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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wandmalerei mit Stuhlgang
03.02.2020 | 18:40
sonnenblümchen

ich brauche ,,Austausch". O.k. kein schönes Thema, aber ich brauche Erfahrungsaustausch. Immer wenn ich das Badezimmer meiner Mama geputzt habe finde ich selbiges einen Tag später mit Stuhlgang verschmierten Fliesen vor. Meine Mutter war es nicht ! Sieht aber die ,,braune Kunst" nicht. Meine Nerven liegen frei. Es sieht so aus,als wenn sie mit beiden Händen die Fliesen runter streicht. Ich habe gelesen, dass Menschen mit Demenz evtl. ihre Ausscheidungen nicht mehr erkennen. Bei meiner Mama habe ich den Eindruck,dass sie ihr Badezimmer markiert, wie ein Hund sein Revier. Malen mit Papier oder mit Kente ,,spielen" will meine Mutter nicht. ,,Sie ist ja nicht bescheuert !"....sagt sie selber. Wir haben immer noch das ,,Müllproblem" und jetzt noch die ,,Fäkalmalerei"! Es gibt Putzmittel und Einmalhandschuh...ja,ja ! Aber habt ihr eine Idee,wie ich meine Mutter von ihrer Stuhlgangmalerei wegbringe? Meine Mama empfindet keinen Ekel davor und versteht meine Aufregung nicht.
LG

03.02.2020 | 19:35
hanne63

Hallo Sonnenblümchen,
ich war jetzt nur damit konfriert die "Hinterlassenschaften" wegzuputzen und verschmutzte Kleidung zu entsorgen, weil das der Pflegedienst zu Hause (hauswirtschaftliche Hilfe) am Tag der Heimweisung meines Vaters nicht mehr als Aufgabe ansah, obwohl anwesend....und ich muß sagen, es fiel mir sehr schwer. Dabei waren es nicht einmal "Malereien", sondern halt Verschmutzung aus Versehen oder Unvermögen.

Ich könnte das also selbst nicht leisten, was Du da auf Dich nimmst.

Ich glaube im Heim haben sie andere Möglichkeiten...Pflegeoveralls und dergleichen und die Räumlichkeiten sind ja auch dort leichter zu säubern etc....

Der rechtliche Betreuer und auch der Pflegedienst, sowie die Pflegekräfte im Heim sagten zu mir, dass es jetzt allerhöchste Eisenbahn gewesen sei, die Unterbringung durchzuführen....wohl mit auch wegen der Stuhl-Problematik.

Liebe Grüße


03.02.2020 | 20:57
Teuteburger

Hallo Sonnenblümchen,

das ist nervenaufreibend und ein weiterer Einschnitt, der belastend ist.

Da Ihre Mutter wohl nachts alleine ist und Sie die Bescherung erst dann sehen, wenn sie bereits erfolgt ist, so denke ich mir, ist Ihr Handlungsspielraum begrenzt. Wenn Sie Glück haben, ist das nur eine Phase, die sich irgendwann wieder verläuft. Es kann aber auch sein, dass es zu einem festen Ritual wird, bis Ihre Mutter auch das wieder vergisst.

Eine Idee hätte ich aber vielleicht trotzdem. Kann man vielleicht ein großes Bettlaken an der Decke befestigen und runterhängen lassen oder etwas mit einem Landschaftsmotiv oder ähnliches. Vielleicht kann sie dann nichts damit anfangen und sie lässt es sein.
Das wäre vielleicht ein Versuch wert und der Aufwand ist verhältnismäßig gering, wenn ihr Partner ein paar Löcher bohrt oder man eine andere Befestigungsmöglichkeit findet, ect.

Es tut mir sehr leid, dass ich nicht mehr dazu beisteuern kann, aber vielleicht wissen die Experten hier mehr.

Liebe Grüße an Sie

04.02.2020 | 07:49
sonnenblümchen

Guten Morgen Hanne und Teuteburger,
danke für Eure Antworten.
Zu 80 Prozent findet meine Mama ja ihre Toilette. Ich glaube ,wenn sie abgeführt hat, findet sie den Stuhlgang interessant und ,,fischt" ihn dann aus der Toilette. Wenn sich ihr einen Overall anziehe, kann sie nicht mehr selbstständig auf die Toilette gehen bzw. ich bringe sie dazu in die Hose zu machen.
In der Literatur, wissenschaftlichen Abhandlungen und Internet findet man was nichts über diese ,,Lust zu spielen mit Fäkalien" wenn der Mensch Demenz hat. Ich denke immer....macht nur meine Mama solchen ,, Blödsinn" oder ist es wieder ein Tabuthema über das man nicht spricht. Gestern habe ich das Badezimmer geputzt und wenn ich gleich hinfahre kann es sein,dass mich die Wandmalerei erwartet. Wenn ich dann wieder putze und ich Pech habe setzt sich das Verhalten über mehrere Tage fort bis es dann aufhört.
Ja Hanne, im Heim würde es die Putzfrau wegmachen müssen. Mich interessiert aber auch das Phänomen an sich. Stehe ich alleine damit dar ?
Ja Teuteburger, ich hoffe es ist eine Phase. Manchmal sind es aber Phasen,die immer wieder kommen .Da denke ich wir haben jetzt ,,Ruhe" davor und dann kommt es wieder hervor. Badewanne verstecken mit einem Vorhang geht vielleicht ,aber ich habe die ,,Kacke" ja auch am Waschbecken und auf dem Fußboden. Ich muss mal hin-und herüberlegen. Aber danke für die Vorschläge.

@ Guten Morgen Herr Pawletko und Herr Hamborg,
können Sie mir raten ?

LG

04.02.2020 | 08:29
Jutta60

Hallo Sonnenblümchen,
Sie beschreiben eine sehr unwürdige Situation, für Sie und Ihre Mutter und extrem belastend. Leider kenne ich auch kein absolutes Heilmittel. Aber ich kann berichten, wie es bei meiner Mutter war. Nämlich fast genauso. Nach dem Stuhlgang fischte sie den Kot wieder aus der Toilette. Ich verstand irgendwann, dass sie das mit der WC-Spülung nicht mehr begriffen hatte. Sie wusste das einfach nicht mehr. Sie blickte interessiert in die Toilettenschüssel, die sie vorher nur mühsam erkannt hatte. Dort sah sie etwas und wollte es wegmachen. Deshalb die erste Frage: wie ist das bei Ihrer Mutter, kann sie noch die Spülung betätigen? Dann wäre ja alles weggespült. Dann versuchte meine Mutter irgendwie zu putzen. Das gehörte zwar in gesunden Zeiten nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen, aber wenn sie dann noch verschmierte Hände hatte, dann war das Ergebnis wie bei Ihnen. Bei meiner Mutter beschränkte es sich aber auf das WC. Also das Badezimmer ist bei meiner Mutter in eigener Raum gewesen. Wie ist das bei Ihnen? Befindet sich die Toilette im gleichen Raum wie das Bad? Können Sie vielleicht überall Handtücher oder Wischtücher hinlegen? Obwohl, was bringt das? Bei meiner Mutter hörte es auf, weil sie schnell unbeweglich wurde und dann immer Hilfe brauchte beim Toilettengang. Gibt es vielleicht so etwas wie eine automatische Spülung, die man einbauen könnte? Ist aber wahrscheinlich zu kompliziert und teuer.
Ich wünsche Ihnen starke Nerven und alles erdenklich Gute, dass Sie eine Lösung finden!

04.02.2020 | 08:34
hanne63

Hallo Sonnenblümchen,
Sie sind mit dem Phänomen nicht allein:
mir sind noch die Erzählungen einer früheren Bekannten eingefallen. Die war als Altenpflegerin berufstätig. Da kam es öfters vor, dass auch Bettlägerige mit Stuhl die Wand verschmiert haben etc....sie erzählte damals, dass sie dann immer gesagt hätten...."da hat wieder jemand gemalt".....
damals konnte ich mir das überhaupt nicht vorstellen ...jetzt schon...
liebe Grüße...

04.02.2020 | 09:02
Grunella

Das ist ein sehr häufiges Phänomen, es nennt sich "Kotschmieren" und unter dem Suchbegriff "Kotschmieren Demenz" findet sich einiges an Informationen. Ich finde es bewundernswert, dass Sie vergleichsweise gelassen damit umgehen.

04.02.2020 | 16:51
klauspawletko

Hallo Sonnenblümchen,
ICH kenne dieses Phänomen bislang nur von sog. Bettlägerigen, bei denen es hàufig ein Ausdruck von Langeweile bzw. dem Wunsch nach Beschäftigung ist.
Das scheint mir bei Ihrer Mutter nicht der Fall zu sein.
Hat Ihre Mutter denn ein Flachspüler-WC? In diesem Falle könnte man das Ihne großen Aufwand durch Tiefspüler ersetzen, bei dem der Kot dann zumindest schon mal tief im Wasser verschwindet.
Mehr fällt mir dazu erst einmal nicht ein.
Liebe Grüße von Klaus Pawletko

04.02.2020 | 18:08
sonnenblümchen

Danke für die Antworten!
@ Jutta:
1.) Ja meine Mutter kann die Spüllung noch drücken. Sie hat auch so eine Spartaste....,die drückt sie oft nicht und das Wasser läuft durch.
2.) Im Badezimmer ist das WC, das Waschbecken und die Badewanne. Handtücher und Wischtücher hinlegen bringt nichts, weil meine Mama ja alles immer einpackt und ich gerade froh bin, dass sie Gegenstände nur mit Einmaltücher, Küchentücher und Toilettenpapier wickelt. Wenn ich jetzt Tücher auslege verschwinden die ins Einpackland.


Ich glaube,meine Mutter erkennt nicht immer den Stuhlgang als solchen und untersucht ihn aus diesem Grund (Unterstellung von mir).
@ Hanne : danke fürs mitdenken
@ Grunella : danke... eh ...auf die Eingabe ,,Kot schmieren -Demenz " bin ich nicht gekommen. Manchmal habe ich ein ,,Brett vor dem Kopf". ...und gelassen bin ich echt nicht mehr. Ich unterstelle meiner Mutter Absicht (mein Teufelchen auf der Schulter).
@ Herr Pawletko: danke fürs Melden ! Nö Langeweile hat meine Mutter nicht und sie sorgt mit solchen Aktionen, dass ich auch keine habe. Meine Mutter hat ein Badezimmer aus den 70 / 80 Jahren und da kann man in der Toilette angeln. Bei Menschen mit Demenz ,die viel im Bett liegen und Attends tragen kommt oft ja eine Inkontinenz hinzu. Ich denke die Attends stört diese Bewohner und aus diesem Grunde ,,fingern" sie in der Attends. Aber eine Mutter geht ja zur Toilette (nur nicht immer)

Aber danke an alle ! LG

08.02.2020 | 14:09
martinhamborg

Hallo Sonnenblümchen, nun endlich habe ich auch wieder Zeit für Beiträge gefunden.
In meinen Schulung erkläre ich das Verhalten immer mit folgender Frage:
"Wissen Sie was die erste eigene Produkt eines kleinen Menschen ist?"
Das macht die Auscheidungen so wertvoll und wenn die alten Erziehungsmechanismen durch die Demenz vergessen werden, kann dieses Verhalten wieder durchkommen, mit der echten Freude wie damals...
Für alle anderen Beteiligten ist das eine furchtbare Sache und es ist sehr schwer mit dem Ekel zurecht zu kommen. Diskussionen, Schimpfen, Wutausbrüche machen alles nur noch schlimmer.
Vielleicht finden Sie ein ähnliches Bild zu dieser Situation wie das "Einpackland" - ein schönes Wort, dass es einfacher macht das Unbeschreibliche auszuhalten.
In den Heimen würden die Mitarbeiter*innen den richtigen Moment für die Hilfe abpassen, technisch könnte dabei eine Klingelmatte helfen.
Wenn alles mit einer Verstopfung verbunden ist, hilft auch manchmal das richtige Abführmittel in der richtigen Zeit.
Eine andere WC-Schüssel finde ich eine sehr gute Idee, ansonsten bleibt mir nur die Hoffnung, dass Sie alles mit einem letzten Rest an Humor ertragen können, bis diese Phase vorbei ist! Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg



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