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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Eskalation mit Polizeieinsatz
08.02.2020 | 12:09
Andydreas

Hallo,
ich habe ja bereits des öfteren berichtet. Ich betreue meine 88 jährige Mutter mit Pflegegrad 4 und starker Hinlauftendenz seit einigen Jahren alleine, da ich keine weiteren Angehörigen mehr habe.
Bisher gab es Höhen und Tiefen. Es lief aber weitestgehends ganz gut.
Sie ist eine Totalverweigererin und lehnt aber so alles ab.
Gestern abend kam es mal wieder zu einem ausgedehnten Fluchtversuch in dessen Verlauf ihre Aggression mir gegenüber immer mehr zunahm.
Heute morgen eskalierte die Lage, als sie mich mit ihrem Stockschirm bedrohte und ich die Wohnung fluchtartig verlassen musste. Mir wurde in diesem Forum mal geraten in diesem Fall die Polizei einzuschalten.
Ich wählte also die 110 und der angerufene war etwas ratlos, was denn die Polizei da machen könne. Trotzdem schickte er einen Einsatzwagen. Die Beamten waren sehr verständnisvoll und schlugen vor, dass meine Mutter per Soforteinweisung erst mal in die Psychatrie eingewiesen werden könne. Darüber habe aber ein Arzt zu entscheiden, der auch sofort herbeigerufen wurde.
Meine Mutter hatte sich inzwischen wieder beruhigt, nachdem sie die Polizisten mehrfach lautstark der Wohnung verweisen wollte. Als der Arzt endlich erschien war sie wieder viel ruhiger. Die Untersuchung durch den Arzt bestand aus ein paar Fragen, die meine Mutter alle nicht beantworten konnte.
Er gab ihr eine Beruhigungstablette (Diazetpran oder so ähnlich) und gab mir noch2 weitere für das Wochende.
Er gab mir noch eine Überweisung für meinen Hausarzt und empfahl mir gegebenfalls die Vorsprache beim Betreuungsgericht.
Warum gab es denn nicht die Möglichkeit der Soforteinweisung ?
Auf meinen Hinweis auf die bestehende Gefahr durch einen weiteren Aggressionsschub antwortete er nur süffisant, dass ich im Falle einer Auseinandersetzung ja wohl die Oberhand behalten würde.
Dann zogen alle wieder ab und liessen uns alleine.
Die Tablette, die meine Mutter bekommen hatte machte sie sehr müde, aber das kann ja wohl nicht die Lösung sein.
Ich habe mir immer gesagt, dass ich alles tun würde um meiner Mutter die Aufnahme in ein Pflegeheim zu ersparen. Aber mir war eigentlich klar, dass wenn sie zu körperlicher Gewalt greift das Ende der Fahnenstange erreicht sei.
Jetzt bin ich wieder so schlau wie vorher.
Sie war zwar offensichtlich von dem, was da vorgefallen war Geschockt, aber das weiss sie morgen ja nicht mehr.
Wahrscheinlich bleibt mir nur der Gang zum Betreuungsgericht, was ich immer vermeiden wollte.
Hat jemand schon ähnliche Erfahrungen machen müssen ?

08.02.2020 | 13:01
Rosina

Lieber Andreas,ich verfolge seit längerer Zeit ihre Beiträge im Forum und weiß,dass sie alles Erdenkliche für Ihre Mutter tun.Ich weiß auch ganz genau,wie Sie sich heute fühlen,denn ich kenne solche Situationen auch.Nach dem Eskalieren habe ich mir immer vorgenommen auf Abstand zu gehen,einfach mal nicht mehr hingehen,damit sie auch merken,dass Unsere Mütter auf unsere Hilfe angewiesen sind.Aber ich kann Ihnen sagen dass Sie das höchstens zwei Tage durchhalten,dann haben Sie sich beruhigt und es tut ihnen leid.Sie können ihre Mutter ja nicht im Stich lassen.Es gibt eigentlich keine Lösung.Sie müssen damit fertig werden.Der einzige Ausweg ist ein Pflegeheim und wie es aussieht,bekommen Sie da keinen Platz wegen der Weglauftendenz.Ihre Mutter wird das ganze schneller vergessen haben als Sie. Meine Mutter hat dann immer gesagt,nein,das habe ich nicht gemacht oder habe ich nicht gesagt.Aber die größte Strafe war,wenn ich einen Tag nicht gekommen bin,dann hat sie gemerkt,dass etwas nicht stimmt.Diese Krankheit ist so unglaublich .Nehmen Sie sich eine Auszeit,tun Sie einmal etwas für sich.Das hat mir geholfen.Selbst wenn es zur Aufnahme in eine Klinik kommt,stellt man ihre Mutter ruhig,dann ist sie wieder bei Ihnen.Sie könnten sich auch etwas Erleichterung schaffen,indem Sie den Pflegedienst mit integriere .Meine Eltern wollten dies auch nicht,ich habe harte Kämpfe durchgekämpft.Jetzt wird mein Vater täglich gewaschen und angezogen,er ist 91 und auch dement,aber ruhig,meine Mutter hat die Haushaltshilfe akzeptiert,auch Tablettendienst u nd das ist eine u wahrscheinliche Erleichterung.Ich muss jetzt nicht mehr jeden Tag dorthin fahren.Setzen Sie auch einmal etwas durch, was Ihnen hilft,die Aufgabe leichter zu bewältigen.D ENKEN sie auch einmal an sich.Das war auch ein Rat hier aus dem Forum.Gruß Rosina

08.02.2020 | 14:08
Teuteburger

Hallo Andydreas,

das, was sie schreiben, dass kenne ich teilweise. Aber die Tendenz ist ähnlich, was die Verweigerung von allem angeht. Und es stellt sich mir die Frage, an wen sollen die vernunftvollen Ideen, die man selbst hat, adressiert werden, wenn die Demenzkranken angeblich kein eigenes Ich mehr haben, sie sich aber voll und ganz auf einen oder wenige Angehörige fixieren. Das kann rein technisch gesehen nicht funktionieren. Und deshalb kommt es, aus meiner Sicht, zu solchen Eskalationen. Und im Laufe der Zeit wird das auch immer mehr werden, bis der Körper irgendwann nicht mehr mitmacht.
Und so schlimm es auch ist, das ein oder andere, muss man irgendwann durchsetzen oder man muss die komplette Verwahrlosung ect. in Kauf nehmen. Bei meiner Schwiegermutter steht einiges hier auf der Kippe. Die beiden Frauen, die zu ihr kommen, wenn ich mal nicht kann, interessieren sie immer weniger, weil sie auch mit sich immer weniger anfangen kann. Aber sie ist extrem fit, wenn es darum geht, Ausreden zu finden und ihren Standpunkt zu vertreten, warum sie stören oder nicht kommen sollen. Ich komme an den Tagen aber auch nicht, weil ich einfach nicht kann, ich auch andere Verpflichtungen meinen Eltern ect. gegenüber habe.
Ich bin auch jemand, der früher die Kämpfe am liebsten vermieden hat. Heute scheue ich mich nicht, meiner Schwiegermutter zu sagen, ich bin dann und dann nicht da. Du kannst dann Gesellschaft haben, die Damen würden auch mit dir in die Stadt fahren und sich kümmern ect. Will sie das nicht, dann ist sie alleine an dem Tag. Aber ich sorge dafür, dass die Damen trotzdem zu ihr gehen und nach einer Stunde schimpfen, klappt es dann meist doch. Sie hat ein Bedürfnis, dass sie nicht alleine sein will und das können auch andere befriedigen, auch dann, wenn sie diese nicht als Ressourcengeber ansieht, wozu sie ihre Kinder ect. auserwählt hat.

Ich habe auch lange gebraucht, um zu verstehen, das meine Schwiegermutter nicht mehr entscheidungsfähig ist, was ihre Bedürfnisse angeht. Sie will nur das man sie für Vollkommen hält und das sie selbstständig sein kann. Wie das aber technisch funktionieren soll, dass war und ist ihr vollkommen egal. Und hier ist man als Angehöriger gefragt und hier kann man auch für sich die Grenze erkennen, dass man das ein oder andere zum Wohle des zu Betreuenden und auch für sich waren muss. Man tut sich keinen Gefallen, wenn man alles immer wieder versucht glattzubügeln. Es kommt der Punkt, da geht es nicht mehr. Und da kann man vorsorgen. Ich weiß nicht, ob dieser Punkt jetzt bei Ihnen erreicht worden ist oder ob Sie noch so weitermachen können oder wollen. Meiner Schwiegermutter hat es gut getan, wenn ich sage, ich muss zu meinen Eltern und ich habe eine Arbeit, an der selbst so viele Menschen mitdranhängen, die kann ich unmöglich sein lassen.
Das hat sie verstanden und wenn sie es vergisst, dann sage ich es ihr noch einmal und ich muss sagen, es funktioniert, auch wenn ich in ihren Augen halt dann immer alles besser weiß, als sie. Ich weiß nicht alles besser, aber ich nehme ihr Bedürfnis, nach nicht alleine sein wollen ernst.

Ich würde mich fragen, was braucht denn ihre Mutter, wenn sie noch weiter mit Ihnen zusammen leben will. Können Sie das ein oder andere mit Nachdruck durchsetzen, auch wenn das erst einmal sehr unangenehm wird, aber das Bedürfnis der Mutter doch befriedigt wird und sie hier dann auch noch lernfähig ist, im Laufe der Zeit. Leider kann man das nicht wissen. Oder wird alles immer mehr auf Eskalation und Betreuung hinauslaufen, weil sie es nicht mehr packen, wegen der Aggressivität (unbefriedigtes Bedürfnis) oder ihre Schwiegermutter bei der totalen Verweigerung bleiben will?

Leider kann man hier nichts verallgemeinern, weil jeder Fall sehr individuell ist.

Ich weiß bei uns leider auch nicht, inwieweit das bei uns noch funktionieren wird, auch wenn manch ein Erfolg noch da ist.

Liebe Grüße an Sie


[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 08.02.2020 um 14:12.]

08.02.2020 | 15:55
sonnenblümchen

Hallo Andydreas,
irgendwie tuen Sie mir leid...und ich weiß nicht, was ich raten kann /soll !
Wenn der Arzt in der aktuellen Situation keine Gefährdung sieht und Ihre Mama nicht einweißt sind Sie machtlos. Bei dem nächsten Vorfall würde ich wieder so verfahren...bis die Polizei ,,genervt" ist und vielleicht auch mehr Druck auf den Arzt macht. Ob dies klappt, weiß ich aber nicht.
Persönlich finde ich,wenn der Mensch mit Demenz ,,handgreiflich" wird..... wie bei Ihnen ...mit dem Stock schlagen will, ist eine Grenze überschritten. Sie müssen sich schützen. Was ist wenn Sie nicht mehr können und dann ebenfalls mit körperlicher Aggression gegen Ihre Mama reagieren ? Dann heißt es :,, Der Sohn hat seine an Demenz leidende Mama gehauen !" Die Gefahr besteht doch.....dann bekommen Sie von dem oben genannten Arzt und Ihrer Umwelt kein Verständnis.
Ich würde doch noch mal die Unterbringung im Heim versuchen . Ihre Mama steht doch noch auf der Warteliste...oder ?
LG

08.02.2020 | 16:43
Andydreas

Danke schon mal für die Antworten.
Eine Auszeit von ihr kann ich mir nicht nehmen, da wir zusammenwohnen und es keine weiteren Familienmitglieder mehr gibt. Ich kann also nicht wegbleiben.
Mein Vertrauen in die Ärtzeschaft sinkt immer mehr. Entweder die nehmen alle das Thema Demenz nicht ernst oder sie haben einfach keine Ahnung.
Ich spiele mit dem Gedanken mich beim Amtsgericht über den Einsatz eines Betreuers zu informieren.
Ich werde bei weiteren Vorfällen dieser Art auch wieder die Polizei rufen, denn irgendwas muss ich ja machen.
Jetzt schläft sie seit Stunden, da der Arzt ihr da wohl was entsprechendes verabreicht hat. Bin ja mal gespannt was passiert, wenn in der kommenden Nacht die Wirkung nachlässt.

08.02.2020 | 17:45
Barbara66

Hallo Andydreas,
Es gibt ja die Möglichkeit, die Mutter in die Kurzzeitpflege zu geben.
Eine Möglichkeit, damit Sie mal zur Ruhe kommen.
Des weiteren denke ich,daß bei Ihrer Mutter der Zeitpunkt gekommen ist,mit Benzodiazepinen (Valium-Diazepam, Tavor,Oxazepam) zu arbeiten .
Diese Mittel gibt man zwar mit Vorsicht, aber ich denke,daß sie zur Ruhigstellung Ihrer Mutter beitragen und sich die Lage zu Hause dadurch ein wenig entspannt.
Ich gebe meiner Mutter auch jeden Morgen 0,5mg Tavor.
Sie ist dann angstfreier und belastbarer und bekommt den Tag besser rum.
Ich hatte auch Sorge und Befürchtungen ihr dieses Mittel zu verabreichen.
Inzwischen sehe ich das ganze entspannter.
Mein Mann und ich waren sogar 1 Woche in Ägypten um uns ein bißchen zu erholen.
Mein Bruder war 2 Tage zu Besuch und die Medikamente gibt der Pflegedienst ja schon seit Oktober 2019.
Meine Eltern haben die Woche gut überstanden -auch ohne mich ☺
Alles Gute
Barbara

08.02.2020 | 18:05
jochengust

Hallo Andydreas,

<<Warum gab es denn nicht die Möglichkeit der Soforteinweisung ?>>
so erschreckend die Situation für Sie auch gewesen ist - der Arzt
sah offenbar keine Grundlage für eine zwangsweise Einweisung. Diese ist an rechtliche Hürden geknüpft (Selbst- / Fremdgefährdung). Sie können zum Beispiel hier etwas dazu nachlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Unterbringung_(Deutschland)
oder hier z.B. https://www.allgemeinarzt-online.de/archiv/a/wenn-die-krankheitseinsicht-fehlt-1627369 .

Beim verabreichten Medikament handelte es sich vermutlich um Diazepam? (https://de.wikipedia.org/wiki/Diazepam) .

Sie können sich im Zweifelsfall auch an den Sozialpsychiatrischen Dienst Ihres Landkreises wenden (in der Regel beim Gesundheitsamt angesiedelt).

Es grüßt Sie

Jochen Gust

08.02.2020 | 20:02
Andydreas

Der Auftritt des Arztes macht mich unendlich wuetend.
Er stuermte in unsere Wohnung und ueberfiel meine Mutter mit ein paar Fragen, die sie alle nicht beantworten konnt (Bundeskanzler, welches Datum haben wir, wie alt sind sie etc)
Dann verabreichte er ihr ein Schlafmittel, schrieb einen kurzen Bericht an unseren Hausarzt und machte sich dann auch noch lustig ueber mich.
Ich habe ja schon desoeffteren den Versuch unternommen mir Unterstuetzung zu besorgen was immer an der Abwehrhaltung meiner Mutter gescheitert war. Ich sah heute die Möglichkeit einen wichtigen Schritt in diese Richtung zu tun. Der heutige Angriff bestätigt, dass es an der Zeit ist das Richtige zu tun. Da ist heute so einiges in mir zerbrochen.
Aber ich werde mal wieder im Stich gelassen.
Alles sehr frustrierend.

08.02.2020 | 22:58
Teuteburger

Andydreas,

ich kann Sie sehr gut verstehen. Jeder Mensch, hat seine individuelle Grenze. Diese fängt bei Ihnen wohl bei der Handgreiflichkeit an. Das ist nachvollziehbar.
Und wenn man sich dann auf eine Behörde verlässt, weil man das als einzigen Ausweg für sich sieht, dann passiert ausgerechnet das, was Ihnen passiert ist.
Dem Arzt hat es offensichtlich an Zeit und Empathie gefehlt. Das ist bitter.

Was Ihre Mutter angeht, so weiß auch ich inzwischen, dass Bedürfnisse stärker sind, als jede verstandliche oder empathisch antrainierte Verhaltensweise. In der Demenz bleiben nur noch die Bedürfnisse und irgend jemand, der sie dann zu erfüllen hat. Ich erlebe hier auch vieles und einmal stand auch meine Schwiegermutter kurz davor, mich zu schlagen. Das war, als sie im Krankenhaus war, sie nicht mehr laufen konnte, weil sie gestürzt war und einen Muskelriss hatte. Sie hat mich beschuldigt und gesagt ich wolle sie los sein. Ich habe versucht, zu beschwichtigen und ihr zu erklären, warum sie im Krankenhaus liegt. Da schrie sie mich an und hob die Hände wie zu einem Schlag, hat aber dann doch noch mal die Kurve bekommen. In ruhigen Minuten sagt sie dann ich sei ihr Leben, wie eine echte Tochter usw. Es ist ganz schlimm so etwas auszuhalten.

Wenn sich so etwas wiederholen sollte, dann würde ich auch an ein Antidepressivum denken und ich würde trotz ihrer Wehrhaftigkeit versuchen, das ein oder andere einzuführen. Und wenn das nicht geht und sie merken, Sie schaffen es nicht, dann würde ich an eine Betreuung denken. Vielleicht ist aber auch jetzt der richtige Zeitpunkt für Sie gekommen.

Manchmal ist es besser, man erklärt dem Demenzkranken, das der Staat älteren Menschen im Alltag hilft, ab einem gewissen Alter und dafür ist der Betreuer dann da.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft und das Sie für sich die richtige Entscheidung treffen.



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 09.02.2020 um 01:01.]

09.02.2020 | 14:58
Rose60

Hallo Andydreas u.a.,
es ist überhaupt nicht so, dass man an dieser Situation nichts machen kann!! Als mein Vater vor einigen Jahren handgreiflich wurde, fand ich auch definitiv das Ende der Fahnenstange erreicht. Weder uns Angehörigen/Kindern noch dem demenzkranken alten Elternteil ist solch eine Situation zuzumuten. Nirgendwo steht, dass man sich zugrunde richten (lassen) muss durch Eltern!
Ich kann aus meiner Erfahrung berichten, dass es vorübergehend eine sehr aufregende Zeit war, doch nachdem ich bei Gericht "rechtliche Betreuung" beantragt hatte und es zum Polizeieinsatz gekommen war, hat der Hausarzt , den ich eine Zeit vorher schon von zunehmenden Problemen berichtet hatte, eine Einweisung in die Gerontopsychiatrie geschrieben. Mein Vater wurde von Ordnungsamt und RTW abholt und was nun klingt wie wegsperren, entwickelte sich so, dass mein Vater in er gen.Abteilung genau untersucht wurde, auf Medikament eingestellt und von rechtl. Betreuerin nach Absprache mit den Angehörigen in ein spez. Pflegeheim für Alzheimer u.ä.Patienten gebracht wurde, auf richterliche Anordnung. Dort werden die Patienten nicht gefesselt o.ä., sondern liebevoll beschützt, können sich in Haus und dortigem Garten frei bewegen. Die Betreuerin kannte aus Erfahrung die infrage kommenden Häuser. Vllt schauen sie mal unter Pflegeheim "Die Brücke", wie so etwas aussehen kann. Wir leben ja nicht mehr im Mittelalter und ich kann sie total verstehen, dass Sie für sich selbst sorgen wollen und müssen!!
Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen für baldige Beruhigung der Situation
Rose

PS: in der Gerontopsychiatrie kennen sich die Ärzte besser mit den passenden Medikamenten aus. Soweit ich weiß, wird dort erfolgreicher mit Neuroleptika gearbeitet, bei alten Menschen meist seeehr kleine Dosen, Antidepr. können bei alten Menschen lt. Aussage eines Arztes oft gegenteilig wirken , also da sollte sich jemand wirklich mit auskennen. Neuroleptika können Ängste nehmen und eine bessere Stimmung machen, das ist sinnvoll stationär einzustellen.

Und am besten alles genau dokumentieren, in Aufregung vergisst man schnell wichtige Details..

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 09.02.2020 um 15:03.]



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