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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wie organisiere ich häusliche Pflege
10.03.2020 | 13:39
Andydreas

Hall Freunde,
ich brauche mal wieder eure Ratschläge.
Meine stark demente Mutter wird seit einigen Jahren von mir betreut. Aufgrund ihres weglaufens und einer totalen Ablehnung von jeglicher Unterstützung bin ich allein gestellt. Eine Unterbringung in einer Einrichtung ist bisher aus den o.g. Gründen gescheitert.
Leider hat sich ihr Gesundheitszustand seit etwa 2 Wochen verschlechtert. Hauptgrund sind wohl die stark angeschwollenen Füsse. Sie kann nur noch in ihren Hausschuhen umherlaufen. Alle anderen Schuhe passen nicht. Unser Hausarzt hat zwar entsprechende Wassertabletten verschrieben, aber da sie sich permanent einnässt und an den Füssen keine Besserung zu erkennen ist, habe ich die Gabe dieser Tabletten nach ca. 10 Tagen wieder eingestellt.
Der Gang auf die Toilette gelingt trotzdem nur noch selten.
Als erste Maßnahme habe ich bei dem hiesigen Sanitätshaus eine Unterlage für das Bett besorgt. Außerdem soll ich für einen Betrag von 40 Euro momatlich regelmäßig mit entsprechenden Pflegemitteln versorgt werden. Leider warte ich bereits seit über eine Woche auf die erste Lieferung.
Meine Frage: Ich denke, dass ich mal eine persönliche Beratung vor Ort haben müsste um so einige Punkte anzusprechen. Wahrscheinlich wäre auch die Anschaffung eines Rollstuhls sinnvoll, da sie ja kaum noch laufen kann.
Durch das Vorschreiten der Krankheit könnte ich mir vorstellen, dass ich sogar die Instalation eines Pflegedienstes und einer Seniorenbegleitung hinkriegen könnte.
Wer wäre denn diesbezüglich anzusprechen ?
Ich denke an den sozialpsychiatrischen Dienst oder das DRK ?
Das DRK macht auch die 3-Monatsmeldung an die Pflegekasse.
Danke schon mal für die Beiträge.

10.03.2020 | 15:01
sonnenblümchen

Hallo Andydreas,
schön von Dir zu hören!
1.) Wie immer ....Griff zum Telefonhörer und bei der Krankenkasse Deiner Mama anrufen. Du mußt einen Antrag für Pflegehilfsmittel stellen (Toilettenstuhl, Rollstuhl, Schutzfolie). Die Krankenkasse sendet Dir dann einen Antrag zu oder du kannst ihn per Mail stellen. Nach Bewilligung bekommst du ein Sanitätshaus genannt,welches du dann kontaktieren musst.
2.) Die ,,Wassertabletten" nach 10 Tagen einfach abzusetzen ist gefährlich ( drohendes Nierenversagen) . Ruf doch bitte bei dem Hausarzt an und besprich es mit ihm evtl.muss Labor abgenommen werden. LG

10.03.2020 | 15:58
Lulu

Hallo Andydreas,

ich hatte Ihnen ja schon mal zum Thema geschrieben. Haben Sie mal geschaut, ob Ihre Mutter Calciumantagonisten gegen hohen Blutdruck bekommt? Die verursachen oft Knöchelödeme, der Arzt könnte hier aber auf Alternativen umstellen, z.B. ACE-Hemmer.
Inkontinenz-Artikel kann der Hausarzt verordnen, die müssen Sie nicht selbst bezahlen. Bei meiner Mutter waren immer Pants ganz praktisch, die von Demenzkranken auch akzeptiert werden, da sie wie Unterhosen angezogen werden. Vorher hatte sie Einlagen und Netzhosen. Diese hatte sie sich immer rausgezogen, was eine ganz schöne Schw...rei machte.

10.03.2020 | 16:50
klauspawletko

Hallo Andydreas,
wenn Sie schon mit der Krankenkasse telefonieren, dann bitten Sie doch gleich um eine Pflegeberatung. Die Kasse ist dazu verpflichtet. Hierbei soll es ja voewiegend darum gehen, wie Sie die Ansprüche der Mutter am besten aufteilen (Pflegegeld/Sachleistung).
Auch Sanitätshäuser haben spezielle Inkontinenzber/innen. Fragen Sie auch da mal nach!
Viele Erfolg wünscht

Klaus-W. Pawletko

11.03.2020 | 16:51
Andydreas

Vielen Dank schon mal für die Antworten.
Den Antrag au Pflegemittel habe ich bereits gestellt und gestern bei der Pflegekasse nachgefragt. Mir werden Betteinlagen, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel bewilligt.
Wie und wo kann ich einen Rollstuhl und Toilettensitz beantragen ?
Sie ist nicht mehr in der Lage die Wohnung zu verlassen. Mit einem Rollstuhl könnten wir wenigstens ab und zu noch raus.
Meine Pflegekasse hat mich an meinen Hausarzt verwiesen. Da werde ich in Kürze vorsprechen. Außerdem werde ich nochmal mit dem sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises in Kontakt treten um eine weitere Vorgehensweise abzusprechen. Ich denke ev. einen Pflegedienst vom DRK einzuschalten. Ggf. kann man mir von dort auch weiterhelfen.
Eine Sache noch. Sie zieht sich ständig komplett aus und wieder an usw. Einlagen in die Unterhosen machen da keinen Sinn. ich befürchte, dass sie die genannten Pants auch wieder ausziehen würde.
Ansonsten muss ich jeden Tag mindestens 3 x am Tag die Waschmaschine anstellen, da sie sich ständig einnässt. Hinsichtlich des von Sonnenblümchen genannten Nierenversagens mache ich mir z.Z weniger Sorgen, da sie isst und trinkt. Natürlich nicht in ausreichendem Masse, aber das dürfte in den meisten Fällen ohnehin nicht der Fall sein.

12.03.2020 | 09:53
Lulu

Hallo Andydreas,

wenn Ihre Mutter bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, hat sie Anspruch auf die Versorgung mit Hilfsmitteln, also z.B. Rollstuhl, Toilettensitzerhöhung, Duschsitz usw. Auch Windeln gehören dazu, "saugende Inkontinenzvorlagen" heißt das. Die gibt es in verschiedenen Saugstärken. Die Pants fand ich bei meiner Mutter deshalb so praktisch, weil ich sie ihr als Unterhosen verkaufen konnte. Ihre anderen Unterhosen hatte ich damals einfach weggeworfen und in den Schrank die Pants gepackt. Schauen Sie mal hier: https://www.attends.de/produkte/pull-ons-8m
Viele Sanitätshäuser halten auch Proben bereit. Ganz wichtig: Alle Hilfsmittel müssen vom Arzt verordnet werden, für Ihre Mutter fällt dann nur die Zuzahlung an. Lassen Sie sich da nicht abwimmeln!

Nochmal zu den Ödemen: Haben Sie geschaut, ob Ihre Mutter Blutdrucktabletten einnimmt und ob da Calciumantagonisten dabei sind? Sie erkennen sie an der Endung -dipin beim Wirkstoff. Knöchelödeme können gefährlich sein, da die Gefahr besteht, dass sich Wunden bilden, die sich nicht wieder schließen.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 12.03.2020 um 09:54.]

12.03.2020 | 13:35
Hühnchen

Hallo Andydreas,

vorab sorry für die umfangreiche Antwort, aber ich habe jetzt einfach mal alles aufgeschrieben, was mir so in den Sinn kam. Hoffe es ist etwas Hilfreiches dabei.

Wegen den Wassereinlagerungen sprechen Sie den Hausarzt Ihrer Mutter doch mal auf eine Verordnung für Lymphtherapie an. Zur Entlastung sofern möglich, immer die Beine hoch lagern.

Pflegeberatung/-schulung
Sie können über die Pflegekasse eine Pflegeberatung erhalten. Ebenso bieten Pflegestützpunkte vom Kreis/Stadt/Gemeinde oder Pflegedienste solche Beratungen an. Von den Sanitätshäuser erhalten Sie auch Hilfestellung, was die Verordnung von Hilfsmitteln angeht. Außerdem können Sie über die Pflegekasse eine Pflegeschulung besuchen. Gerade wenn man selber pflegt sind Tipps zum richtigen Halten, drehen, Lagern etc. sehr hilfreich.

Termin Hausarzt
Hilfreiche Tipps oder Infos haben wir vom Hausarzt meiner Mutter nicht erhalten. Aber wir konnten zum Glück vieles telefonisch abwickeln, wie z.B. die Medikamentenbestellung. Die Rezepte gingen direkt an die vereinbarte Apotheke und diese hat gegen monatliche Rechnung geliefert. Das war schon eine Zeitersparnis. Ebenso die Verordnung von Hilfsmitteln. Telefonisch mitgeteilt, welcher Bedarf besteht und wie die Verordnung lauten muss. Bestand keine Möglichkeit zur Abholung, wurde die Verordnung zugeschickt. Wenn man auch manchmal froh ist, mal raus zu kommen, dann kann man die wenige Zeit doch für schönere Sachen nutzen…

Hilfsmittel
Bzgl. des Rollstuhls und der Toilettensitzerhöhung muss der Hausarzt eine Verordnung schreiben. Dies gilt auch für evtl. noch benötigte Pflegehilfsmittel wie z.B. Fußsack für Rollstuhl, Toilettenstuhl, Badewannen(dreh)sitz oder -lift, Duschsitz, Haltegriffe in Dusche, Pflegerollstuhl, Pflegebett usw. Bei uns war es so, dass die Krankenkasse mit einem Sanitätshaus zusammen gearbeitet hat. Wenn etwas anstand, habe ich mich mit dem Sanitätshaus in Verbindung gesetzt. Die haben beraten und auch mitgeteilt, was genau auf der Verordnung stehen muss. Das habe ich an den Hausarzt weitergeleitet. Die Verordnungen sind dann von uns aus gleich ans Sanitätshaus gegangen und die haben alles mit der Krankenkasse geregelt.

Inkontinenzartikel
Bzgl. der Pants, mag sein, dass Ihre Mutter die auch auszieht, aber wenn Sie die Unterhosen insgesamt gegen die Pants austauschen, hat Ihre Mutter nichts anderes. Meine Mutter hat sich da schnell dran gewöhnt. Vergleichen Sie die Angebote. Hier bestehen teilweise gravierende Unterschiede. Komischer weise sind die Preise, mit denen die Anbieter bei der Krankenkasse direkt abrechnen, höher wie die, zu denen man als Privatabnehmer die Produkte erhält.

Persönliche Budgetierung bei Inkontinenzartikeln
Meine Mutter hat über 10 Jahre Inkontinenzartikel benötigt. Die ersten hat der Hausarzt verordnet und die Verordnung wurde bei der Apotheke eingereicht. Die Zuzahlungen wurden im Laufe der Zeit immer höher. Übers Internet habe ich einen Anbieter gefunden, der das gleiche Produkt wesentlich günstiger angeboten hat. Für die mtl. Apothekenzuzahlung haben wir dort den Bedarf für mehr als ein Vierteljahr erhalten. Von einem aufs andere Jahr hat die Krankenkasse nicht mehr mit dem Anbieter zusammen gearbeitet. Die Anbieter, mit denen die ihre Kasse ihre Rahmenverträge abgeschlossen hatte, waren wesentlich teurer wie unser alter Anbieter. Nach langem telefonischem hin und her mit der Krankenkasse habe ich schriftlich einen Antrag gestellt, dass meine Mutter das Geld ausgezahlt bekommt (persönliche Budgetierung). Entgegen allen vorherigen telefonischen Mitteilungen, dass dies nicht möglich sei, wurde der Antrag sofort genehmigt. Der Arzt hat eine Dauerverordnung ausgestellt, die die Krankenkasse bekam. Auf Aufforderung der Krankenkasse mussten dann die Belege über den Einkauf zwecks Mittelverwendung eingereicht werden.

Pflegehilfsmittel
Zu den Betteinlagen: Es gibt Einmaleinlagen, die können Sie mtl. über die Pflegepauschale von 40,00 € beziehen. Es gibt aber auch wiederverwendbare Betteinlagen über die Pflegepauschale, die müssen extra von der Pflegeversicherung bewilligt werden und die gab es (bei uns zumindest) nur einmal im halben Jahr. Die Saugkraft ist besser wie bei den Einmaleinlagen. Die beiden kombiniert reduziert dann doch etwas die täglichen Waschgänge.

Unterstützung im Alltag
Hoffentlich nutzen Sie schon die Ihrer Mutter über die Pflegeversicherung zustehenden mtl. 125,00 € als Angebot zur Unterstützung im Alltag.
Wenn nicht, dann als Info: Wenn Sie für Ihre Mutter Seniorenbegleitung, Hilfe im Haushalt, Tagespflege etc. in Anspruch nehmen, können Sie diese Dienstleistungen über einen Pflegedienst oder einen anderen Anbieter, der direkt mit der Pflegekasse abrechnen kann, beziehen. Sie bekommen den Betrag nicht selbst ausgezahlt, Sie können also keinen Bekannten mit der Aufgabe betreuen und selbst mit der Pflegekasse abrechnen. Hier lohnt sich eine Nachfrage bei den verschiedenen Pflegdiensten und Anbietern (Vereine, Nachbarschaftsdienst o.ä.-), da doch unterschiedliche Stundensätze existieren. Der Betrag kann angespart werden, muss aber spätestens zum 30.06. des Folgejahres verbraucht sein. Und Sie müssen diese Dienstleistung nicht über den Pflegedienst beziehen, der mit der körperlichen Pflege beauftragt wurde.

Verhinderungspflege
Für Zeiten, in denen Sie mal eine Auszeit brauchen, Ihre Mutter aber Hilfe braucht, können Sie diese über die Verhinderungspflege (bis 1.612,00 €) finanzieren, die, wenn sie nur Stundenweise eingesetzt wird, nicht zur Kürzung vom Pflegegeld führt. Und hier können Sie auch frei wählen, wenn Sie als Ihren Vertreter einsetzen. Der Betrag von 1.612,00 € steht Ihnen auch für die Kurzzeitpflege zur Verfügung. Nehmen Sie keine Kurzzeitpflege in Anspruch, können Sie 50% dieses Budget für die Verhinderungspflege nutzen (und umgekehrt). Ihnen stehen also insg. bis zu 2.418 € im Jahr zur Verfügung.

Rentenversicherungsbeiträge
Da Sie sich ja im Moment ausschließlich um Ihre Mutter kümmern rate ich Ihnen dringend falls noch nicht geschehen, sich mit der Pflegekasse in Verbindung zu setzen, denn es besteht die Möglichkeit, dass über die Pflegekasse für Sie Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden.

Reha für pflegende Angehörige
Bevor! die eigenen Reserven völlig aufgebraucht sind, hat man als pflegender Angehöriger auch darauf einen Anspruch.

Wo ich jetzt schon so viel geschrieben habe, dann kommt es zum Schluss auf die paar Sätze auch nicht mehr an:

Es ist unbeschreiblich, was Sie bisher schon alles für Ihre Mutter getan haben. Sich vom Arbeitgeber beurlauben zu lassen und sein ganzes Leben quasi auf die Bedürfnisse Ihrer Mutter einzustellen. Wahnsinn. Das ist alles andere als Selbstverständlich und findet auch leider viel zu wenig Achtung und Anerkennung in der Gesellschaft (weil Nichtbetroffene einfach keine Vorstellung haben). Und leider lässt der Staat die Pflegenden finanziell auch im Regen stehen. Schön ist anders. Meine Hochachtung haben Sie. Das gilt natürlich auch für die vielen anderen aktiven und inaktiven Formunsnutzer hier.

Wünsche Ihnen und Ihrer Mutter alles Gute.

12.03.2020 | 15:15
Andydreas

Hallo Hühnchen,
vielen, vielen Dank für die ausführliche Anwort. Es sind tatsächlich einige Dinge dabei, die ich noch nicht wußte.
Vieles von dem, was sie angesprochen haben scheitern an der totalen Abwehrhaltung meiner Mutter. Sie kann seit einigen Tagen das Bett kaum noch verlassen bleibt aber trotzdem bei ihrer Abwehrhaltung. Ich muss 3-4 täglich die Bettwäsche wechseln und waschen. Gerade vor einer Stunde hat sie sich komplett eingekotet und ich durfte ein Bettlaken entsorgen. Aber es macht mir immer weniger aus, obwohl ich mir schöneres vorstellen kann.
Zu einigen von Ihnen genannten Punkten. Rentenversicherungsbeiträge werden von der Pflegekasse übernommen. Für meine Rente dürften da keine großen Nachteile entstehen.
Ich versuche gerade den Pflegestützpunkt wegen einer Beratung zu erreichen. Gleichzeitig werde ich demnächst mal wieder meinen Hausarzt aufsuchen um mir ein paar Sachen verordnen zu lassen. Pflegeprodukte habe ich über ein hiesiges Sanitätshaus geordert und warte auf die erste Lieferung.
Kurzzeit- bzw Verhinderungspflege scheitern nach wie vor an der Verwigerung meiner Mutter. Sie war ja in der vergangener Woche im Krankenhaus, aus dem sie aber umgehend aufgrund ihres Verhaltens rausgeschmissen wurde.
Ich bleibe am Ball.
Nochmals Danke an alle.

12.03.2020 | 20:04
Hühnchen

Hallo Andyreas,

gern geschehen.

Die Sache mit dem Krankenhausaufenthalt ist natürlich der Hammer. Es gibt Krankenhäuser mit speziellen Stationen für Demenzerkrankte. Vielleicht erkundigen Sie sich mal in Ihrer Region, welches Krankenhaus derart ausgestattet ist. Falls noch mal ein Krankenhausaufenthalt nötig sein sollte. Evtl. Händeln die dortigen Pflegekräfte solche Situationen anders.

Die wenigsten Senioren sind davon begeistert, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gerade Demenzerkrankte tun sich durch ihr gestörtes Wahrnehmungsvermögen zur Realität da sehr schwer, weil sie in ihrer Welt ja noch alles alleine erledigen. Aber daran dürfen Sie sich nicht stören. Sie tun sich und Ihrer Mutter keinen Gefallen, wenn Sie sich selbst bis zum geht nicht mehr 24/7 einbringen. Wenn Sie nicht mehr können, wer soll sich denn dann um Ihre Mutter kümmern?

Es ist natürlich sehr schwierig, wenn Ihre Mutter alle Hilfe ablehnt. Vllt. akzeptiert sie eine Haushaltshilfe(wozu Sie auch die Gelder aus der Verhinderungspflege einsetzen können) eher wie die Übernahme der Pflege durch eine fremde Person. Oder Sie müssen sich mit einer Notlüge weiterhelfen. Was wäre denn, wenn Sie sich am Arm verletzen und diesen in einer Schlinge tragen müssten. Dann könnten Sie weder das eine noch das andere selber machen und es muss jemand anders für Sie einspringen. Ihre Mutter akzeptiert die Hilfe vllt. eher, wenn sie sieht, dass Sie es aus „körperlichen Gründen“ nicht können.

Vllt. passiert es Ihnen ja auch wie mir mit meiner Mutter, die nie eine 24 Std Hilfe haben musste und wollte… Als es dann aber gar nicht mehr anders ging, kam die erste ins Haus und die war wirklich sehr nett, aufmerksam und einfühlsam. Ich war in kürzester Zeit „abgeschrieben“. Mit der nächsten stimmte die Chemie leider gar nicht…

Nochmal alles Gute

14.03.2020 | 16:30
martinhamborg

Hallo Andydreas, hallo Hühnchen, bei so vielen wichtigen Informationen dachte ich erst, ich sollte nichts hinzufügen, aber dann kam mir doch noch ein weiterer Gedanke:
Zentrales Thema ist die Abwehr - dazu haben wir früher schon einiges zusammengetragen. Aber der Zustand hat sich deutlich verändert und je weniger ein Mensch mit seiner Demenz erreichtbar ist, umso wichtiger wird Ablenkung, um Pflege möglich und erträglich zu machen.
Das Prinzip heißt "Wahrnehmungsfokussierung". Die Wahrnehmung soll sich also nicht auf die Kleidung und die störenden oder unbekannten Inkontinenzprodukte richten, sondern auf irgendetwas anderes - möglichst positives. Gemeinsames Singen ist ideal, aber auch etwas für die unruhigen Finger: Knöpfe, Reißverschlüsse, Handschmeichler, Puppen oder vertraute Gegenstände.
Da wir Menschen unsere Wahrnehmung immer nur auf eine Sache richten können, würde so auch die Energie oder die Abwehr abgelenkt.
Die andere Frage dabei ist, was können Sie tun, dass sich Ihre Mutter nicht mehr so einfach ausziehen kann. Manchmal bewähren sich da Overalls oder Schutz-Schlafsäcke. - Wichtig ist, das der Schutz damit verbunden wird, dass Ihre Mutter immer irgendetwas findet (s.o.)
Also weiterhin viele Kraft, Ihr Martin Hamborg



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