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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wie geht es Euch denn so ?
06.07.2020 | 02:37
Teuteburger

Hallo Herr Hamborg,

ich lese Ihre einfühlsamen Beiträge immer aufmerksam mit.

Sie sprechen hier wichtige Themen an, unter anderem die Gewalt/Aggression, die Demenzkranke in der häuslichen Umgebung und in Pflegeheimen, wegen der Krankheit entwickeln können.

Meiner Erfahrung und Meinung nach. wären solche Verhaltensauffälligkeiten kaum oder abgeschwächter vorhanden, wenn genügend Zeit, genügend individuelle Zuwendung und die ungeteilte Aufmerksamkeit des Pflegenden auf den Demenzkranken möglich wäre.

Aber das kann kein einzelner Mensch leisten. Im Dreischichtdienst, wie das in Brasilien für deutsche Demenzkranke geleistet wird, die entsprechend viel Geld haben, funktioniert das dann. Hier ist Aggressivität kaum ein Thema, laut dem Fernsehbericht, den ich einmal gesehen habe.

Ich habe auch einmal ein Beispiel von einer Frau gelesen, deren dementer Mann aus einigen Heimen verwiesen worden ist, wegen seiner Aggressivität. In der Schweiz hat sie ihn in einem Heim, dass ganz auf die Bedürfnisse der Demenzkranken zugeschnitten gewesen ist, unterbringen können. Er hat noch drei oder fünf Jahre recht glücklich gelebt, so weit man das bei einer Demenz sagen kann.

Ich denke auch, dass jeder sein Bestes versucht, aber oftmals reicht es hinten und vorne nicht aus.

Mehr Geld, mehr Zeit und neue Konzepte, wären einerseits dringend notwendig. Aber als Staat teilen sich alle einen großen Kuchen und wenn man an einem Schräubchen dreht, dann drehen sich alle anderen mit. Corona ist das beste Beispiel dafür.
Und wenn ich das Wort arbeitslos höre, dann wird mir immer ganz anders. Es ist satt und genug Arbeit da, aber sie kann nicht bezahlt werden. Das ist das Problem. Da hilft, wie Sie es richtig sagen, auch kein Klatschen, welches irgendwann wieder verstummt und alles bleibt beim Alten.

In der damaligen und in der heutigen Zeit, geht es darum, Vieles auszuhalten, Vieles bewältigt zu bekommen, resistenter gegen Stress zu werden und Vieles funktioniert letztendlich nur noch über Ignoranz und über eine einseitige Betrachtung. Das tiefste innere Bedürfnis, dass es anders sein möge, wird immer wieder ruhig gestellt werden müssen.

Wichtig finde ich in der Demenzforschung auch die Prophylaxe oder Erfahrungsberichte von Menschen, die sich von Alzheimer haben heilen können, auch wenn das extrem selten vorkommt und vielleicht auch andere Auslöser mitgespielt haben. Ein solches Buch hat zum Beispiel Louis Blank geschrieben. Ich habe es gelesen und es hat mich berührt. Er schreibt in seinem Nachwort noch, dass er selbst nicht weiß, was bei ihm letztendlich geholfen hat und ob es nur eine Vergiftung mit Aluminium gewesen ist, welches zu den Gedächtnisausfällen geführt hat. Aber sein Bericht ist für mich trotzdem beachtenswert. Und gerade deshalb, weil man die Gedankenwelt des Demenzkranken mit seinen eigenen Worten hinterher reflektiert nachlesen kann. Jedenfalls war das Erleben dieses Mannes ein "schulmedizinisch" klarer Alzheimerfall. Alleine das gibt mir zu denken.

@Sonnenblümchen,

deine Lage ist echt sehr schwierig. Es tut weh das zu lesen.
Mir fällt da leider nichts Passendes ein, außer einem Beispiel.
Auch meine Mutter ist für ihre demenzkranke Mutter dagewesen. Als sie ihren Weisheitszahn gezogen bekommen hat und sie entsprechende Schmerzen gehabt hat, hat sie meine Oma angefleht, sie nur diese eine Nacht schlafen zu lassen. Sie hat meine Mama in dieser Nacht bis zu sieben mal rausgeklingelt, weil sie auf den "Pott" musste. Sie musste aber nur einmal wirklich.
Und dem Sohn hat meine Oma gesagt, dass sich meine Mama kaum kümmern würde. Meine Mama hat so geweint und ihrem Bruder gesagt, dass das nicht stimmen würde. Der Bruder hat gesagt, er weiß, dass das nicht stimmt.
Nur einmal hat meine Mama sich eine Woche frei genommen. Das war als meine Oma ins Krankenhaus musste.

Ich will hier nicht soviel schreiben, weil das einerseits recht privat ist, auf der anderen Seite sehe ich das aber auch als recht unpersönlich an, weil man das überall hören und lesen kann. Das sind immer wieder gleiche Muster, die sich wiederholen. Es ist extrem schwer zu sagen, was jetzt ungewollt ist, was eventuell unbewusst gewollt ect. Aber wenn alles wieder vergessen wird, was man vorher gemacht hat, dann ist ein vernünftiger Umgang mit Informationen, bis auf wenige Ausnahmen, die im Gedächtnis eingebrandt sind, nicht mehr möglich.

Leider gibt es überall diese Unverständlichkeiten und Verletzungen in Pflege und mich macht das alles auch nicht glücklich.

@Rosina,

das klingt für mich nach meinem größten Albtraum, der mir noch bevorstehen könnte. So etwas will ich nie erleben müssen. Und trotzdem muss man es irgendwie schaffen.
Ich halte mich dann hoffnungsvoll an das, was Hanne geschrieben hat. Mehr bleibt einem dann nicht, denke ich.

Eine Bekannte von mir hat einmal gesagt, dass sie glaubt, dass wir in der heutigen Zeit, auch mit einer Demenz es anders machen würden, durch dass, was wir gelernt haben. Und wenn es so wäre, dann wäre das Erforschenswert.

Seid alle umarmt und liebe Grüße





[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 06.07.2020 um 09:56.]

06.07.2020 | 14:06
Barbara66

Hallo Sonnenbluemchen.
für mich wird die Situation auch immer unerträglicher.
Aggressives Verhalten meiner Mutter und Anschuldigungen nehmen immer mehr zu.
Heute war der behandelnde Psychiater zum Hausbesuch da.
Eben ruft mich meine Mutter an und macht einen Aufstand,weil sie angeblich nichts von der Gabe des Antiepileptikums seit April (angstloesend und beruhigend) mehr weiß.
Ich will ihr mit dem Medikament Schaden zufügen? ?????
Sie wird jeden Abend von mir abgehört -da habe ich das Telefonat beendet und aufgelegt.
Mir geht es wie Dir-das, was ich für Sie mache (Wäsche, Baden, Haare ),geschieht nur aus Pflichtgefühl -nicht aus Liebe.
Ich empfinde keine Liebe mehr für Sie.
Das hat Ihre Krankheit und ihr verändertes Verhalten mit mir gemacht.
Ein Zusammenleben ist nicht mehr möglich und ich wünschte, wir hätten schon einen Heimplatz.
Wir stehen seit 2 Jahren bei 2 Altenheimen auf der Warteliste.
Ich habe jetzt für mich entschieden,nur noch am Wochenende zum Baden und Haare machen bei ihr vorstellig zu werden.
In der Woche werde ich den Kontakt meiden.
Ich hätte gerne die letzten Jahre harmonischer mit mehr Nähe zu ihr verbracht,aber diese schreckliche Krankheit zerstört alles.
DEMENZ ZERSTÖRT FAMILIEN
Alles Gute
Barbara

06.07.2020 | 22:06
hanne63

Hallo Barabara66,
ja das trifft es auf den Kern:
Demenz zerstört Familien...
Ich hatte mich nach vielen Jahren von Streitigkeiten und Zerwürfnissen mit den Eltern ausgesöhnt...ihnen vieles nachgesehen...sogar verziehen...und zwar deshalb, um selbst meinen eigenen Frieden zu finden....dann kam die Demenz.....und hat alles wieder zerstört und zu nichte gemacht.....
Aber ich glaube, das ist bei vielen psychischen Erkrankungen so...dass sie ganze Familien zerstören können.....das ist nur kaum jemanden bewußt, der dann nicht selbst einmal davon betroffen ist.
Insoweit denke ich, ich habe vorher in einer Illusion gelebt..und erlebe jetzt harte Realität....und vermutlich geht es nicht nur mir so.
Auf Demenz und was es bedeutet, war ich in keiner Weise vorbereitet...und es braucht da viel mehr Aufklärung.
Liebe Grüße
hanne63

07.07.2020 | 12:42
Teuteburger

Hallo Sonnenblümchen, Rosina, Barbara, Hanne und alle anderen,

das, was ihr schreibt, das empfinde ich genauso. Und auch den letzten Satz, den Sonnenblümchen geschrieben hat: Man wollte nie so sein, wie man letztendlich dann doch sein muss, weil man sonst nicht überleben kann. Ich habe in den letzten Jahren auch gemerkt, es läuft darauf hinaus, dass irgendwann ein Leben gegen das andere steht. Und entsprechend habe ich innerlich eine Grenze gezogen, die sie immer wieder überschreiten will, unbewusst, aber doch sehr verletzend.

Auch ich wollte für meine Schwiegermutter da sein, wollte ihr durch das Alter helfen, wollte ihr auch mit meinen Erfahrungen und meinem Wissen beistehen. Aber das ist alles nicht drinnen, höchstens mal so hinten rum. Sie kann und will ja nicht mehr mitdenken; auch schon vor der Demenz. Ich verstehe immer ihre Not, aber Lösungen will sie gar keine oder nur sehr sehr selten und mit viel ermüdenden Kämpfen annehmen. Wir drehen uns hier in einem Kreis oder eher Strudel, der alles mit sich reißt.

Ich wollte so etwas nie erleben und doch stecke ich jetzt mitten drinnen. Und es ist kein Ende in Sicht. Die Not der pflegenden Angehörigen ist oftmals groß, auch wenn sie sich anders darstellt, als bei den Demenzkranken selbst.

Bekannte von mir sind hier inzwischen auch völlig desillusioniert. Der Vater ist nach vielen Jahren Demenz jetzt friedlich gestorben. Der Tod war nicht das Schlimme, aber das, was vorher gewesen ist, war ein Kraftakt, trotz Hilfe aus Osteuropa. Das gläubige Ehepaar hat gesagt, dass sie dadurch fast zwei Jahrzehnte ihres Lebens verloren haben. Und das klang bitter und gar nicht christlich. Ich hätte nie gedacht, dass sie das so ausdrücken würden.

Meine Schwiegermutter hat Angst vor dem, was kommen wird und ich auch, weil meine Gesundheit auch erhalten bleiben soll.

@Sonnenblümchen

Von mir noch einen praktischen Tipp, sofern man das so nennen kann.

Wenn es um das Brötchen essen geht, dann würde ich sagen, ich setze mich eine zeitlang zu dir und dann mache ich etwas anderes. Und genauso versuche ich auch bei mir inzwischen, Zwischenwege einzuschlagen. Ich gebe das, was ich geben kann und bei dem anderen, denke ich an mich. Und innerlich sage ich mir, dass ich es so und nicht anders tun kann. Das hilft mir, das Ganze neutraler zu sehen, auch wenn es nicht immer gleich gut funktioniert. Und dann gehe ich abends auch heim. Du hast mir hier selbst gut geraten und auch Herr Hamborg.
Ich schiebe auch nicht alles auf die Krankheit, denn vorher hat meine Schwiegermutter viele Angewohnheiten gehabt, die sich jetzt einfach nur verstärkt haben. Das Ablehnen von allem, was sie nicht als existent ansehen will, ist schon immer vorhanden gewesen. Und sie sagt auch heute noch von sich selbst, dass sie viele Gedanken und Ideen einfach über Bord wirft, obwohl sie sich hier vielleicht kümmern sollte. Ist das Demenz? - Schwierig.
Ich habe gestern auch keinen leichten Stand mit ihr gehabt, auch wenn wir nur telefoniert haben.

Ich weiß nicht, was ich uns allen wünschen soll. Viel Kraft, es irgendwie durchzustehen. Und noch besser, dass sich irgendwann wirklich gute Lösungen auftun, die die jetzigen Situationen verbessern.

Liebe Grüße an alle



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 07.07.2020 um 12:48.]

07.07.2020 | 15:00
Elisabetha

Hallo und liebe Grüße in die Runde...

wie ich einigen Euren Beiträge entnehme, gibt es bei Euch immer noch eine Steigerung der ohnehin so schwierigen Lage.

Auch bei uns hat sich eine gravierende Veränderung ergeben.

Als mein Stiefvater nach sechs Wochen Klinikaufenthalt direkt in ein Pflegeheim übersiedelte, glaubte ich mich in ruhigeren Fahrwassern. Vor einer Woche berichtete ich hier noch erleichtert davon, dass er sich nach Aussage einer Schwester wohl gut einleben würde. Dem war nicht so. Mein Gefühl hat mich also doch nicht getrügt, leider.

Nach zwei Wochen Aufenthalt ist mein Stiefvater am Freitagabend aus dem Pflegeheim ausgebüxt! Er stieg in einen fremden Wagen, ließ sich an seinem 20 km entfernten Elternhaus absetzen und wurde dort von seinem Cousin kurzerhand in ein Taxi gesetzt mit Fahrziel "nach Hause". Dieser hat es noch nicht einmal als nötig erachtet uns zu informieren. Gottlob hatte mich das Pflegeheim und die dortige Polizei bereits in Kenntnis gesetzt. Nur wenige Minuten nach dem ich meine Mutter informiert hatte, klingelt bereits die hiesige Polizei bei uns, um meinen Stiefvater erschöpft aber glücklich kurz danach in Emfpang zu nehmen. Er hatte wohl eine ganze Schar an Schutzengeln, dass er wohlbehalten wieder bei uns ankam.

Nun ist er wieder zu Hause, meine Mutter selbst schwer krank (100% Schwerbehinderung) erklärte seinem Betreuer gestern vollmundig, dass sie sich gegenseitig bestens alleine versorgen können. Mich brauchen sie eigentlich überhaupt nicht (kommt Euch sicher bekann vor). Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen.

Durch die Rückkehr aus dem Pflegeheim steht nun alles wieder auf Anfang. Meine Mutter musste Grundsicherung bzw. Wohngeld beantragen. Die Behörde verlangt Unterlagen, die belegen, dass er aus dem Mietvertrag herausgenommen wurde. Der Betreuer weiß noch nicht, ob das Heim den kompletten Monat oder nur die nur Anwesenheitstage berechnet etc. Das ist nur ein kurzer Ausschnitt der Formalitäten.

Das Schlimmste ist, dass meine Mutter mit seiner Rückkehr überhaupt nicht klar kommt und in ihren alten Modus Dauerschlaf und Übelkeit zurückgefallen ist. Damit fällt sie für ihn als Ansprechpartnernin weg, obwohl er so dringend Beschäftigung und Aufmerksamkeit benötigt. Dieser Zustand ist für ihn sehr belastend. Die letzten Wochen haben ihn sehr verändert, er wirkt gebrochen, verloren und hilflos. Seine Medikament nimmt er nun ohne Probleme ein (die Verweigerung der Medikamteneinnahme war sein ursächliches Problem, die immer wieder eine Einweisung in die Klinik erforderlich machten), dennoch habe ich große Angst, dass sich die vorangegangen Situationen wiederholen werden. Wie verhalte ich mich, wenn er wieder die Nacht zum Tag macht und unseren Hund schlägt? Den RTW rufen und wieder in die Klinik schicken? Das heißt dann entgültig geschlossene Station.

Seine beiden Kinder beschworen mich, ihn nicht wieder ins Pflegeheim zurückzuschicken, da dies sein Todesurteil bedeuten würde. Im gestrigen Gespräch mit seinem Betreuer signalisierte er durch eine Geste, bei Neueinweisung nimmt er sich das Leben. Er meint das wirklich so. Warum sie sich nicht selbst um ihn kümmern? Diese Frage stelle ich mir selbst seit drei Jahren. Wichtig war ihnen vor allen Dingen, wer die Kontovollmacht besitzt. Hier geht wohl kaum um Fürsorge, sondern um Vorsorge, das Erbe rechtzeitig zu sichern.

Bei allem gebotenen Respekt, was muss denn in Gottes Namen passieren, bis ein pflegender Angehörige endlich entlastet wird? Jahrelang wird mir erklärt, dass ich mehr auf mich achten solle. Und nun, nachdem auch sein behandelnder Arzt die Notwendigkeit erkannte, dass eine Rückkehr ins häusliche Umfeld nicht mehr möglich ist, gehen mir einige Nachbarn aus dem Weg, schauen mich böse an und geben mir zu verstehen, das ich das herzloseste Geschöpf auf diesem Erdenrund bin. Nun ist er wieder da und ich bekomme gesagt: "Oh Gott, Du tust mir ja so leid!" Ja, toll, das baut doch mal richtig auf, oder? Die Spezies Mensch ist doch sehr sonderbar.

Auch ich werde hier nur noch Dienst nach Vorschrift tun und mich schnellstmöglich wieder verabschieden. Die Zeiten, in denen ich munter plauderndend Gesellschaft geleistet habe, sind vorbei.

Meine beiden haben gestern eine folgenschwere Entscheidung getroffen. Nun sitze ich auf dieser tickenden Zeitbombe und rechne jederzeit mit dem Schlimmsten. Ich bin mittlerweile so abgestumpft und leer. Begreife, dass ich drei Jahre lang verzweifelt versucht habe, unsere heutige Situation zu verhindern, mit dem Ergebnis - ohne Erfolg!

Die Aussage in einem dieser Beiträge DEMENZ ZERSTÖRT FAMILIEN kann ich nur unterschreiben!

Ihr Lieben, ich bin nicht mehr verzweifelt, sondern gerade einfach ratlos und ohne Perspektive. Wie schön, dass wir uns in dieser Gemeinschaft auffangen und unterstützen können. Euch von Herzen weiterhin viel Kraft.

Elisabetha

07.07.2020 | 18:00
sonnenblümchen

Liebe Elisabetha,
ach schade...irgendwie hatte ich gedacht, dass Du wenigstens mit der Versorgung des Mannes Deiner Mama weiter gekommen bist. Ich hatte gedacht:,, Ja, Elisabetha hat ihn gut im Altersheim versorgt!" Es war so tröstlich...gute Nachrichten von Dir zu hören.

Was ich nicht verstehe ist, warum hat der Betreuer nicht darauf bestanden, dass der Mann Deiner Mama wieder ins Altersheim zurück kehrt ! Warum wird den zwei ,,alten Leutchen" Glauben geschenkt, wenn alles in der Vergangenheit gezeigt hat, dass es so nicht mehr geht?
Willst Du unter diesen Umständen denn irgenwie Dich noch einbringen ? Hast Du nicht die Nase voll ? Hast Du nicht gesagt,dass Du den Mann Deiner Mama im Heim untergebracht haben willst ? Sind Deine Wünsche vom Betreuer übergangen worden ?

Und ja ...die Kinder des Mannes Deiner Mama...gib´denen doch die Verantwortung ab ,wenn für die alles immer kein Problem ist. Ja, dass ist einfacher gesagt ,als getan.
Jetzt fängt es wieder von vorn an ! Aber jetzt noch mal...warum nicht den Platz im Altersheim behalten ? Der Mann Deiner Mama wird nicht der erste Bewohner sein, der hingelaufen ist.
Ach, ist dies alles blöd für Dich ! Du hast mein volltes Verständnis.
LG

07.07.2020 | 18:50
hanne63

Hallo Elisabetha,
das gibts doch gar nicht.....was Dir da passiert.....
Immer wenn man glaubt, es gibt keine Steigerungen von Situationen bei Demenz von Angehörigen.....kommt direkt die nächste Stufe von Steigerung....das kenn ich doch auch sehr gut...
Der rechtliche Betreuer hat offenbar auch den Aufgabenkreis für die Unterbringung? Auch er bräuchte eine richterliche Genehmigung, wenn diese gegen den Willen des Schwiegervaters vorgenommen werden soll....
Evtl könnte man nochmals eine"freiwillige" Rückkehr versuchen?
Andernfalls würde ich mich komplett zurückziehen und es auf "den Knall"ankommen lassen.....ich würde aber den rechtl. Betreuer davon informieren vorher....
Wenn Du keine Verantwortung mehr übernehmen kannst/willst...dann ist das so...dann äußere das ..und bleibe standhaft....es gibt keine andere Lösung.
liebe Grüße

07.07.2020 | 19:39
Rosina

Liebe Elisabeth,das ist ja wirklich die Höhe.Wenn die beiden behaupten,sie können ohne deine Hilfe existieren,dann sollen sie es machen oder auch die Kinder können sich doch dann mal einbringen,wo ist deren Anteil?Du hast dich aufgeopfert,alles organisiert,ich weiß gar nicht ,was ich dazu sagen soll.Man weiß auch keinen richtigen Rat.Aber ich stimme den anderen zu ,ich würde sie jetzt wurschteln lassen bis zum großen Zusammenbruch,dann können die anderen ja mal den Krankenwagen rufen und alles einleiten,was dem Stiefvater dann genehm ist.Diese Situation erinnert mich an meine eigene.Meine Mutter jammert mir jeden Tag am Telefon die Ohren voll ,wie schlimm es ihr geht,es wäre grausam,lieber wäre sie tot.Sie wäre allein,keiner kümmert sich,alle sitzen da und schlafen ,sie jammert und jammert und und will nach Hause.Ich kann es nicht leisten,das weiß ich,das Gejammer hält man aber auch nicht aus.Guter Rat ist teuer.Wenn du es aufhältst,dann geh einfach nicht mehr hin. Man muss manchmal so hart sein,wie Sonnenblümchen es schon sagte,wir müssen so hart werden,sonst gehen wir kaputt.Das sage ich,die selbst auch mit sich kämpft.Ich sage mir,fü darfst nicht nachgeben,sonst geht alles von vorne los.
Sie nehmen auf uns keine Rücksicht.Sie denken nur noch an sich.Geh nicht mehr hin,sie wollen es so.Verdammt ist das schlimm ,mach dich stark,es grüßt dich Rosina

07.07.2020 | 23:17
Teuteburger

Hallo in die Runde,

wie ich schon schrieb, man muss einfach so Vieles aushalten, wohl von beiden Seiten.

Elisabetha, das zu lesen, ist einfach nur traurig. Und da hilft wohl nur der Rat, den das Demenzzentrum dann auch gibt. Man muss sie dann tatsächlich alleine wurschteln lassen, bis sie ihre Bedürftigkeit einsehen. Aber das ist immer leicht gesagt.
Schlimm sind die Ratschläge der Menschen, die keine Ahnung haben, wie es ist immer wieder gegen Mauern zu laufen. Wer das nicht in der eigenen Familie erlebt hat, derjenige hat überhaupt keine Vorstellung davon, was das bedeutet.

Mein Tag war auch wieder eine psychische Belastung und ich kam mir vor wie ein Verbrecher, als ich sie alleine gelassen habe.

Die Sache mit der Härte - man sitzt einfach zwischen den Stühlen.

Liebe Grüße an alle von einer Teuteburger, die sich wünscht, dass alles irgendwann mal leichter wird für uns alle







[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 07.07.2020 um 23:20.]

08.07.2020 | 10:57
Rose60

Hallo Elisabetha,
es tut mir sehr leid, dass du nun wieder "in den alten Stand" versetzt wirst durch die Rückkehr des Mannes deiner Mutter. Ich kenne nun nicht die ganze Geschichte, daher meine Frage: hast du professionelle Hilfe und Beratung auch für dich in dieser Situation, durch eine psychol. Beratungsstelle, eine Pflegeberatung o.ä.? Das fände ich aus Erfahrung schon sehr hilfreich, weil man als Betroffener schnell die Aussenansicht mit Abstand verliert, sich oft zu sehr in Verantwortung sieht und/oder sich zu wenig schützt.
Das Problem ist komplex.

Ich habe vor einigen Jahren eine sehr schwere Phase mit meinem Vater durch Alzheimer mitbekommen, auch er ist während Kurzzeitpflege nach OP meiner Mutter aus dem Heim entwichen, morgens um 5 durch ein Kellerfenster, per Anhalter nachhause gefahren, mit dickem Stock in der Hand vor der Haustür meiner Mutter. Eine Pflegerin hat versucht ihn zurückzuholen, er kam für 1 Std. mit und hat dann darauf bestanden abgeholt zu werden . Gegen seinen Willen konnte man ihn nicht dahalten, solange keine extreme Selbst- oder Fremdgefährdung vorlag. Soweit zum Thema "Betreuer soll ihn zurückholen".
Auch die Selbstmordandrohungen haben niemanden gerichtlich beeindruckt, er wollte sich erschießen, vom Balkon stürzen etc. Insofern würde ich mich durch solche Drohungen keinesfalls unter Druck setzen lassen, auch die Kinder deines "Stiefvaters" machen es sich sehr einfach, wenn sie dich damit manipulieren wollen, das finde ich sehr unverschämt .

Vllt komme ich da etwas herzlos rüber, aber wäre es wirklich das Schlimmste, wenn ein dementer Mensch sich aufgibt? Muss man ihn päppeln und selbst vor die Hunde gehen, nur damit er das schlimmste Stadium der Demenz noch erlebt? Meiner Meinung nach nicht...
Wenn man so sehr gefordert ist und innerlich unter Druck, ist es oft gut, wenn man sich die Allerschlimmste Gefahr für den alten, kranken Menschen vor Augen führt und dann quasi von der Rückschau überlegt.

In unserer Familie kam es dann zu der Situation, dass mein Vater meine Mutter umbringen wollte und sie mit frisch operierter Hüfte ohne Krücken mitten in der Nacht flüchten musste zu Nachbarn, sie weiß bis heute nicht wie sie das geschafft hat - also Fremdgefährdung! Leider war die Polizei zunächst nicht mal dadurch beeindruckt, trotz Demenz hat mein Vater noch geschafft zu schauspielern. Ich will nciht alles genau ausführen, jedenfalls kam es per Gerichtsbeschluss nach Einbeziehung des Hausarztes zu seiner Abholung vom Ordnungsamt und RTW in Psychiatrie, nach einigen Wochen Einweisung in ein spez. Pflegeheim für Alzheimerkranke mit richterl. Verfügung, heimatfern. Ein sehr gutes Heim mit liebevollen Pflegern, anderem Personalschlüssel. Dort hat mein Vater trotz aller vorheriger Androhungen, nicht ohne meine Mutter leben zu können, noch 2,5 Jahre gelebt.

Ich kann nur empfehlen, sich irgendwie coachen zu lassen. Auch jetzt, wo meine Mutter, nun ebenfalls dement, in meinem Nachbarort im Pflegeheim lebt - sie fühlt sich wohl, will aber weiterhin nachhause, macht sich aber selbst nicht auf den Weg - brauche ich gelegentlich psychol. Unterstützung. Ich fühlte mich verpflichtet, möglichst oft hinzugehen, es ihr interessanter zu machen u.v.m. Doch empfahl mir meine Therapeutin, mich auf max.1mal wöchentlich zu beschränken als Selbstschutz wegen sehr schwieriger, unglücklicher Kindheit und eigener Erkrankung. So halte ich es nun seit 1 Jahr und mehr schaffe ich psychisch nicht.

Wie ist es denn mit deiner Mutter? Könnte sie in ein Pflegeheim? Muss sie geschützt werden vor ihrem Mann?
So viele Fragen, die in einem Forum wegen der Komplexität schwer zu klären sind...
Ich wünsche dir von Herzen alles Gute, Elisabetha!!
ES IST NUR EINE PHASE! Eine Karte mit diesem Spruch steht in meiner Küche ;)

Liebe Grüße
Rose





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