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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Eskalation mit Polizeieinsatz
09.02.2020 | 18:24
Andydreas

noch eine letzte Frage zur Vorgehensweise. Gehe ich erst zum Amt- oder Betreuungsgericht oder erst zum Betreuungsverein, den es hier gibt ?
Ich will mich vorerst beraten lassen bevor ich tätig werden

09.02.2020 | 18:50
hanne63

Hallo Andydreas,
ich habe mich an verschiedenen Stellen beraten lassen:
Die Rechtspfleger am Betreuungsgericht sind sehr hilfsbereit und man kann sich dort erkundigen....ohne dass man dann einen Antrag auf Betreuung stellen muß.

Dann war ich noch bei einer Beratungsstelle für Angehörige von Demenzkranken bei der Arbeiterwohlfahrt, die haben mich auch insoweit beraten über die Abläufe.

Auch der sozialpsychiatrische Dienst (Gesundsheitsamt beim Landratsamt) hat mich insoweit beraten.

Bei einem Betreuuerverein war ich nicht vorab...kann man aber sicher auch tun vorher, dass man da nachfragt.

Im Klaren sollte man sich aber sein, dass ein rechtlicher Berufsbetreuer auch Gebühren verlangt, die aus dem Vermögen der Eltern zu bezahlen sind.....die Höhe der Gebühren kann man im Internet googeln.... ;-)......

Ich selbst habe ich mich über eine Betreuerbestellung beraten lassen und dann noch ca 1 Jahr abgewartet mit der Antragsstellung...einkalkulieren sollte man, dass das Verfahren dann bis zu ca 3 Monaten noch dauern kann....weil auch für die Betreuerbestellung ein amtsärztliches Gutachten nötig ist.....


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 09.02.2020 um 18:51.]

10.02.2020 | 12:11
Andydreas

Hallo,
ich habe mit dem Betreuungsgericht telefoniert. Ich hätte zwar gerne einen Beratungstermin vereinbart, bekam jedoch vorläufig nur deíe Auskunft, dass ich erst mal in unserer Vorsorgevollmacht nachsehen solle, ob sie die Klausel der Aufenthaltsbestimmung enthielte.
Es macht sich wohl bezahlt, dass wir die Vollmacht bei einer Notarin haben ausstellen lassen, denn diese Klausel ist sehr wohl enthalten, Es ist sogar der Zusatz, dass ich ueber die Ausuebung von Zwangsmaßnahmen berechtigt bin.
Morgen werde ich also erneut beim Betreuungsgericht vorsprechenund bin mal gespannt, ob das ausreicht.
Außerdem habe ich morgen einen Gesprächstermin beim sozialpsychatrischen Dienst und erhoffe mir von dort Unterstützung bei der Suche nach einer passenden Einrichtung.
Ich habe natürlich ein schlechtes Gewissen dabei, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir nach den Vorkommnissrn am vergangenen Wochende die Entscheidung leichter fällt.zumal ich mir sicher bin, dass sie professionellere Hilfe braucht, als ich ihr noch geben kann.

11.02.2020 | 11:14
Andydreas

Jetzt habe ich es amtlich. Uns kann keiner helfen. Mein Gespräch mit der Richterin beim Betreuungsgericht verlief erfolglos. Eine Zwangseinweisung müsste in einer geschlossenen Einrichtung erfolgen. Die gibt es hier aber weit und breit nicht.
Die Dame beim sozalpsychatrischen Dienst war sehr verständnisvoll kann aber auch nichts für mich tun. Sie will uns aber am Donnerstag mal besuchen und die Lage sondieren.
Morgen gehts noch mal zum Hausarzt und drogen besorgen und dann müssen wir auf den Tod oder zumindest einen Unfall warten um ev. nach einem längeren Krankenhausaufenthalt den Weg in eine Pflegeeinrichtung zu finden. Bis dahin muss ich also auf der Hut sein und ihr immer fleissig ihre Drogen geben, damit sie ruhig bleibt. Außerdem darf ich weiterhin täglich mindestens 10 km mit ihr laufen.
Das ganze geht aber nur bis zum 30.9., denn sonst verliere ich meinen Job.
Armes Deutschland.

11.02.2020 | 12:03
Teuteburger

Hallo Andydreas,

das tut mir sehr leid, dass zu lesen. Das hilft Ihnen auch nicht weiter, das weiß ich.
Ich würde auch die Drogen geben lassen. Wenn Ihre Mutter täglich zehn Kilometer laufen kann, dann ist sie körperlich noch extrem fit.
Wenn ein Leben gegen das andere steht, so wie jetzt bei Ihnen, dann muss eine Entlastung her und ich hoffe, der sozialpsychiatrische Dienst weiß hier Rat.
Das Wehrhafte und das Nicht haben wollen, kann man manchmal untergraben.

Haben Sie ihrer Mutter denn mal gesagt, was Sie für sie tun können und wo Sie einfach nicht mehr können und wo sie deshalb Hilfe annehmen muss, um Sie zu entlasten.

Meine Schwiegermutter lehnt wie gesagt, auch immer alles ab, sie benutzt mich, für all ihre nicht aufgearbeiteten Mängel und Defizite, ohne jedoch den Hauch einer Lösung hier zu akzeptieren. Anstatt dessen fordert sie mein Leben unmissverständlich für sich ein und spricht es mir gleichzeitig fast vollständig ab, bis auf Essen und Trinken und das ich ihren Sohn versorge, sozusagen. Denn ich habe ja keine Probleme.
Und dann kommt immer mal wieder der Punkt, an dem ich kurz davor bin, selbst zusammenzubrechen und das bekommt sie dann auch gesagt. Und dann werde ich auch laut, nicht vorwurfsvoll ihr gegenüber, aber ich sage ihr, dass ich auch für andere da sein muss und das jeder etwas von mir will, ich kaum mehr Luft zum Atmen habe. Und ich sage, dass ich keine Vergnügungen habe, außer dass ich hin und wieder auch mal Zeit für mich brauche, um auftanken zu können. Und dann sage ich, dass ich nicht mehr kann und sie auch mal etwas annehmen muss. Und dann verlasse ich den Raum.
Bisher ist es immer so gewesen, dass sie dann irgendwann ankam und ein ganz normales verständnisvolles Gespräch angefangen hat, so dass man völlig erstaunt gewesen ist, wie diese Wandlung vor sich gegangen ist. Manchmal gehe ich dann auch um den Block und wenn ich dann wieder reinkomme, auch dann ist sie wieder sortierter ect.
Emotionen werden verstanden und Überlastung auch, wenn man sie deutlich macht. Haben Sie das einmal getan?
Sie schreiben hier, sie verlieren ihre Arbeit, wenn das und das nicht eintritt. Haben Sie auch ein paarmal die Woche Zeit für sich?
Ihre Mutter sollte wissen, wie es um sie steht und dass sie auch Pflichten Ihnen gegenüber hat. Das wird einem auch im Demenzzentrum dringend angeraten, sonst sind sie einfach nur jemand, den man immer nur benutzen kann.
Bei meiner Schwiegermutter hält die Einsicht auch nicht lange an und dann muss ich ihr wieder klarmachen, dass ich kaputtgehe, wenn ich auf so vielen Hochzeiten tanzen muss.

Ihre Mutter müsste theoretisch Hilfe von Außen akzeptieren, sonst können Sie bald nicht mehr. Und das dürfen Sie ihr auch ruhig sagen. Die Leiterin vom Demenzzentrum hat das bei ihrer Mutter auch so machen müssen. Es kann auch jemand anders mit Ihrer Mutter spazieren gehen, zum Beispiel.

Es gibt auch für Kranke Grenzen, wenn das eigene Leben den Bach runtergeht.

Liebe Grüße an Sie








[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 11.02.2020 um 12:33.]

11.02.2020 | 12:21
sonnenblümchen

Hallo Andydreas, Teuteburger war mir zuvor gekommen .Meine Gedanken sind aber die selben. Wenn ich jeden Tag 10km gehen müßte !!!!,täten mir die Kniee weh. Geht ihre Mama auch ,wenn sie sagen:,, Du ich kann nicht! Ich bin müde von der Arbeit!" oder bleibt sie Daheim, wenn sie sich verweigern ?
Können Sie sie alleine gehen lassen oder haben Sie dann zuviel Angst um sie ? Ich würde Ihnen gerne sagen, dann lassen Sie doch ziehen ,aber wahrscheinlich würde ich es selber auch nicht machen.

Wie weit wäre denn die nächste ,,geschlossene Abteilung" weg ? Es würde doch reichen,wenn Sie sie am Wochenende besuchen würden !
LG

11.02.2020 | 14:13
Rose60

Hallo Andydreas,
das kann ja wohl nicht wahr sein.. Mir persönlich wurde durch den sozialpsychiatrischen Dienst auch nicht so sehr weitergeholfen, immerhin aber doch die Empfehlung, den Antrag auf rechtl. Betreuung beim Betreuungsgericht zu stellen. Ich war nirgendwo vor Ort, habe den Antrag aus dem Internet heruntergeladen und per Post (Einschreiben) verschickt, immer wieder mal dort angerufen und die Dringlichkeit wiederholt. Das Gericht muss dann entspr. Wege einleiten, wie beschrieben wurde bei uns ein örtlicher Psychiater aktiviert, natürlich dauert es etwas leider und die Einweisung in die Psychiatrie erfolgte auch erst durch den Polizeieinsatz.
Es war dann allerdings so, dass meine Schwester ihre Vorsorgevollmacht offiziell zurückgeben musste, damit eine rechtl. Betreuerin den Aufenthaltsort bestimmen konnte(ich hatte eh keine übernehmen wollen).

Vllt ist Ihr Leidensdruck noch nicht stark genug um dies durchzuziehen, das ist nicht wertend gemeint! Doch ich würde aus eigener Erfahrung nicht warten, bis Sie selbst völlig am Boden der ERschöpfung sind, denn dann sind Sie vermutlich auch nicht mehr arbeitsfähig und die Erholung kann sehr lange dauern. So hat es nun auch meine Schwester bei meiner Mutter erlebt, auch deren Partner hat nun noch seine Sachen gepackt. Also es kann einfach nicht sein, dass in unserem Sozialstaat mit vielen Möglichkeiten die Kinder noch vor den Eltern zugrunde gehen - es kann schon, sollte aber doch nicht, oder?
Im ungünstigsten Fall ist Ihre Mutter dann weiter weg, was ja manchmal zur eigenen Erholung auch gut sein kann um sich zu lösen.
Mein Vater wurde dann nur noch alle paar Wochen besucht, er vergaß es eh schnell wieder, doch er hatte es dort gut.
Insgesamt sind meine Schwester und ich seit über 10 Jahren mit den Eltern beschäftigt, und selbst auf die Distanz kostet es noch zeitweise genug Kraft.
Manchmal gibt es jedoch auch positive Wendungen, die man gar nicht für möglich hält: meine Mutter ist seit 4 Mon. mit beginnender Demenz und körperlichen Problemen (eigentlich gegen ihren Willen) im Pflegeheim, sie weiß theoretisch, dass sie jederzeit dort weg könnte, macht sie aber nicht. Nun hat sie sich verliebt, ihr glühender Verehrer ist 98 J. alt und geistig fit - es ist toll zu sehen, von "nach Hause" ist aktuell keine Rede mehr ;)

Soll heißen, man kann anfangs ein total schlechtes Gewissen haben und dann kann es wieder alles anders als gedacht kommen.
Ich wünsche Ihnen den nötigen Mut zu Ihren eigenen Bedürfnissen zu stehen!!
Liebe Grüße

11.02.2020 | 18:27
hanne63

Hallo Andydreas,
bei mir war es so, dass ich die mir von meinen Eltern erteilte Vorsorgevollmacht und Betreuungsvollmacht offiziell in einem Schreiben an das Betreuungsgericht zurückgegeben habe (mit kurzer Begründung, weshalb ich selbst die rechtliche Betreuung nicht übernehmen kann). Im gleichen Schreiben habe ich dann den Antrag auf rechtliche Betreuung durch einen Berufsbetreuer gestellt....
sobald der bestellt ist...ist der ja verantwortlich für das weitere Geschehen.......ich war "nur noch in der moralischen Verantwortung"....

aber auch der Berufsbetreuer mußte erst etliche Vorfälle abwarten...bevor er einen Antrag auf zwangsweise Unterbringung bei Gericht stellen konnte....

das nur zur Info zum Verfahrensablauf....

solange man selbst die Vorsorgevollmacht und/oder Betreuungsvollmacht noch in Händen hält.....macht keine Behörde irgendetwas.....

ja der eigene Leidensdruck muß sehr hoch sein, bis man sich zu dem Schritt der Vollmachtsrückgabe entschließen kann...

liebe Grüße

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 11.02.2020 um 18:28.]

12.02.2020 | 06:03
Andydreas

Ichmöchte mich ei allen für die netten und auch hilfreichen Beiträge bedanken.
Zu den gestellten Fragen: Eine Kommunikation mit meiner Mutter ist nur noch sehr eingeschränkt möglich. Sie erzählt eigentlich die ganze Zeit wirres Zeug, das keinen Sinn ergibt. Manchmal hat sie etwas klarere Momente. Aber die sind selten.
Wenn ich nicht nach ihren Wünschen handele und sie nicht losgehen lasse wird sie sehr aggressiv und nervt so lange bis ich sie entnervt rauslasse. Inzwischen diskutiere ich nicht mehr mit ihr sondern sorge nur dafür, dass sie passend angezogen ist und vor allem ihre Handtasche mitnimmt. Darin befindet sich nämlich Ihr Personalausweis, eine Notfallkarte und vor allem der GPS-Trecker mit dem ich sie immer wiederfinde. Ich lasse ihr dann 10-15 Minuten Vorsprung und gehe dann hinterher.Sie freut sich dann meistens wenn ich sie eingeholt habe und es gelingt mir dann zur Rückkehr zu überreden.
Es ist aber auch schon vorgekommen, dass sie immer weiter gehen musste, da sie ja nach Hause zu ihrer Oma muss. Wir sind dann bis zum Ortsschild gegangen. Sie wollte sogar noch weiter, aber da habe ich gestreikt. Irgendwann hat sie sich beruhigt. 10 Minuten später wusste sie davon nichts mehr.
Ich habe den Eindruck, dass die ihr neuerdings verbreichten Drogen eine Beruhigung herbeiführen.
Der Notarzt hatte ihr Diazepan verabreicht. Sie hatte dann ca. 5 Stunden geschlafen.
Außerdem gebe ich ihr seit ein Tagen einen Saft, denihr der Hausarzt aufgeschrieben hat. Pimpaperol oder so ähnlich. Sie läut nacht nicht mehr dauernd auf dem Flur rum sondern liegt die ganze Nacht im Bett.
Ich habe heute noch einen Termin beim Hausarzt und werde mal sehen was er aufschreibt.
Für die Zukunft hoffe ich das sie durch die Medikamente noch ruhiger wird. Ich kann mich noch bis Ende September von der Arbeit freistellen lassen. Bis dahin will ich versuchen eine Seniorenegleiterin für 2-3-Stundentäglich zu organisieren. Wo kann ich da suchen ? Vielleicht gelingt es mir dann ja sogar einen Pflegedienst und eine Fußpflege zu organisieren.
Drücken Sie mir die Daumen und nochmals vielen Dank.

12.02.2020 | 08:07
Jutta60

Hallo Andydreas,
Ihr letzter Bericht klingt doch jetzt nach einer im Augenblick tragfähigen Lösung. Sie diskutieren nicht mehr viel mit Ihrer Mutter und vermeiden so weitere Eskalationen. Alle hier wissen natürlich, dass sich die Lage jederzeit wieder ändern kann. Ich wünsche Ihnen aber sehr, dass es eine Weile so bleibt, bis sich andere Lösungen finden.
Haben Sie es schon mal bei der Gemeinde probiert oder bei der Kirchengemeinde? Bei meiner Mutter, die in einer Kleinstadt lebte, gibt es einen Dienst, der sich "Nachbarschaftshilfe" nennt. Da werden solche Dinge wie Seniorenbegleitung, Begleitung zum Arzt, Putzdienst usw. organisiert. Also alle Dinge, die nichts mit dem Medizinischen zu tun haben, also keine Medikamentengabe usw.. Diese "Nachbarschaftshilfe" hing an einem Pflegedienst. Da gibt es natürlich teilweise erhebliche Unterschiede. Für meine Mutter war das sehr gut, weil die Leute, die diese "Nachbarschaftssachen" machten, alle aus dem Ort kamen. Und die kannte sie teilweise noch. Im anderen Fall weiß ich nicht, ob sie denen vertraut hätte. Planen Sie da genug Zeit zum Kennenlernen ein.
Pipamperon ist ein sehr bekanntes Schlaf- und Beruhigungsmittel, halt ein Neuroleptika. Im Pflegeheim bei meiner Mutter wurde es sehr oft eingesetzt/verschrieben. Gerade, wenn die Dementen sehr unruhig waren. Meine Mutter hat es überhaupt nicht vertragen, das lag wohl an ihrer Lewy-Körper-Demenz. Es ist aber ein Mittel, das es schon sehr lange gibt und das gut erforscht ist. Und wenn es, wie Sie schreiben, funktioniert, dann ist das doch für Sie und Ihre Mutter gut. So kommen Sie wenigstens in der Nacht etwas zur Ruhe. Sie machen das gut und richtig, ganz herzliche Grüße!



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