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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Ich war es nicht
25.03.2020 | 15:58
sonnenblümchen

...ich muss mir mal wieder Luft verschaffen. Meine Mama steht mir gegenüber und sagt :,, Ich war es nicht! Ich weiß es nicht!" oder ,, Das es so was gibt!" und ich bin nur wütend. Sie bekommt nichts mehr auf die Reihe und vergißt alles. Sie schaut mich mit einem Maskengesicht an und ich denke:,, Ein Toastbrot antwortet mir mehr !" Ich bin wütend...in Italien sterben die Menschen wie die Fliegen und hier habe ich täglich: ,, und täglich grüßt das Murmeltier!"
Habt ihr auch das Gefühl der Wut oder bin ich die Ausnahme ?

25.03.2020 | 16:35
Lulu

Ach, das kann ich so gut nachvollziehen! meine Mutter ist zwar im letzten Jahr gestorben, aber die Schwiegermama ist noch da. Sie ist in einem Pflegeheim, aber mein Mann besucht sie oft und die Besuche sind ihr sehr wichtig. Wegen Corona ist das nun nicht möglich. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wir mit Engelszungen ihr das am Telefon erklären mussten - ohne Erfolg. "Ich bin nicht schuld", "die wollen alle nur dran verdienen", "ich habe doch gar nichts getan", "hol mich hier raus, sonst laufe ich weg". Nun sind wir ganz unsicher, ob wir überhaupt noch mit ihr telefonieren sollen, da es das offensichtlich für sie noch schlimmer macht.

26.03.2020 | 00:17
Rosina

Liebes Sonnenblümchen,ich habe gerade erst gelesen,dass du auch wieder ganz außer dir bist,ich weiß nicht,was bei dir passiert ist,warum deine Mutter sagt,sie wäre es nicht gewesen usw...Sie schaut dich an und weiß nicht,um was es geht...es ist wie bei mir, sie verstehen gar nicht,was vor sich geht.Mach dich nicht fertig,morgen wissen sie von nichts.Deine Gesundheit geht den Bach runter...Sie leben in ihrer eigenen Welt,wir können sie nicht mehr ändern ,sondern uns nur i n ihre Welt begeben,das habe ich neulich gelesen und das hat mir auch etwas geholfen.Vielleicht helfen dir diese Worte,bleib gesund,ich hoffe mit dir,dass es besser wird.Liebe Grüße Rosina

26.03.2020 | 07:29
sonnenblümchen

Hallo Lulu und Rosina,
ich habe halt dieses Haus mit Garten an der ,,Backe". Ich räume auf und meine Mutter startet den Verpackwahn. Sie räumt halt ständig in dem Messiehaushalt rum. Mein Mann meint, dass sie das Räumen ,Verpacken und Verstecken nie sein lassen wird. Ich bin halt so wütend über das, was ich jeden Tag vorfinde. Mein Mann meinte nur, dass ich ein paar Räume halt unaufgeräumt abschließen sollte und erst nach dem Ableben meiner Mama öffnen sollte. Da stehe ich mir aber wieder selber im Wege...so nach dem Motto...ich kann doch den Dreck /Müll nicht so lassen ! Überforderung -Wut-schlechtes Gewissen- und wieder nur Wut. Ich bin nicht depressiv- aber habe diese Wut, die ich nicht wegbekomme. Meine Mama sitzt zufrieden in ihrem Reich und ich denke ...: ,,Ach ne...!"....Wenn ihr Euch fragt wer wirklich Toilettenpapier braucht...in dieser Zeit ?! Meine Mama zum Einpacken von Müll. Ich habe versucht ! meiner Mama zu erklären, dass in der jetzigen Zeit die Bahnen und Busse weniger und anders fahren und ich nicht weiß,wann ich komme ,aber dass ich komme. Sie meinte: ,, Ich bin ja im Bett!" O.K. sie steht nicht auf bis das ich komme?! Was ich aber vorfinde zeigt eine Räumtätigkeit (nachts?) über Stunden. Habe ja diesen Sarkasmus, der aber bei einer bestimmten Art von Menschen auch nicht salonfähig ist ...und dann muss ich auch wieder aufpassen, was ich sage.
Eine Nachbarin meiner Mutter meinte: ,, ...dass sie bei Corona jeden Tag zu ihrer Mutter kommen, haben Sie keine Angst sie anzustecken?" .....Biltzschnell habe ich überlegt...und dann geantwortet, dass ich noch keine Symptome einer Erkrankung zeige. Was soll ich denn machen? Jetzt mal ehrlich...ein Pflegedienst kommt auch täglich und die Verwandten sind froh darüber..auch ich schweife ab.
LG

26.03.2020 | 12:25
Teuteburger

Hallo Sonnenblümchen,

ich musste Schmunzeln als ich Ihren Text las. "Toastbrot/Italien . . ."

Ich kanns gut nachvollziehen, obwohl ich nicht zur Wut neige, ganz selten einmal. Aber mein Mann, der ist da wohl ähnlich wie Sie. Auch er kümmert sich liebevoll, wenn er Zeit hat, aber er kann auch wütend werden, wenn die Stecker ständig gezogen werden, das Telefon nicht geht oder sie hundert mal fragt, ob er etwas essen will, obwohl er schon hundertmal nein gesagt hat.

Seien auch Sie gedrückt . . .



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 26.03.2020 um 12:27.]

28.03.2020 | 10:42
martinhamborg

Hallo Sonnenblümchen, mit Ihrer Wut bei diesen so offensichtlichen Unwahrheiten sind ganz sicher nicht allein. Aber alles was ich von Ihnen gelesen habe, ist es viel schlimmer als bei "normalen" Menschen mit Demenz.

Bestimmt wissen Sie es schon: Es gehört es zum Krankheitsbild der Demenz, dass Ihre Mutter das, für das, was sie vergißt, die Verantwortung nicht übernehmen kann und will. Für manche Menschen ist dies schon vor der Demenz ein typischer Selbstschutz, sozusagen als Charaktermerkmal.

Mit Ihrer Wut und Ihrem Sarkasmus haben Sie ein Ventil für Ihre Gefühle - und es ist gut dass Sie prüfen, wer alles von diesem Ventil etwas mitbekommen darf. Ich vermute, dass Ihre Mutter als eigentlicher Adressat damit nicht positiv zu erreichen ist. Konflikte verstärken häufig das Problemverhalten, da kennen Sie Ihre Mutter am besten. Alles was ich lese, haben Sie eindeutig "Recht" - aber es nützt nichts, Sie werden Ihre Mutter vermutlich damit nicht überzeugen.

Aber wenn Sie sich selbst glauben, dass Sie Recht haben, können Sie Fakten schaffen.

Vielleicht besprechen Sie mit dem Arzt, ob eine Einschränkung der Reizangebote durch eine große Wohnung mit Garten sinnvoll ist. Ich habe es etwas kompliziert formuliert: Auf der einen Seite wissen wir, dass geschlossene Türen bei Menschen mit Demenz Angst, Aggressivität oder entschlossenes Durchgreifen auslösen können - andererseits sind zu viele Betätigungsmöglichkeiten eine echte Überforderung. Es kann also sinnvoll sein, einen Hinweis an die Tür zu kleben: Heute geschlossen, bitte nicht betreten, ggf. eine Notlüge Baustelle...

Da dies von Außen nicht eingeschätzt werden kann, kann Sie der Arzt vielleicht in der Entscheidung unterstützen.

Und bitte denken Sie daran, die eigenen Eltern können Kinder fast nie ändern, sie ändern sich immer nur von allein oder durch geänderte Rahmenbedingung. Manchmal hilft es, wenn die Kinder die Muster unterbrechen, die gut geübte Teufelskreise auslösen. Ich wünsche Ihnen also sehr, dass irgendwann an die Stelle der heißen Wut die Klarheit im entschlossenen - nicht diskutierbaren, alternativlosen … - Handeln wächst. Ihr Martin Hamborg

28.03.2020 | 20:44
sonnenblümchen

Hallo Herr Hamborg,
danke für Ihre Worte !
Ich habe sie mehrmals gelesen. Das eigentliche Problem ist, dass nichts mehr bei meiner Mama ankommt. Sie meine Argumentation nicht mehr versteht....ich aber momentan dagegen ,, ankämpfe". Der Hausarzt meiner Mama ist ,,lieb" und ,,nett" und auch bemüht, kann aber sich vieles nicht vorstellen, weil er meine Mama ,,niedlich " und leicht ,,führbar" findet. Ich war schon mal weiter und habe gedacht, dass ich mich mehr mit der Demenz und ihren Auswirkungen abgefunden habe, aber ich habe einen Rückschritt gemacht. Dieser Rückschritt ist meine Wut. Ich habe beschlossen noch mal Sperrmüll anzumelden und dann einen Raum, der dann leer ist ,abzuschließen. Nach meiner Einschätzung wird es meiner Mutter nichts ausmachen. Sie wird es hinnehmen und vergessen. Schilder liest sie nicht mehr und /oder versteht sie nicht mehr. Sie werden auch nur noch eingepackt und versteckt. Einen Umzug in eine betreute Wohnung mit Notknopf will meine Mama nicht. Ich habe auch Angst, dass bei einem Umgebungswechsel sie noch mehr abbaut und nicht in den neuen Räumlichkeiten klar kommt. Ich denke mit der Reduzierung der Gegenstände kommt sie besser klar und ich auch (Sauberkeit herbei führen). Wenn es nicht mehr geht, muß meine Mama in ein Heim gehen. Eine Zwischenstufe bringt nichts, dafür ist sie schon zu ,,dement"! Außenstehende sagen immer :,, Gib sie doch in ein Heim!" Doch die haben leicht reden,weil es nicht ihre Mama ist. Sie wünschen mir, dass meine heiße Wut wechselt in Klarheit im entschlossenen -nicht diskutierbaren, alternativlosen -Handeln wächst ! Was für ein Satz ! Was für ein schöner Wunsch an mich ! ....wenn mir eins der Umgang mit meiner Mama mit ihrer Demenz gezeigt hat, ist dass ich immer wieder neu entscheiden muss. Was heute stimmig ist, kann morgen schon eine Schieflage sein. Alternativloses Handeln? ...ich suche immer noch nach Alternativen ! Auch ist es keine heiße Wut, sondern eine kalte,dafür anhaltende Wut.
LG

28.03.2020 | 21:53
hanne63

Hallo Sonnenblümchen,
ich denke Sie sind schon einer ziemlichen Ausnahmesituation..
aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dazu sagen...es gibt einen Punkt: of no return...ab da sagt man sich..so geht es nicht mehr weiter....man leitet die entsprechenden Schritte ein...funktioniert eine Weile wie eine Maschine...
und dann geht es etwas leichter weiter...

so war es bei mir...jetzt sind die Eltern im Heim..ich habe immer noch Sorgen..aber viel weniger..die Verantwortung haben jetzt andere...

Vielleicht hilft Ihnen das weiter?...

Irgendwann kommt der Punkt..wo man selbst einfach nicht mehr kann..und dann gilt es...die notwendigen Schritte einzuleiten..da führt kein Weg dran vorbei..

Liebe Grüße

29.03.2020 | 21:36
Rosina

Liebes Sonnenblümchen,da ich jeden Tag hier im Forum lese,habe ich auch deinen Artikel gelesen,über die Antwort von Herrn Hamborg habe ich lange nachgedacht.Ich habe überlegt,was er damit sagen will,ich weiß es jetzt.Alternativloses Handeln,ich glaube auch es ist Zeit zu handeln,Die letzte Station ist ein Heimplatz,es ist nur die Frage,wielange halten wir noch durch?Und ich sage wir,weil ich in der gleichen Situation bin,ich verstehe ihn,glaube auch,es wäre das Beste,aber ich kriege es nicht hin,und du bekommst es auch nicht hin,weil es noch Tage gibt,wo es wieder etwas besser ist,dann denkt man,vielleicht geht es doch noch.Hanne hat es gemacht es geht ihr jetzt etwas besser,glaube ich.Es ist nur noch eine Frage der Zeit,bis wir an den Punkt kommen,entweder unsere eigene Gesundheit oder unsere Eltern.Ich denke ständig darüber nach.Was wird noch werden?Ich weiß es leider auch nicht.BIS BALD Rosina

29.03.2020 | 22:59
hanne63

Liebe Rosina und liebe Sonnenblümchen,
ja ...ich habe es gemacht..allerdings war ein rechtlicher Betreuer auch noch da....und auch den habe ich mehrfach inständig gebeten...zu handeln...
ja..es geht mir jetzt besser ..nicht sehr viel...aber doch ausreichend besser..ich kann es sogar erst allmählich empfinden, dass es mir besser geht und dieser ständige Druck und Stress und das immer im Bereitschaftsmodus-Sein...jetzt weg sind...und das ist für mich und meine eigene Gesundheit lebensrettend....
bitte denkt an Euch und an Eure eigenen Belastungsgrenzen...ich hatte das Ganze ja auch im "Doppelpack"....keiner kann das nachvollziehen..der nicht selbst in dieser Situation war..

ganz liebe Grüße

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 29.03.2020 um 23:01.]



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