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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Ich war es nicht
30.05.2020 | 13:38
Teuteburger

Hallo Sonnenblümchen,

ich denke inzwischen auch, wir kennen uns alle hier recht lange, so dass ich mich, dem inzwischen allgemeinen "Du", hier anschließen werde.

Alles Sch . . ., trifft den Nagel wohl auf den Kopf.

Wenn jemand, wie deine Mutter, gar nicht mehr mitdenken kann und jedes Gefühl für den Angehörigen verloren gegangen ist, dann kommt man sich irgendwann vor, wie eine lebendige Maschine bei der Fließbandarbeit.

Du hast in dem einen Post, die Frage nach Liebe gestellt. Ich glaube ohnehin nicht an die Liebe, so wie sie einem weiß gemacht werden soll, aber ich glaube an die Liebe zum Leben. Und ich glaube auch, das Lebensmängel, die man mittragen muss und wo einem schlicht, irgendwann selbst die Ressourcen ausgehen, dass diese auch die Liebe zeitweise verschütten können. Und ich halte das für normal und nicht für etwas, was nicht sein darf. Ein Lebensmangel ist für mich auch kein Schimpfwort, sondern einfach Hilflosigkeit und das halt schöne und wichtige Funktionen im Leben zu kurz kommen können.

Was du über die Pflege von außerhalb schreibst, das ist wahrscheinlich so. Im Grunde bräuchte man eine Putzfrau und einen Pflegedienst und das fast tagtäglich oder zumindest mehrmals wöchentlich.
Ein Problem ist ja, dass deine Mutter so oft in die Hose macht und wenn sie alleine ist, dann schmiert sie die Wände im Bad voll.

Ich weiß auch nicht, was ich tun würde. Ich würde vielleicht eine Annonce in die Zeitung aufgeben und eine Putz- und Pflegehilfe für eine schwer demente Person suchen. Es gibt Menschen, die sehen schwierige Fälle als Herausforderung an. Mehr fällt mir leider im Moment auch nicht ein.

Es tut mir leid, wie es dir geht.

Liebe Grüße



[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 31.05.2020 um 14:20.]

31.05.2020 | 10:57
Andydreas

Hallo Hanne und Sonnenblümchen,
ichstimme da Hanne zu. Ich wohne zwar mit meiner Mutter in einer großen Wohnung zusammen, so dass ich die Pflege und Betreuung rund um die Uhr leisten könnte, habe aber nun entschieden, dass ich wieder arbeiten gehen möchte. Ich habe daher entschieden, dass ich einen Pflegedienst und eine Alltagshilfe benötige. Hilfreich war hier das Internet und der sozialpsychiatrische Dienst.
Ich habe das ja jetzt angeleiert und positive Rückmeldungen erhalten. Ich erwarte in den nächsten Tagen einen Anruf einer Alltagshilfe und auch einen Besuch eines Pflegedienstes.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist vielleicht auch der finanzielle Aspekt. Ich würde keine private Haushaltshilfe nehmen, da ich mir sicher sein kann, dass wenn die Alltagshelferin verhindert ist von dem Betreiber umgehnd eine Vertretung geschickt wird. Außerdem kennt sich ein Pflegeunternehmen in den finanziellen Möglichkeiten aus und würde in meinem Falle die finanzielle Abwicklung im vollen Rahmen übernehmen.
An Sonnenblümche: Du verschenkst jeden Monat viel Geld, das Du für die Pflege Deiner Mutter einsetzen könntest.
Auch meine Mutter war in der Vergangenheit exrem ablehnend und teilweise aggressiv. Ich werde die Betreuer daher auffordernd nur zu machen was meine Mutter zulässt bis ein Vertrauen entstanden ist. Notfalls kann der Pflgedienst auch wieder wegfahren ohne was getan zu haben.
Denk mal drüber nach.
Alles Gute

01.06.2020 | 07:48
Andydreas

Hallo Sonnenblümchen,
Du hast natürlich vollkommen Recht. Erst als meine Mutter bettlägerig wurde konnte ich überhaupt daran denken entsprechende Maßnahmen zu treffen. Es ist auch noch lange nicht sicher,ob das klappt.
Ich habe mir inzwischen angewöhnt einfach nur noch das nötigste zu machen. Es zerreisst einen innerlich, aber alles andere hat einfach keinen Sinn. Ich suche auch nicht mehr das Gespräch mit ihr. Da kommt nicht sinnvolles mehr raus.
Wenn ich ihre Sch... wegmachen muss schimpfe ich wie ein Berserker. Das brauche ich um damit klar zu kommen. Ich kann nur hoffen, dass sie das vergißt. Mein Rat (falls möglich) versuche Dich emotional von Deiner Mutter zu distanzieren. Diskussionen bringen garnchts. Einfach reden laassen und das notwendige erledigen. Es bringt keinem was, wenn Du Dich zu sehr aufreibst. Ich durfte selber erfahren wie schwer das ist. Das Gewissen drückt, aber wir hier im Forum tun mit Sicherheit mehr als die meisten anderen, die Ihre Eltern ins Heim schieben und das dürfen wir uns getrost anrechnen lassen. Irgendwann wird es vorbei sein und dann will man doch noch was vom Leben haben können.

02.06.2020 | 08:11
martinhamborg

Hallo in die Runde, einen Gedanken möchte ich aufgreifen: Was passiert in einem Menschen, der die Angehörigen und die eigene Wohnung nicht mehr erkennt? Natürlich wissen wir das nicht, aber unsere Intuition hilft vielleicht ein wenig. Hilfreich ist mir immer die Erfahrung, dass durch den Hirnabbau der Demenz immer frühere Erfahrungen das Handeln und die Wahrnehmung bestimmen. Ist dies mit starker Angst oder Abwehr verbunden kann ein psychotisches Erleben dahinter stehen, da kann ganz viel Trost und Zuwendung ohne jede Anforderung hilfreich sein, aber oft ist ein Neuroleptikum, manchmal sogar in Verbindung mit einem Beruhigungsmittel notwendig. Psychologisch stehen dahinter vielleicht ganz tiefe alte Verletzungen, manchmal aus der Zeit, als dieser Mensch noch nicht sprechen konnte.

Manchmal helfen Wiegenlieder und Berührung, manchmal der Abstand und die Beruhigung auf Distanz, so wie bei einem trotzenden Kind.
(Wohlgemerkt, der Mensch mit Demenz wird nicht zum Kind, sondern er erlebt die Welt mit dem, was noch übrig ist und das sind die Bewältigungsformen eines Kindes) Bis zum Schluss können wir davon ausgehen, dass Menschen mit Demenz auf der Gefühlsebene ansprechbar sind, lange nachdem die Sprache verlorengegangen ist und die Mimik durch den Verlust an Botenstoffen im Gehirn kaum noch wahrnehmbar ist.

Hier kommt der springende Punkt: Die Angehörigen "kennen" in dieser Phase und in psychotischen Phasen die Eltern nicht mehr, denn das was innerlich passiert, wird davon gesteuert, was weit zurück liegt. Sie kommen mit einem Gefühlsmix aus Liebe, Fürsorge, Angst, Zweifel, Enttäuschung, Erwartungen, Verbitterung, Hilflosigkeit, Ekel, Wut, Zorn usw. Das alles nimmt der Mensch mit Demenz wahr - mit unkalkulierbaren Folgen. Deshalb ist es manchmal das Heim sinnvoller, wenn es möglich ist, dort die positiven Gefühle zu leben, so wie Hanne63 bei Ihrem Vater erleben durfte. Ist es eine Pflege zuhause noch leistbar, ist die Selbstpflege genau so wichtig!
Ihr Martin Hamborg

02.06.2020 | 11:46
sonnenblümchen

@ Guten Morgen Herr Hamborg,
wie sieht denn die Realität in Heim aus ?!
Im Frühdienst hat eine Pflegekraft 6 bis 7 Personen zu waschen ..sprich sie ist von morgens bis zum Mittagessen am waschen...bleibt da noch Zeit für Zuwendung und die ,,anderen schönen Sachen", die Sie beschrieben haben?
Meine Mama steht auf dem Warteplatz 151 im Altersheim, weil sie ist ja durch mich versorgt. Wenn die zweite Coronawelle (im Winter) kommt, geht es vielleicht (Zitat von der Pflegekraft bei der Anmeldung ) schneller. Es werden nur Plätze im Todesfall frei, aber dieser Realität sind Sie sich ja bewusst.
Momentan besteht die Selbstpflege bei mir darin,dass ich so schnell wie möglich wieder gehe.
LG

02.06.2020 | 13:14
Lulu

Liebes Sonnenblümchen,
nun muss ich doch mal eine Lanze für die Pflegeheime brechen. Ich konnte/wollte meine Mutter nicht selbst pflegen. Das hatte ich entschieden, nachdem ich mir ganz ernsthaft diese Frage gestellt hatte und mit vielen anderen darüber gesprochen hatte. Ich habe sie dann aus ihrem Wohnort (300 km entfernt) zu mir geholt und in einem schönen Heim in meiner Nähe untergebracht. Es war nicht immer alles toll und sie war oft traurig, aber ich besuchte sie in der Eingewöhnungsphase täglich und später mehrmals die Woche. Diese Zeit war unsere Zeit! Wir haben viel zusammen unternommen, zusammen gequatscht und in Erinnerungen geschwelgt. Wenn ich sie hätte pflegerisch versorgen müssen, wäre das nicht möglich gewesen. So haben mir die Pflegekräfte diese Arbeit abgenommen, wofür ich ihnen noch heute dankbar bin. Meine Mutter ist vor über einem Jahr gestorben, aber ich kann sagen, dass wir die Zeit, bis sie völlig in ihrer Demenz versunken ist, ausnutzen konnten.
Bitte bedenken Sie auch: die Belastung durch die Pflege verhindert vielleicht auch vieles, das zwischen Ihnen und Ihrer Mutter noch möglich sein kann. Haben Sie denn noch Zeit für die "anderen schönen Sachen"?

02.06.2020 | 23:24
hanne63

Hallo in die Runde,
nachdem meine beiden Eltern im Pflegeheim sind, stellte ich ein Veränderung der Beziehung fest...
Die Verantwortung haben jetzt ja Profis...und ich war unbelasteter bei meinen Besuchen...es war viel freier und zwangloser...
Auch ich habe Vorbehalte....dahingehend...wie sieht es denn im Heimallltag aus etc...und natürlich ist Personalnotstand und und und...
Aber letztlich..sehe ich, dass sich mein Vater sehr gut eingelebt hat und akzeptiert hat..und sogar sagt, dass das jetzt sein neues Zuhause ist...es scheint für ihn sehr erleichternd, dass er keine Verantwortung mehr für sein Haus hat etc...und nun selbst versorgt wird...er schein auch umgänglich und so mögen ihn auch die Pflegekräfte...also scheint mir gute Situation...als er noch daheim lebte...sah und erlebte ich ihn nich so zufrieden...
bei meiner Mutter ist es schwieriger...aber auch sie fühlt sich letztlich aufgehoben und sicher umsorgt...
und das alles war zuletzt mit Pflegedienst etc...daheim einfach nicht mehr zu leisten...
Also...ich möchte sagen..obwohl ich immer skeptisch war und immer noch bin..bzgl. Heimen...ist es letztlich für meine Eltern doch eine gute Lösung gewesen bis jetzt...natürlich muß man immer mal nachgucken ;-)

Ich sehe jetzt auch: es kann durchaus ein Unterschied sein, wie man selbst als Angehöriger die Umstände/Zustände im Heim beurteilt.....und wie sich die Bewohner selbst fühlen, also sogar evtl sogar wohlfühlen ;-)


viele Grüße
hanne63

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 02.06.2020 um 23:57.]

03.06.2020 | 06:46
sonnenblümchen

Guten Morgen Lulu,
nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen Pflegeheime und desweiteren habe ich hohen Respekt für alle Mitarbeiter,die es schaffen dort liebevoll mit den Bewohnern zu leben. Wenn ich einen Platz bekommen würde, würde ich meine Mama direkt dort unterbringen, weil ich mitlerweile selber nicht mehr kann. Aber ich habe mir auch realistische Eindrücke vom Pflegealltag beschafft und reagiere manchmal zu direkt, wenn ich verschönte Darstellungen zu hören bekomme.

Guten Morgen Hanne,
ich freue mich mit Dir, dass die Entwicklung Deiner Eltern im Pflegeheim so hoffnungsvoll und positiv ist.

03.06.2020 | 13:45
Rosina

Hallo,in die Runde,ich habe lange nichts von mir hören lassen,verfolge aber alle eure Beiträge,bin froh,dass Hanne ihre OP gut überstanden hat,uns dass sie etwas entspannter ist.Es ist so schön,dass ihre Eltern ,besonders ihr Vater sich im Heim gut eingelebt hat.So könnte es doch gehen.Auch Andydreas hat eine Änderung vor und das ist in meinen Augen gut so.Wieder arbeiten und mit anderen Menschen Kontakt haben,was anderes hören und sehen,hoffe ,dass es klappt.Nur du Sonnenblümchen kämpfst noch an der gleichen Front wie ich.Es ist für mich immer schlimm ,zu hören,denn dir geht es glaube ich noch etwas schlechter als mir.Ich selbst war jetzt auch krank,hatte Nierenkoliken und lag im Krankenhaus.Nierenstein .Habe damit noch zu tun.Der Zustand meiner Mutter ist noch schlimmer geworden.Sie hat jeden Tag tolle Schmerzen,trotz Schmerzmittel.Sie steht kaum noch auf,alles liegt brach,wartet alles, bis ich komme.Ich habe meine Mutter jetzt auch im Heim angemeldet,sie weiß es aber nicht.Sie so leiden zu sehen,fällt schwer.Ab nächste Woche bekommt sie ein Morphiumpflaster.Sie ist sehr ruhig geworden,streitet nicht mehr,lässt alles über sich ergehen.Nur in ein Heim will sie eben nicht.Sie ist total alleine in diesem alten Haus.Ich versuche zu erklären,dass man im Heim auch soziale Kontakte knüpfen kann,dass alles warm ist,alles auf einer Etage,dass immer jemand da ist, das auch Beschäftigung angeboten wird,auch mal Kinder sin gen usw..Aber sie will zu Hause bleiben...Ich habe den Artikel gelesen....sinngemäß...es ist so schwer das auszuhalten,was man ändern möchte,aber ohne Zustimmung nicht ändern kann.Nun muss ich erst einmal selbst auf die Beine kommen,.Lese immer alles,habe manchmal aber jetzt nicht den Mut zu schreiben.Ich denke immer an euch,melde mich bald mal wieder,haltet die Ohren steif,Gruß Rosina

03.06.2020 | 18:47
hanne63

Liebe Rosina,
das tut mir sehr leid, dass Du nun im Krankenhaus warst wegen Nierenstein...das ist ja auch sehr schmerzhaft.
Ich wünsche Dir gute Besserung. Du mußt ja erst einmals selbst wieder richtig auf die Beine kommen.
Keine Sorge: die Arbeit läuft nicht weg...sie wartet immer schön auf einen ;-).
Ganz liebe Grüße an Dich
hanne63



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