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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Halluzinationen
19.05.2020 | 21:02
hanne63

Guten Abend,
Meine Mutter hatte schon relativ bald Wahnvorstellungen und Hallzinationen, sah also Dinge, Menschen, Tiere, etc. die nicht da waren. Das ging mindestens 5 Jahre lang so, bis sie jetzt ins Heim gekommen ist. Sie sah auch oft angebliche Einbrecher und rief mehrfach die Polizei an...

Im ersten Jahr des Heimaufenthaltes, sah sie nicht mehr so vieles, was gar nicht da war..ich vermute, die Medikamente halfen da gut mit.
Jetzt bei meinem letzten Besuch vor einer Woche, saß ich ihr gegenüber, und sie sah mehrmals hinter mir ihren früheren Hund (den wir ins Tierheim dann gegeben haben) und sie rief ihn ständig.
Das war für mich sehr beängstigend, weil ich dachte, das mit den Halluzinationen hätte sich nun endgültig erledigt...
Geht das denn immer so weiter..auch bei sehr fortgeschrittener Demenz?
Kann mir jemand was dazu raten?

Viele Grüße an alle

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 19.05.2020 um 21:03.]

19.05.2020 | 23:41
Teuteburger

Hallo Hanne,

ich kenne das auch mit den Halluzinationen.

Angefangen hat das bei meiner Schwiegermutter nach einem Delir im Krankenhaus. Das war schlimm für sie und für uns. Sie hat das alles als real angesehen. Leider hat man sich im Krankenhaus überhaupt nicht damit ausgekannt. Sie war wegen einer Beinverletzung im Krankenhaus.
Später, als sie wieder Zuhause war, hat das noch Monate lang angehalten. Während sie im Krankenhaus nichts hat hören wollen, was ihr die Sache erklärbar machen kann, habe ich Monate später zu ihr sagen können, dass viele über Neunzigjährige das haben. Das hat sie auch so angenommen und sie hat damit erstaunlicherweise umgehen können. Sie hat oftmals eine Frau gesehen, die mit uns mitgegangen ist oder mal fünf Bauarbeiter in ihrem Garten oder sogar jemand, der abends bei ihr auf der Couch gesessen hat.
In der letzten Zeit ist es ruhiger geworden, aber sie sieht ab zu einen Vogel, der im Wohnzimmer am Fenster entlang fliegt. Das sagt sie mir dann auch. Da ist aber kein Vogel. Genauso sagt sie mir, dass sie ein Tier in den Haaren sitzen hat, das Geräusche macht. Wenn sie das Licht ausmacht ist es aber still und es ist nicht immer da. Vielleicht ist es auch Tinnitus. Sie erklärt sich die Sachen immer selbst und ich leugne das auch nicht.

Mich beunruhigen ihre Halluzinationen nicht, solange sie damit umgehen kann.
Wie empfindet Ihre Mutter das denn? Ängstigt sie das auch oder kommt sie damit zurecht? Verbrecher sehen und Polizei rufen, ist natürlich beängstigend. Der eigene Hund eher weniger. Kann man eine Pflegerin (einen Pfleger) einmal dazu befragen?

Liebe Grüße an Sie

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 19.05.2020 um 23:47.]

20.05.2020 | 12:09
klauspawletko

Hallo Hanne,
ich möchte Sie mit Ihrer Frage gerne an das Forum "Prävention, Diagnose und Therapie" verweisen.
Dort ist entsprechendes Fachwissen vorhanden, um Ihre Frage (hoffentlich) befriedigend zu beantworten.
Wobei zu beachten ist, dass Ferndiagnosen immer problematisch sind.
Haben Sie denn schon mit dem behandelnden Hausarzt/Neurologen gesprochen?
Hat das Personal auch schon ähnliche Beobachtungen gemacht?
Ist Ihre Mutter denn verängstigt/beunruhigt/traurig aufgrund der "Visionen"?
Versuchen Sie das doch heraus zu bekommen.
Im besten Fall ist das alles nicht so dramatisch, wie es im ersten Moment aussieht.
Viel Erfolg wünscht Ihnen

Klaus-W. Pawletko

20.05.2020 | 20:49
Barbara66

Hallo Hanne63,
ich habe vor 3 Wochen wegen der Wahnvorstellungen meiner Mutter mit einer Ärztin der Gerontopsychiatrie gesprochen.
Sie war der Meinung, daß diese bleiben werden und aufgrund der Lewykörper Demenz mit Parkinsonsymptomen so gut wie nicht behandelbar sind,da die Neuroleptika den Dopaminspiegel senken und das noch weiter zu Parkinsonsymptomen führt.
Ich glaube mit optischen Halluzinationen könnte ich noch ein wenig besser umgehen.
Aber das tägliche Vergiften meiner Mutter und ihr Wunsch deshalb aus dem Leben zu scheiden, sind kaum mehr zu ertragen.
Ich wollte Sie heute Na baden -als ich zu ihr fuhr (13.40 Uhr),lag sie mit Schlafanzug im Bett und wartete auf den Arzt,der um 14 Uhr zu ihr kommen wollte ,um ihr die Todesspritze zu setzen.
Gestern Na war sie super klar und gesprächig und heute wieder der totale Absturz.
Ich wünschte,wir hätten "nur"optische Halluzinationen-aber der Umgang und die Hilflosigkeit sind bei beiden auftretenden Erscheinungen immens.
Ich habe aufgegeben, etwas gegen die Wahnvorstellungen zu finden.
Es gibt nichts.
Bei jungen Leuten mit paranoider Schizophrenie gibt's sicherlich Mittel,die helfen.
Aber bei Demenz wird nichts mehr greifen.
LG
Barbara

20.05.2020 | 21:25
hanne63

Guten Abend,
danke für die verschiedenen Antworten.

Direkt verängstigt war meine Mutter jetzt nicht mehr wegen ihrer Halluzinationen....für sie scheint das ja normal.....ich weiß nur selbst nicht recht, wie ich dann darauf reagieren soll.....
Soll ich sagen: ja der Hund ist da. bei Dir....oder soll ich sagen, der Hund ist inzwischen über das Tierheim in ein anderes Zuhause vermittelt worden...also, ich meine...soll ich auf ihre Wahrnehmung einfach einsteigen und nichts dagegen sagen?....

Bis jetzt habe ich immer gesagt, wie es ist, also wie ich es sehe oder nicht sehe...das bringt vermutlich nichts....ich werde es das nächste Mal mit Ablenkung versuchen.

Vermutlich gibt es wirklich keine Arznei dagegen....sonst hätte sie ja schon was bekommen im Heim jetzt.
viele Grüße

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 20.05.2020 um 21:26.]

29.05.2020 | 18:16
hanne63

Hallo Herr Pawletko,

ich bin Ihrem Rat gefolgt und hatte meine Frage auch in dem anderen Forum "Prävention, Diagnose, Therapie" gestellt.....seit 9 Tagen keinerlei Antwort....
das sind genau die Dinge....die uns Pflegenden Energie und Kraft nehmen.....weil man hofft natürlich auf eine Antwort...sonst würde man nicht fragen.....aber auch, um sich zum Fragen aufzuraffen, braucht es breits Energie.

Ich wußte schon, warum ich zuerst in diesem Forum hier meine Frage stellte; hier bekommt man immer sehr schnelle eine hilfreiche Antwort.

viele Grüße
hanne63

02.06.2020 | 10:12
martinhamborg

Hallo in die Runde, bevor Sie von den Kollegen im anderen Forum eine Rückmeldung bekommen, möchte ich kurz einige Gedanken sortieren:
Es gibt viele Ursachen für Halluzinationen, hier die häufigsten:
- Ist es ein Delir oder "Durchgangssysndrom", helfen Neuroleptika relativ gut. Auf jeden Fall muss der Arzt informiert werden!!
- Ist es ein psychotisches Erleben (mit oder ohne Demenz) können diese Medikamente auch helfen - ich habe dazu gerade in einem der letzten Chats geschrieben.
- Richtig schwierig wird es in der Kombination von Parkinson und Demenz oder bei der Lewy-Body-Demenz, denn dann können Neuroleptika starke Nebenwirkungen haben. Bitte dann immer einen spezialisierten Facharzt aufsuchen!

Manchmal sind Halluzinationen nur sehr flüchtig, d.h. bei der interessierten Nachfrage ist "der Hund" gar nicht mehr da. Manchmal ist es auch eine "Verkennung", d.h. irgend ein Gegenstand oder ein Schatten - manchmal auch ganz konkret durch eine Augenerkrankung - wird als Hund wahrgenommen. In diesen Fällen ist ein "Mitspielen" nicht vertrauensfördernd. Ansonsten gilt die Grundregel: Da eine Halluzination als real erlebt wird, lässt sie sich nicht wegdiskutieren. Ich lasse sie mir beschreiben, sage, dass ich es gerade nicht sehe ... lenke das Thema ab und frage dann erneut nach ... usw.
Wie Wissenssucherin schon sagt: Entscheidend für eine medikamentöse Behandlung ist der Leidensdruck!
Ihr Martin Hamborg



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