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Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie"

Bild: Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie" Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf. Hätte die Erkrankung verhindert werden können? Ist sie therapierbar? Und worauf sollte man bei der Behandlung achten? Im Ratgeberforum „Prävention, Diagnose und Therapie“ geben zwei Experten Antworten: Dr. Marc Lässer, Neuropsychologe und assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Gerontopsychiatrie der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, moderiert das Forum zusammen mit Dr. Elmar Kaiser. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitete er bis Anfang 2012 die Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Autor Diagnose
16.04.2020 | 19:29
berlichingen

sehr geehrte Damen und Herren,

warum tun sich die Ärzte so schwer, die Diagnose Demenz auszusprechen . Meine Ehefrau war in zwei verschiedenen Kliniken und bei der Gedächtnissambulanz. Jedes mal die gleiche Diagnose : demenzielle Entwicklung. Diese Aussage bringt gar nichts, weder bei der Einstufung, noch bei der Bestellung eines gesetzlichen Betreuers. Langsam kommt mir der Verdacht, die Ärzte stehen unter Druck von Seiten der Pflegeversicherungen. Lieg ich da so falsch ?

17.04.2020 | 00:05
hanne63

Guten Abend Berlichingen,
ich hatte das gleiche Problem bei meinen beiden Eltern.
und auch später der eingesetzte rechtliche Berufsbetreuer hatte das Problem, lange keine konkrete Diagnose zu erhalten.
Das Verhalten der Ärzte hat mir es unmöglich gemacht, mich selbst als rechtliche Betreuerin einsetzen zu lassen.
Der dann später eingesetzte Berufsbetreuer..hatte dann zu kämpfen, als es um die Heimunterbringung oder Führerscheinentzug etc ging, weil ja immer noch keine Diagnose vorlag...

Was die Ursache ist? Evtl liegt es auch einfach an der Bequemlichkeit der Ärzte..die wollen sich nicht festlegen...dann sind sie nicht in der Verantwortung..das ist der Punkt...

Ich erlebe das jetzt am eigenen Leib..nicht in Bezug auf Demenz, aber auf Hautkrebs...und da heißt es immerzu..Verdacht auf...und deshalb erhalte ich derzeit keine OP...(Corona..nicht notwendig..etc..)...obwohl an sich die Op notwendig ist..wird Termin immerzu verschoben...also...: es sind halt Ärzte..was soll man da erwarten??

Ich glaube nicht, dass das Problem bei der Pflegeversicherung liegt..es liegt meiner Meinung nach...ganz eindeutig bei den Ärzten!

Viele Grüße..und verzweifeln Sie nicht...

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 17.04.2020 um 00:07.]

19.04.2020 | 13:58
marclaesser

Sehr geehrte Hanne63,

ich kann die Wahrnehmung des "hingehalten werdens" bezüglich der Diagnosestellung sehr gut nachvollziehen. Dennoch sind für die Diagnose einer Demenz klare Diagnosekriterien und Leitlinien vorgegeben, die berechtigterweise eine eindeutige Diagnose gerade in frühen Stadien der Erkrankung nur sehr vereinzelt erlauben. Oft bedarf es einer längeren Verlaufsbeobachtung, eindeutiger Befunde zum Ausschluss anderer möglicher Ursachen und auch belegbarer Einschränkungen in der Bewältigung des Alltages. Hier hilft es wirklich keinem der Betroffenen, wenn eine Demenzdiagnose zu früh gestellt und somit auch leichtfertig eine Entmündigung des Patienten stattfindet. Die Selbstbestimmtheit und freie Willensbildung muss hier in einer Güterabwägung trotz aller daraus entstehender sozialrechtlicher Schwierigkeiten immer mitgedacht werden.

Freundliche Grüsse,

Marc Lässer

19.04.2020 | 22:27
hanne63

Sehr geehrter Herr Lässer,
die Demenzerkrankung meiner beiden Eltern hat sich für mich bemerkbar über ca 8 Jahre hingezogen.
In den letzten beiden Jahren, als Handlungsbedarf gegeben war, fühlte ich mich von allen beteiligten Ärzten komplett im Stich gelassen, da immer noch keine Diagnose gestellt wurde.
Beide Eltern sind jetzt mit richterlichem Beschluss in einem Heim untergebracht.
Und letztlich wurde erst im Zusammenhang mit der zwangsweisen Unterbringung dann durch den Amtsarzt bzw. den beauftragten Gutachter eine Diagnose gestellt. Noch 6 Monate zuvor weigerte sich der Hausarzt meines Vaters nach einem Kfz-Unfall eine Diagnose zustellen...in Zusammenhang mit Führerscheinentzug etc.

Das alles hat unendlich viel zusätzliche Kosten für unsere Familie, also letztlich für meine beiden kranken Eltern beschert...und zusätzliche Aufregung und Belastung für Eltern und für mich.
Das muß so nicht sein. Und ich gehe davon aus, dass ich nicht allein solche Erfahrungen machen mußte.

Ich stimme Ihnen in soweit zu, dass in frühen Stadien natürlich eine konkrete Diagnosestellung nicht notwendig ist...und auch ich schätze selbst das hohe Rechtsgut der freien Willensbildung und Selbstbestimmtheit...aber ich möchte niemanden wünschen, welche Phasen und Situationen ich als Angehörige durcherleben mußte...und auch meine Eltern hätten das sicherlich nicht so gewollt.

Sogar jetzt, wo meine Eltern im Heim leben, und es um die Frage ging (wegen Haushaltsauflösung), ob es denn denkbar wäre, dass sie wieder in ihre Wohnung zurückziehen könnten, weigerte sich der bisherige Hausarzt,eine Stellungnahme dazu abzugeben...

Der Hausarzt konnte inzwischen gewechselt werden. Es ist nicht einfach für Demenzerkrankte einen neuen Hausarzt zu finden....und letztlich gab es wiederum ein neues Gutachten....

Ich spreche hier nicht von einem frühen Stadium......und trotzdem diese ganzen Schwierigkeiten.

Das nur einmal zu Erklärung meiner Sicht...und evtl. hilft es anderen weiter....zumindest wissen diese anderen Betroffenen dann, dass sie nicht allein sind mit ihren Erfahrungen. Nur deshalb schreibe ich hier, weil ich selbst früher ohne solche Hinweise verzweifelt wäre.

Freundliche Grüße
hanne63



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