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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Reißleine gezogen
02.07.2020 | 16:43
Andydreas

Hallo Sonnenblümchen,
danke für Dein Interesse an unserem Schicksal. Als ich den Notarzt gerufen habe und meine Mutter ins Krankenhaus kam ging ich von einem kurz bevorstehenden Ende aus. Inzwischen ist sie seit 2 Wochen im Heim. Das Heim arbeitet mit 2 Ärzten aus einer Gemeinschaftpraxis zusammen. Beide waren inzwischen bei meiner Mutter. Der erste Arzt hat Krankengymnastik verordnet und will erst mal abwarten.
Gestern war wohl der andere Arzt kurz da. Er ist auch Palliativmediziner und hat gemeint, dass die Krankengymnastik bei meiner Mutter nach seiner Ansicht nichts mehr bringen würde und man auf palliative Massnahmen zurückgreifen solle und man ihr Morphium verabreichen solle. Er will sich aber vorher mit seinem Kollegen noch besprechen.
Die Altenpflegerin ist jedoch anderer Meinung, da meine Mutter inzwischen wieder eigenständig trinktund isst. Sie ist zwar manchmal immer noch aggressiv, aber das wird sie wohl ohnehin beibehalten. Die Krankengymnastik wird fortgesetzt. Ich bin ja mal gespannt, ob ich da noch involviert werde.
Da sie die 2 Wochen Quarantäne inzwischen hinter sich hat kann ich sie am Sonntag besuchen und werde das dann auch regelmäßig tun. Wir haben in den letzten Jahren so viel gemeinsam durchgemacht.
Meine Hauptsorge ist zusätzlich die Wiederaufnahme meiner Arbeit, die Wohnungssuche, der Umzug und die Wohnungsauflösung.
Aber das schaffe ich auch irgendwie.

02.07.2020 | 20:13
sonnenblümchen

Hallo Andydreas, :)
das hört sich doch alles gut an .Du hast pflegerisch und medizinisch Deine Mama gut versorgt. Wenn es jetzt in die eine oder andere Richtung geht hast du Pflegekräfte / Ärzte mit im Boot.
Und die Ausssicht auf eine neue Wohnung ohne Mama ist doch auch was.
LG

04.07.2020 | 08:28
martinhamborg

Hallo Andydreas, es freut mich, dass Sie nun miterleben dürfen, wie viele Gedanken sich die Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte machen. So hat Ihre Mutter eine gute Chance, sich ganz in ihrer Demenz für den einen oder anderen Weg zu "entscheiden" und wird dann - je nach dem von dem einen oder anderen Arzt begleitet. Und Sie müssen für all das nicht mehr kämpfen, sondern können interessiert Anteil nehmen und mit ganz viel neuer Lebenserfahrung die nächsten Schritte gehen. Alles Gute dabei!

Hallo Elisabetha, ich werde Ihre Erfahrung noch in das Manuskript meines neuen Buches einfügen, in der Hoffnung, dass sich Pflegekräfte die Zeit für Gespräche nehmen, in dem sie Angehörigen ernstnehmen und die besondere Situation respektieren.
Weil - es wird ganz viel Zeit in Rechtfertigungen, unglücklichem Beschwerdemanagement und Kontroll- und Dokumentations"wahn" vergeudet, indem die Pflegekräfte sich gerade nicht als selbstwirksam erleben.

Wertschätzung und die differenzierte Rückmeldung, dass etwas wirklich gut gemacht wurde, ist Mangelware und politisch noch nicht einmal gewollt. Dies wird deutlich an der besten Bewertung, die ein Heim in den neuen - strengeren MDK-Prüfungen erhalten kann: Es gibt jetzt keine Note "1" sondern nur noch "keine oder geringe Qualitätsdefizite" als beste Bewertung. In diesem Denksystem ist der höchste "Erfolg" der Pflegekräfte, dass sie Fehler oder Gewalt vermeiden konnten - eine schlimme Wirkung auf das Selbstwirksamkeitserleben!

Ich habe diesen kleinen Ausflug gemacht, weil die gezielte Rückmeldung und Dank ankommt. In manchen Stationszimmern hängen vergilbende Postarten als Symbol dafür. Deshalb, wenn Sie eine passende Karte finden und Ihre Erfahrung mitteilen, kann das eine große Wirkung haben! Die passenden Worte werden Sie sicher finden.
Damit möchte ich kein Appell an eine allgemeine Dankbarkeitspflicht im Sinne des zeitweisen Balkonklatschens machen. Balsam für die Seele ist es, wenn die Selbstwirksamkeit erkannt und zurückgemeldet wird.
Ihr Martin Hamborg



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