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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wie geht es Euch denn so ?
19.06.2020 | 22:01
Barbara66

Hallo Hanne,
einfach eine unglaubliche Schluderei, die da bei Dir passiert.
Ich würde hier auch jegliches Vertrauen verlieren.
Seit der Demenz meiner Mutter und den Besuchen bei diversen Ärzten, die alle zu nichts geführt haben,da immer und immer wieder Fehldiagnosen,habe ich zu keinem Arzt mehr Vertrauen.
Ich hoffe für mich ,daß ich niemals in die Fänge dieser unfähigen Ärzte gerate und die Augen vorher zumache, bevor ich ernsthaft krank werde.
Es ist eine Freude zu hören, daß sich Dein Vater so gut eingelebt hat und sich dort "zu Hause"fühlt.
Mir geht es seit ein paar Tagen etwas besser und ich habe mir vorgenommen,nicht mehr so aggressiv auf die Wahnideen meiner Mutter zu reagieren. .
Was mir allerdings schwer zu schaffen macht,ist der ständige Wechsel bei dieser Demenzform.
Gestern waren mein Mann und ich 4 Std.bei Ihnen -ich habe Rasen gemäht -mein Mann den ganzen Hof gekehrt usw.
Sie war gut drauf (Wahnideen haben wir immer)und sehr anhänglich (Kuesschen hier,Kuesschen da...)und sehr dankbar für unsere Hilfe.
Heute stand wieder Haare waschen,aufdrehen und stylen auf dem Programm(auf meinem Programm).
Sie hatte ein anderes -sie hätte keine Zeit und müsse sich am Na lange ausruhen, da um 18 Uhr die Ärzte kämen um ihr Leben endlich zu beenden.
Ich bin dann trotzdem hin und habe sie neu gestylt.
Sie war abweisend,aggressiv, undankbar,unfreundlich, kalt und ganz in Ihrer Welt versunken.
Das tut weh und tobt lange in mir und ist oft nur sehr schwer zu ertragen.
Sie ist eben nicht mehr die Person,die sie einmal war.
Alles Gute
Barbara

20.06.2020 | 11:43
martinhamborg

Hallo in die Runde,
zunächst an Sie Rosina: Bitte bedenken Sie in solchen Momenten, dass das schlechte Gewissen auch meist ein schlechter Ratgeber ist. Sie haben sich aus guten Gründen entschieden und haben alles getan, was möglich ist.

Die Alternative ist jetzt nicht einen falschen Weg weiter zu gehen, sondern Ihrer Mutter da beizustehen, wo sie ist: Auch in der Trauer, die oft hinter der Wut steckt. Ihre Mutter darf diese Gefühle haben und Sie können trösten, Verständnis zeigen und rechtzeitig Grenzen setzen. Sie können auf verschiedenen Wegen richtig handeln. Hören sie bitte dabei auf Ihre innere Stimme und nicht auch das schlechte Gewissen.

Hallo Hanne, soviel Inkompetenz kann einen mit Recht wütend machen, gerade wenn man abhängig ist. Ich rate oft zum Beschwerdeweg, weil ich mitbekomme, dass sich oft mehr bewegt, als es von außen wahrzunehmen ist. Deshalb war Ihre Arbeit so wichtig, auch wenn es leider mehr als Einen gibt, der die Sache nicht so ernst nimmt und "Kunst"fehler macht.

Auch was den Geburtstag Ihres Vaters angeht, kann ich die Enttäuschung gut verstehen. Unfreundlichkeit ist immer unprofessionell, daran übe ich schon Jahrzehnte immer und immer wieder mit Pflegekräften.
Aber manchmal hilft Verständnis, denn die strengen Besuchsregeln und die zusätzlichen Dokumentationsauflagen in den Heimen sind extreme logistische und zeitliche Anforderungen.
Es ist so schwer nachvollziehbar, dass alles gelockert wird, aber hier der Lockdown eher verschärft wird. Geklatscht wird auch nicht mehr und die versprochen finanzielle Anerkennung liegt brach. Leider müssen die Verwaltungs- und Pflegekräfte immer wieder Prioritäten setzen und immer einige enttäuschen.
Ich erlebe es auch bei unseren Angehörigen, wie wütend die Ohnmacht macht und hoffe sehr, dass es immer wieder eine gute Lösung gibt, wenn die Nerven mal blank liegen.

Hallo Barbara, dieser ständige Wechsel zwischen gut und böse, zugewand und ablehnend, zulassend und abwehrend usw. ist absolut zermürbend. Da hilft es leider nicht viel, zu wissen: Es ist ein Symptom der Demenz - zum Glück nicht immer. Wenn Sie können, richten Sie den Blick auf das Gelingende, freuen Sie sich über die guten Momente. Wenn das nicht geht, bewahren Sie Ihre innere Kraft und suchen Sie wenn möglich Abstand. Manchmal klappt es erst im 10ten Versuch - trotzdem waren alle anderen vorher richtig und wichtig, nur zur falschen Zeit.

Ich freue mich auf den weiteren Austausch, Ihr Martin Hamborg

20.06.2020 | 18:31
hanne63

Hallo Herr Hamborg,
danke für Ihre Zeilen.
Ich bin wirklich schon in der Verfassung derzeit, dass ich die Erlaubnis anderer brauche, wütend sein zu dürfen über Inkompetenz.....
Ich gebe der Arztpraxis jetzt noch eine Woche Zeit, dann raffe ich mich auf...und mache "einen Fall" draus, inkl. Beschwerden etc.....irgendwann ist dann mal gut.

Bzgl. Heim-Besuch-Geburtstag....
Ja, das ist treffend gesagt von Ihnen: Es ist unprofessionell, unfreundlich zu sein.....(das übernehme ich ab sofort in meinen Sprachgebrauch)....
Ich habe Verständnis..und ich überstrapaziere die Angestellten im Heim wirklich nicht, weil ich selten auch dort bin etc....
Ich werde jedenfalls auch da nicht lockerlassen bzgl. Geburtstag.....das geht einfach nicht. (Nicht zuletzt zahlen meine Eltern, da ja beide in dem Heim sind, monatlich über 4000.--, das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen...., aus eigener Tasche dazu an das Heim....da wird doch ein Besuch am Geburtstag mal drin sein...Corona hin oder her...)

Vielen Dank für Ihre immer hilfreichen Antworten und aufmunternden Worte

22.06.2020 | 14:43
hanne63

Hallo an alle, die mir die Daumen gedrückt und mit mir gebangt haben wegen meiner Op am Augenlid,

heute habe ich den Befund erhalten, mit einer guten und einer schlechten Nachricht.
Es war der weiße Hautkrebs, also ein Basaliom.
Und es wurde bei der 1. Op alles ausreichend entfernt, muß also nicht nochmals nach operiert werden.

Jetzt ist erst mal alles soweit ok und ich muß in 3 Monaten nochmals zur Kontrolle und künftig noch vorsichtiger sein, weil wer es einmal hatte, kann es auch häufiger erneut bekommen, auch an anderen Stellen.

Mein Rat an alle daher: geht zur Hautkrebsvorsorge regelmäßig und zusätzlich erneut zum Hautarzt, wenn sich etwas neu gebildet hat.....bei mir haben ja 2 Hautärzte und 2 Augenärzte die Stelle nicht als besorgniserregend erkannt!!!! Ich selbst bemerkte überhaut erst, dass da etwas wächst, obwohl mich mein Hausarzt ständig sieht und ich erst 3 Monate zuvor bei Hautarzt zur Krebsvorsogeuntersuchung war.....
Also gut, dass ich auf mich selbst gehört habe und nicht locker liess....anhand unzähliger eigener Rechergen hatte ich nämlich schon ziemlich sicher selbst die Diagnose gestellt ;-)....und deshalb auch auf zeitnahe OP gedrungen...trotz Corona....
von meinem eigenen erstmaligen Bemerken bis heute vergingen immerhin 10 Monate......das hält man nicht für möglich im modernen Deutschland.

Also paßt gut auf Euch auf.....auch dann, wenn Ihr den Kopf sowieso in Sachen Demenz der Angehörigen voll genug habt.

Ich fühle mich jedenfalls insoweit erleichtert, dass jetzt erst einmal nicht nochmals operiert werden muß und dass endlich die wochenlange Anspannung mit fast täglichen Nachfragen und Vertröstungen vorbei ist.

liebe Grüße

22.06.2020 | 17:40
Teuteburger

Hallo Hanne,

das freut mich für dich, dass die Ungewissheit ein Ende hat und dass du jetzt mehr Ruhe hast, weil sie das wohl richtig entfernt haben.

@Sonnenblümchen,

wie sieht es bei dir aus?

Liebe Grüße



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 22.06.2020 um 17:41.]

22.06.2020 | 20:27
Teuteburger

Hallo Sonnenblümchen,

schön von dir zu hören.
Erstens, finde ich, dass du einfühlsam schreiben kannst.
Und zweitens dachte ich, wie du wohl andere verletzen könntest, bis ich gelesen habe, was du damit gemeint hast. Und ich finde deine Gefühle ganz normal, wenn ich ehrlich bin.

Es ist für viele, die große Teile ihres eigenen Lebens (psychisch/körperlich) für die Pflege und die Hilfeleistung für andere hergeben, eine Gradwanderung.
Und natürlich fragt man sich, wie lange das noch gehen soll, wenn eine Demenz sehr weit fortgeschritten ist. Und natürlich ist man öfters überlastet. Und natürlich verändern sich auch die Gefühle der Situation gegenüber. Damit verletzt du keinen, sondern du sprichst vielen aus dem Herzen.
Demenzkranke beziehen ihre Aufmerksamkeit und ihr Tun und Handeln aus Dingen, die für uns sogenannten normalen Menschen nicht gerade schön sind. Und ehrlich, das darf man auch so sehen. Und man darf sich auch ein bisschen mehr Leben zurückwünschen. Das tue ich auch, denn ich weiß oft auch nicht wo das alles hinführen soll.
Das du ganz alleine die Sache mit deiner Mama stemmen musst, verstärkt, so denke ich mir, die jetzigen Gefühle, die halt einfach auch ihre Berechtigung haben.

Ich halte das Leben nach dem Tod zudem nicht für das Schlimmste, wenn man dem bisherigen Wissen durch Nahtoderfahrungen glauben schenken kann.

Sei auch du gedrückt und schreibe ruhig hier in den Club, wenn dir danach ist.



[Dieser Beitrag wurde 3mal bearbeitet, zuletzt am 22.06.2020 um 21:02.]

22.06.2020 | 22:04
sonnenblümchen

Liebe Teuteburger,
ein dickes Danke !

24.06.2020 | 21:58
Barbara66

Hallo Herr Hamborg,
danke für Ihre Rückmeldung bzgl.der ständig veränderten Zustände meiner Mutter.
Die Tage,an denen Sie kalt,abweisend, unfreundlich, aggressiv uvm.ist,schmerzen sehr und ich merke,daß ich mich dann immer weiter von ihr entferne.
Irgendwie ist keine Kommunikation ohne Streitigkeiten mehr möglich.
Zur Zeit geht es darum,daß es mir sehr wichtig ist,daß sie sauber und gepflegt aussieht,so wie sie ihr ganzes Leben war.
Jeden Morgen wenn ich vorbeijogge ,hat sie sich bekleckert (wie ein kleines Kind)
Ich sage dann zu ihr,daß wir uns umziehen müssen, da das Shirt schmutzig ist.
Sie macht es dann-sagt aber zu mir,warum ich immer nur mit ihr schimpfe .
Sie ist dann zornig und zeigt mir gegenüber dann gar keine Herzlichkeit mehr.
Von selbst sieht sie es nicht mehr.
Und es wird immer schlimmer.
Morgen kommt der Pflegedienst zum putzen und ich habe ihr gesagt,daß bitte der Kühlschrank ausgewaschen werden soll (der sah vor 1 Woche alles andere als sauber aus (so was hat es früher bei ihr nie gegeben ).
Dann behauptet sie,diesen vor 3 Wochen ausgeräumt und gesäubert zu haben und fühlt sich von mir kontrolliert und kritisiert.
Ich hätte gerne ihre Einschätzung ,in welchem Stadium wir uns befinden?
Wahnvorstellungen, Halluzinationen, kein Verstehen mehr von Sachen,die man ihr sagt,kein Folgen eines Gespräches mehr ,sondern sofortiges Eintauchen in ihre Welt.
Schwerste Gedaechtnisstoerungen haben wir noch nicht-Sie kocht immer noch jeden Tag (einfache Sachen,aber es scheint zu schmecken ).
Für meinen Geschmack sind wir doch weit über ein Fruehstadium hinaus,oder nicht?
Dürfte ich Sie um eine Stellungnahme bitten?
Danke
Barbara

25.06.2020 | 12:46
hanne63

Liebe Sonnenblümchen,
ich bewundere Dich sehr für Deine Geduld, die Du doch hast.....
Ich kann verstehen, dass Du manchmal denkst, Deine Mutter könnte mit Absicht manches machen...ich habe das auch manchmal bei meinen Eltern gedacht.....man soll/muß sich immer sagen, dass es die Krankheit ist...aber manchmal kann man daran nicht so recht glauben, das kenne ich....

ich bewundere deshalb die Pflegekräfte, die das, wohl weil sie Profis sind, besser aushalten können....

Mein Vater dachte die letzten Monate vor seinem Heimeinzug auch sehr oft, dass er daheim kein Brot oder Wurst mehr hat, dabei war der Kühlschrank voll und das Brotfach auch....er hat den Nachbarn veranlaßt, immer wieder neu einzukaufen....die Sachen lagen dann verschimmelt daheim herum, was der Pflegdienst "übersehen" hat....

Die einzelnen Stadien können halt sehr lange auch dauern...ab Beginn der ersten "diagnose" bis Heimeinzug hat es bei meiner Mutter ca 8 Jahre und bei meinem Vater ca 10 Jahre gedauert.

Wenn Du merken solltest, dass Du es selbst einfach nicht mehr schaffst, bzw evtl vielleicht sogar immer öfter wütend reagierst.....wäre es dann nicht besser an KH mit anschließend Heim tatsächlich zu denken und entsprechendes zu verlassen?.....

liebe Grüße

25.06.2020 | 13:03
Rosina

Hallo,an unsere Runde,ich will mich auch einmal wieder melden,Herr Hamborghatte mir geraten,den Weg beizubehalten,das schlechte Gewissen wegzudrücken,ich habe das so auch getan,meine Mutter ist zur Zeit in der Kurzzeitpflege,die Entzündungswerte sind besser,sie sitzt im Rollstuhl und kann weiterhin nicht alleine aufstehen,sie macht auch weiterhin ins Bett bzw in die Windelhose muss dann komplett umgezogen werden ,schämt sich dafür,da eine andere ältere Dame mit im Zimmer ist. Da muss ich jetzt einfach sagen,sie hat so eine liebe Zimmermitbewohnerin,da haben wir wirklich Glück gehabt.Sie kann sich mit ihr unterhalten und sie hilft meiner Mutter mit der nötigen Ruhe.Ist besser als Einzelzimmer,in dem sie alleine wäre.Nun habe ich die Zusage auf einen Heimplatz bekommen,ab Montag wird sie aufgenommen.Es wird heute ein schwerer Gang zu meiner Mutter,ihr das zu sagen,ich habe schon Bauchschmerzen.Aber,liebe Barbara,liebes Sonnenblümchen, liebe Teuteburger,und auch Lulu,ich bin jetzt fest der Meinung,dass es keinen anderen Weg mehr gibt.Es ist der Punkt gekommen,wo ich denke,sie oder meine Gesundheit.Ich kann das nicht mehr,ich will es nicht mehr,ich bin einfach am Ende.Ich freue mich über den Heimplatz,Ärztin hat mir geholfen,sie sagte,ihre Mutter ist ein dringender Fall.Ich bin so froh,dass in mein Leben eine Änderung kommt.Sonnenblümchen,Barbara,und alle,denen es auch so geht,ich mache das jetzt 7 Jahre,irgendwann ist der Punkt gekommen,da kann man selbst nicht mehr.Ich bin dort angekommen.Ich glaube,alles wurde immer schlimmer,die Hilfe immer aufwendiger,ohne dass man es richtig gemerkt hat,dann war das Leben nur noch Pflege und Hilfe,.Plötzlich kommt der Punkt,wo man sagt,sie oder ich?Ich werde euch mitteilen,ob es dann besser wird.Ich hoffe es ganz sehr,Meine Mutter steht nicht auf,sitzt mal im Rollstuhl,sie ist jetzt ein richtiger Pflegefall geworden,der die meiste Zeit im Bett liegt,oh,Gott,hilf .Nur sie allein muss den Willen aufbringen,wieder zu laufen. Soweit mein Bericht,werde mich wieder melden.Gruß Rosina



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