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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Reißleine gezogen
20.06.2020 | 11:48
Teuteburger

Hallo nochmal in die Runde,

ich möchte gerne noch etwas zum Thema schreiben. Ich finde alle Antworten hier passend.

Ich selbst habe einiges zum Thema Sterben selbst gelesen. Das sind einige Puzzlesteine, die wohl irgendwie zueinander gehören.

Wichtig finde ich, bei allem Tun und Wollen, das innere Gefühl, wie Herr Hamborg, es auch beschreibt.

Wenn man im Heim sagt, du kannst öfters vorbeischauen, ist das eine nette Geste. Wenn es dir aber jetzt nicht immer gut tut, Andydreas, dann ist das auch ein berechtigtes Gefühl und ich würde hier ganz klar den Mittelweg gehen, so dass du dich dabei nicht selbst verlierst. Du hast auch eine Verpflichtung dir gegenüber. Ohne jetzt in irgendwelchen Religionen zu stöbern, die ich alle für unvollständig halte, bin ich persönlich der Auffassung, dass wir alle miteinander miteinander verbunden sind. Und wenn man eine Entscheidung für sich getroffen hat, dann bin ich der Auffassung, dass der andere sie instinktiv, vielleicht nicht bewusst, trotzdem wahrnehmen kann. Deine Mutter hat in ihrem Leben sicher immer gewollt, dass es auch dir gut geht. Du schreibst, sie sei eine gute Mutter gewesen. Durch die Demenz und durch ihre Bedürftigkeit hat das irgendwann nicht mehr funktioniert. Sie hat sich selbst nicht mehr richtig ausdrücken können.
Aber in dieser Phase, wo sie jetzt versorgt ist und wo sie auch für sich innerlich da sein kann, da halte ich einen Mittelweg, wie gesagt, für den besseren Weg. Eine Verabschiedung hat schon längst stattgefunden. Es braucht auch eine Abnabelung, der Auffassung bin ich, denn auch nach dem Tode wird es für beide anders und individueller weitergehen.
Ich bin auch der Auffassung, dass man nicht unbedingt beim Sterben dabei sein muss. Es ist einerseits schön, wenn das funktioniert, aber es ist kein Zwang. Denn wie ich es erfahren habe, kann auch danach noch etwas zwischen den Welten stattfinden. Ich habe das in meinem Bekanntenkreis öfters gehört, zum Beispiel von meiner Mutter als mein leiblicher Vater gestorben ist und bei meiner Schwester, als eine nahestehende Verwandte gestorben ist, genauso wie bei einer Freundin von mir und deren Mutter. Ich halte das nicht für Unsinn.
Und entsprechend halte ich deinen Wunsch und dein Gefühl auch für richtig.

Vielleicht habe ich jetzt völlig daneben gelegen, ich hoffe mal nicht.

Liebe Grüße an Dich und alle anderen, die hier mitlesen



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 20.06.2020 um 11:52.]

20.06.2020 | 18:05
hanne63

Hallo Andydreas,
eine gute Freundin von mir hat in der Sterbephase ihrer Mutter, die eine Patientenverfügung hatte, sich vom Arzt moralisch unter Druch setzen lassen müssen: Sie wollen also, dass Ihre Mutter verhungert...hat er Sie angeschrieen und dass er das dokumentieren würde....im Hintergrund sah sie ihre Mutter liegen und um Luft kämpfen....sie ist nicht umgefallen, aber leidet bis heute unter dieser Situation mit dem Arzt in den letzten Minuten......

bei meinem Exmann, lag die Mutter im Sterben.....keine Patientenverfügung vorhanden...er und seine Geschwister antworteten dem Arzt nicht wie aus der Pistole geschossen und waren etwas (ein wenig nur, das hat gereicht) zögerlich....das führte zu künstlicher Ernährung....mein Exmann (nachdem alle das Ergebnis gesehen haben, hat er nochmals mit allen Geschwistern geprochen) ist ein paar Tage später nochmals mehrere 100 km hingefahren und hat mit dem Arzt erneut gesprochen....dann wurde alles abgeschalten......
Seien Sie einfach darauf vorbereitet, dass es passieren kann, dass ein Arzt Sie unter Druck setzen möchte ...und seien Sie von Anfang an fest und bestimmung knapp in Ihrer Entscheidung dem Arzt gegenüber.
(Ich sage mir das selbst ständig vor, damit ich gewappnet bin, wenn bei meinen Eltern, der Zeitpunkt gekommen ist....).
Liebe Grüße

20.06.2020 | 18:20
hanne63

Hallo Teuteburger,
das tut mir gut, mal von jemanden anderen noch zu lesen, dass man evtl in der Sterbephase selber gar nicht unbedingt dabei sein muss....
Ich überlege mir nämlich auch schon derzeit....wie ich mich verhalten werde..und was mich überfordert und was nicht.....
Außerdem versuche ich Anhaltspunkte über den Umgang mit Sterben in meiner Familie zu finden...also bei den Eltern und einem Bruder meiner Eltern...und da gibt es 3 interessante Geschichten:
Die Mutter meiner Mutter wollte zuletzt nicht mehr von den Enkeln besucht werden, auch von mir als Lieblingsenkelin nicht (was mir damals sehr weh tat)...sie wollte, dass wir sie alle so in Erinnerung behalten....wie sie zu gesunden Zeiten war.....in ihrer Sterbephase hat das Krankenhaus veranlaßt, ist schon fast 50 Jahre her, dass ihre Kinder und ihr Mann ins Krankenhaus zu ihr ans Bett (in einer Art Besenkammer) kamen....sie rang mit dem Tod..und die Kinder und der Ehemann standen hilflos und teils weinend in großem Abstand von ihr im Zimmer....ohne sie berühren, sie sahen einfach hilflos zu...waren also überfordert komplett.

Diese Erfahrung hat mein Großvater wohl dann zum Anlaß genommen das für sich selbst anders zu gestalten. Als er im Krankenhaus lag und in der Sterbephase war, verbot er seinen Kindern sie weiterhin zu besuche. Er möchte bitte allein sein. und so geschah es dann auch...dafür habe ich ihn eigentlich direkt bewundert...bis heute....vermutlich werde ich für mich selbst genauso handeln.

Der Bruder meines Vaters ist zuHause gestorben, seine Kinder und seine Frau waren dabei. Ein paar Tage zuvor, rief seine Frau meinen Vater an, dass er bitte kommen möge, um sich zu verabschieden...mein Vater war dann ganz kurz zu Besuch bei seinem Bruder....das stelle ich mir sehr harmonisch für alle Beteiligten vor. Aber dazu gehört auch eine gewisse Stärke und alle hatten eine gute Beziehung zueinander.

Also überlege ich anhand dieses Wissens, was könnten sich meine Eltern für sich wünschen?....und was möchte ich mir selbst zumuten? oder was brauche ich für mich selbst?.....und es kommt immer noch auf die jeweilige Situation an....und wie die Beziehung zu dem Sterbenden war.....

ich werde ganz sicher am meisten auf meine eigene innere Stimme hören.....und nicht auf das, was sich angeblich gehört.

Liebe Grüße



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 20.06.2020 um 18:21.]

20.06.2020 | 19:25
Elisabetha

Angesichts der dramatischen Entwicklung bei Andydreas wage ich es kaum, mich mit meinem Anliegen heute zu melden. Ich tue es trotzdem, meine seelische Not ist zu groß.

Mein Stiefvater ist nun als sogenannter "Drehtürpatient" (3 Aufenthalte innerhalb von 6 Monaten in der Gerontopsychatrie) nach 7 Wochen dort direkt in ein Pflegeheim (geschützter Bereich) umgesiedelt. Sein Umzug wurde von der Klinik organisiert und sein Betreuer besuchte ihn noch am gleichen Tag mit seinem Koffer, den ich ihm gepackt hatte.

Während seines Aufenthaltes konnten durch Corona keine Besuche stattfinden, es blieb bei sehr wenigen Telefonaten zwischem ihm und meine Mutter, die bereits nach zwei Minuten wieder beendet waren. Die beiden haben sich bereits seit langem einfach nicht mehr zu sagen.

In einem Gespräch habe ich mich dem behandelnden Arzt anvertraut und ihm erklärt, dass ich nunmehr an meinem absoluten Nullpunkt angelangt bin. Das er meine Hilfsangebote der letzten zweidrei Jahre ausgeschlagen hat, dass er unseren Hund regelmäßig schlägt und dabei wie von Sinnen ist, dass seine Agressivität stetig zunimmt und er permanent die Tabletteneinnahme verweigert. Und dass es mir unmöglich ist, ihn anzurufen und mich nach seinem Befinden zu erkundigen. Ich kann einfach nicht mehr. Dieser Mann zerstört mein Leben.

Als er bei seinem letzten Schub zwei Einbrecher in der Wohnung dingfest machte, die es nicht gab, rief ich den Rettungswagen. Den völlig verdutzten Sanitätern überreichte ich eine Einweisung inkl. Transportschein, den ich nach einem Telefonat mit dem Betreuer und einer Ärztin bereits am Tag zuvor organisiert hatte. Der bevorstehende Schub war für mich so deutlich in greifbare Nähe gerückt, dass ich handeln musste.

Trotz spürbarer Erleichterung und Entlastung durch seine Abwesenheit bin ich permanent durch massive Schuldgefühle belastet. Alle logischen Argumente beruhigen mich nur oberflächlich. Zudem hat meine Mutter ihren Ehering abgelegt und verkündet, dass sie sich von ihm trennen wird. Sobald jedoch der Abend anbricht, fragt sie mich vollkommen verständnislos, wo denn ihr Mann sein. Abgesehen davon, ruft er abends an und fleht mit gebrochener Stimme total verzweifelt, wir mögen ihn da rausholen. Es hieß, wir sollen eine 14-tägige Kontaktsperre einhalten, um ihm das Eingewöhnen zu erleichtern. Sicher hat ihm jemand ein Handy zugesteckt, damit er sich melden kann. Ich würde durchdrehen, wenn er wieder nach Hause käme.

Als wir heute das Abendessen einnehmen wollten, fragte meine Mutter wieder ganz unschuldig: "Ja, wo ist denn mein Mann?" Daraufhin habe ich die Nerven verloren und ihr erklärt, so erleichtert gewesen zu sein, dass bisher kein Anruf von ihm eingegangen ist. Und sie jedes Mal, wenn ich emotional etwas zu Ruhe gekommen bin, sie meine Wunde wieder aufreißt.

Bei meinen unzähligen Anrufen bei der Alzheimer Gesellschaft und der Corona Seelsorge hat man mich gefragt, ob es denn überhaupt meine Schuldgefühle seien? Eine interessante Frage. Ich hatte vorhin das Gefühl, dass meine Mutter mit dieser Frage vielleicht ihren Schmerz und ihre Verwirrung über mich abzuladen versucht. Wer sich evtl. mit dem inneren Kind beschäftigt hat, erkennt hier sehr deutlich meine Co-Abhängigkeit, aus der ich mich verzweifelt zu befreien versuche.

Es ist mittlerweile ein immenser Kraftakt für mich emotional stabil zu bleiben und einen klaren Kopf zu behalten. Zudem weiß ich nicht mehr, wie ich mit meiner Mutter umgehen soll.

Ich werde mir therapeutische Hilfe suchen, denn alleine werde ich dieses Chaos nicht lösen können. Immer wenn ich mich mit meinen kleinen Kraftquellen etwas stabilisiert habe, kommt der nächte Rückschlag.

Eine Rückmeldung oder Empfehlung wären unendlich hilfreich.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Herzlichst

Elisabetha

20.06.2020 | 20:05
hanne63

Liebe Elisabetha,
zunächst einmal möchte ich Dir sagen, dass der Cou mit der vorbereiteten Einweisung inkl. Transportschein..einfach nur genial war!! Ich mußte direkt schmunzeln....aber es zeigt doch ganz deutlich, was uns Angehörigen eigentlich alles abverlangt wird, auf solche Ideen und Vorplanungen zu kommen, weil wir uns nicht mehr anders zu helfen wissen. Das ist ein schlimmer Zustand. Aber Du hast es sehr gut gelöst.

Schlechte Gewissen und Schuldgefühle gehören schlicht und einfach ersäuft...bwz. gelinder gesagt: weg damit...wir tun doch alles was uns möglich ist...auch Du!! mehr geht nicht.

Das mit dem inneren Kind kenne ich....es ist schwer allein da durch zu kommen..ich finde gut, dass Du Dir therapeutische Hilfe gesucht hast.

Besteht für den Stiefvater eine rechtliche Betreuung durch jemand anderen...und für die Mutter bist noch Du verantwortlich? so verstehe ich es jedenfalls..evtl wäre zu überlegen...auch die rechtl. Betreuung für die Mutter in fremde Hände zu geben....wenn es Dich selbst überfordert..(ich selbst habe ja für beide Eltern diesen Schritt gemacht, weil es nicht mehr geschafft habe...).

Als mein Vater gegen seinen Willen in einem Heim untergebracht wurde, haben mir die Pflegekräfte eindringlich gesagt, ich solle die nächsten 6 Wochen ihn nicht besuchen....woran ich mich hielt...und siehe da...jetzt hat er sich eingewöhnt und fühlt sich wohl dort...sieht es als sein neues Zuhause...

Ich kann Dir also nur Mut zusprechen und meine eigenen Erfahrungen schildern...und vor allen Dingen raten...schicke schlechte Gewissen und Schuldgefühle in die Wüste, wo sie hingehören..sie helfen uns nicht.

Liebe Grüße


20.06.2020 | 20:30
Elisabetha

Liebe Hanne,

ich danke Dir sehr für Deine prompte Antwort! Momentan laufen nur noch die Tränen, deshalb meine Antwort später.

Nochmals vielen Dank!

Liebe Grüße

Elisabetha

21.06.2020 | 05:19
Andydreas

Hallo,
auch ich mache mir so meine Gedanken, ob ich beim Sterben meiner Mutter wirklich anwesend sein muss. Man sieht in vielen Filmen, dass Angehörige im Kreise der Familie ganz entspannt und völlig ruhig einschlafen. Das ist natürlich die Idealvorstellung.
In Wirklichkeit könnte es doch aber auch sein, dass der Mensch das lieber mit sich selbst ausmachen will. Finally we all sleep alone.
In meiner Familie sind/waren alle Eigenbrötler und auch ich überlege, ob ich wenn es dann irgendwann soweit ist unbedingt wollen würde, dass jemand dabei ist.
Meine Mutter ist in ihrer Demenz soweit fortgeschritten, dass sie mich bei Besuchen überhaupt nicht mehr wahrnimmt. Bestenfalls erkennt sie eine ehemals vertaute Person.
Ich werde sie trotzdem regelmäßig besuchen, aber nur aus einer Verpflichtung heraus. Vielleicht erlebe ich ja noch Überraschungen.

21.06.2020 | 13:47
Rose60

Hallo Andydreas u.a.,
gerne möchte ich heute ein paar Erfahrungen zum Thema Sterben beitragen und gehe auch sehr gerne zum Du über ;)
Ob man beim Sterben dabei sein wird und möchte, kann man nicht grundsätzlich planen und niemand weiß vorher wirklich, ob derjenige lieber allein sterben will bzw. tut.

Ich habe vor 10 Jahren meinen krebskranken Mann mit nur 57 J. verloren, bereits Weihnachten 2009 waren sich alle Ärzte etc. einig, dass er sterben würde. Aus versch. Gründen kam er noch ins Hospiz, dort lebte er völlig unerwartet wieder richtig auf, bestand auf vorher nicht gewünschter künstl. Ernährung. Erst ab Mitte März dann entschied er sich zu gehen, ich hatte riesige Angst dabei zu sein, wurde von anderen dazu ermutigt und ich muss und möchte sagen, ich bin sehr froh und dankbar genau mitbekommen zu haben, wie der Sterbevorgang letztendlich war. Dadurch konnte ich seiner Mutter und unseren Kindern genau berichten und muss mir keine Gedanken mehr machen, wie es wohl für ihn war.

Am letzten Tag, den der Arzt gar nicht als solchen vermutete, bat mein Mann - für mich überraschend - mich zu bleiben über Nacht und wir verabschiedeten uns sozusagen für die Ewigkeit, ich konnte ihm für vieles danken etc. Unsere Kinder wollte er nicht mehr sehen, das war wohl zu schwer. Wir wurden von der Nachtschwester regelmäßig begleitet. Erst als ich selbst vorübergehend eingenickt war, ging es zu Ende, die allerletzten Atemzüge habe ich dank der Nachtschwester noch mitbekommen und danach habe ich einen ganz tiefen inneren Frieden empfunden, die Schwester öffnete das Fenster und ich blieb den Rest der Nacht dort, bis ich morgens das Gefühl hatte, es war nur noch die leblose Hülle, die dort lag. (Meinen Mann zu verlieren, war das Allerschlimmste, was ich mir zuvor vorstellen konnte.)

Vor gut 3 Jahren dagegen starb mein Vater mit Alzheimer. Ich hatte dafür gesorgt, dass er auf richerl. Verfügung nach Mordversuch an meiner Mutter im Wahn in eine geschl. Pflegeeinrichtung kam, er war früher schon gewalttätig und ich wollte danach keinerlei Kontakt mehr zu ihm. Als er erfuhr, dass ich den Antrag auf Betreuung gestellt hatte, hat er mich offiziell als Tochter verstoßen lt. meiner Mutter. Ich habe dann gelegentlich mit mir gerungen, ob ich ihn nochmal besuchen soll, besonders als er nach 2,5 J. im Heim eine Lungenentzüdung bekam. Genau da hatte ich Urlaub gebucht und bin geflogen, bewusst einkalkulierend, dass er sterben könnte ohne Versöhnung oder sonst. Kontakt. Er starb dann allein im Krankenhaus nach einem letzten Besuch meiner Mutter.
Ich habe bis heute nicht bereut, dass ich nicht mehr dort war.

Also zwei sehr unterschiedliche Geschichten, soll heißen, man entwickelt ein Gefühl dafür, ob man dabei sein kann und möchte (wenn es nicht plötzlich ist, jedenfalls) und keiner weiß wirklich vorher, wann und wie es zuende geht.
Zu meinem Mann habe ich besonders im 1. Jahr eine sehr große Nähe empfunden, im Zwiegespräch mit ihm bin ich heute noch innerlich oft.
Am Tod meines Vaters hatte ich lange zu arbeiten, ich habe sehr um den Vater getrauert, den ich nie hatte, hatte noch ein halbes Jahr nach seinem Tod häufig Angstgefühle wegen seiner Morddrohungen an mich.

Vertrau also deinem Gefühl und deiner Mutter, dass sie für sich den passenden Zeitpunkt und die Art des Sterbens finden wird, bei manchen gibt es auch zum Schluss nochmal eine klarere Phase und wenn sie nun quasi Sterbefasten wählt, ist es ihr gutes Recht und ihrer Würde entsprechend.
Ich habe dich in letzter Zeit bewundert, wieviel du für deine Mutter an Einsatz gezeigt und berichtet hast.
Tu dir nun möglichst viel Gutes zur Stärkung, eine Erholung kann dauern.

Herzliche Grüße
Rose

22.06.2020 | 08:09
hanne63

Liebe Rose,
danke für Deinen sehr berührenden Beitrag.
Das Verhältnis zu meinen beiden Eltern ist/war auch sehr schwierig......und mir wird immer klarer, warum ich trotzdem oft traurig bin.
Du sagst es jetzt auch sehr treffend: es ist die Trauer um die Eltern, die sie nicht waren.....bzw. um die Person, die sie hätten sein können. Das tat mir gut von Dir so ähnlich zu lesen, weil ich belächelt werde von anderen deshalb.

Und danke auch für Deinen Hinweis, dass Erholung dauern kann.....ich fühle mich nämlich immer noch sehr erschöpft, obwohl jetzt beide Eltern im Heim untergebracht sind. Ich muß mir mit meiner Erholung wohl einfach mehr Zeit lassen und darf auch hier nicht zu viel von mir selbst erwarten.

Liebe Grüße
Hanne

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 22.06.2020 um 08:10.]

22.06.2020 | 18:02
Teuteburger

Ich habe mit Interesse die Sterbeerfahrungen mitgelesen. Dafür danke an alle, die dies hier niedergeschrieben haben.

Meine Schwiegermutter hat leider Angst nachts alleine zu sterben. Sie stirbt gefühlt schon seit elf Jahren. Und leider kann niemand jede Nacht wach neben ihrem Bett ausharren, ob es denn dann wirklich so ist. Sie macht einem aber regelmäßig ein schlechtes Gewissen mit ihrer Vorstellung.

Vor elf Jahren ist sie noch nicht dement gewesen und sie hätte sich, ihrem Alter entsprechend und ihren Ängsten entsprechend, ein bisschen mit dem Thema befassen können. Ernst zu nehmende Dokumentationen oder Bücher ect. gibt es schon länger und das hätte ihr vielleicht einiges von der Angst nehmen können. Aber sie hat so gut wie alles, was mit ihr zu tun hat, abgelehnt.
Die Mutter meiner Freundin ist zum Beispiel alleine gestorben, friedlich. Es ist ihr nur ein bisschen komisch gewesen an dem Tag. Genauso eine andere Bekannte von mir. Hinterher im Wachtraum ist meiner Freundin die Mutter begegnet und sie hat gesagt, es ist alles gut gewesen und es gefällt ihr da wo sie jetzt ist. Das kann man glauben oder nicht glauben, aber ich habe solches schon öfters gehört. Auch sehr individuelle Verabschiedungen.
Aber da hört meine Schwiegermutter nicht hin.
Ich finde das einfach nur belastend für sie und für mich.

Liebe Grüße an alle



[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 22.06.2020 um 18:12.]



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