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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Aussicht auf einen Rest Lebensqualität?
31.01.2020 | 09:24
hanne63

Hallo Rose60,
Ihr Beitrag hat mich zum Nachdenken gebracht.
Ich meine, wir "betroffenen" Kinder sollten auch nichts Übermenschliches von uns selbst erwarten....und auch die liebe Umwelt sollte das nicht von uns erwarten....

Ich mache selbst, was für mich leistbar und möglich ist.....(und habe trotzdem ein schlechtes Gewissen)....aber mehr kann ich einfach nicht tun.

Ich handele inzwischen durchaus als "Erwachsene Person".....aber auch das scheint etlichen Aussenstehenden nicht ausreichend. Außerdem sollten wir uns zugestehen, auch emotional handeln zu dürfen....wir sind doch keine Maschinen, die alles einfach wegstecken können.

Ich lerne auch immer mehr auf mein Bauchgefühl zu hören und auf mich selbst.

Und ich möchte auch nicht noch die 100. Psychotherapie machen ;-)......

viele Grüße
hanne63

31.01.2020 | 21:09
martinhamborg

Hallo an die Runde, es berührt mich, was die Zeilen bewegt haben. Ich glaube Bert Hellinger hat diese Gedanken am konsequentesten formuliert, aber er ist sonst in seinen Methoden und Ansichten umstritten.
Dies betrifft auch das gehörte "ich muss Ehre geben" ... trotz der schlimmen Erfahrungen. Diesem Muss kann und will ich nicht zustimmen. Ich denke nur, dass es für unsere Psyche oder unsere seelische Entwicklung leichter ist, zumindest über eine schmale Brücke zu gehen. Leider fällt mir da kein besserer Begriff ein als das alte und oft missbrauchte Wort der Ehrung. Am ehesten noch die Dankbarkeit für kleine gute Momente.
Aber geben nicht die "betroffenen" pflegenden Kinder Ihren Eltern allein durch ihr Handeln "die Ehre" für das wenige Gute was sie empfangen haben? Und vielleicht noch ein Gedanke: "Lassen Sie das schlechte Gewissen in der schlechten Kinderstube" - Außenstehende können das überhaupt nicht beurteilen und haben dazu auch kein Recht!
Ihr Martin Hamborg

01.02.2020 | 13:12
Teuteburger

Hallo in die Runde,

ich habe hier auch mit Interesse weiter mitgelesen und auch ich stolpere über das Wort "Ehre geben." Ich finde das auch denkbar schlecht ausgedrückt, denn es kommt dem inneren Bedürfnis/Gefühl nicht gerade nahe, sondern klingt, wie Herr Martinhamborg, es passend ausdrückt, nach einem gewissen Zwang, aber nicht nach gefühltem echten Verständnis.
Es existieren so einige Bücher, um den inneren verletzten Gefühlen einen Namen geben zu können und um vielleicht eine Akzeptanz zu ihnen aufbauen zu können.
Ich denke, sie können ein bisschen helfen, aber auf der anderen Seite können sie einen auch wieder im Stich lassen. Es lässt sich hier nichts verallgemeinern. Die umstrittene Seite von Herrn Hellinger ist mir nicht nur bei ihm, in der Friss oder Stirbfassung, begegnet.

Für mich trägt zum Beispiel jeder Mensch verschiedene Lebensanteile in sich, die er mehr oder weniger stimmig versucht, zu bedienen. Man lernt hier den Umgang in der Kindheit, über die Eltern und über Versuch und Irrtum. Zudem glaubt man erst einmal, die Eltern seien perfekt, bis dann eine Verletzung stattfindet und ein völliges Unverständnis dem Kind gegenüber auftaucht. Die meisten Eltern bräuchten selbst eine Ausbildung/Führerschein fürs Kinderbekommen. Und das meine ich ernst. Und dann ist die Frage, woran macht man eine gute Erziehung fest. Heutzutage gibt es zum Beispiel die bedürfnisorientierte Erziehung, was ein völlig anderer Ansatz ist, als die antiautoritäre Erziehung oder die Erziehung mit Bestrafen, Druck, halt eine Art Dressur, um richtig zu funktionieren in der Gesellschaft.
Die Lebensanteile, die im Menschen angelegt sind, haben etwas mit verstehen wollen, bedienen wollen, kreativem Gestalten und Freude am Entdecken des Lebens zu tun. Aber die meisten Eltern haben das selbst nie erfahren. Auch sie haben oftmals nur funktionieren müssen, genauso wie wir Angehörige es in der Pflege auch erfahren können. Und deshalb können sie dies auch in so einigen Lebensbereichen nicht weitergeben, dafür aber Druck, übergriffige, zur Funktion antreibende Gewalt, usw. Und trotzdem hat ein jeder Elternteil auch Anteile, die er trotz der negativen Seite, mit Verständnis bedienen kann und das ihm hier etwas gelingt, was dann auch eine Bereicherung, im ansonsten mistigen Alltag angesehen werden kann. Diese Anteile würde ich nicht mit "Ehren wollen" vergleichen. Sondern mit einem Selbsterkennen. Denn auch als Kind trage ich diese Anteile in mir, die der anderen im positiven Sinne bedienen kann. Und dafür kann man vielleicht auch dankbar sein, wenn man diesen geerbt hat. Das kann zum Beispiel eine handwerkliche Tätigkeit sein oder vielleicht die Freude am Gesang, Kochen, etwas Helfendes, auch wenn es selten ist usw.

Liebe Grüße in die Runde


[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 02.02.2020 um 11:29.]

02.02.2020 | 10:10
Rose60

Hallo Herr Hamborg,
Ihr Satz "Lassen Sie das schlechte Gewissen in der schlechten Kinderstube" ist für mich sehr prägnant und hilfreich!! Danke dafür ;)
Liebe Grüße

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 02.02.2020 um 10:11.]



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