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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Demente Mutter randaliert
26.07.2020 | 11:31
BeeGee56

Guten Tag.
Meine beiden Eltern (Vater 90, Mutter 84) wohnen noch alleine in ihrem alten Umfeld. Ich versorge sie mit den Lebensmitteln und organisiere für meine demente Mutter die Arztbesuche und Medikamente.
Körperlich ist meine Mutter noch recht fit und kann leichte Gartenarbeit machen, oder staubsaugen und kochen.
Allerdings wird sie in letzter Zeit zunehmend rabiat gegen meinen Vater.

Sie will ihn zum Essen zwingen, von Nahrungsmitteln, die er nicht mag. Sie will ihm die Haare schneiden, wie in den letzten 50 Jahren auch. Was er aber aus Sicherheitsgründen ablehnt. Sie schimpft wegen seiner langen Haare über sein Aussehen...
Neben diesen verbalen Attacken wird sie auch handgreiflich und schlägt ihn mit Gegenständen. Zum Glück gab es bisher für mich keine offensichtlichen körperlichen Verletzungen.
Ich war letztens Zeuge eines dieser Angriffe als ich sie im Auto chauffierte. Sie saß hinten im Auto, hinter meinem Vater und schimpfte völlig ohne ersichtlichen Grund über "die blöden ollen Männer, die nichts mehr im Hirn haben". Dabei schlug sie meinen Vater mehrmals auf den Kopf. Er trägt aus Sicherheitsgründen bei jedem Wetter eine Schirmmütze aus Fell auch zu Hause.
Es wird leider mit diesen Attacken gegen meinen Vater immer schlimmer. Gestern hat er sich im Wohnzimmer eingeschlossen. Sie randalierte dann und drohte, die Türe einzuschlagen.
Aus dem Wege können Sie sich in Korona Zeiten auch nicht mehr gehen.

Ich bin ratlos, wie das mit ihnen weiter gehen soll.

Viele Grüße

27.07.2020 | 10:55
Rose60

Hallo beegee,
es tut mir leid, dass Sie solche Sorgen mit den Eltern haben. Ich finde, das klingt doch schon nach der sogen. Fremdgefährdung und Ihr Vater wird sich mit 90 Jahren nicht mehr wirklich wehren können, vllt ja auch keine Veränderung der Situation ohne weiteres wollen.
Eine Möglichkeit ist, sich beim sozialpsychiatrischen Dienst der zuständigen Stadtverwaltung zu informieren, auf jeden Fall aber auch beim Hausarzt, ob man medikamentös eine Beruhigung erwirken kann. Bei dementen Menschen mit solchen Auffälligkeiten oder Ängsten kann man oft durch minimale Dosen von Neuroleptika eine Besserung bewirken.
Ich finde , diese Situation ist für einen ebenfalls alten Partner nicht zumutbar, bei meinen Eltern spitzte es sich im umgekehrten Fall vor einigen Jahren zu, also mein Vater gegenüber meiner Mutter zunehmend handgreiflich.

Ich wünsche Ihnen, dass sie bald hilfreiche Unterstützung finden. In jedem Fall würde ich den Hausarzt mit ins Boot nehmen.

Liebe Grüße

27.07.2020 | 14:54
klauspawletko

Hallo BeeGee,
Sie werden wahrscheinlich wissen, wie das Verhältnis Ihrer Eltern vor der Demenz der Mutter gewesen ist. Möglich, dass jetzt Emotionen heraus kommen, die jahrelang verdrängt waren.
Das hilft Ihnen nicht wirklich weiter, deshalb ist der Vorschlag von Rose60 wahrscheinlich ein praktikabler Weg, die Situation zu entspannen.
Welche Rolle übernimmt denn Ihr Vater in der Versorgungssituation? Können Sie mit ihm über mögliche Verhaltensregeln sprechen? Ist er überhaupt in der Lage, eine "dominantere"/aktivere Haltung einzunehmen?
Es ist leider kein Einzelfall, dass sich sehr alte Ehepaare am Ende das Leben schwer machen.
Viel Erfolg wünscht Ihnen
Klaus-W. Pawletko

27.07.2020 | 17:33
BeeGee56

Danke für Ihre Tipps soweit.

Mit der Hausärztin werde ich das aggressive Verhalten meiner Mutter besprechen. Sie nimmt aktuell schon täglich eine Menge Tabletten ein. (5 Medikamente zu 4 Tageszeiten)
Diese Tabletteneinnahme wird vom Vater persönlich und meiner Schwester telefonisch erinnert. Mutter selbst ist dazu nicht mehr in der Lage (Probleme mit Tageszeiten, Wochentagen...).
Ihr früheres Verhalten im Rentenalter war leider mit immer stärkerer sozialer Isolierung begleitet. Immer weniger Kontakte wurden gepflegt, auch in der Verwandschaft. Dazu noch die Abkehr von den Nachbarn.
Jeder hatte vor Corona noch seinen Freiraum durch eigene Besorgungsfahrten mit dem Auto (wird von uns unterbunden, soweit es geht). Das ist die letzten Monate komplett weggefallen und sie gehen sich jetzt auf die Nerven.
Mein Vater bemüht sich, mit der Demenz seiner Frau schon sehr. Aber gelegentlich schreit er sie auch an.
Wenn ich dabei bin, versuche ich ihm klar zu machen, dass das nichts bringt und nicht bei ihr ankommt.
Soweit es geht, macht bei ihnen jeder sein Ding. Außer gemeinsames Essen.
Wir haben noch keinen Pflegedienst im Einsatz, da beide dazu nicht bereit sind. Und in ein Heim wollen sie nicht.

Viele Grüße

31.07.2020 | 10:56
martinhamborg

Hallo Beegee56, auf Ihre Mutter können Sie wahrscheinlich kaum Einfluss nehmen, hier bleibt nur die Hoffnung auf das richtige Medikament. Bei den Rückzugstendenzen sollte immer auch eine Depression neben der Demenz abgeklärt werden.
Ihr Vater braucht Hilfe, damit er alle Auslöser der aggressiven Attacken vermeiden lernt, vielleicht gelingt das mit Ihrer Hilfe. Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg



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