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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Richtiges KH und was dann
14.01.2020 | 11:20
Schumi

Meine Eltern sind nun seit fast 60 Jahren verheiratet. Bis 2016 war alles ok. Älteres Ehepaar, Selbstversorger und für das Alter ( 77 ) ok.
Meine Muter ist von Geburt an gehbehindert.
2016 ist mein Vater sehr schwer gestürzt und musste ( das erste mal in seinem Leben) operiert werden. Not OP wegen Milzriss. Danach fing alles an. Die Phase, Delir, ging sehr lange und danach wurde auch Demenz festgestellt. Nach einigen Randalen, spucken und weglaufen wollen haben wir es allerdings wieder gut hingekriegt. Meine Mutter pflegt/ betreut ihn und in dieser Umgebung ist auch alles in bester Ordnung. Nun ist leider eine kleine Katastrophe passiert. Erneuter Sturz und Bruch vom 2. und 3. Lendenwirbel. Aktuell liegt er im Krankenhaus, versteht die Welt nicht mehr, randaliert, will weglaufen und beschimpft die Schwestern. Gestern hat mich der Arzt zu sich zitiert um mir zu sagen das es so nicht geht. Ich habe dann noch freundlich gesagt das Er Demenz hat, er versteht nicht was passiert und will nach Hause. Nachdem ich gestern den Umgang der Schwestern mit ihm live erlebt habe ( nur am brüllen) habe ich Bedenken ob es das richtige Krankenhaus ist. Zudem die Frage, was kommt danach...

Nun 3 Dinge die mir die Nacht geraubt haben:
Gibt es Krankenhäuser die auf OP´s von Demenzpatienten spezialisiert sind ?
Gibt es danach eine Möglichkeit für eine Reha inkl. Begleitung ( wenn meine Mam dabei ist, ist alles gut)
Gibt es danach Seniorenunterkünfte wo beide zusammen bleiben können ? Ich kann und werde Sie nicht trennen.

14.01.2020 | 15:47
klauspawletko

Hallo Schumi,
das Problem ist leider weit verbreitet. Mittlerweile sollten die Krankenhäuser zwar sensibilisiert sein, aber im Zuge des allgemeinen Personalmangels scheint das erst einmal ein frommer Wunsch zu bleiben.
Eventuell kann Ihnen die Alzheimer Gesellschaft einen Tipp geben, welche Krankenhäuser besser mit der Thematik umgehen können.
Was die Reha mit Begleitung Ihrer Mutter anbelangt, müssen Sie individuell aushandeln - für ausgeschlossen halte ich es nicht, dass das möglich ist. Sie müssten dann aber für Unterkunft und Verpflegung Ihrer Mutter bezahlen.
Eine gemeinsame Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung dürfte schwierig (weil kostspielig) sein. Da müsste ein Heim schon akuten Leerstand haben, um sich darauf einzulassen. Zudem dürfte ein Doppelzimmer nicht der Vorstellung Ihrer Eltern von einem Zusammenleben entsprechen.
Versuchen Sie doch einmal bei einer der zahlreichen Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz nachzufragen. Mag sein, dass es dort mittlerweile Konzepte der Integration von Ehepartnern gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist in großen Städten größer als auf dem Lande.
Adressen dazu finden Sie zum einen in der Datenbank hier auf der Wegweiser-Seite, aber auch die Pflegestützpunkte müssten Ihnen damit weiter helfen können.
Eventuell ist in Ihrem Bundesland ja auch eine spezielle Koordinationsstelle für solche WGs vorhanden. Schauen Sie mal bei:
www.wg-qualitaet
vorbei. Dort gibt es eine Auflistung, in welchem Bundesland so eine Stelle existiert.
Viel Kraft und Erfolg wünscht Ihnen
Klaus-W. Pawletko

14.01.2020 | 16:06
Hühnchen

Hallo Schumi,
es ist oft erschreckend, wie teilweise im KH mit den Patienten umgegangen wird. Das ursächlich dafür immer der Pflegenotstand sein soll, fällt einem dann auch schwer zu glauben.

Zu den Fragen:
In NRW gibt es KH die über eine spezielle Demenzstation verfügen. Die Zimmerausstattung ist etwas anders wie im „normalen“ Bereich des KH und das Personal wird auch entsprechend geschult. Ich geh mal davon aus, dass es in anderen Bundesländern ähnliches gibt.

Bei der anschließenden Reha ist es grds. möglich, dass die Mutter Ihren Vater begleitet und auch im selben Zimmer untergebracht wird. Hier stellt sich nur die Frage, wer der Kostenträger ist. Ich weiß jetzt nicht, welche Voraussetzungen im Einzelnen erfüllt sein müssen, aber eine medizinische Notwendigkeit für die Begleitung muss auf jeden Fall bestehen, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Ansonsten bleibt noch die Möglichkeit als Selbstzahler. Ihre Mutter hat als pflegende Person aber auch einen Anspruch auf eine eigene Reha. In wie weit man dies Kombinieren kann, wenn die Krankenkasse keine Kosten für eine Begleitperson übernimmt, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Natürlich gibt es auch Seniorenunterkünfte, bei denen die Eltern zusammen bleiben können. Von der betreuten Senioren-WG bis hin zum Seniorenheim, wobei ich die Senioren-WG bevorzugen würde. Zum einen, weil es kleinere Gruppen sind, zum anderen werden die Senioren mit in den Tagesablauf eingebunden. Sich im Alter aktiv nach den eigenen Fähigkeiten im Alltag einzubringen finde ich wichtig. Die Möglichkeiten bestehen in einem Seniorenheim nicht. Die Schwierigkeit hier wird darin bestehen, im bisherigen Umfeld eine passende Unterbringung zu finden, die beide Elternteile aufnehmen kann. Übergangsweise könnten Sie die Zeit vllt. mit einer 24Std-Pflegehilfskraft (und ggf. noch mit einem Pflegedienst) überbrücken, Kostenmäßig dürfte dies sogar noch günstiger sein, wie die Unterbringung von beiden Elternteilen in einer Pflegeeinrichtung.

Wünsche Ihnen wie Eltern alles Gute, vor allem viel Kraft für die kommende Zeit.
Liebe Grüße vom Hühnchen

15.01.2020 | 11:24
martinhamborg

Hallo Schumi, gern möchte ich noch einen Punkt vertiefen: Ein Hauptproblem der Krankenhäuser ist, dass sie ein Delir bei einer bestehenden Demenz - so wie beim ersten Aufenthalt - nicht oder zu spät erkennen. Zur Prävention dieses kritischen Krankheitsbildes ist das "rooming in" eine gute Möglichkeit und Krankenhäuser sind gut beraten, das bei Menschen mit Demenz anzubieten, was bei Kindern mittlerweile selbstverständlich ist. Es geht also eher um die richtige Behandlung und eine echte Delirprävention und weniger um das richtige Krankenhaus...
Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie auf offene Ohren stoßen, Ihr Martin Hamborg



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