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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Ständiges Aufstehen und Rumlaufen bei gleichzeitiger totaler Erschöpfung
09.01.2020 | 16:56
Michaela

Meine Mutter (80) hat seit 4 Jahren Alzheimer-Demenz mit Pflegegrad 4. Sie lebt mit einer 24/7 Betreuung in ihrem Haus. Das klappte prima, bis sie im Juni in der Tagespflege (3xwöchentlich) gestürzt ist und sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen hat. Nach der OP und der "Reha" in einer Gerontopsychatrie gingen so langsam die Probleme los. Meine Mutter war mit Risperidon und Promethazin eigentlich sehr gut eingestellt. Aber nach ihrer Rückkehr legte sie eine immer stärker werdende Unruhe an den Tag. Nach mehrfachen Untersuchungen bei der Hausärztin und einem Neurologen haben wir entschieden diese Medikamente abzusetzen und sind auf Pipamperon umgestiegen. Dies hat leider auch gar keinen Erfolg gebracht. Sie steht alle paar Minuten auf und läuft, mit teils geschlossenen Augen, durchs Haus. Wie gefährlich das ist, kann man sich denken. Jetzt haben wir auch das Pipamperon abgesetzt und die Symptome sind weiterhin gleichbleibend. Sie ist unendlich müde, steht aber immer und immer wieder auf. Wir wissen uns nicht zu helfen, zumal auch der Neurologe nicht weiterhelfen kann. Wer hat denn wohl hiermit auch Erfahrungen gemacht?

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 09.01.2020 um 16:56.]

09.01.2020 | 18:18
jochengust

Hallo Michaela,

ggfs. ist Ihre Frage in diesem Forum besser aufgehoben (hinsichtl. medik. Therapieversuche): https://www.wegweiser-demenz.de/no_cache/weblog-und-forum/rat-im-internetforum.html?tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_topic&tx_mmforum_pi1%5Bfid%5D=2

So ähnlich wie Sie dies beschreiben, hatte ich vor einiger Zeit eine Problemstellung in einem Pflegeheim. Eine Betroffene zog sich auch dort immer wieder teils schwere Verletzungen zu. Schlussendlich hat man vor allem versucht, der Ursache der Bewegungsunruhe auf den Grund zu gehen, versuchsweise auch mit Schmerzmitteln einzuwirken (die Dame konnte verbal selbst keine Auskünfte mehr geben).

Zuletzt wurde mir berichtet, dass nach einer medikamentösen Einstellung etwas Besserung eintrat, und man ist dazu übergegangen, so häufig wie möglich die Bewegung zu begleiten, ansonsten erfolgte die zeitweise Fixierung in einem Pflegesessel.

Für das Gehen wurde die Dame mit Trochanterschutzhosen (Hüft-Schutzprotektoren) und zeitweise einem weichen Fahrrad(?)helm (die, die nur "Gummistreben" haben) ausgestattet, was sie so weit ich weiß, problemlos tolerierte.

Vielleicht können Sie einer Wohnungscheckliste noch ein paar Tipps entnehmen, um eventuelle Stolperfallen zu beseitigen: https://www.pflegestuetzpunkteberlin.de/thema/checkliste-wohnumfeld-fuer-menschen-mit-demenz/

Da Sie den Eindruck haben, dass Ihre Frau Mutter ständig müde (erschöpft?) ist, stellt sich auch die Frage nach den Nächten. Zeigt sie diese Unruhe nachts auch?

Es grüßt Sie

Jochen Gust

09.01.2020 | 18:36
Michaela

Hallo Herr Gust,

seit ihrer OP trägt meine Mutter immer eine Sturzhose um evtl. Stürze abzumildern.
Ich habe einen Artikel gelesen in Bezug auf "Schmerz und Demenz". Daher finde ich Ihren Vorschlag bzgl. eines Schmerzmittels sehr interessant. Hätten Sie da eine Idee, welches ein geeignetes wäre?
Die Nächte sind nach der OP auch immer unruhiger geworden. Sie bekommt jetzt eine Schlaftablette (Zoplicon), damit sie wenigstens nachts Ruhe findet. Das funktioniert sehr gut, doch an der Unruhe tagsüber hat sich nichts geändert.
Ich werde meinen Beitrag auch in dem anderen Forum aufführen.
Vielen Dank für den Tip und Ihre Anregungen/Vorschläge. Ich bin für jede Idee sehr dankbar.

09.01.2020 | 19:35
jochengust

Hallo Michaela,

ich kann und darf Ihnen nicht einfach ein Medikament empfehlen. Bitte besprechen Sie dies unbedingt mit dem behandelnden Arzt und starten Sie keinen eigenen Versuch mit "handelsüblichen" Mitteln.
Bezüglich der Schmerzen lohnt sich meiner Erfahrung nach nicht selten aber tatsächlich die Behandlung als Versuch bzw. auf Verdacht durch den Arzt.
Auch sollte ein Restless-Legs-Syndrom oder anderweitige Missempfindungen gerade in den Beinen, die Ihre Mutter vielleicht buchstäblich zum Laufen zwingen, zumindest in die Überlegungen mit einbezogen werden (vermutl. hat der Neurologe dies aber auch schon).

Ich möchte damit sagen, dass ein gezeigtes Verhalten hin- und wieder ausschließlich der Demenz zugeordnet wird ohne andere, "altersytypische" Ursachen zu überprüfen. Das dies eine schwierige Spurensuche sein kann, weil die Betroffenen eben nicht eindeutig mitteilen können was mit ihnen ist, macht es besonders schwierig. Und manchmal kommt man dabei um "Versuch-und-Irrtum" nicht herum.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau Mutter, dass die Suche alsbald erfolgreich ist.


Es grüßt Sie

Jochen Gust

10.01.2020 | 15:37
Michaela

Hallo Herr Gust,

vielen Dank für Ihre Info.
Leider war heute an einem Freitag die Hausärztin nicht zu sprechen und hat auch nicht auf die Rückrufbitte reagiert.
Ich habe auch eine Mail an den Neurologen geschickt, ob eine Behandlung mit z.B. Ibu400 ein Versuch wert wäre.
Nun denn, ich warte noch auf Antwort.

Grüße,

Michaela



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