Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Unbedingt wieder nachhause...
12.01.2020 | 12:56
Rose60

Guten Tag,
zunächst herzlichen Dank , dass ich in diesem Forum um Rat fragen darf! Ich habe schon einiges versucht aus den Themen für mich zu finden, würde aber gerne mein persönliches Problem schildern mit Hoffnung auf Antworten:

Meine Mutter (89) ist seit einigen Jahren pflegebedürftig aufgrund körperlicher und psych.Beschwerden wie Schultergelenksarthrose, ANtriebsarmut, depr. Phasen Herzinsuffizienz und nun nachlassende geistige Fähigkeiten. Sie wurde von ambulanten Maßnahmen wie Pflegedienst 2mal/täglich betreut sowie ganz viel Einsatz meiner Schwester im gleichen Wohnort. Nun gab es innerhalb von 6 Mon. drei Vorfälle mit KKH (Herzprobl., zwei Stürze mit heftigen Verletzungen der Arme, zuletzt Gipsarm rechts für 6 Wochen), immer wieder viel Aufregung und zusätzlicher Pflegebedarf. Nach der 1. Verletzung war sie nahe meiner Heimat in einem guten Pflegeheim für 6 Wochen, fand es toll dort und sagte, wenn sie jemals ins Pflegeheim müsse, dann dorthin, hatte gute Kontakte und es war wie Urlaub für sie. Nun gab es 2,5 Mon.nach ihrer Rückkehr nachhause den nächsten Sturz mit Gipsarm (s.o.) und wir waren froh, dass sie im gleichen Heim einen Platz bekommen konnte, heimatnah war nichts zu machen. Gleichzeitig haben sich bei meiner Schwester große gesundheitliche und nun auch familiäre Probleme ergeben, sie kann und soll verständlicherweise die Betreuung nicht mehr weiter übernehmen. Dies kann meine Mutter jedoch nicht akzeptieren und ist überzeugt, sie komme auch allein klar. Immer häufiger merken wir falsche Selbsteinschätzung, von den Pflegern nun so bestätigt, sie fand nach drei Mon.ihr Zimmer noch nicht selbstständig, ist zeitlich nicht immer richtig orientiert und hat heftige Stimmungsschwankungen. Im Heim wirkt sie zufrieden und gut integriert, uns Fam.angehörigen gegenüber ist sie nun vorwiegend aggressiv und gereizt, hat nur 1 Thema, wie sie am schnellsten nachhause kommt, sagt sie weine viel wegen Heimweh.
Leider ist sie bei diesem Aufenthalt auch auf einer anderen Etage, wo weniger noch orientierte Bewohner sind, ein Etagenwechsel in die Gruppe vom Sommer war nach den ersten Wochen möglich, lehnte sie aber vehement ab. Auch die meisten Angebote des Hauses, wo sie die Bekannten vom Sommer treffen könnte, lehnt sie konsequent ab, dort seien nur Verrückte...

Ich selbst wohne fast 2 Std. Autofahrt vom Heimatort entfernt und bin nur sehr eingeschränkt belastbar, habe meinen krebskranken Mann mehrere Jahre gepflegt bis zum Tod, selbst chron.Erkrankung.
Nun habe ich mich erkundigt nach 24Std.Pflege, die meine Mutter bislang noch ablehnt, weil sie eben zunehmend meint allein klarzukommen. Dafür müsse jedoch auch ein Angehöriger für gemeinsame Einkäufe u.ä. greifbar sein, wurde mir gesagt. Auch für einen evtl. erneuten Sturz muss ja gesorgt sein - es gab schon etliche bei zunehmender Gangunsicherheit - und ich schaffe dies nicht aus der Entfernung.

Nun ist es so, dass meine Mutter bei jedem Anruf oder Besuch meinerseits Diskussionen und Vorwürfe beginnt, auf die ich versuche, nicht einzusteigen. Habe ihr die Situation mehrfach erklärt, jedesmal hat sie sich bedankt, dann wisse sie jetzt, wie sie dran ist, um zwei Tage später erneut damit anzufangen.
Mich belastet dies sehr und ich bin zum einen unsicher, ob ich sie weiterhin 1-2mal/Woche besuchen soll oder mich mehr zurückziehen? Zum anderen weiß ich, dass wir meine Mutter eigentlich nicht gegen ihren Willen im Heim belassen können, allein macht sie sich aber nicht auf den Weg, kann eh nur max. 100m am Stück laufen wegen der Herzbeschwerden.
Meine Schwester kriegt Panik bei dem Gedanken, dass meine Mutter zurückkehrt, in welcher Form auch immer, da sie bereits meinen Vater (2018 verst.) mit Alzheimer vor wenigen Jahren sehr aggressiv erlebt hat, er wurde auf richterlichen Beschluss nach stat.Psychiatrie in ein geschl. (sehr gutes) Heim verbracht. Meine Schwester ist damit seit über 10 Jahren sehr belastet und nun wird eben bei meiner Mutter ebenfalls von Demenz ausgegangen. Da sie bereits zweimal den Neurologen abgelehnt hat, des Zimmers verwiesen, konnte er keine klare Diagnose stellen. Zuvor war meine Mutter ein liebevoller Mensch.
Sowohl meine Schwester als auch ich haben die Vorsorgevollmacht für meine Mutter.

Ich wäre sehr dankbar für Hinweise.
Herzliche Grüße
Rose

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 12.01.2020 um 13:02.]

12.01.2020 | 18:25
klauspawletko

Hallo Rose60,
nach allem, was Sie geschildert haben, kann ich Ihren Entschluss, die Mutter in ein - offensichtlich gutes - Heim zu geben, nur unterstützen.
Sie haben damit die Verantwortung übernommen, die Ihnen aufgrund der Vorsorgevollmacht auch obliegt.
Haben Sie denn eine Idee, was den "Sinneswandel" der Mutter gegenüber dem Heim ausgelöst haben könnte? Es wäre ja schön, wenn man an die ersten Erfahrungen dort anknüpfen könnte.
Versuchen Sie doch einmal, vieleicht mit Unterstützung des Pflegepersonals, zu rekonstruieren, was denn zur guten Resonanz der Mutter beim ersten Aufenthalt geführt hat - und was nun anders ist.

Gut möglich, dass die Ursache auch gar nicht in äußeren Umständen zu finden ist. In diesem Falle gilt es heraus zu finden, was die Akzeptanz des neuen Wohnortes denn steigern könnte.
Sie sollten sich jedenfalls nicht "erpressen" lassen, Ihren Entschluss rückgängig zu machen. Da sollten sich beide Schwestern einig sein.
Signalisieren Sie der Mutter, dass Sie auch zukünftig für sie da sein werden und dass Ihre Besuche nicht weniger werden.

Viel Kraft dafür wünscht Ihnen

Klaus-W. Pawletko

13.01.2020 | 10:09
Rose60

Guten Tag, Herr Pawletko,
zunächst herzlichen Dank für Ihre Antwort. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass Sie meine Handlungsweise mit der Unterbringung im Pflegeheim als Annahme meiner Verantwortung positiv sehen. Ich bin da selbst sehr im Konflikt, da meine Mutter momentan sich uns gegenüber so unglücklich zeigt.

Der Unterschied zum Sommer ist m.E. darin zu sehen, dass fast immer sommerliches Wetter war und meine Mutter nach draußen in den Garten gehen konnte und einige gut orientierte Bewohner kontaktieren konnte, sie konnte offensichtlich noch besser auf diese zugehen. Doch es war eben auch zeitlich absehbar mit 6 Wochen und nun ist sie seit 1. Okt. wieder dort, auf der anderen Etage wie gesagt.
Meine Mutter könnte jedoch jederzeit auf die vorherige Etage gehen um die Bewohner zu besuchen, auch hatten die Mitarbeiter angeboten mitzugehen als Erleichterung. Doch ihre vorherrschende Angst ist, dass sie nicht mehr in die vertraute Umgebung zuhause zurückkann und es lohne sich nicht, im Heim mehr "anzukommen", da sie eh nicht bleiben will. Auf Außenstehende wirkt sie allerdings nicht dement, ist in Gesprächen oft noch sehr präsent, doch man kann sich überhaupt nicht darauf verlassen, dass sie am nächsten Tag noch etwas davon weiß oder hat vieles ganz falsch verstanden.
Da meine Mutter die Demenz meines Vaters sehr hautnah mitbekommen hat, hat sie offensichtlich noch verstärkt Angst vor der Diagnose und meint nun, die anderen "Verrückten" im Heim würden sie anstecken.
Mir persönlich macht diese Entwicklung jedoch auch tatsächlich Angst, da ich mit den (bislang verbal) aggressiven Reaktionen nicht gut klarkomme . Mir wurde gesagt Diskussionen führen zu nichts, es gebe keine Einsicht, doch andere Gesprächsthemen gibt es bei Besuchen oder Anrufen fast gar nicht mehr. So traue ich mich immer öfter nicht mehr dorthin.
Traurige Grüße
Rose

15.01.2020 | 11:45
martinhamborg

Hallo Rose, gut dass Sie wissen, dass die Diskussionen und Rechtfertigungen nichts bringen und sich die Unzufriedenheit Ihrer Mutter eher in den Gesprächen mit Ihnen und weniger im Heim "entladen" oder eben (nur) ein Zeichen der Trauer sind, wenn Ihre Mutter sie hört oder sieht.
Auch ich möchte Sie in Ihrer Entscheidung bestärken. Wenn Sie Vertrauen zu den Beobachtungen aus dem guten Heim haben, kann es auch richtig sein, für den neuen Übergang mit den Besuchen zu warten, bis Sie es ganz ohne schlechtes Gewissen machen können. Manchmal erleben wir, dass Menschen mit Demenz dann in eine aggressiv-depressiv gestimmte Lage kommen, wenn sie ein schlechtes Gewissen wahrnehmen.
Ein gutes Zeichen ist, wenn Ihre Mutter tatsächlich in den Telefonaten einsieht, dass alles gut ist, je schneller desto besser. Da hilft es oft, wenn Sie erst den Ärger anhören, trösten und dann erklären, warum es so ist. Wegen der Demenz ist es doch normal, dass dies alle paar Tage nötig wird.

Zuerst ist jetzt Ihre Gesundheit und die Ihrer Schwester wichtig, denn wenn Sie wieder Kraft haben, tut das Ihrer Mutter viel besser, als die jetzigen Diskussionen oder?
In diesem Sinne gute Erholung und viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

16.01.2020 | 14:45
Rose60

Guten Tag, Herr Hamborg,
vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen mir zu antworten!
Ich habe vor ein paar Tagen auch gemerkt, dass mein Besuch bei meiner Mutter leichter verläuft, wenn es mir gut geht. Die Emotionen scheinen sich zu übertragen, so dass wir ein lockeres Gespräch mit Spaziergang und sogar nach langer Zeit mal wieder gemeinsamem Lachen hatten. Ich muss da wohl selbst noch einiges dazu lernen, auch wenn es mir manchmal noch schwerfällt, nicht alles persönlich zu nehmen.
Trotz dieses lockeren Nachmittags habe ich nun erfahren, dass meine Mutter rumerzählt, ich hätte sie unter Vorspielung falscher Tatsachen ins Heim gebracht - obwohl ich alles genau erklärt hatte bei Abholung... Im Heim sagte man mir, es sei nun eine für die Angehörigen oft sehr belastende Demenzphase. Ich versuche weiter zu lernen ;)

Mit herzlichen Grüßen
Rose

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 16.01.2020 um 14:46.]

16.01.2020 | 20:28
Hwk

Art Demenz ( starke stamhirn Blutung)
Habe ein Problem.
Ich pflege meine frau zeit 3 Jahren habe seit 9.6.019 keine Einkünfte habe mich so über Wasser gehalten bis Dezember da habe ich Hartz 4 beantragt und die wollen das unser haus verkauft werden soll, weil wir 11 qwardrat Meter Wohnfläche zu viel haben
Ich habe irgendwo gelesen das mann Demenz kranke nicht aus seiner gewohnten Umgebung raus nehmen sollte, da sich das kranken bild verschlechtern kann?
Bräuchte darüber schrift Stücke oder Texte, internet seiten wo ich mir sachen ausdrucken oder kopieren kann was ich dem sosial Gericht vorlegen kann.
Ich bedanke mich bei allen die mir Hinweise geben können
Mit freundlichen Grüßen Renate & H. W. KLINGEL



Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker