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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Mein Vater hat Angst vor seiner demenzkranken Frau
21.03.2020 | 08:51
hanne63

Liebe Barbara66,
das tut mir leid, dass Euer Urlaub doch nicht die erhoffte Erholung gebracht hat.
Weil Du mich extra angesprochen hast, möchte ich Dir antworten, auch wenn ich nicht viel raten kann in Deiner vertrackten Situation.

Ich selbst habe übrigens auch seit mehreren Wochen immer wieder Schnupfen, Husten, Müdigkeit und kein Fieber (ältere bekommen ja auch nicht mehr so leicht Fieber)...da kein Kontakt zu Erkrankten und auch nicht im Risikogebiet...werde ich nicht getestet...mein Hausarzt hat sich in gewisser Weise "verbarrikadiert".

Meine Eltern sind inzwischen beide im Heim. Ich besuche sie derzeit nicht; ist ja jetzt endlich auch offiziell nicht mehr so leicht möglich.

Wegen Deiner Mutter und meiner eigenen Erfahrungen mit Behörden, Ärzten, etc....ich würde es auf die Eskalation ankommen lassen...dann Polizei und dann Psychiatrie....evtl vorher noch den sozialpsychiatrischen Dienst informieren und um Rat bitten....ohne Eskalation wird meiner Meinung nach niemand "zu Hilfe" kommen....das ist meine bittere Erkenntnis.

Unsere Eltern hab ja als Kinder die Nazizeit miterlebt und mitbekommen wie "unwertes Leben" vernichtet wurde......von daher verspüren sie jetzt sicherliche Ängste angesichts Corona oder entwickeln Todesfantasien- /wünsche.....das kann ich nachvollziehen; ich bin überzeugt, dass Demenzkranke genau spüren, dass da etwas zur Zeit vorgeht, was beklemmend ist (Coroana-Situtation), auch wenn sie nicht genau wissen was...sie spüren aber gefühlsmäßig etwas.

viele Grüße
hanne63




[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 21.03.2020 um 08:55.]

21.03.2020 | 16:03
sonnenblümchen

Hallo Barbara,
ja Mensch beim Lesen deines Beitrages habe ich gedacht, dass es bei Dir ja wieder ,,dicke" kommt. Ich stelle es mir für Dich auch sehr traurig vor,wenn Deine Mama dasteht mit der Tasche und ins KH will zum Sterben.
Du hast mein Mitgefühl. Wenn es gar nicht mehr geht ,wüßte ich auch nur Deinen erwähnten Weg in Psychiatrie. Was nützt einen der Anspruch auf ,,Verhinderungspflege", wenn kein Platz bzw. Personal zur Verfügung steht.
Ich wünsche Dir und Deinem Gatten gute Besserung.

23.03.2020 | 09:47
Jutta60

Hallo liebe Barbara,
das war ein beklemmender Beitrag, den Sie geschrieben haben. Leider kann ich Ihnen auch nicht wirklich etwas raten, was Sie nicht schon gehört haben. Aber ich kann Ihnen erzählen, wie mein Vater starb, nicht an Demenz sondern an einem Tumorleiden. Er war klar im Kopf. Als er sich entschieden hatte, alle Behandlungen abzubrechen da habe ich ihn gefragt, ob er keine Angst vor dem Tod hätte. Er sagte: ich habe keine Angst und damit es schneller geht sagst du jetzt Bescheid, dass sie mir die Todesspritze geben sollen.
Auch meine Eltern haben die Nazizeit erlebt und wie man dort aussortiert hat. Das Denken ist ganz ganz tief in manchen Menschen drinnen. Bitte nehmen Sie sich so etwas nicht zu sehr zu Herzen und bleiben Sie gesund!

24.03.2020 | 21:28
Barbara66

Hallo Sonnenbluemchen, Hallo Jutta60,
Danke für Eure Antworten.
Im Moment ist die Situation unerträglich.
Meine Mutter packt jeden Tag die Tasche und will zum Sterben gefahren werden.
Angeblich hat sie das alles schon mit ihrem Hausarzt geregelt und kann sich jetzt die Todesspritze ,die sie "heiße Nadel"nennt,abholen.
Es dauert aber ein paar Tage bis man tot ist.??
Sterben will sie aber nur,weil die "Leute"sie ja tagtäglich vergiften und sie das nicht mehr aushalten kann.
Wie kann ein Mensch nur so viel wirres Zeug reden??
Ich denke an Deine Worte Jutta,bzgl.Deiner Mutter (LBD)-irgendwann konnte ich ihr nicht mehr folgen-das ist die Krankheit.
An dem Punkt bin ich nun.
Ich kann ihr nicht mehr folgen!!!!!
Ich kann mit den wirren Wahngeschichten nicht umgehen.
Ich glaube,es gibt keine andere Möglichkeit, als die Dosis der Neuroleptika zu erhöhen und sie zuzudroehnen mit Tabletten.
Auch wenn sie dann völlig apathisch ist-vielleicht wird die Angst/der Wahn dann ein bißchen weniger.
Da mein Vater ja immer noch nichts versteht und begreift, greift er bei jedem Piep zum Telefon und stört uns.
Wir kommen nicht mehr zur Ruhe.
Momentan ist ein Krankenhaus Aufenthalt zwar möglich, aber durch die Besuchsverbote natürlich ein riesengroßes Desaster.
Meine Mutter wird nicht begreifen,daß sie niemand besuchen darf.
Hätte gerne von Euch eine Einschätzung, in welchem Stadium sich Eurer Meinung nach meine Mutter befindet.
Für mich ist das schon das mittlere Stadium,oder?
LG
Barbara

24.03.2020 | 22:03
sonnenblümchen

Hallo Barbara,
ich habe ,,deinen Fall" mal mit meinem Mann besprochen. Oft sieht er die Sachen nüchterner. Er meinte schon letztes mal, dass es eine Möglichkeit wäre das Neuroleptika zu erhöhen, dass deine Mama ,,alles" schön fände bzw. die ,,Sch...egal-einstellung" bekäme....würde denn eine Erhöhung des Spiegels wirklich eine Berühigung herbei führen ?!
Wenn der Druck-Leidensdruck- aus der Sache herrauszunehmen wäre ---wäre doch gut.
Du schreibst, dass deine Mama bei einer Einweisung ins KH ja nicht Verstehen würde, dass du sie nicht besuchen darfst. Ja, ich glaube, dass sie dies nicht verstehen würde....aber mal ganz ehrlich ...wäre es für dich nicht mal auch gut,wenn du ,,Abstand" nehmen könntes. Dann dürftes du sie wegen Corona nicht besuchen. Ich will jetzt nicht herzlos sein, aber dann kannst du es dir selber eher zugestehen. Deine Mama denkt, dass sie vergiftet wird....und dieses denkt sie auch,wenn du sie besuchen dürftes. Wenn Du die Möglichkeit einer Klinikeinweisung hast, würde ich es an deiner Stelle machen.
Meine Mama hat laut Arzt Stadium 5 in der Demenz. Danach kommt nur noch Pflegfall -im Bett liegen und nicht mehr etwas sinnvolles sprechen können. Es gibt da ja aber unterschiedliche Variationen der Einteilung. Meine Mama versteht nichts mehr und schaut mich an wie ein Toastbrot, aber hat momentan keine ,,zerstörerische" Wahnvorstellungen, sprich nicht so eine Todessehnsucht wie deine Mama. ....bin gedanklich bei Dir.



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