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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Unbedingt nach Hause , obwohl es im Heim besser geht
05.02.2020 | 18:41
Mela50

Hallo und guten Abend,

meine Mutter ist ca. 2011 an Demenz erkrankt. Es ist eigentlich immer gut zu Hause gelaufen, bis ca. Juli 2019. Meine Mutter ist in 2. Ehe verheiratet, ihr Mann ist fast blind (5% Sehfähigkeit), ein Verbleib meiner Mutter zu Hause war nicht mehr tragbar, da beide nachmittags zwischen 15. - 17.00 Uhr aufgestanden sind. Ein Brot gegessen haben und noch eine Apfeltasche und Obst. Gegen 23.30 Uhr sind beide ins Bett gegangen und so war ein Tages-/Nachtrytmus war nicht mehr gegeben. Beide sind immer mehr abgemagert - meine Mutter hat ca. 15 - 20 kg abgenommen, lag in der Zeit, in der sie nicht im Bett war, auf dem Sofa, hat nicht mehr richtig am Leben teilgenommen, konnte nur noch mit Stock gehen und hatte das Trinken fast komplett eingestellt. Wir haben sie dann aus der Wohnung geholt und ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde sie wieder aufgebaut, Flüssigkeit zugeführt und ein Tagesrhytmus wieder hergestellt. Ihr geht es körperlich wieder so gut, dass sie fast ohne Stock gehen kann.

Wir haben uns dann entschieden, da wir sie nicht zurück in die Wohnung lassen können ohne Betreuung (die von ihrem Mann entschieden abgelehnt wurde). Glücklicherweise haben wir Anfang Dezember einen Kurzzeitpflegeplatz erhalten und dies ist jetzt in die Langzeitpflege übergegangen.

Lieder möchte meine Mutter immer wieder nach Hause, letztes Wochenende hat sie auch geweint. Im Gespräch haben wir allerdings festgestellt, dass sie überhaupt nicht weiß wo sie ist und wo sie überhaupt gewohnt hat. Die Pflegekräfte kümmern sich wirklich rührend um eine Mutter, beziehen sie in alles ein, sie wird gefordert und beteiligt sich auch an allem.

Die Pflegekräfte haben ihr nun einen Zettel hingelegt, dass sie noch 14 Tage im Heim bleiben muss und am 14.02.2020 nach Hause kommt. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das gut ist, dass ein entsprechendes Datum eingetragen wird, da meine Mutter jetzt einen Kalender zur Hand genommen hat und läuft damit rum und rechnet nach.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich machen soll. Alle sagen, sie kann nicht mehr zu Hause leben (das weiß ich auch). Was oder wie kann man meiner Mutter helfen, dass sie nicht immer weg will. Sie räumt z..B. auch jeden Tag den Schrank in ihrem Zimmer aus, weil sie denkt, es geht nach Hause.

Wenn man ihr im Gespräch allerdings sagt, dass sie noch bleiben muss, dann ist das ok für sie und sie ist entspannt, 2 Minuten später geht es wieder los: "Wann kann ich nach Hause". Ich zerbreche daran ...

Danke für Hilfe!

LG Mela50

06.02.2020 | 10:52
Grunella

Meine Mutter hat auch immer wieder den Wunsch geäussert, nach Hause zu wollen. Allerdings war ihr Zuhause ihrer Meinung nach eine Postbankfiliale in Berlin. Nach Hause zu wollen ist meiner Meinung nach der Wunsch, an einem Ort zu sein, den man kennt und wiedererkennt und an dem alles nicht mehr so verwirrend ist. Diesen Ort gibt es garnicht. Allerdings hat sie immer Trost darin gefunden, dass ich gesagt habe: Ok, dann schaue ich mal, wann wir fahren können, heute nacht schläfst Du noch hier, das ist alles geregelt, das da ist Dein Bett. Und morgen schauen wir weiter. Das fand sie gut, das war eine Aussicht. Und dann hangelt man sich von Tag zu Tag. Die Zugtickets sind heute superteuer, wegen Ferien, wir fahren lieber morgen, da kosten die nur die Hälfte etc pp. Ich habe immer nur versucht, ihr im hier und jetzt die Sorgen zu nehmen, weil sie sich ohnehin nichts merken könnte. Jemandem alle Stunde mal zu erklären, dass er jetzt hier bleiben muss und ihm das Herz zu brechen, wem ist damit geholfen?

07.02.2020 | 19:00
klauspawletko

Hallo Mela 50,
ich möchte Grunella beipflichten. "Nach Hause" wollen ist bei Menschen mit Demenz tatsächlich meist der Wunsch an einem Ort zu sein, wo man geborgen ist und alles geregelt ist.
Der "Trick" der Pflegekräfte ist mir allerdings nicht nachvollziehbar. Können Sie mit der Pflegedienstleitung eine "Strategie" besprechen, wie es besser gehen könnte?
Sie haben den 2. Ehemann gar nicht erwähnt. Wie ist er einbezogen? Oder haben Sie ihn bewusst heraus gehalten?
Ist er Teil des Problems oder könnte er Teil der Lösung sein?
Beste Grüße von
Klaus-W. Pawletko

07.02.2020 | 19:38
Rose60

Hallo Mela,
ich habe genau diese Phase gerade mit meiner Mutter erlebt und habe einige Wochen arg gelitten.
Ihrer Mutter das Datum hinzulegen, klingt ja wirklich nicht sehr sinnvoll. Könnte sie denn nach der Kurzzeitpflege vollstationär bleiben? Bei meiner Mutter ging es auf meinen Wunsch hin darin über, zuhause konnte die bisherige Pflege und Betreuung nicht mehr gesichert werden .
Es klingt für mich so, dass Sie eine sehr verantwortliche Entscheidung für Ihre Mutter getroffen haben. Ihr Mann scheint ja mit so wenig Rest-Sehfähigkeit dies nicht leisten zu können. Alternativ bliebe bestenfalls eine 24h-Pflegekraft, denn allein kommen die Beiden doch ganz offensichtlich nicht zurecht.
Meine Mutter bekommt mittlerweile eine Minidosis Antidepressivum, was ihr sichtlich guttut.
Mir wurde auch geraten mit Vertröstung zu arbeiten und das hat funktioniert bislang. Es ist ein Gewöhnungsprozess, klingt wie mit der Eingewöhnung von Enkeln in die KITA.... Doch nun haben wir den totalen Rollenwechsel mit den alten Eltern, das muss man erstmal akzeptieren. Es ist ein Prozess und sehr typisch, wurde mir gesagt, ich bin momentan froh, dass ich es ausgehalten habe, meine Mutter hat sich allerdings zum Glück auch nicht allein auf den Weg gemacht.
Alles Liebe für Sie,
Rose

07.02.2020 | 20:05
Mela50

Hallo und guten Abend,

vielen Dank für die positiven Feedbacks. Ich weiß ja, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe und das Heim ist wirklich sehr gut und die Pflegekräfte sind sehr bemüht. Ich werde morgen nochmals mit den Pflegekräften sprechen und sagen, dass sie den Zettel da wegnehmen sollen. Es ist m. E. einfacherer ihr zu sagen, dass sie noch 14 Tage bleibt, als einen Zettel dahinzulegen, das macht sie m. E. noch unsicherer.

Ich hoffe einfach für sie, dass sie sich eingewöhnt und nicht immer weg will. Eine Neurologin wird jetzt nach ihr sehen, vielleicht gibt es die Möglichkeit hier ein wenig mit Tabletten ihre Unruhe zu bekämpfen.

Ihren 2. Mann habe ich nicht einbezogen, weil dieser selbst pflegebedürftig ist und mit 5% Sehfähigkeit die Pflege meiner Mutter nicht übernehmen kann. Dies haben wir in den letzten Jahren gehabt, bis wir meine Mutter da rausgeholt haben, weil sie sonst gestorben wäre.

Hoffe, dass es für mich auch einfacher wird und ich mich nicht weiter mit Schuldgefühlen (wegen ins Heim abschieben) rumlaufen muss.

Ich bin froh, dass ich mich mit ebenso Betroffenen austauschen kann.

Vielen lieben Dank!!

Melanie

08.02.2020 | 13:38
martinhamborg

Hallo Mela50, vielleicht noch ein Gedanke von meiner Seite. Können Sie sich vorstellen, dass Ihr Schuldgefühl weg ist und an die Stelle ein gutes Gewissen tritt? Erst mal nur in Gedanken?
Es ist eine Übung die schon vielen geholfen hat und wenn Sie dann in dieser Situation sozusagen aus der Zukunft zurücküberlegen würden, was Sie alles richtig gemacht haben werden ....

Von allem was Sie schreiben ist Ihre Entscheidung absolut richtig, bitte glauben Sie sich. An die anderen Vorschläge kann ich mich nur anschließen. Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

09.02.2020 | 13:22
Mela50

Hallo Herr Hamborg,
Janice kann es mir vorstellen und ich weiß auch, dass es die beste Entscheidung ist, ich glaube auch eher, dass ich nicht loslassen kann.

Vielen Dank für die Unterstützung, es macht
Mir einfach Mut, dass ich nicht allein bin
LG Melanie

09.02.2020 | 14:23
Andydreas

Hallo Mela 50,
auch ich stehe mal wieder vor der Entscheidung meine Mutter in einer Pflegeeinrichtung unterbringen zu müssen. Nachdem meine Mutter, mir der ich zusammen wohne in einer Phase, in der sie extrem aggresiv wurde versucht hat mich zu schlagen und ich befürchten muss, dass sich das wiederholt werde ich mich ab morgen um eine Betreuung kümmern müssen mit dem Ziel meine Mutter unterzubringen.
Sie können sich vorstellen wie schwer mir das fällt, aber rein sachlich betrachtet muss ich tun, was ich für das Beste für meine Mutter halte. Notfalls besteht ja die Möglichkeit der Rücknahme, hoffe ich zumindest.
Meine Mutter hat bisher resolut alles abgelehnt, was ihr helfen könnte. Das wird auch immer extremer.
Vielleicht kann es Ihr Gewissen beruhigen, wenn Sie sich klarmachen, dass es keine andere Möglichkeit gab. Wir sind gegen die Begleiterscheinungen dieser Krankheit letztendlich irgendwann machtlos.
Ich habe mir fest vorgenommen auch weiterhin für meine Mutter da zu sein und das wird mir auch gelingen. Ich lasse sie nicht im Stich, sondern handele nach dem Gesetz der Logik. Letztendlich bleiben immer Restzweifel, aber die muss man mit sich selber ausmachen.
Sie sind ja schon einige Schritte weiter als ich. ich habe keine Ahnung wie das alles ablaufen soll und ob der Betreuer überhaupt eine geeignete Einrichtung findet. Vielleicht kann mir ja jemand, der diesen Weg bereits gegangen ist mal berichten wie das alles abläuft und was ich beachten muss ?
Vielen Dank.

09.02.2020 | 15:08
Rose60

Hallo Andydreas,
ich habe Ihnen gerade im Forum "Kommunikation..." dazu geschrieben ;)
LG

09.02.2020 | 15:30
hanne63

Hallo Andydreas,
Sie können selbst die rechtliche Betreuung übernehmen oder es kann ein rechtlicher Berufsbetreuer vom Gericht eingesetzt werden.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein rechtlicher Berufsbetreuer viel bessere Möglichkeiten als ich als Angehörige hatte. Er verfügt vor Ort über ein großes Netzwerk und hat auch für meine beiden Eltern jeweils einen Heimplatz gefunden.
Allerdings kann auch ein rechtlicher Berufsbetreuer jemanden nicht ohne dessen Einwilligung unterbringen. Dazu ist ein Gerichtsbeschluß nötig mit vorherigem ärztlichem Gutachten etc....dazu ist es im Vorfeld hilfreich, daß man alle Vorfälle gut dokumentiert hat und dem Gericht aus Angehörigensicht eine schriftliche Stellungnahme zu kommen läßt....
Hilfreich ist auch, im Gefahrenfall die jeweiligen Behörden (insb. Polizei, Rettungsdienst etc.) einzuschalten, weil es in der Regel mehrere solche Vorfälle braucht......
viele Grüße



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