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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Corona und Besuchsmöglichkeiten
15.06.2020 | 23:08
sporty

Hallo, ich weiss nicht wie die Erfahrungen hier während Corona bei euch sind. Ich möchte meine Erfahrungen schildern, und möchte gerne wissen ob hier inzwischen nicht viele Betreiber sich gerne hinter den Corona Verordnungen verstecken und so den Zugang zu den Einrichtung komplett kappen.

Meine Mama ist in einer DemenzWG seit 1,5 Jahren. Durch die Demenz hat sie die deutsche Sprache komplett vergessen und spricht nur ihre Muttersprache, rumänisch. Da rumänische Pflegekräfte so gut wie gar nicht vorhanden sind, habe ich vor 2 Jahren eine rumänische Betreuerin eingestellt, die fast täglich für mehrere Stunden meine Mutter besucht hat, und praktisch auch fast die gesamte Pflege da übernommen hat, weil die Pflegekräfte sich über die Aggressivität meiner Mutter beschwert haben. Inzwischen ist meine Mutter gar nicht mehr aggressiv. Glaube auch dass die Aggressivität durch die Sprache gekommen ist.

Durch den Corona Lockdown durfte ja keiner die Einrichtung betreten was ich auch verstanden habe. Leider somit auch ihre Betreuerin nicht. Während der Zeit wurde die gesamte Pflege durch die Kräfte vor Ort übernommen, was wohl gut läuft. Ich und die Betreuerin haben versucht per Videotelefonie mit ihr zu sprechen, wegen der Sprache, aber das klappte gar nicht. Ich konnte sie sehen, aber sprechen tut sie fast gar nicht mehr.
Ich bin vor Corona mehrmals die Woche (3-4) bei ihr gewesen und die Betreuerin die von Montags - Freitags vorbeikam, haben viel mit ihr gesprochen , haben sie immer wieder zur Toilette gebracht und alles hat gut funktioniert.
Durch den Corona Lockdown hat ihre Krankheit einen Riesen Sprung gemacht. Das hat auch die WG Betreuungskraft festgestellt, als sie nach längere Zeit wieder in die WG rein durfte. Von allen Bewohner hat sie am meisten einen Sprung im Verlauf der Krankheit gemacht.

Seit Anfang Mai darf wieder Besuch in der Einrichtung kommen, allerdings müssen die Heime einen Besuchskonzept vorstellen. Die WG darf immer noch nicht betreten werden und es wurden Besuchszeiten in einem gesonderten Raum von Mon-Freitags zwischen 13-15 Uhr erlaubt und das nach Vorankündigung, und das für 24 Bewohner ( da mehrere WGs vor Ort vorhanden sind). Ich habe gefragt wie das ist mit der Betreuerin, aber da habe ich keine Antwort erhalten, sie sollte meine Mutter genauso wie die normale Angehörige 30 min pro Woche in den Zeiten besuchen sollen. Ich habe inzwischen mit der Neurologin die meine Mutter in der WG regelmässig besucht gesprochen, und habe ihr erklärt dass die Krankheit so weit vorangeschritten ist (Sprache so gut weg, antwortet gar nicht mehr aus Fragen, Toilettengang gleich null, das sieht man jetzt an den großen Anstieg an Windelverbrauch, das ich ihr besorge). Daraufhin hat die Neurologin einen Attest geschrieben und erklärt dass es wichtig ist dass meiner Mutter durch die Betreuerin wieder mehr gefördert und gefordert wird, und das sie unter hygienische Auflagen meine Mutter öfter besuchen kann ausser den 30 min pro Woche. Immerhin dürfen seit Anfang Mai auch medizinisches Personal die WG besuchen, Friseure und die Fusspflege auch. Aber der Betreiber lässt trotzdem keinen in die WG rein, auch Friseur und Fusspflege nicht.

Als schon Lockerungen in Mai in Kraft getreten worden sind, wollte ich nach den ersten Besuch bei meiner Mutter, mit ihr zum Orthopäden gehen, weil ich sah dass sie total schief ging und in der Corona Lockdown sie auch vom Stuhl gefallen ist und sich was in der Schulter gebrochen hat. Auch das wollte die Pflegeleitung mir verbitten. Die waren der Meinung das wäre medizinisch nicht notwendig sie ja kurz davor im Krankenhaus behandelt wurde wegen dem Bruch und die wären ja immerhin Medizinisches Personal um ich müsste denen glauben. Die Gefahr dass meine Mutter zu viele Kontakte hätte wäre zu groß. Ich war echt sprachlos als die mir verbieten wollten mit meine Mutter zum Arzt zu gehen. Ich habe daraufhin mit dem Hausarzt der die WG besucht telefoniert und er sagte mir sofort dass er meine Mutter schon zum Orthopäden schicken wollte. Mit sein Einverständnis bin ich auch zum Orthopäden gefahren und siehe da es kam raus dass meine Mutter den falschen Verband trägt für den Schlüsselbeinbruch was sie hat. So viel dazu es war nicht medizinisch Notwendig!!

Ich habe echt den Eindruck der Betreiber schottet sich komplett ab, keiner kann kontrollieren was in der WG passiert usw. Zu den Attest der Neurologin bzgl Betreuerin habe ich einen Kommentar erhalten, dass kann dann jeder Angehörige für die Bewohner erstellen, damit man die Bewohner in der WG besuchen kann. Die sehen meine Betreuerin als eine Angehörige. Seit einer Woche sind hier in der Großstadt keine Neuinfekionen gemeldet und die Anzahl der Corona Erkrankten sind in Moment bei 21 Personen. Und ich habe nur gebeten dass meine Betreuerin in Zimmer meiner Mutter mit FFP2 Maske und unter hygienische Massnahmen meine Mama besuchen kann. Ich habe der Betreuerin sogar eine durchsichtige FFP2 Corona Maske bestellt.

Was ich aber total komisch fand, während des Lockdowns sind in der WG 2 Bewohner verstorben und die Plätze wurden noch während des Lockdowns belegt. Ich frage mich wie da die Möbel der Verstorbenen rausgekommen sind und die neuen Möbel der Bewohner drin gekommen sind? Für Geld wird da eine Ausnahme gemacht, und andere Leute werden in die WG reingelassen. Auch die Besuchszeiten sind derart eingeschränkt dass ich mir praktisch Urlaub nehmen muss um meine Mutter besuchen zu können. Zwischen 13 und 15 Uhr arbeiten die meisten und am WE darf kein Besuch kommen. Die Enkelkinder haben keine Chance die Oma zu sehen, da die während der Zeit in der Notbetreuung waren / sind ( Kita und Schule). Der Betreiber hat mehrere WG in der Stadt und in einer WG wurde vor Wochen 2 positive Corona Fälle gemeldet, und das gegen Ende des Lockdown wo eigentlich kein Angehörige rein durften. Es ist zum Glück nichts schlimmes passiert. Es blieb bei den 2 Erkrankten die fast Symptom los waren. Jetzt hat aber der Betreiber so Angst dass seine Einrichtung dicht gemacht werden kann, dass er sich total abschottet und meiner Meinung nach die Bewohner in deren Bewegungsfreiheit stark einschränkt wie zB der Besuch beim Arzt untersagen weil es nicht medizinisch notwendig sei. Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht? Was für Lösungen würdet ihr da empfehlen? Das Gespräch mit der Leitung habe ich mehrmals gesucht, per mail, per Telefon aber keine Antworten ... Nur über andere Personen höre ich die Antworten.

LG

16.06.2020 | 06:59
hanne63

Hallo Sporty,
meine beiden Eltern sind auch in einem Heim untergebracht auf getrennten Stationen.
Die Besuchsregelungen aufgrund von Corona sind sehr eng beschränkt.
Es gibt ein Zeitfenster von 2 Stunden vormittags und von 13 bis 15 Uhr .
Innerhalb dieses Zeitfensters sind Besuche nach Voranmeldung für maximal 1 Stunde und nur maximal 1 x in der Woche möglich und auch nur, wenn nicht schon insgesamt 16 andere Besucher pro Tag (bei über 100 Bewohnern!) insgesamt in der Einrichtung angemeldet sind......
Dazu kommt, dass man nur immer für einen bestimmten wochentag sich anmelden kann und der Tag dann feststeht...und auch nur immer ein und der derselbe Angehörige kommen kann, nicht abwechselnd etwa andere....
Ich bin nicht mehr berufstätig und kann daher diese engen Zeitfenster einhalten.....
Ich habe eine länger Anreise und muß mich also rechtzeitig vorher anmelden und kann dann beide Eltern hintereinander besuchen in einem großen Saal, wo dann zeitgleich auch andere Besucher drin sind...der Lärmpegel ist entsprechend hoch und nicht schön.

Bei schönen Wetter könnte man im Innengarten diese Besuche machen...aber bei mir hat es stark geregnet....und sonst bin ich immer von Wetter abhängig,...also bei Sonnenschein zu Besuch gekommen...das ist jetzt wegen der langen Voranmeldung nicht möglich.

In die Zimmer der Eltern oder auf die Station selbst darf ich nicht. Ich kann also eigentlich mir selbst überhaupt kein Bild mehr von allem machen...auch nicht von meinen Eltern selbst....die ich nicht berührern und nur mit Maske und in 2 m Abstand am Tisch sitzend sehen kann.....

Geschenke oder sonstiges mitbringen geht auch schlecht, man muß alles am Eingang abgeben.

Was eigentlich in den Heimen vorgeht derzeit, weiß also keiner......

Es werden ja auch vom MDK keine Kontrolllen derzeit gemacht.

Es bleibt also nur: zu zahlen.....und zu vertrauen........(damit man wirklich vertrauen könnte, hätte es allerdings etliche Skandale in der Pflege nicht geben dürfen......ich meine jetzt nicht ein Heim speziell, sonderen generell...)

Ich verstehe die Maßnahmen durchaus....aber ich habe ein schlechtes Gefühl dabei, dass keinerlei Kontrolle derzeit möglich ist.

Ich war erst einmal während Corona-Zeiten zu Besuch und werde erst in ein paar Wochen wieder hinfahren. Die Besuchsumstände schienen mir nicht sehr positiv sich auf meine Eltern auszuwirken und auf mich selbst auch nicht.

Liebe Grüße

16.06.2020 | 09:42
klauspawletko

Hallo Sporty,
formaljuristisch ist eine WG keine Einrichtung und die Zugangsregelungen werden von den Bewohnern bzw. deren Angehörigen gemacht.
Wenn die entsprechenden Vorsichtsmassnahmen eingehalten werden und die Besuche im Privatzimmer oder draussen stattfinden, spricht überhaupt nichts dagegen.
Sind Sie denn mit den anderen Angehörigen in Kontakt? Die müssten doch auch ein Interesse an einer Besuchsregelung haben.
Wenn der beteiligte Pflegedienst (der sich bei Ihnen wahrscheinlich "Träger" nennt) nicht verhandlungsbereit ist, können Sie auch die Heimaufsicht einschalten. Der Dialog ist aber der bessere Weg.
Viel Erfolg und freundliche Grüße von Klaus Pawletko

16.06.2020 | 11:59
Teuteburger

Hallo in die Runde,

schön ist das nicht. Ich habe das in meinem Bekanntenkreis auch erlebt. Ein frisch operierter 93jähriger Mann, der keine Besuche bekommen darf, bis die Lockerungen in Kraft getreten sind. Der Sohn ist selbst Arzt und durfte auch nicht zu ihm.

Diese Abschottung kann ich einerseits verstehen, weil die Heime auf Nummer Sicher gehen wollen, denn wenn ein Coronafall auftritt und der ein oder andere stirbt, dann wird das in den Medien breitgetreten, dann werden auch einige Verwandte lauter werden. Man will hier einfach kein Risiko eingehen und in diese Schusslinie geraten.

Und da alles zwei Seiten hat, wird die Psyche nicht weniger Bewohner stark in Mitleidenschaft gezogen. Aber der Tod ist für die scheinbar normal denkenden Menschen wohl schlimmer. Es gibt aber auch einen psychischen Tod und das ist in meinen Augen auch nicht besser.

Ich frage mich schon lange, warum man sich hier nicht, wie in gut geführten Kaufhäusern verhalten kann, mit Abstand, Händedesinfektion, Handschuhen und Mundschutz und bei schweren Fällen dann waschbare Kittelschürze. Das müsste machbar sein, um normale Besuche wieder zulassen zu können. Und man muss einfach ein Restrisiko in Kauf nehmen, ohne die Heime anschließend an den Pranger zu stellen.

Ich halte das. was jetzt an Umständen hier herrscht. für vermeidbar, von Seiten der Politik und den Heimen selbst und von den Verwandten. die nach absoluter Sicherheit verlangen.

Verständnis für alle Seiten wäre schon mal ein erster Schritt.





[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 16.06.2020 um 12:01.]

16.06.2020 | 16:27
Lulu

Hallo,

dann will ich auch noch einmal kurz berichten, wie letzte Woche der Besuch meines Mannes bei meiner dementen Schwiemu abgelaufen ist. Das Heim selbst stand vorher wegen dort aufgetretener Corona-Fälle unter Quarantäne. Da galt absolutes Besuchsverbot. Das gesamte Personal war ebenfalls in Quarantäne, die Bewohner wurden durch Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma versorgt.
Das Pflegeheim hat nun ein Zelt im Garten aufgestellt mit Plexiglasscheibe zwischen beiden. Außerdem müssen beide Mundschutz tragen. Erlaubt ist eine halbe Stunde, es darf auch nur ein Besucher kommen. Meine Schwiemu wurde von der Ergotherapeutin begleitet. Da auch vorher der Kontakt mit ihr über Sprache nicht mehr richtig funktionierte, sondern viel über den Körperkontakt lief, können Sie sich vorstellen, dass die Begegnung mehr als schwierig war. Mein Mann hatte auch den Eindruck, dass sie ihn gar nicht mehr erkannt hat.
Ich denke, es ist eine Gratwanderung für die Betreiber der Heime. Konnte man nicht in der Presse lesen, dass gegen ein Heim Strafanzeige gestellt wurde, da sie die Corona-Schutzmaßnahmen nicht eingehalten haben? Der Virus im Heim meiner Schwiemu ist übrigens durch eine Bewohnerin aus dem Krankenhaus eingeschleppt worden. Da hätte ich ja als erstes getestet, wenn ein Bewohner neu einzieht oder gar aus dem KH kommt. Hat aber anscheinend niemend dran gedacht, obwohl es schon Anfang Mai war, als das passierte.

16.06.2020 | 21:14
hanne63

Hallo in die Runde,
@Teuteburger: Ich stimme Ihnen voll und ganz zu.
Der Vater einer Freundin ist im Krankenhaus gestorben (an etwas anderem als Corona) und wegen Corona durfte niemand zu ihm, auch in den Sterbestunden nicht....die ganze Familie ist deshalb traumatisiert......der Verstorbene vermutlich auch, aber der ist ja nun tot. Das war zu Beginn der Corona-Zeit und schon damals unverständlich, weil einfach unmenschlich, basta.
@Lulu,
danke für Ihren Bericht. Es sind ja offenbar wenige hier im Forum, wo die Angehörigen schon im Heim sind...deshalb bin ich immer froh die Erfahrungen anderer insoweit lesen zu können.
Da ein Bekannter von mir im weitesten Umfeld von Pflegeheimen arbeitet und er mir so einiges erzählt hat.....habe ich noch eine Erklärung wie das Virus in die Heime eingeschleppt werden könnte....wohl auch durch Handwerker, Hausmeister, Kurier- und Lieferdienste etc....
Die Angehörigen selbst sind wohl am vorsichtigsten...und ich finde, die sollten eher und leichter Zugang bekommen.

liebe Grüße an Alle

19.06.2020 | 11:11
sporty

Hallo,
vielen lieben Dank für die vielen Antworten. Ich habe weiterhin versucht den Träger zu erreichen damit wir zu einer Einigung kommen. Leider bis jetzt keine Antwort von ihn persönlich, sondern gestern Abend kam email von der Pflegeleitung, wo nochmal gesagt wird dass eine private Betreuerin nicht akzeptiert wird und das die keine Verschlechterung des Allgemeinzustands meiner Mutter sehen, welches Anlass geben könnte.

Ich fühle mich so hilflos, meine Mutter hat doch ein Recht, dass sie in ihre Muttersprache angesprochen wird, auch wenn es nur zeitlich begrenzt ist. Meine Mutter spricht kaum noch, das ist doch eine Verschlechterung! Die Betreuerin muss ganz normal Besuchszeiten beantragen, und meistens ist es 30 Minuten pro Woche, da sich 24 Bewohner die 2 Stunden mal 5 Tage pro Woche teilen müssen.

Laut Corona Schutzverordnung dürfen Personen, die für medizinische und pflegerische Versorgung tätig sind auch die Einrichtungen betreten. Inzwischen darf Friseur und die Fußpflege die Einrichtung betreten, aber eine Bezugspflegerin / Betreuerin die sogar ein fachärztliches Attest von der Hausneurologin bekommen hat, wo die Ärztin sagt dass es wichtig ist das in der Muttersprache die Mutter gefordert und gefördert wird, darf die Einrichtung unter hygienischer Vorgaben nicht betreten?? Außerdem hat wohl ein Friseur bzw die Fußpflege mehr Kontakt zu anderen Menschen und ist somit eine viel größere Gefahr für die anderen Bewohner , als eine Frau die ausschließlich nur für eine Bewohnerin zuständig ist, in dem Zimmer der Bewohnerin verweilt und sonst keinen anderen Job hat, also potenzielle Kontakte deutlich minimiert sind.

Auch auf meine Anfrage wegen Besuchszeiten für berufstätige wurde von der Einrichtung abgebügelt. Da ich die einzige bin, die das wünscht wird keine Sonderregelung für mich gemacht. Zwischen 13 und 15 Uhr , und das montags bis Freitags ist es mir schlichtweg unmöglich meine Mutter zu besuchen ohne mir Sonderurlaub nehmen zu müssen, da mein Jahresurlaub aufgebraucht ist, unter anderem durch Corona. Zu dem muss ich auch noch meine 2 Kinder (20 Monate und 7 Jahre alt) unterbringen können damit ich meine Mutter besuchen kann.

Vor der Pandemie habe ich meine Mutter mit oder ohne Kinder mehrmals wöchentlich am späten Nachmittag und am WE besucht.

Man kann mir doch nicht sagen, dass meine Mutter die gleiche Zuwendung bekommen hat und weiterhin bekommt wie vor der Pandemie mit ihrer persönlichen Betreuerin die sich ausschließlich nur um sie gekümmert hat und wo ich mehrmals wöchentlich sie besucht hat.

Wie schon @ teuteburger gesagt hat der psychische Tod ist nicht besser. Warum greift da die Politik nicht ein? Es dürfen Feste bis zu 100 Personen gefeiert werden, alles ist fast offen, bis auf die Heime.

Ich habe inzwischen die Heimaufsicht miteingeschaltet und da um Vermittlung gebeten, da die Sache so verfahren ist. Ich sah keinen Ausweg mehr. Habe den Dialog mehrmals gesucht, bin aber nie zurückgerufen worden von der Geschäftsleitung und dann kriege ich plötzlich eine Mail von der Pflegeleitung.

Ich stelle fest, dass durch diese Pandemie massiv grad bei älteren Menschen und Heimbewohner ihre Rechte beraubt worden sind. Meine Mutter darf die Einrichtung nicht für einen Spaziergang machen, sie kann es nicht mal sagen, da sie ja nicht mehr spricht. Außerdem haben die Pflegekräfte keine Zeit und in den 20 Monate seit meine Mutter da ist, ist keiner mit ihr an die frische Luft gegangen. Sie kann pro Woche nur 30 Minuten oder maximal 1 Stunde Besuch empfangen der mit ihr ihre Muttersprache spricht. Sonst kann keiner mit ihr sprechen, außer deutsch. Seit dem 10.Mai als die Einrichtung geöffnet wurde, konnte ich meine Mutter grad 2 Mal besuchen. Es hat schon fast den Eindruck eines Knastes. Die Bewohner haben extra Besuchsräume können nicht die Einrichtung verlassen usw. Ich bin ihre gesetzliche Betreuerin und kann sie so gut wie gar nicht sehen.

Die Pflegeleitung ignoriert ärztliche Atteste und meint es besser wissen zu müssen. Genau wie vor ein paar Wochen als ich meine Mutter zum Orthopäden schicken wollte. Da wurde auch keine medizinische Notwendigkeit gesehen. Beim Orthopäden wurde festgestellt dass die Verband den meine Mutter trägt falsch und sogar kontraproduktiv sei. Wie können Pflegeleitungen solche medizinischen Notwendigkeiten sehen? Das kann doch nur der Arzt bzw Facharzt sehen. Warum meinen die das besser wissen zu müssen, und alles auf Corona Schutzmaßnahmen zu führen??

Wie lange soll das weiter gehen? Wir sind inzwischen gleich im fünften Monat mit diesen massiven Einschränkungen…

Liebe Grüße

20.06.2020 | 12:07
martinhamborg

Hallo Sporty, Ihre Beispiele machen deutlich, dass von anderer Seite nachgeprüft werden sollte, ob unabhängig von Corona die grundlegenden Anforderungen an eine WG überprüft werden sollten.
Es gab vor der Pandemie auch schwarze Schafe in der Pflege und wenn Angehörigen keine Möglichkeit haben, auf Probleme hinzuweisen oder Lücken in der Betreuung zu schließen, ist der Blick von außen notwendig.

Formal gibt es bestimmt in der WG eine Möglichkeit, sich mit den anderen Angehörigen auszustauschen und nach Lösungen zu suchen.
Ich habe in meinen Antworten schon oft darauf hingewiesen, wie schwierig die strengen Regeln für die Einrichtungen sind und wie sehr die Pflege in der Coronazeit alleingelassen wurde. Aber das Verständnis dafür darf schwierige Entwicklungen nicht verdecken. Sie können sich direkt an das Gesundheitsamt wenden, denn das Besuchskonzept wird dort geprüft und freigegeben und von dort können Auflagen am besten hinterfragt werden. Denn wie schon viele geschrieben haben: Die strengen Regeln und die Isolation haben sehr schwere Folgen für Menschen mit Demenz.

Da ein Ende nicht absehbar ist, müssen wir den fachlichen Dialog führen, wie gesundheitliche und sozialethische Anforderungen trotzdem umgesetzt werden können. Die Auflagen des Landes und der Kommunen machen dies immer möglich.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Kraft und Erfolg, Ihr Martin Hamborg

20.06.2020 | 13:08
sporty

Hallo Herr Homburg, wer überprüft denn diese Anforderungen? Ich habe mich ja schon mal an die Heimaufsicht gewendet. Die Heimaufsicht war auch mehrmals zur Kontrolle da. Es wurde bis jetzt nichts beanstandet. Vielleicht wird er geduldet weil die Heimplätze so rar hier sind. Ein Heim wurde vor Jahren hier abgerissen und nicht wieder aufgebaut usw.

Sehr oft höre ich, dass der Betreiber in sein Haus Hausrecht hat. Das hat mir die Neurologin gesagt, als ich sagte dass ihr Ärztliches Attest nichts gebracht hat und die Bezugspflegerin kein Zugang zu meiner Mutter erhält, bis auf die wöchentliche 30 min Besuchszeit. Und von vielen Angehörigen höre ich, dass man den Betreiber mit Samthandschuhen behandeln muss, da er wohl ziemlich unangenehm werden kann, auch schnell Hausverbote per Anwalt erteilt, usw. und ich habe auch keine Lust dass meine Mutter nach 20 Monate da wieder rausfliegt. Es ist ja die zweite Einrichtung wo sie jetzt ist, und bin froh dass sie jetzt endlich Ruhe hat. Aber ich habe mehr und mehr den Eindruck dass der Betreiber sich hinter der Corona regeln verstecken damit keiner mehr zur Kontrolle in die Einrichtungen kommt. Grad die Angehörige sind ja ein wenig kritischer. Ich habe ganz am Anfang des Corona Lockdowns auch solch ein Kommentar von eine Pflegekraft gehört. Ich sagte zu ihr am Telefon gesagt, dass es bestimmt ganz schon schwer ist, weil die alles machen müssen so ganz alleine. Die Antwort war, sie empfindet es nicht stressiger nein sogar entspannter weil kein Zeitdruck da sei, und kein Angehöriger kommt um was zu sagen usw. tja was soll ich dazu noch sagen.

Der Betreiber dieser Einrichtung ist ja auch noch im Stadtrat!

Da ich jetzt die Heimaufsicht kontaktiert habe, und da um Vermittlung gebeten habe, warte ich ich jetzt bis die mir antworten!

Trotzdem vielen Dank für ihre Antwort!

27.06.2020 | 13:00
martinhamborg

Hallo Sporty, es klingt ja fast danach, als wenn alles zu einem kommunalen Politikum wird und der Betreiber und dem Namen WG alte stationäre Strukturen aufbaut.
Wenn Sie Zweifel haben, dass die Heimaufsicht ihre gesetzlichen Aufgaben wahrnehmen kann, können Sie auch die Pflegekassen und darüber den MDK für eine anlassbezogene Prüfung einschalten.
Bitte bewerten Sie dabei die Aussage der Pflegekraft nicht über. In vielen Einrichtungen wird von einer zunehmenden "Aggressivität" von Angehörigen berichtet, weil die Besuche trotz der versprochenen Lockerungen weiterhin streng reglementiert werden müssen. Die Gefühle sind verständlich, aber es nützt leider nichts, wir müssen uns auf anhaltende Einschränkungen der Freiheitsrechte in Heimen einstellen und die Besuchskonzepte beanspruchen ganz viel zusätzliche Zeit, die nicht im Stellenplan berücksichtigt ist, da liegen die Nerven manchmal "blank".
Ihr Martin Hamborg



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