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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Der richtige Weg?
21.07.2020 | 10:55
Petra66

Hallo, ich lese nun hier seit einigen Wochen im Forum und habe mich heute entschlossen, selbst einen Beitrag zu schreiben, weil ich sehr verunsichert bin, ob ich den richtigen Weg gehe.

Zur Situation:
Meine Mutter wird 80. Bis vor 4 Jahren hat sie selbstständig gelebt und sich um alles gekümmert. Sie wohnt in einen Senioren-Wohnhaus. Seit ca. 1 1/2 Jahren macht sich die Demenz immer stärker bemerkbar. Seit 1 Jahr habe ich meine Arbeitszeit reduziert, um mich mehr zu kümmern, da sie nichts mehr gegessen hat und auch sonst sehr "vereinsamt" war. Pflegeteam organisiert, externe Betreuung etc. Bedingt durch Corona wurde die Situation leider immer schwieriger.
Seit 2 Monaten haben wir die Diagnose Verdacht auf Lungen Karzinom, COPD unter 30% Lungenfunktion und Brustkrebs. Nach 1 wöchigem Krankenhausaufenthalt benötigt sie nun auch ein Sauerstoffgerät. An einen Pflegeplatz ist nicht zu denken. Eigentlich möchte ich ihr das auch nicht antun. Wir stehen aber an dem Punkt: Pflegeheim oder andere Wohnung und 24 Stunden-Pflege organisieren. Sie wird derzeit palliativ betreut. Allerdings will die Palliative Ambulanz zeitweise aussetzen, da sich ihr Zustand (Wasser in Lunge und Herz etc.) wieder stabilisiert hat.

Im Moment bin ich einfach überfragt. Sie hat keine lange Lebenserwartung mehr, habe ich das Recht sie gegen ihren Willen in ein Pflegeheim zu geben? Und macht das überhaupt Sinn? Und wird sich dort tatsächlich besser um sie gekümmert? Wir hatten uns vor Corona für den Ernstfall mal ein Haus angesehen, seitdem will sie davon nichts mehr hören, so gruselig fand sie das. Tagespflege lehnt sie ab, im Grund ist sie aber auch wahrscheinlich eh zu schwach dafür.

21.07.2020 | 18:51
klauspawletko

Hallo Petra66,
den richtigen Weg zu beschreiten scheint mir in Ihrem Fall tatsächlich schwierig zu sein.
Ein Pflegeheim kann sehr wahrscheinlich nicht die intensive Zuwendung und Betreuung gewährleisten, die Sie sich für Ihre Mutter wünschen.
ICH weiss nicht, wie weit Ihre Mutter den Ernst Ihrer gesundheitlichen Situation realisiert. Vielleicht erspürt Sie ihn eher.
Der Wunsch, den Rest Ihres Lebens in vertrauter Umgebung zu verbringen, ist daher nachvollziehbar. Sie sollten versuchen, ihr diesen Wunsch zu erfüllen, auch wenn der mit Risiken verbunden ist. Sie haben bislang alles erdenklich mögliche organisiert; mehr geht nicht. Es ist eher die Frage, ob Sie selbst das aushalten. Es geht ja bei Ihnen darum Abschied von Ihrer Mutter zu nehmen, ohne genau zu wissen, wie lange dieser dauert. Einen "richtigen" Weg gibt es dabei wohl nicht. Vielleicht einen, der Ihnen beiden gut tut.
ICH hoffe sehr, dass Sie beide einen finden.
Alles Gute dabei wünscht Ihnen
Klaus Pawletko

22.07.2020 | 11:35
Rose60

Hallo Petra66,
wenn es irgendwie möglich ist und von der Zeit her schon relativ absehbar, kann ich wärmstens einen Platz im Hospiz empfehlen -- aus eigener Erfahrung mit meinem Ehemann vor einigen Jahren. Dort ist ein besserer Personalschlüssel als im Pflegeheim und eine sehr persönliche wohltuende Atmosphäre. Wieweit natürlich Ihre Mutter da mitspielt, ist eine andere Sache.
Mein Mann war zum Glück einverstanden, weil es zuhause für mich gesundheitlich nicht mehr machbar war und wir die Schmerzen nicht in den Griff bekamen. Ich konnte dann jeden Tag dort sein, hatte sogar für alle Fälle einen Schlafplatz im gleichen Zimmer. Ich wollte es eigentlich auch in jedem Fall zuhause zu Ende bringen, bin aber sehr froh, dass mir der Pflegedienst und Hausarzt zugeredet haben. Der Schritt davor war noch die Palliativstation im Krankenhaus nach einem entspr. Ereignis, das war auch sehr gut, aber eben Krankenhausatmophäre.
Wir müssen auch auf uns selbst achten, ich persönlich musste auch noch zusätzlich für unsere Kinder da sein und konnte einfach nicht mehr.

Mein Maßstab war u.a., wenn ich nachts auch noch eingreifen und unterstützen muss, dann geht es für mich nicht mehr. Ich bin dem Himmel dankbar, dass es die o.g. Einrichtungen mit so tollen Menschen gibt.
Es war trotz allem Schweren noch schön, sich mit allem Kummer so aufgehoben fühlen zu können.
Ich glaube, Hospize nehmen auf, wenn max. 6 Mon. anstehen.
Das weiß ich natürlich nicht, wie es bei Ihrer Mutter so aussieht.

Trotzdem vielleicht schon mal im Hinterkopf haben, dass es sehr empfehlenswert ist.

Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute für Sie und Ihre Mutter. Man kann vllt für eine gewisse Zeit versuchen über sich hinauszuwachsen, aber nicht auf Dauer!! Hören Sie auf den eigenen Körper!!
Rose60

23.07.2020 | 21:44
Petra66

Hallo Herr Pawletko,
lieben Dank für Ihre Wünsche.
Ich denke, sie realisiert ihren Zustand überhaupt nicht, dass macht es auch sehr schwer in einigen Bereichen. Wir haben uns nun für die größere Wohnung entschieden und versuchen die Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Sollte die Demenz schneller fortschreiten müssen wir wohl noch einmal umdenken.

Viele Grüße Petra

23.07.2020 | 21:48
Petra66

Hallo liebe Rose,
vielen Dank auch für deine Antwort. Das mit dem Hospitz hatten wir auch schon überlegt.

Tatsächlich weiß niemand wie lange uns noch die Zeit bleibt. Laut Arzt kann es heute oder morgen oder auch in 5 Monaten soweit sein.

Wir hoffen mit dem Umzug eine Pflegekraft einstellen zu können und das ich mich dann etwas mehr zurückziehen kann.

Ich versuche so gut es geht auf mich zu achten und mir Auszeiten zu nehmen. Sonst wird es wohl gar nicht gehen.

Liebe Grüße und alles Gute

Petra



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