berichten und es steht die Frage einer rechtlichen Betreuung an.
Daher wäre es evtl sinnvoll, Sie würden bei dem Betreuungsgericht (beim Amtsgericht, das für den Wohnort Ihres Vaters zuständig ist) sich ebenfalls schriftlich oder persönlich melden und die Eilbedürftigkeit aus Ihrer Sicht schildern.
Vermutlich werden Sie auch gefragt werden, ob Sie die rechtliche Betreuung Ihres Vaters übernehmen würden (würden Sie das?bei der Situation, wie sie vorliegt, wohl eher nicht zu emfeheln...ich selbst habe auch die Sache in die Hände eines fremden rechtlichen Berufsbetreuers gegeben).....
Bedenken Sie auch, dass die Gebühren für einen beruflichen (also familien-fremden) rechtlichen Betreuer aus dem Vermögen Ihres Vaters gezahlt werden müssen.

Vorab könnten Sie auch telefonisch mit dem Betreuungsgericht Kontakt aufnehmen. Die Sachbearbeiter dort sind in der Regel sehr hilfsbereit.

Ich kann das alles wiederum nur aus eigener Betroffenheit so schildern und raten...ich bin nicht vom Fach....

Halten Sie weiterhin gut durch und behalten Sie die Nerven ;-).....Sie schlagen sich ja bis jetzt sehr tapfer.

liebe Grüße

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 14.01.2020 um 19:14.]

15.01.2020 | 11:07
martinhamborg

Hallo in die Runde, es freut mich sehr wie viel Anteilnahme bei dieser unzumutbaren Situation von Eva88 in diesem Forum zu lesen ist. Um gemeinsam weiterdenken zu können, müssten wir wissen, welche Aufgabe der "Mann vom Landratsamt" hat.
Wenn er eine existenzielle psychiatrische Not mit einer "Familien- oder Erbstreiterei" verwechselt, kann das - nach allem was wie hier aus der Ferne erfahren - zu unabsehbaren Folgen führen. 112 ist für den Notfall nur die zweite Wahl, denn wenn der Rettungssanitäter Ihren Vater kurzzeitig beruhigen kann, bekommt er keine langfristige medizinische Hilfe.
Die wichtigste Anlaufstelle ist m.E. die örtliche Polizei und deren Vorgesetzte, die eigentlich nicht an einem "Familiendrama" im Fernsehen interessiert sein sollten. Haben Sie die Möglichkeit mit einer unterstützenden Person vielleicht aus dem Seniorenbeirat ein Gespräch zu führen, die vielen Gedanken aus diesem Chat könnten da sicher helfen.
Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

15.01.2020 | 15:36
eva88

der Mann vom Landratsamt ist von der Betreuungsbehörde.

15.01.2020 | 19:38
hanne63

Hallo Eva88,
mir ist noch ein Rat eingefallen, denn ich selbst erhalten habe:
von fast allen wichtigen Telefonaten mache ich mir kurze Gesprächsnotizen: mit wem habe ich wann über was gesprochen....ich lasse mir immer die Namen geben.....das ist wichtig......falls mal später Nachweise gebraucht werden.....
Wenn die Gesprächspartner merken, dass man sich die jeweiligen Namen merkt....werden sie oft sehr viel verbindlicher ;-) ....

vieles mache ich auch nur noch schriftlich....geht auch z.B. als Email mit Anforderung der Lesebestätigung....und hebe die Ausdrucke insoweit auf....

16.01.2020 | 15:25
Rose60

Hallo Eva88,
es tut mir sehr leid, dass Sie solch große Aufregung mit Ihrem Vater erdulden müssen!! Ich habe dies in ähnlicher Weise vor ca. 5 J. mit meinem Vater erlebt, allerdings aus der Entfernung.
Nun ist schon einiges dazu geschrieben worden, unterstreichen möchte ich auch den Vorschlag, sowohl Gespräche mit den versch. Stellen genau zu dokumentieren als auch die Vorfälle mit Ihrem Vater, sein Verhalten etc.
Eine gute Idee finde ich ebenfalls die örtliche Polizei einzuweihen sowie den Hausarzt in einem Gespräch Vorinformationen zur Situation, dem auffälligen Verhalten. Hausärzte haben sicher oft mit alten dementen Menschen zu tun.

Ich habe selbst damals einen Antrag auf rechtl. Betreuung für meinen Vater gestellt, da er im Zuge seiner Demenz immer wieder Drohungen aussprach, sich selbst oder auch meine Mutter umzubringen, er hatte Pistolen und sah mehrmals wahnhaft Einbrecher im Haus u.v.m.

Ich habe dann immer wieder bei der Dame vom Betreuungsgericht angerufen und die Dringlichkeit geschildert, nach einiger Zeit wurde ein Facharzt für Psychiatrie für einen Hausbesuch zu meinen Eltern geschickt, als mein Vater allein war. Daraufhin war er erst recht aufgeregt und es kam zu einem nächtlichen Polizeieinsatz, die jedoch die Gefahr für meine Mutter nicht entspr. einschätzten, so dass meine Schwester diese nachts abholte.

Der eingeschaltete Hausarzt, der von mir zuvor in die Problematik eingeweiht war, hat dann eine Einweisung in die Psychiatrie geschrieben und mein Vater wurde vom Ordnungsamt und Krankenwagen dorthin abgeholt auf richterliche Verfügung. In der Psychiatrie wurde dann offiziell eine Demenz mit aktueller Psychose diagnostiziert und durch Gespräche mit Angehörigen, in meinem Fall schriftlicher Ausführung an die zugewiesene rechtliche Betreuerin untermauert. Meine Schwester und ich haben beide die Betreuung explizit abgelehnt. Die rechtl. Betreuerin war eine sehr nette Rechtsanwältin, die alles in unserem Sinne und für meinen Vater positiv verfügt hat. Er ist nach ca. 2 Mon. Psychiatrie in ein gutes geschlossenes Pflegeheim für Demenzkranke mit entspr. Verfügung gekommen und hat immer wieder gefordert nach Hause zu gehen, war aber dort sicher und lt. meiner Mutter sehr gut und auffallend liebevoll gepflegt. Er hat dort noch 2,5 J. bis zu seinem Tod gelebt und meine Mutter konnte seit seiner Abholung (s.o.) wieder nachhause.

Ich möchte Ihnen damit nur beschreiben, dass es zwar gerade eine wirkliche Krisensituation für Sie ist, aus der jedoch eine für Sie positive Wendung entstehen kann.
Mit herzlichen Grüßen
Rose

22.01.2020 | 07:47
martinhamborg

Hallo Eva88, Rose hat Ihnen genau den Weg beschrieben, auf dem Sie gerade sind. Der Mann von der Betreuungsbehörde arbeitet eng mit dem Betreuungsgericht zusammen und eigentlich müsste schon lange ein psychiatrischer Gutachter bei Ihrem Vater einbezogen sein. Sein Gutachten und der Eindruck der Betreuungsbehörde sind dann die fachliche Grundlage für die Entscheidung des Gerichtes.
In Ihrer Situation dauert dies alles sehr lange und der Leidensdruck ist unerträglich, auch weil das Verhalten Ihres Vaters immer auf der Kippe zur akuten Selbst- oder Fremdgefährdung steht, die ein sofortiges Handen über die Polizei erforderlich macht. Dazu habe ich ja schon ausführlich geschrieben. Ihnen weiterhin viel Kraft und Ausdauer auf diesem Weg, Ihr Martin Hamborg



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