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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Heimproblematik..ich bin geplättet..
16.02.2020 | 03:04
hanne63

Guten Abend,
heute habe ich beide Eltern besucht, die auf unterschiedlichen Stationen untergebracht sind (wohlweislich) und ich wohne selbst nicht vor Ort und es besteht eine rechtliche Betreuung durch einen Berufsbetreuer...

Also..der Vater in einer sog. beschützten Station..hat unendlich viel Speichelfluss und sabbert alles voll..und eine andere Bewohnerin spricht mich eindringlich darauf an, dass das nicht so geht und ekeleregend ist...Pflegekräfte nicht in Sichtweite und nicht ruf- und greifbar....

Die Mutter im gleichen Heim auf einer normalen Station, ebenfalls demenzkrank...andere Bewohner sprechen mich darauf an...was meine Mutter hat..ist sie etwa
demenzkrank..ich frage eine Pflegekraft ob das evtl ein Problem sein könnte, wenn Demenzkranke und normale Bewohner auf einer Station untergebracht werden...weil mich ja schon andere direkt daruf ansprechen und ich in Sorge um meine Mutter bin...Antwort war..ja gibt schon manchmal Probleme..kleine Probleme..aber wir haben ja zwei Aufenthaltsbereiche (also 2 Sitzgruppen etwas voneinander entfernt)...und dann entspannt sich das wieder...
hm...was ich sehe als Angehörige..und was ich selbst erleben möchte...wenn es so soweit sein sollte...ist meilenweite davon entfernt...

Hat jemand auch nur irgendeine Idee?

Was ich derzeit "miterleben" muß ist schrecklich...und wenn ich sehe, was das Ganze an Zuzahlung kostet..nämlich für beide Eltern ca 5000.-- monatlich...frage ich mich..........so einiges.

Für Zuspruch und Tipps bin ich trotzdem dankbar.

16.02.2020 | 07:58
Andydreas

Hallo Hanne und Basti,
Sie berichten beide über schlimme Zustände in den Pflegeheimen.
Ich betreue ja bekanntlich meine stark demente Mutter mit Hinlauftendenz seit langer Zeit. Auch ich bin der einzige Angehörige und wir wohnen seit Jahren in einer großzügigen Wohnung.
Vor ca. einem helben Jahr hatte ich mir 3 Einrichtungen angesehen, da ich der Meinung war es ginge nicht mehr. Außerdem hatte ich diverse Einrichtungen telefonisch kontaktiert und Absagen erhalten, da man sie nicht betreuen konnte.
Ich habe sehr unterschiedliche Eindrücke bei den 3 Einrichtungen gewonnen.
Aber auch nie wieder was von denen gehört.
Mein erster Gedanke in diesem Zusammenhang war, dass ich das Gefühl habe, dass diese Heime so überladen sind, weil dort sehr viele ältere Personen leben, die da eigentlich noch gar nicht hingehören. Mir ist bekannt, dass ca 70 % der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland zu Hause von Angehörigen gepflegt werden. Trotzdem gibt es wohl offensichtlich auch so einige, die sich dieser Aufgabe entziehen. Nicht falsch verstehen. Ich weiss natürlich schon, was es bedeutet sich um jemanden zu kümmern und viele der im Heim lebenden Menschen habeb keine andere Möglichkeit, aber eben doch nicht alle.
Was mich noch stutzig macht, dass viele der Einrichtungen richtige Wirtschaftsunternehmen sind, die gewinnorientiert arbeiten.
Man könnte seitens der Politik doch mal an die Verstaatlichung zumindest einiger Einrichtungen nachdenken, die für die besonders betroffenen Menschen zuständig wären. Dort würde man eben nich gewinnorientiert arbeiten.
Bedenklich fand ich außerdem, dass bei den von mir angesehenen Einrichtungen jeweils 120 bis 150 Plätze vorhanden waren, wovon aber nur max 15 Plätze für die Problemfälle waren. Da scheint mir das Verhältnis doch sehr bedenklich.
Nun zu Ihrem Problem mit den Heimen.
Ich habe für meine Mutter 2 Überwachungskameras installiert, da ich so von der Arbeit aus eine gewisse Kontrolle über meine Mutter hatte.
Diese Kameras hatte ich bei einem Telefonanbieter gekauft. Sie werden über eine App gesteuert und ich muss dafür eine monatliche Gebühr von 6 Euro entrichten.
Die Anschaffungskosten betrugen insg. etwa 100 Euro.
Wäre es nicht einen Versuch wert diese Kameras auch in dem Zimmer Ihrer Angehörigen zu installieren ?
Natürlich müsste vorher eine Genehmigeun bei der Heimleitung eingeholt werden. Es wäre doch aber bedenklich, wenn diese abgelehnt würde. Man hat ja schliesslich nichts zu verbergen. Es gibt 2 Arten von Kameras. Eine nur per Livestream und eine mit der man auch Aufnahmen machen kann. Außerdem kann man über diese Kameras auch mit den Angehörigen kommunizieren, da sie mit einem Mikro versehen sind. Das könnte ggf. auch das Problem mit dem Telefon lösen.
Anmerken möchte ich noch, dass die geäußerten Angaben lediglich meine Meinung widerspiegeln. Man daf durchaus anderer Meinung sien.
Vielen Dank.

16.02.2020 | 20:28
sonnenblümchen

Liebe Hanne,
hier kommt der Zuspruch !!!
Ich möchte Dir Mut spenden !
1.) Dein Papa sabbert ! Ja und !!!! Eine andere Mitbewohnerin spricht dich darauf an, dass sie dieses ekelhaft findet. Bildlich wäre ich ,,aus der Hose" gesprungen.... in der Wirklichkeit hätte ich sachlich gesagt, dass es nicht ekelig ist ! Dein Papa ist nicht ohne Grund in der Betreuung und sie nicht hinschauen braucht. Auch finde ich es unpassend diese Äußerung zu machen, wenn Dein Papa dabei ist. Ich hätte der Dame gesagt, dass ich Zeit mit meinem Papa verbringen möchte und nicht !!! mit ihr !!! Verbal dich für deinen Papa einzusetzen, dafür brauchst Du kein Pflegepersonal. Vielleicht hat die Dame auch einen ,,Fehler" / ,, Eigenschaft ,die andere stört.
2.) betr. deine Mama: andere Bewohner fragen Dich ,ob deine Mama Demenz hat ...o.k....die Frage würde ich wertfrei bejaen. Für das Pflegepersonal scheint es keine Probleme zu geben, die nicht in kurzer Zeit von ihnen zu lösen sind.

Liebe Hanne, ich schätze Dich sehr. Nimm Dir doch den Druck raus. Deine Eltern sind aus guten Grund im Heim ...Du kannst nicht aus der Entfernung Sachen regeln. Gib´die Verantwortung ab. Was andere Mitbewohner über Deine Eltern denken kann Dir doch egal sein. Hauptsache ist doch die Zeit zwischen Dir und Deinen Eltern.
LG

17.02.2020 | 09:26
hanne63

Liebe Sonnenblümchen,
danke für Deinen Zuspruch. Hat mir gut getan.
Weil die anderen Heimbewohner ja auch krank sind, wollte ich nicht zu "unhöflich" zu der Dame sein...allerdings habe ich tatsächlich freundlich zu ihr gesasgt, dass sie dann eben einfach nicht hinschauen soll.
Für die Pflegekräfte scheint es tatäschlich bzgl. beider Eltern alles soweit gut zu laufen.
Ich werde versuchen, mir künftig weniger Druck zu machen...und wie im Leben sonst auch:..."was die anderen denken....kann mir egal sein" ;-)...ich war (bin) halt deshalb etwas in Sorge, weil meine Eltern ja in dieser Gemeinschaft mit den anderen Bewohnern leben und evtl deren Ärger dann abbekommen...aber da ist ja dann das Pflegepersonal in der Verantwortung...da hast Du recht.

viele Grüße und danke :-)

17.02.2020 | 13:31
Teuteburger

Hallo Hanne,

für mich ist das keine Entweder/Oder/Sache, sondern sie ist zweischneidig und den Umständen entsprechend, in der heutigen Zeit, einfach vorhanden.

Wenn ich von meiner Schwiegermutter ausgehe und sie wäre in einem Heim, dann würde sie sich mit Sicherheit über Ihren Vater aufregen, denn sie will auch nur jüngere und gesunde Menschen um sich haben. Und wenn Ihre Mutter eine Form von Demenz hat, die man schneller merkt als bei anderen, dann wäre sie auch darüber nicht froh. Sie hätte die Befürchtung, dann auch ganz schnell so zu enden. Das ist bei ihr Fakt. Durch ihr nicht vorhandenes Ich, hat sie innerlich kaum ein eigenes Leben und sie erwartet von anderen, die sie umgeben dann die Perfektion, die sie innerlich nicht finden und leben kann. Und damit steht meine Schwiegermutter nicht alleine da. Die Befürchtung man endet dann genauso, ist weit verbreitet und der Wunsch nach Schönheit und gut Funktionieren ist dann halt gestört.

Aber leider können wir daran nichts ändern. In einem Heim werden zunehmend mehr schwere Pflegefälle und Demenzen auftauchen. Das Zweischneidige an der Geschichte bekommen wir auch mit viel gutem Willen nicht gelöst, und entsprechend kann man dann innerlich die Position beziehen, das es nicht veränderbar ist. Den Heimbewohnern, die mich darauf ansprechen würden, würde ich mit Verständnis begegnen, aber ich würde auch sagen, wie die Lage in Deutschland und zu Hause leider ist.

Liebe Grüße an Sie

17.02.2020 | 13:41
klauspawletko

Hallo Hanne36,
auch ich kann Ihre Gedanken und Gefühle angesichts Ihrer Beobachtungen gut nachvollziehen.
In Bezug auf Ihren Vater gibt es wahrscheinlich keine Alternativen, weil sein Speichel in jeder anderen Umgebung auch laufen würde. Manchmal kann man - auch auf einer "Dementen-Station" - Bewohner finden, die sich um andere kümmern. Vielleicht schauen Sie beim nächsten Besuch einmal in dieser Richtung.
Was die Unterringung Ihrer Mutter in einem "normalen" Pflegebereich anbelangt, so gibt es viele Gründe, dies nicht zu tun, weil es häufig zu Agressionen der gesunden Bewohner gegenüber den demenzkranken kommt. Vereinzelt kann man aber auch hier erleben, dass sich diese "gesunden" Bewohner um die dmenzkranken kümmern. Trotzdem halte ich grundsätzlich eine getrennte Betreuung für die bessere Variante. das scheint in Ihrem Falle aber wohl schwierig zu sein, weil dann ein Aufeinandertreffen der Ehepartner gegeben wäre. Oder gibt es mehrere Wohnbereiche für Menschen mit Demenz?
Eine radikale Lösung wäre eine Unterbringung der Eltern an Ihrem Wohnort - falls das möglich ist. Darüber haben Sie sich wahrscheinlich auch schon Gedanken gemacht.
Ansonsten möchte ich Sonnenblümchen zustimmen: Die Versorgung in einer Pflegeeinrichtung kann in der Regel nicht die Qualität bieten, die man sich für seinen Angehörigen wünscht. Es gibt zwar mittlerweile Ausnahmen von dieser Regel (sowohl im Heimbereich als auch bei den sog. Demenz-WGs); solche Angebote stehen allerdings nicht an jedem Ort zur Verfügung und sind dann auch ausgelastet.
Hatten Sie schon die Gelegenheit mit anderen Angehörigen zu sprechen? Vielleicht ergibt sich dabei die Möglichkeit, selbst organisiert die Versorgung/Betreuung zumindest punktuell zu verbessern. Bei den MitarbeiterInnen muss man davon ausgehen, dass diese ihr Bestes tun - was niemals genug sein kann.

Viel Kraft weiterhin wünscht Ihnen

Klaus-W. Pawletko

17.02.2020 | 19:21
hanne63

Hallo Herr Pawletko,
danke für Ihren Tipp, dass ich mal nach "Kümmerern" Ausschau halte das nächste Mal. Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Eine Bewohnerin habe ich da schon im Auge.

Auf der sog. beschützten Station, wo nur Demenzkranke sind, habe ich bisher nie einen anderen Angehörigen getroffen. Ich war zu unterschiedlichen Zeiten und Tagen dort, allerdings immer in mehrwöchigen Abständen.

Auf der gemischten Station meiner Mutter sind immer irgendwelche Angehörige, das ist mir sofort aufgefallen, dieser Unterschied.
Weitere Wohnbereiche gibt es nicht und ich möchte meine Eltern auch dort in dem Heim an ihrem Wohnort lassen.

Die MitarbeiterInnen tun sicher alle ihr Bestes, das sehe ich ja.
Ich werde mich das nächste Mal auch nach Angehörigen umsehen, die "ansprechbar" sind.

Viele Grüße und Danke für Ihre immer hilfreichen Antworten.

18.02.2020 | 07:54
martinhamborg

Hallo Hanne63, auch von meiner Seite noch zwei Gedanken:
Wir sollten immer daran denken, dass orientierte Menschen über 24 Stunden in einer manchmal kaum auszuhaltenden Situation sind. Deshalb habe ich erstmal immer Verständnis, wenn z.B. Ekel geäußert wird, manchmal frage ich, ob er denkt, es sei absichtlich. Und dann geben mir die Mitbewohner die Aussage selbst, die ich mir wünsche: "er ist doch krank". Und ich zeige meinen Respekt, wie dies die Mitbewohner durch Wissen und Verständnis aushalten.
Der Speichelfluss ist aber auch eine typische Nebenwirkung von Psychopharmaka und eigentlich suchen Ärzte dann nach Alternativen, wenn eine Nebenwirkung so viel zusätzlichen Leidensdruck macht.
Bleiben Sie sich treu, Ihr Martin Hamborg

18.02.2020 | 08:37
hanne63

Hallo Herr Hamborg,
Danke für den Hinweis, dass es eine Nebenwirkung von Psychopharmaka sein kann, dieser Speichelfluß. Ich hatte selbst schon den Verdacht, fühle mich bestätigt.
Inzwischen haben beide Eltern auch endlich einen anderen Hausarzt im Heim bekommen und ich hoffe, nun verbessert sich auch insoweit beider Lage.
Ich habe festgestellt, dass auch die nicht orientierten Menschen manchmal sehr unter der kaum auszuhaltenden Dauerstituation im Heim leiden.....das Ekelgefühl wurde ja auf der Demenzstation geäußert....so sind auch öfters für mich selbst meine Besuche dort sehr belastend für mich. Ich muß nicht nur die Situation und den Zustand meiner Eltern "verkraften", sonderen ich sehe auch das Leid der anderen darum herum.

Alle Heimbewohner, die sich gegenseitig "aushalten" müssen, haben größten Respekt verdient...

Ihr Tipp mit der Frage...und der gewünschten Antwort: er ist doch krank.....ist sehr gut....werde ich mir merken.

Jetzt hoffe ich ersteinmal, dass eine Alternative bei den Medikamenten gefunden wird, denn auch die Pflegekräfte haben da einen Leidensdruck.....

Ich bin froh, meine Fragen zu diesem Thema hier gestellt zu haben. Durch die Antworten, fühle ich mich gestützt und bin auch etwas ruhiger wieder geworden.
viele Grüße und Danke.

02.03.2020 | 21:16
hanne63

Hallo in die Runde,
heute mal etwas Positives:
nachdem nun ein neuer Hausarzt zu beiden Eltern ins Heim kommt....erlebe ich dort ein direkte Verbesserung bei beiden Eltern....vermutlich sind die Medikamente angepaßt worden...mehr erhielt ich nicht als Auskunft (weil ich ja nicht die rechtliche Betreuung habe)...aber die postive Veränderung habe ich ja selbst direkt feststellen können...und zwar:
Mein Vater kann wieder eigenständig gehen (zuvor saß er im Rollstuhl)...und er speichelt sehr viel weniger...
Meine Mutter ist halbwegs zufrieden...und agil...kann aber nicht mehr eigenständig laufen...arbeitet aber mit, wenn man sie in den Rollstuhl umsetzt etc. und ist auch ansprechbarer geworden...und ihre Augen sind nicht entzündet, was ja vermutlich vorher auch sehr weh getan hat....

Fazit: man soll nie aufgeben... ;-)
Das war mein erster Heimbesuch mit halbwegs gutem Gefühl...und die Pflegemitarbeiter können ja nichts anderes an Medikamenten geben, als das, was der Hausarzt verordnet....
zum Glück ist ja jetzt ein anderer gefunden worden, was nicht einfach war.....

Dass ich den Eindruck jetzt gewinnen konnte, dass es beiden Eltern besser geht...tat mir sehr gut...auch wenn ich mir die Frage immer stelle...ob man das tatsächliche Leid der Krankheit nicht zusätzlich hinauszögern sollte...aber auf jeden Fall...sollen die Betroffenen Kranken...doch noch eine gute Zeit haben...und nicht noch unnötige Beschwerden durch Augenentzündungen, Sabbern, Gehunfähigkeit haben....die letzte Phase kommt dann ja sowieso...

Viele Mutgrüße in die Runde :-)

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 02.03.2020 um 21:20.]



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