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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wie geht es Euch denn so ?
23.07.2020 | 13:36
Rosina

Hallo,Lulu,ich kann Ihnen nur Recht geben,jeder muss für sich selbst entscheiden,wenn ich zurückblicke,was alles in den letzten 3 Jahren los war,dann kommen alle schrecklichen Erinnerungen zurück,u d ich weiß,dass meine Entscheidung richtig war,und das Ganze ist nicht zu Ende,auch mit Heimaufnahme nicht,aber ich weiß,meine Mutter ist versorgt.Die Pflegezeit ,die sich bei mir über 7 Jahre hinzog,beide Eltern,hat mich sehr geprägt,vieles ist in mir eigentlich zerstört,und zwar unser gutes Verhältnis,zu meinen Eltern,in Erinnerung bleiben leider die letzten schmerzhaften Sachen,vergessen kann man das nicht.Auch nicht die Verdächtigungen und Gemeinheiten... meine Mutter ist nicht zufrieden,will weiterhin nach Hause,meine Gedanken gehen in die Richtung,hoffentlich passiert dies nicht,dann ist alles aus,nochmal überstehe ich das nicht.Will ich auch nicht,ich tue alles,dass sie bleibt, meine Kinder u d Freunde sagen das auch,sie merken sehr wohl,dass ich nicht mehr die bin,die ich mal war,diese Ereignisse prägen.Ich versuche in mein Leben zurückzukehren,aber aber aber...viele aber,es ist alles noch nicht,wie es sein soll.Bleibt alle gesund,Gruß Rosina

23.07.2020 | 21:57
hanne63

Hallo Lulu und Rosina
und natürlich alle anderen,

Ihr beiden sprecht ein Thema an, dass mich auch sehr beschäftigt:
Was macht die Pflege, Betreuung oder sich Kümmern, eines Demenzerkrankten mit mir selbst?? (Beide Eltern sind betroffen und jetzt im Heim.)
Ich glaube inzwischen, dass es eine besondere Art von Trauma ist, und zwar eines, das lange Zeit andauert....und eines, das von den Ärzten etc....nicht gesehen werden will oder kann oder was weiß ich....

dabei habe ich noch nicht einmal selbst gepflegt, sondern "lediglich" aus der Entfernung über Jahre hinweg organisiert und versucht zu helfen. Bei jedem Telefonklingeln bekomme ich immer noch Herzrasen....

...und man ist weder fachlich noch persönlich auf das Trauma Demenz vorbereitet...das kommt dazu....von wegen, man wächst da rein, wie manche sagen...es kann nämlich ziemlich krass kommen!
Außerdem habe ich als Angehörige nicht die professionale Distanz wie Fachleute, also Pflegedienste etc sie haben...das macht einen großen Unterschied.

Ich kann bestätigen, dass es zwar eine riesige Erleichterung für mich war, als endlich beide Eltern dann im Heim untergebracht worden sind....
allerdings ist damit nicht alles zu Ende für mich.....gewisse Belastungen gehen durchaus weiter....und drücken auf die eigene Psyche...es bleibt mir allerdings das Gefühl, dass beide Eltern den Umständen entprechend einigermaßen versorgt sind, was mich beruhigt...es ging einfach nicht mehr anders.

Auch ich habe mich verändert....das bemerke ich sogar selbst....ich habe Dinge gesehen/erlebt, die ich lieber niemals sehen oder erleben wollte...und ich habe mehrfach erleben müssen, wie sich Ärzte verhalten....ich fühlte und fühle mich im Stich gelassen...und letztlich wurden auch meine Eltern sich selbst überlassen von den Fachleuten......jedenfalls bis ich Nägel mit Köpfen machte....

und leider ist es auch so, dass die Erinnerung meistens sich nur auf die letzten Ereignisse bezieht...wie es zuletzt war, daran erinnert man sich...(abgesehen mal von schwierigen Kindheiten, das vergißt man wohl auch nie.)

Es ist sehr schwierig, sich bei den ganzen Geschehnissen dann nicht selbst zu verlieren....

Immerhin sehe ich die Welt jetzt sehr viel realistischer und erwarte schlichtweg von niemanden etwas mehr...also sozusagen eine ehemalige Optimistin mit viel Erfahrung ;-) , die jetzt Pessimistin ist.....und ich kann auch nur noch wenig glauben, was man mir sagt oder verspricht.

Trotzdem versuche ich alles zu verarbeiten und zu meinem eignen Leben richtig zurückzufinden....und auch wieder genießen zu können.

und ich möchte auch noch sagen, dass ich die Beiträge von "Angehöriger" und "Sohn" vermisse....Sie haben mir so oft neue Denkanstösse gegeben und damit weitergeholfen...also falls Sie noch im Forum sind und nur still mitlesen...möchte ich mich bei Ihnen bedanken...und vielleicht schreiben Sie ja auch mal wieder einen Beitrag.

viele Grüße









[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 23.07.2020 um 22:02.]

23.07.2020 | 22:54
Rosina

Hallo,Hanne,ich bin froh,dass du das auch so siehst,ich bekomme ja schon fast Depressionen ,wenn ich über diese Demenzstation gehe und meine Mutter besuche.Diese dementen Menschen zu sehen,macht mir zu schaffen.Ich würde mir wünschen,meine Mutter noch auf einer anderen Station unterzubringen,weiß natürlich nicht,ob es dort auch so ist,man darf ja nicht auf andere Stationen ,ich kenne leider keine Altenheime ,vielleicht eine Wissenslücke,meine Mutter ist leider dort nicht glücklich,aber ich kann sie nicht zurücknehmen.Bliebe ein anderes Heim,aber keine Plätze!So bleibt ein schlechtes Gewissen,....Sie ruft mich nachts an,6x vergangene Nacht,habe sie heute besucht,die Schwestern sind total nett,ohne Frage,sie machen Beschäftigung,auf dem Hof würde gesungen.Finde alles ok,trotzdem,sie will nicht bleiben,sagt,sie bleibt da nicht,ihr Unglück macht auch mich fertig,....Aber es ist lange nicht so schwer wie es war,ich war ja jeden Tag von früh bis abends präsent,auch in der Nacht.....Würde mir wünschen,sie würde sich eingewöhnen.....Ich merke schon,dass meine Mutter denkt,meine Tochter will mich nicht mehr pflegen,...Und sie hat Recht,ich will nicht mehr,7 Jahre habe ich für 2 gesorgt,3 Jahre sehr intensiv würde immer mehr und immer schlimmer ,das letzte Jahr Tag und Nacht,der Vater bis zum Schluss zu Hause und jetzt ist Schluss..ich habe nur noch geheult,kein Leben mehr...wenn es nur klappen würde.Ja,Angehöriger fehlt mir auch,sehr offen,sehr direkt,aber geholfen hat es schon.Liebe Hanne ,geht es dir gut?Wir müssen weiter stark sein,werden wir das schaffen?Es grüßt Rosina

23.07.2020 | 23:05
hanne63

Liebe Rosina,
ohne jetzt ironisch zu werden: "wir schaffen das"!!!! weil wir ja auch schon so viel bisher geschafft haben...also lass Dich nicht unterkriegen...
Ja..es ist auch für mich sehr schlimm, meine Eltern auf den Demenzstationen zu besuchen...ich bekomme ja das ganze Drum Herum dann mit, auch von den anderen Bewohnern...das ist wirklich nicht einfach..jetzt unter Corona-Bedingungen kann ich meine Eltern nur einzeln und nicht in ihren Zimmern/Stationen besuchen...das ist dann nochmals krasser...
Wir sind doch schon sehr stark..und wir werden das schaffen...wer sonst?

Es geht mir derzeit relativ gut: ich schwimme was nur geht...im See und in einem Hallenbad..immer zu Zeiten..wo wenig los ist...und wandere und spaziere viel und beobachte die Sterne...so geht es halbwegs :-)...danke dass Du fragst...ich lebe ja ziemlich isoliert.
liebe Grüße

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 23.07.2020 um 23:08.]

24.07.2020 | 09:38
hanne63

Liebe Sonnenblümchen,
da hast Du nun auch wieder recht....das hatte ich übersehen.
liebe Grüße

24.07.2020 | 21:50
Elisabetha

Guten Abend an alle!

Hallo Rose60 und Teuteburger und alle, die Ihr versucht, mein Verhalten zu verstehen und zu tolerieren, ein großes Dankeschön. Wer schon einen oder mehrere Schritte weiter ist als ich, weiß um die Skrupel und Gewissensbisse, und die Zeit, die jeder für seine Entscheidung braucht.

Nach nunmehr drei Wochen heimatlicher Anwesenheit meines Stiefvaters nach seinem "Ausbruch" aus dem Pflegeheim, habe ich das Sekretariat seines Betreuers gebeten, nach dessen Rückkehr aus dem Urlaub umgehend die erneute Umsiedlung in das Pflegeheim zu veranlassen.

Endlich ist auch bei mir der Groschen gefallen. Vor allem sieht es auch meine Mutter ein, die sich mit Verlaub regelmäßig "die Seele aus dem Leib k...". Selbst die Notärztin die ich heute kontaktiert habe, sprach aus, was ich gerade geschrieben habe.

Nun zähle ich die Tage bis zum 03.08. und hoffe, die Gesundheit meiner Mutter stabil halten zu können und selbst nicht die Nerven zu verlieren. Auf jeden Fall ist eine klare Entscheidung getroffen, das ist das Wichtigste.

Die eigene geistige Gesundheit in Gesellschaft eines schwerz Demenzerkrankten nicht zu verlieren ist eine Herkulesaufgabe. Es kostet mich sehr viel Selbstdisziplin immer wieder meinen Tagesablauf zu strukturieren und trotzdem dabei auf mich zu achten. Habe ich früher nur von Tag zu Tag gelebt, so teile ich meine 24 Stunden in Abschnitte ein, vom Frühstück zum Mittagessen usw. Würde ich das nicht tun, wäre ich schon untergegangen. Vor allem versuche ich meine aufkommenden Aggressionen und Ängst weitgehenst für mich zu behalten und mich auf alles Positive zu konzentrieren. Jede noch so kleine Begebenheit zelebriere ich, um einfach existieren zu können. Ich fühle mich auch viel besser dabei, mich zu motivieren, als mich ständig in diesem unglückseligen Sumpf zu suhlen. Ist ja eh schon alles schlimm genug.
Wie Rose60 schon sagte: "Es ist eine Phase!"

Alles Liebe für Euch!

Übrigens habe ich Buchtipps für Euch, wenn Ihr magt:

"Ich fang nochmal zu leben an" von Diana Beate Hellmann
Ein autobiographisches Dokument und zugleich ein Buch, das Mut zum Leben macht.

und

"Kaizen" von Sarah Harvey
Großes erreichen durch kleine Schritte



Elisabetha

24.07.2020 | 22:43
hanne63

Liebe Elisbetha,
danke für die Buch-Tipps..ich werde mich gleich draufstürzten...
Ich drücke Dir die Daumen...wenn der "Groschen einmal gefallen ist" braucht es dennoch viel Kraft um das alles dann auch durch zu ziehen.
Klare Entscheidungen waren auch für mich dann immer das Wichtigste..und daran konnte ich mich festhalten..also sozusagen an meinen eigenen Entscheidungen.
viel Kraft und
viele Grüße

25.07.2020 | 11:45
martinhamborg

Hallo in die Runde, es freut mich sehr, dass bei Ihnen Elisabetha der "Groschen gefallen ist" und ich über manche Ausführungen mitlachen konnte. Ich habe keinen verbitterte Galgenhumor gelesen, sondern einen ansteckenden und kreativen. Nie werde ich den Altenpfleger aus einer Demenzeinrichtung vergessen, der begeistert von seiner Arbeit erzählte und sagte: "Bei uns ist jeden Tag Happening!"
Wenn wir uns auf ein kreatives Spiel einlassen, ist das für die Psychohygiene super! Insofern, Sonnenblümchen, sorry wenn ich Ihnen ein schlechtes Gewissen unterstellt habe...
Ihre Idee von der kreativen Toilettenpapier- Foto-Kunst finde ich klasse und biete Ihnen an, dass ich bei der Ausstellungseröffnung ein doppeltes Laudatio mache, eine verbale Würdigung und eine nonverbale mit Saxofon...

Die Wechselwirkung von Demenz und Depression im Verhalten, Teutoberger, ist ein wirklich schwieriges Thema ohne einfache Patentrezepte. Beide Krankheiten brauchen ein unterschiedliches Betreuungskonzept mit einem gemeinsamen Nenner, z.B. der Beziehungsbotschaft "Da ist ein Mensch der meint es gut mit mir".
Lange habe ich für Nicole Richard in der integrativen Validationsausbildung die Theorie der Demenz geschult, auch mit dem Ziel zu erkennen, wann und warum Validation manchmal nicht hilft. Oft sehe ich, dass bei Menschen mit der Doppeldiagnose der wertschätzende aber klare und strenge Ton, die Grenzen und die Ablenkung ins Positive und die alternativlose Aktivierung ganz lange notwendig bleiben. Bis irgendwann in der Demenz die Ursachen und Verletzung der Depression vergessen werden - so mein Bild.
Freu mich nächste Woche weitere zu lesen, Ihr Martin Hamborg



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