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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Über Nacht allein zu Hause
24.03.2020 | 14:04
Hallo

Guten Tag,

kann eine demenzkranke Person mit Pflegegrad 5 über Nacht allein zu Hause bleiben? Die Person wird vom Pflegedienst abends hingelegt und morgens wieder aus dem Bett genommen. Bei dem Bett handelt es sich um ein Pflegebett. Allein aufstehen kann die Person nicht. Dies ist nur mit Hilfe möglich. Der Pflegedienst kommt 4-5 Mal am Tag, zusätzlich bekommt die Person mehrmals in der Woche Besuch von Angehörigen. Die Person hat immer gesagt, dass sie niemals in ein Pflegeheim/Tagespflege möchte, sondern zu Hause bleiben möchte. Vielen Dank für die Antwort.

24.03.2020 | 15:57
klauspawletko

Hallo zurück,
ich halte diese Praxis für hoch riskant. Verstehe ich Sie richtig, dass bei dem Pflegebett das Gitter/Brett über Nacht hochgezogen ist? In diesem Falle wäre es noch gravierender.
Sie halten sich ja bedeckt, wie Ihre Stellung zu der pflegebedürftigen Person ist.
Wichtig wäre zu wissen, ob diese Person immer noch in der Lage ist, ihren Willen auszudrücken - und wer nun bevollmächtigt ist, diesen (vermeintlichen) Willen umzusetzen.
Nun kann man auch argumentieren, dass in Pflegeheimen die Menschen über Nacht auch unbeobachtet sind. Denn eine Notrufklingel ist für Menschen mit Demenz häufig ein unbrauchbares Instrument.
Falls die Person mit dieser Praxis einverstanden ist und in der Lage die Bedeutung eines Notrufknopfes zu erfassen, würde ich dringend die Installation eines Hausnotrufs empfehlen.
Wie lange währt diese Praxis denn bereits? Gibt es Erfahrungen, dass die hilfebedürftige Person die Nacht unbeschadet (psychisch und körperlich) übersteht?
Geht es dabei nur um die Umsetzung des Willens der hilfebedürftigen Person oder spielen auch andere Gründe - zum Beispiel finanzielle! - eine Rolle, die Situation so zu handhaben wie derzeit.
Sie merken, dass es mir schwer fällt, eine eindeutige Haltung zu diesem Fall zu entwickeln. Dafür bedürfte es mehr Informationen.
Aber, wie bereits ganz oben angedeutet, ist dieser "Fall" meines Erachtens grenzwertig. Ein hohes Potential an Gefährdung der Person scheint mir vorhanden.

Wie sind die Erfahrungen der anderen Nutzer des Forums?

Beste Grüße von
Klaus-W. Pawletko

24.03.2020 | 18:14
Hallo

Guten Tag,

zunächst vielen Dank für die Antwort. In dem Haus wohnt die Person nicht allein. Es wohnen noch 3 weitere Personen in dem Haus, allerdings in einer anderen Etage. Es sind aber keine abgeschlossenen/getrennten Wohnungen. Was aber wenn diese Angehörigen die Pflege plötzlich nicht mehr übernehmen? Reicht es dann aus, dass sie im Haus anwesend sind? Die pflegebedürftige Person sagt auch jetzt noch, dass es ihr zu Hause ist und dass sie dort bleiben möchte. Eine komplette Wohnortveränderung wäre in dem hohen Alter m. E. auch nicht förderlich und würde gegen den immer wieder geäußerten Willen der pflegebedürftigen Person sprechen, die auch in kein Krankenhaus mehr möchte. Wäre denn so eine Art Babyphone mit Gegensprechanlage und unbegrenzter Reichweite mit dem man über Smartphone nachsehen kann, ob es der Person gut geht eine Möglichkeit? So könnte im Notfall sofort Hilfe gerufen werden. Es geht eben gerade darum diesen Willen der Person, im eigenen Zuhause zu bleiben durchzusetzen, aber ohne sie zu gefährden. Soweit bekannt ist, schläft die Person nachts.

25.03.2020 | 07:51
Andydreas

Hallo,
ich überwache meine Mutter seit geraumer Zeit über eine Überwachungskamera.
Ich hoffe es ist keine Schleichwerbung, aber ich nutze Smart-Home von der Telekom. Es gibt aber sicherlich auch andere Anbieter.
Man kann meines Wissens sogar darüber kommunizieren.
Kosten entstehen duch die Anschaffung der Hardware sowie monatlich ca. 5 Euro.
Funktioniert eigentlich ganz gut, aber es gibt auch manchmal Verbindungsstörungen.

25.03.2020 | 13:01
Teuteburger

Hallo,

das ist auch für mich eine berechtigte Frage.

Ich halte es für möglich, dass wir früher oder später vor einer ähnlichen Sachlage stehen.

Meine Schwiegermutter hat auch jeden Tag Besuch/Hilfe, entweder von mir oder von einer Seniorenbetreuerin. Auch ich bin nicht in der Lage sie Rund um die Uhr betreuen zu können, wegen weiterer Baustellen, die ich hier im Form schon häufiger erwähnt habe.

Gerade in Corona-Zeiten und mit einem Mangel an Pflegekräften, kann es einem nur schlecht werden, wenn man in die Zukunft schaut. Ich bin inzwischen selbst nervlich so angespannt, dass ich manchmal nicht mehr weiß, wie ich die Zukunft meiner Schwiegermutter gestalten soll, weil sie außer den eingeschleusten Maßnahmen alles restlos ablehnt.

Auch wir haben eine Kamera. Einen Notrufknopf hat sie auch. Dann klingelt bei uns das Telefon. Aber den will sie nicht benutzen. Ich denke deshalb über einen Notrufknopf von einer entsprechenden Organisation nach.

Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sie nicht mehr gut oder gar nicht mehr laufen kann. Und dann müssen neue Lösungen her. Manchmal ist es jetzt schon extrem grenzwertig.

Es ist immer leicht gesagt, dass die Person Hilfe braucht, wenn sie diese aber ablehnt und sie daheim wohnen bleiben will. Und dann muss es auch daheim funktionieren, auch wenn nachts keiner da ist. Ein Nachtpflegedienst, wäre eine Möglichkeit, aber dann bräuchten die einen Schlüssel und das lehnt sie ja ab. Ob das jeder Pflegedienst macht, da muss ich mich noch erkundigen in den nächsten Tagen.

Bei der auch für mich wichtigen Frage, sehe auch ich keine stimmige Lösung für uns. Was nützen einem Babyphone und Kamera, wenn man irgendwann selbst einmal schlafen will/muss. Ich zum Beispiel schlafe wegen vieler Belastungen nur schlecht, aber wenn ich dann in einen komaähnlichen Schlaf falle, dann werde ich nicht wach, durch gar nichts. Und was dann? Man kann doch nicht noch zusätzlich zu allen anderen Belastungen stundenlang wachliegen, was ich aber trotzdem ein paar Mal wöchentlich habe, aus Angst sie schafft es nichts ins Bett. Hat bisher aber immer wieder funktioniert. Ich bekomme oftmals nur vier Stunden Schlaf, manchmal noch weniger und wenn es gut läuft mal fünf oder sechs Stunden. Meine Gesundheit ist angeschlagen und doch muss ich all die Entscheidungen treffen. Vor der Coronakrise hat man wenigstens noch mehr Möglichkeiten gehabt, aber jetzt?

Und am Schlimmsten ist dabei die Psyche meiner Schwiegermutter mittragen zu müssen. Alle meine Lösungsvorschläge werden niedergeschmettert.

Liebe Grüße an alle und ich bin interessiert, ob jemand hier etwas dazu sagen kann.

25.03.2020 | 15:45
sonnenblümchen

...ich habe schon mal gelesen (im Internet),dass amb.Pflegedienste ,,Nachdienste" anbieten, wenn der Arzt dies verordnet. Ob in der realen Welt man einen Pflegedienst findet, der eine Pflegekraft für Nachts hat......halte ich für fraglich. Bevor es hier mit Corona so richtig los ging, hatte ich ein Gespräch mit einer Bekannten, die meinte, dass es unverantwortlich wäre, dass ich Nachmittags meine Mama alleine ließe. Ich sollte sie mit der Kamera überwachen. Sie war entsetzt,als ich sagte, dass ich dies nicht machen werde. Ich bin jeden Tag bei meiner Mama und wenn ich jetzt noch eine Kameraüberwachung einrichten würde käme ich gar nicht mehr zu Ruhe. Ich hätte immer so das Gefühl, dass ich schauen müßte. Im Altersheim machen die Schwestern alle 2h Kontrollgänge. Wenn die Bewohner schlafen, schauen sie in das Zimmer und gehen leise wieder heraus. Als Angehöriger kann man dies aber nicht leisten. Ich denke,wenn man in einem Haushalt mit dem Menschen mit Demenz lebt, reicht es,wenn man vor dem eigenen ,, zu Bett gehen" nach ihm schaut und dann reagiert, wenn man etwas hört (über Babyphone oder Kamera)... ich denke, dass geht auch bei Pflegegrad 5.
@ Teuteburger : schön mal wieder was von Dir zu hören ,auch wenn es Dir nicht so gut geht. Sei gedrückt !

26.03.2020 | 12:17
Teuteburger

Danke, Sonnenblümchen,

ich werde beim Pflegedienst heute mal nachfragen, diesbezüglich.

Wir haben eine Kamera und ich schaue da öfters hinein, wenn meine Schwiegermutter schlechter laufen kann als sonst. Es ist für mich eine zweischneidige Sache. Ohne Kamera hätte ich auch keine Ruhe.

Ich kann Ihre Entscheidung aber gut nachvollziehen. Sie sind jeden Tag da und sie wissen in welchem Zustand Sie Ihre Mutter verlassen haben. Und dann ist es auch gut bis zum nächsten Morgen.

Liebe Grüße

28.03.2020 | 10:57
martinhamborg

Guten Tag, Hallo,
Ihre Frage hat dazu geführt, dass ganz viele Erfahrungen und Herausforderungen ausgetauscht wurden. Noch einige Gedanken von meiner Seite:
Ein Babyphone mit oder ohne Kamera ist eine gute Sache, vielleicht können Sie die Empfindlichkeit so einstellen, dass Sie nicht von jedem Schnarchen informiert werden.
Eine andere Möglichkeit sind Klingelmatten, die sofort darüber informieren, wenn z.B. ein Sturz oder ein Verlassen des Bettes auftritt. Auch da gibt es günstige Alternativen mit einem Funkalarm (gegen Einbrecher).

Aber eines möchte ich deutlich sagen: Keiner erwartet von Ihnen, dass Ihre Mutter 100% beobachtet ist. Auch im Heim gibt es diesen umfassenden Schutz nicht. Bitte erwarten Sie es auch nicht von sich selbst!
Unser Ziel ist nicht nur eine Verletzung zu vermeiden, sondern die Sturzfolgen zu minimieren. Deshalb ist das Abpolstern von Ecken oder das Vermeiden von Stolperfallen immer besser als die Begrenzung der Beweglichkeit. Ihr Martin Hamborg



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