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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Aussicht auf einen Rest Lebensqualität?
17.01.2020 | 20:12
Frankenfischkopp

Gibt es für meinen Eltern irgendeine Aussicht auf einen Rest Lebensqualität und Ruhe?
Die Krankengeschichte meines Vaters ist leider eine längere und eine Demenzdiagnose gibt es, auch aufgrund der schwierigen Situation, nicht. Meine Eltern leben in Mecklenburg und ich selbst seit 1996 bei Nürnberg. Ich war zwar jetzt öfter vor Ort, aber die Möglichkeiten dazu sind letztlich begrenzt, im Wesentlichen muss mir das weitgehend machtlos mit ansehen und bin ratlos.

Mein Vater ist 83, Dialysepatient seit 1990 mit eine Pause wegen Transplantat 1994-1998, seitdem ununterbrochen. Prinzipiell war er schon immer etwas eigensinnig und stur, aber meine Mutter pflegt ihn seitdem in allen Situationen. 1998 bekam er auch 4 Bypässe, für die Rehabilitation hat er wenig getan, sie hat ihn wieder hochgepäppelt.
Schon lange ist ihm kein spontaner Stuhlgang möglich, muss mit Gabe von Lactulose eingeleitet werden.
Im August konnte er eines Tages nicht mehr sinnvoll auf Fragen antworten und kam dann, als sich auch noch Herz Kreislauf Probleme einstellten ins Krankenhaus.
Das wurde als NSTEMI Infarkt bezeichnet, allerdings wären die Bypässe frei und man könne da nichts mehr machen.
Dazu kam Lungenentzündung, die mit Antibiotika erfolgreich behandelt wurde.
Es besteht eine dekompensierte chronische Herzinsuffizienz NYHA-Stadium III mit rezidivierenden Pleuraergüssen, die links nach 2 Monaten mit Pleurix Drainage aufgehört haben, rechts macht man nichts.
Ende September bekam er Pflegegrad 4 (davor seit Jahren 2) und vom Krankenhaus zur Entlassung ambulante Palliativversorgung verordnet, die sich aber Anfang Dezember wieder zurückzog.
Körperlich nicht leistungsfähig war er schon lange, aber seitdem muss er zur Dialyse getragen werden.
Wäre ein anderer Arztbesuch notwendig, muss er mit Krankentransport aus der Wohnung getragen werden.
Seit er im September aus dem Krankenhaus kam ist er stark verändert und zeigt meiner Meinung nach deutliche psychische Auffälligkeiten die für mich als Laien mindestens nach Demenz aussehen.
Er hat überhaupt keine Einsicht für seinen Zustand und meint oft, er wäre überhaupt nicht krank, warum ginge es ihm bloss so.
Er spricht seitdem oft pausenlos die Gedanken aus, die ihm durch den Kopf gehen, auch in Schleifen. Nimmt er im Fernseher einen Untertitel wahr, liest er ihn laut vor. Er fängt (wiederholt) Sätze an, ohne sie zu vollenden, und wenn man dann fragt, was ist, schimpft er, was man so blöde fragen würde.
Schon im Krankenhaus hat er nicht mehr schlafen können. Dort wurde Tavor versucht, aber das war mindestens wirkungslos. Später hatte Pipamperon einige Erfolge, aber das lässt zunehmend nach.
Ein Pflegebett wurde ins Wohnzimmer gestellt, im Schlafzimmer war das nicht möglich und aus dem Bett dort bekäme man ihn physisch auch nicht mehr heraus, geschweige dass der Weg vom Wohnzimmer nicht mehr bewältigt werden kann.
Weihnachten wurde nun die Dexamethason Gabe verdoppelt und seitdem geht es rapide bergab. Das muss ja nicht zusammenhängen, fiel uns aber auf. Er fing an unmögliche unwahre Dinge zu behaupten und irrationale oder unmögliche Forderungen zu stellen. Nichterfüllung macht ihn dann zunehmend wütend. Er versteht überhaupt nicht, dass er sein Umfeld mitten in der Nacht wach hält. Will dann immer wieder das Licht eingeschaltet haben oder sonst irgendwas.
Er hat über die letzten 2 Wochen die Kraft verloren, selbst aus dem Sitzen aufzustehen.
Die 3 Schritte von der Couch zum Bett schafft er auch nicht mehr. Das Nichtverstehen des eigenen Unvermögens scheint ihn wütend zu machen.
Er will auf die Couch gesetzt werden, kann dann nicht mehr Sitzen, will ins Bett, fängt aber die Hilfeversuche beim Aufstehen an abzuwehren, erst nur von meiner Mutter wegen Angst, dass sie ihn fallen ließe, nun auch vom Pflegedienst, weil er überzeugt ist, dass er es auch mit Hilfe nicht kann. Er versteift sich dann in diesem Gedanken und macht sich auch richtig schwer.
Das Pflegebett lehnt er wohl aus tiefster Seele ab, ohne dass ihm irgendwie beizubringen ist, dass er es selbst mit Hilfe nicht mehr in sein Bett schafft. Der Weg durch den Flur ist nicht drin, der Pflegedienst hat da jetzt auch aufgegeben.
Selbst auf den Toilettenstuhl neben dem Bett wird ihn nun wohl keiner mehr kriegen. Seine Aussprache hat sich verändert, außer er ist wütend.
Auch das Geländer des Pflegebetts lehnt er vehement ab; Mutti würde es sich aber nicht verzeihen, wenn sie es unten ließe und er ihr stürzt, was im Krankenhaus eben passiert ist.
Alle Versuche, pflegerische Notwendigkeiten oder ärztliche Anweisungen umzusetzen bezeichnet er als Schikane. Trinken darf er eigentlich nur sehr sehr wenig, sagte uns der Kardiologe, aber das ist nicht drin. Allein schon zum Essen benötigt er viel Wasser, obwohl alles püriert wird. Er kann praktisch nichts mehr schlucken, wenn er seine Prothese im Mund hat, und ohne eben nicht kauen.
Seine Hörgeräte verweigert er, beschwert sich dann, dass er angeschriehen wird, wenn jede nicht verstandene Wiederholung lauter wird.
Er hatte wegen ubiquitärer Schmerzen Palexia morgens und abends und bei Bedarf Novaminsulfon. Palexia morgens wurde aber im Dezember abgesetzt und prinzipiell ist es schwierig bis unmöglich, aus ihm herauszubekommen, ob oder wo er Schmerzen hat.
Ich hatte versucht, ihn mental z.b. damit anzuregen, dass ich Dias aus seinen Urlauben und meiner Kindheit digitalisert und am Fernseher gezeigt habe, aber da ist kein Herankommen gewesen. Schwierig ist, dass er eigentlich nie wirklich echte Interessen oder Hobbies gehabt hat. Freunde oder Verwandte gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr, überhaupt hat er soziale Kontakte eigentlich immer vermieden.
Zumindest bis Dezember hat er am Computer gespielt, was seit einigen Jahren seine einzige Freizeitbeschäftigung war, aber mittlerweile hat er jegliches Interesse an allem verloren. In einem vergleichsweise klaren Moment hat er mir schon gesagt, dass er Angst hat, und es furchtbar findet, ans Sterben zu denken.
Nun soll noch mehr Dexamethason gegeben werden. Ansonsten schaut es mau aus. Die Lebensqualität ist für beide nahe 0. Pflegedienst kommt zur Unterstützung wenigstens morgens und Abends.
Wir können mit Ihm ja nirgendwo hin. Pflegedienst meint, dass er in einer Gerontopsychiatrie mit seinem Pflegebedarf und medizinischen Problemen gar nicht aufgenommen würde. Ab davon dass er auch nicht ins Krankenhaus will.
Gibt in so einer Lage noch irgendeine Aussicht auf irgendeine Hilfe? Man hat den Eindruck, niemand wolle sich da mehr mit beschäftigen. Der Hausarzt wollte die Woche mal einen Hausbesuch machen, kam aber dann z.B. auch nicht und hat nur angerufen.
Schon die Pleuraergüsse hat man nur widerstrebend behandelt, aber uns mit den Symptomen vorher allein gelassen, es soll gegenüber meiner Mutter sogar die Aussage eines Arztes gegeben haben, das würde schon wieder, er müsse nur gepflegt werden.

[Dieser Beitrag wurde 8mal bearbeitet, zuletzt am 17.01.2020 um 20:59.]

18.01.2020 | 15:59
Frankenfischkopp

Heute wie befürchtet.
Er hat sich mehrfach auf den Toilettenstuhl und meine Mutter fast in den Nervenzusammenbruch terrorisiert weil er nicht einsieht, dass er das nicht schafft und die Hilfe ja auch nicht annimmt, sie es über ihre Kräfte dann aber auch nicht übers Herz bringt, ihm nicht nachzugeben. Die Versuche ihn wieder ins Bett zu kriegen sind eine Katastrophe, er schreit immer , dass er von dem Stuhl will, beim Versuch im herzunterzuhelfen, schreit er sofort dagegen aber auch an.
Was soll man denn in so einer Situation machen?!
Von mir erwartet sie dann Antworten, die ich auch nicht habe. Und ich kann nicht eben spontan hinfahren.

[Dieser Beitrag wurde 4mal bearbeitet, zuletzt am 18.01.2020 um 17:47.]

18.01.2020 | 19:59
Elisabetha

Guten Abend, Frankenfischkopp,

das ist ja ein unhaltbarer Zustand. Ihre Familie benötigt dringend Hilfe. Evtl. könnten Sie unter folgendem Beitrag eine gewisse Parallele entdecken: demenz? und dann? Anbei eine kleiner Auszug aus der Antwort des Experztenteams:

11.01.2020 | 11:28
martinhamborg


Hallo Eva88, eben sehe ich erst Ihren Beitrag im Forum, es ist merkwürdig. Ich hoffe meine Antwort kommt nicht zu spät.
Sie sind in einer absolut schwierigen Lage und haben alle Register gezogen.

!!! Den Rat des Polizisten, sofort im Falle einer drohenden Gewalt die Polizei zu rufen, möchte ich noch mal betonen. Besteht eine unmittelbare akute Selbst- oder Fremdgefährdung, kommt auf Veranlassung der Polizei der Sozialpsychiatrische Dienst und ein Amtsarzt und eine Zwangseinweisung ist umgehend möglich, wenn sie nötig ist. Bei akuter Bedrohung wird die Polizei so lange bleiben, bis alles geklärt ist. Ihrem Vater kann dann sofort geholfen werden!!!

Ein Eilantrag beim Sozialpsychatrischen Dienst und ein Anruf bei der ortsansässigen Polizei erachte ich in Ihrem Fall als Mittel der ersten Wahl. Wie lange soll Ihre Mutter das noch ertragen? Spätestens wenn sie einen Zusammenbruch erfährt, eskaliert die Situation ohnehin und muss geordnet werden.

Viel Kraft und Erfolg wünscht Ihnen

Elisabetha

19.01.2020 | 09:04
Frankenfischkopp

Den Beitrag hatte ich auch gelesen.
Zu körperlicher Gewalt hat er keine Kraft mehr, wie gesagt, er kommt ja selbst mit Hilfe nicht mehr vom Toilettenstuhl hoch. Er ruft und schreit aber permanent, bis Mutti nachgibt, oder eben weiter, weil das was er will unmöglich ist.

Ich werde hier echt zerrissen. Ich hatte schon Beratung gesucht, als der Pflegedienst noch nicht täglich mehrfach beauftragt war, und war auch an den sozialpsyhiatrischen Dienst verwiesen worden.
Ich hatte da auch schon mit einem Mitarbeiter telefoniert, aber dann vertagt, weil die stäkrere Beauftragung des Pflegediensts abgebahnt war, was Mutti dann ja auch eingesehen hat, und eben der Hausarzt noch mal kommen sollte.
Als ich ihr davon er zählt habe, hab ich sie kaum noch beruhigt bekommen. Ich kann ihr das nicht vermitteln und ich bringe es nicht über mich, etwas zu machen was sie mich hassen ließe.
Ich habs versucht, auf dem Weg zu erklären, was denn wäre, wenn ich einen Psychiater zum Hausbesuch finden würde.
Sie hat in Bezug auf so einen Besuch eine extrem starke Befürchtung, dass ihr wieder keiner glaubt, weil er dann vielleicht ruhig ist. Wenn er sich nicht gerade in eine akute Trotzphase reingesteigert hat, ist er zu den Pflegekräften oft ein anderer Mensch und total freundlich.

Problem ist auch, es ist nicht viel Einkommen dar, und sie hat nur eine sehr sehr kleine Rente. Es ist ihr fester Wille, dass bis zum Zusammenbruch durchzuziehen, weil sie mit den Ersparnissen, die noch da sind, noch die Hoffnung auf eine Erholung danach hat. Alles und die Hoffnung zu verlieren und zum Sozialfall werden verkraftet sie glaube selbst nicht, und ich werde das vermutlich auch nicht abfedern können. Und vor allem, wenn ich das veranlasse, ich mags mir nicht vorstellen.
Ab davon dass ich nach allem, was ich gelesen habe zwischenzeitlich zweifle, dass er so irgendwo aufgenommen wird.

19.01.2020 | 10:16
hanne63

Hallo Frankenfischkopp,
existiert eine Betreuungsvollmacht? Wenn Ihre Mutter bevollmächtigt ist, können sie derzeit gar nichts machen.
Allenfalls beim Betreuungsgericht eine Betreuung durch einen rechtlichen Betreuuer anregen und diese dann entweder selbst (schwierig, da nicht vor Ort wohnend) übernehmen oder es macht ein Berufsbetreuer. Die Gebühren für diesen müßten dann Ihre Eltern zahlen.
Unterhaltverpflichtet in Sachen Sozialhilfe sind Kinder für ihre Eltern ab 1.1.20 nur noch, wenn das Einkommen über 100.000 jährlich ist. Aber die Eltern sind sich gegenseitig zum Unterhalt verpflichtet und müssen erst einmal ihr Vermögen dafür einsetzen.
Gegen den Willen der Eltern können Sie derzeit also wenig unternehmen, außer den sozialpsychiatrichen Dienst zu informieren, dass der einen Hausbesuch macht und evtl den Amtsarzt vorbeischickt dann.
Sie müssen also aus meiner Sicht weiter abwarten und es sich weiter zuspitzen lassen....ich weiß selbst aus eigener Erfahrung, dass das sehr schwer zum Aushalten ist.

19.01.2020 | 18:01
Frankenfischkopp

Die letzten 2 Tage haben auch bei Mutti die Erkenntnis reifen lassen, dass es so nicht weitergehen kann.

20.01.2020 | 16:22
Elisabetha

Hallo Frankenfischkopp,

unsere familiäre Situation hat sich ebenfalls soweit zugespitzt, dass es förmlich nach einer Betreuung für den Mann meiner Mutter schreit.

Nach endlosen Telefonaten mit allen wichtigen Anlaufstellen weiß ich sachlich sehr wohl, was zu tun ist. Aber ich schaffe es nicht, die Unterlagen für eine Betreuung für ihn endlich zu unterschreiben und beim Betreuungsgericht abzugeben.

Nachdem sich heute Vormittag der Pflegedienst mit großer Aufmerksamkeit mit ihm beschäftigt und unterhalten hat, durfte ich mir nach dessen Verabschiedung die übliche Liternei anhören. "Wozu kommt denn jemand zu uns ins Haus? Wir brauchen doch niemanden!"

Was hindert mich also daran, mich zu entlasten und nicht mehr emotional und körperlich zu erschöpfen? Ein Theraupeut hätte wahrlich seine helle Freude an mir. Alles was ich brauche ist Hilfe, Abstand und Ruhe. Wird es noch ein Rest-Leben für mich geben, das nicht mit Pflege zu tun hat?

Der Sozialpsychatrische Dienst empfahl mir heute dringend, eine "erwachsene Entscheidung" zu treffen. Wenn das mal so einfach wäre. Man kann mir sämtliche plausiblen Argumente präsentieren, ich schaffe es nicht!

Grund: Ich habe Angst vor der Auseinandersetzung, die zu 100% auf mich zukommen wird. Zweifel ausgeschlossen! Der Mann meiner Mutter war zeit seines Lebens ein "sturer Hund", mit dem sich niemand auseinandersetzen wollte, seine Freunde haben kurzerhand den Kontakt zu ihm abgebrochen und sich nie mehr gemeldet.

Also wird es darauf hinauslaufen, wie es Hanne63 so treffend beschrieben hat: die Situation wird sich zuspitzen ...

Es widerstrebt mir zutiefst, sehenden Auges die sich auftürmende Katastrophe geschehen zu lassen. Aber in dieser Situation weiß ich mir keinen Rat mehr.

Sollten Sie auch nur den Hauch einer Lösung für sich entdeckt haben, würde ich mich freuen, von Ihnen oder auch anderen Forumsteilnehmern zu hören.

Herzliche Grüße

Elisabetha

20.01.2020 | 18:03
Frankenfischkopp

Wir haben die Suche nach einem Heim- oder gar Hospizplatz eingeleitet, wo er unterkommen könnte, heute wurde nun in der Medikation auch noch mal einiges geändert. Ich fahre dann auch wieder hoch .

20.01.2020 | 18:06
Teuteburger

Hallo Elisabetha,

ich kann sehr gut nachempfinden, wie es Ihnen geht. Deshalb seien Sie herzlich gedrückt.
Das Sie die Unterlagen nicht weiterreichen können, auch das verstehe ich. Ich selbst fürchte mich auch vor den Auseinandersetzungen, die irgendwann kommen werden. Ich habe aber beschlossen, meine Grenzen einzuhalten, damit ich einfach überleben kann. Meine Schwiegermutter ist der festen Überzeugung, dass es ihr gut gehen würde, wäre noch ihr Mann am Leben oder einer ihrer Söhne zu Hause. Das stimmt einerseits, andererseits aber auch wieder nicht. Das sieht man bei denjenigen, die Trotz Partner oder Kinder, weiter in die Demenz rutschen und am Leben anderer nicht mehr teilhaben können oder wollen.

Meine größte Sorge gilt im Moment sowieso meinem Vater und meiner Mutter. Meine Schwiegermutter ist aber diejenige, für die ich am meisten Zeit aufwende, was wohl nicht mehr lange so bleiben wird, wenn das mit meinen Eltern so weitergeht.
Es ist halt alles wage und ich muss zusehen, dass ich selbst irgendwie stabil bleibe.

Liebe Grüße an alle



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 20.01.2020 um 18:08.]

20.01.2020 | 19:30
Elisabetha

Guten Abend, Frankenfischkopp,

ich ziehe meinen Hut vor Ihnen, Respekt vor Ihrer konsequenten Handlung!

Ich wünsche Ihnen aufrichtig viel Glück bei der Suche nach einer geeigneten Unterbringung für Ihren Vater.

Herzlichst

Elisabeth



Guten Abend, Teuteburger,

ich danke Ihnen sehr für Ihr Verständnis.

Während unseres gemeinsamen Abendessens erklärte ich meiner Mutter voller Überzeugung und aus tiefster Seele: "Ich hasse es, wenn Menschen für den Wunsch, frei und unabhängig leben zu wollen, mit Ausgrenzung, Herabwürdigung und Sanktionen rechnen müssen". Augenblicklich wurde mir klar, dass ich mir soeben die Antwort dafür gegeben hatte, weshalb ich die Betreuung nicht einleiten kann.

Ich habe eine tiefsitzende Angst vor den Konsequenzen, die mich erwarten, würde ich diesen Schritt gehen. Immer wenn es mir in der Vergangenheit gelang, die Angst zu überwinden und zu meinen Überzeugungen zu stehen und entsprechend zu handelnm wurde ich dafür entsetzlich bestraft. Interessanterweise waren es immer die Menschen aus meinen eigenen Reihen (Familie, Partner), weniger Außenstehende. Sehr oft habe ich großen Mut bewiesen, und habe zu keiner Zeit meine Entscheidungen bereut.

Dafür fehlt mir heute einfach die Kraft. Ich fühle mich hin und her gerissen zwischen meinen Wertvorstellungen, was ich in meinen Augen (alte Erziehungsmuster) zu tun habe und der Überzeugung, dass ich nun in erster Linie auf mich achten und mich schützen muss. Da ist ein so ausgeprägtes Verantwortungsgefühl, dass mich ein seinen Klauen hält und nicht loslassen will.

An besonders schlimmen Tagen hilft mir nur die Vorstellung, am Grab dieses Mannes zu stehen, um das Heute zu ertragen. Die Vorstellung in eine ferne Zukunft würde mir den Verstand rauben. Diese Worte mögen Sie entsetzen, dennoch erlauben Sie mir die Frage: "Wie viel kann ein Mensch ertragen, der von seinem Gegenüber jahrzehntelang gedemütigt wurde und durch ihn großen Schaden erlitten hat?" Und nun soll ich alles vergeben und verzeihen, weil er krank ist.

In einem Gespräch mit der Telefonseelsorge erhielt ich folgende Antwort: "Sie zerren einen Mann vor Gericht, der Ihnen so viel angetan hat und vor Ihnen steht ... ein Kind! Ihre Zeit, das Geschehene auf Augenhöhe zu klären ist vorbei!" Ja, mein Kopf versteht das, meine Seele will nur noch schreien. Wieder zurückstehen, mal wieder. Wie so oft!

Diese Umstände erklären vielleicht, warum es mir so schwer fällt, den Weg der Betreuung zu gehen. Ich habe nicht nur Angst vor der mit Sicherheit drohenden Auseinandersetzung, es ist auch die Angst vor mir selbst. Ist es wirklich eine rein sachliche Entscheidung, oder die letzte Möglichkeit, mich zu wehren? Ich weiß es nicht. Sicher ist nur, dass ich es mir nie verzeihen könnte, etwas auszulösen, was nichts mit Ratio zu tun hat.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und einen schönen Abend.

Herzliche Grüße

Elisabetha



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