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Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie"

Bild: Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie" Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf. Hätte die Erkrankung verhindert werden können? Ist sie therapierbar? Und worauf sollte man bei der Behandlung achten? Im Ratgeberforum „Prävention, Diagnose und Therapie“ geben zwei Experten Antworten: Dr. Marc Lässer, Neuropsychologe und assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Gerontopsychiatrie der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, moderiert das Forum zusammen mit Dr. Elmar Kaiser. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitete er bis Anfang 2012 die Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Autor Unterstützung bei Diagnosefindung erbeten
26.07.2020 | 18:52
Miracula

Liebes Foristen, ich lese schon eine Weile mit hier und freue mich über und an den/m höflichen, regen und kompetenten Austausch.
Meine Mutter ist fast 80 und leidet seit mehreren Jahren an einer Epilepsie.
Zunächst bekam sie gegen die GrandMal Anfälle Medikamente, daraufhin gab es noch mehrere Fokale Anfälle (die aufgrund der Absencen dann auch zu Stürzen führten).

Schließlich wurde sie wegen einer Routine-OP (Orthopädisch) ins KH eingewiesen und dort lief eigentlich alles sehr gut, sogar die Reha im gleichen Ort klappte recht gut.

Wieder zuhause begann sie, zunehmend seltsam zu werden. Sie warf uns (Mir als Tochter und meiner Familie als einzige Angehörige in der Nähe) vor, sie auszuspionieren. Dafür würden wir zB ihren PC manipulieren. Unter einem Vorwand und unter massivem verkabeln Druck forderte sie die Schlüssel zu ihrer Whg.zurück und warf uns vor, es nur schlecht mit ihr zu meinen. Wir kümmern uns nicht ausreichend, helfen ihr nicht und halten sie für blöd.
Nichts davon ist auch nur ein wenig wahr. Wir haben wirklich ALLES für sie getan, sie umsorgt, alles organisiert, sowohl finanziell wie auch sonst permanent unterstützt und ihr auch eine Wohnung in der Nähe von uns (selbe Stadt wie sie) besorgt, die sie zunächst gerne beziehen wollte und schon alles geplant hatte (wohin welche Möbel, was sie dort alles unternimmt, etc.).
Doch plötzlich lehnte sie auch dies mit realitätsfernen Begründungen ab und zwar mehrmals und im Gespräch mit dem Vermieter auch. Alles sehr wortgewandt und in sich schlüssig, nur eben nicht der Realität entsprechend. Sie sagte zB, wir hätten ihr nie gesagt, was die WHg. Kosten soll- was nicht stimmt, sie hatte den Mietvertrag vorliegen und es war die gleiche Miete wie ihre aktuelle WHg. Nur eben alles barrierefrei, größer und wesentlich komfortabler.

Der Vermieter hat die Whg. dann anderweitig vergeben. Nun beschuldigt sie uns, uns nicht gekümmert zu haben. In Wahrheit hatten wir alles extra für sie vorbereitet und erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand betrieben, was sie auch wusste.

Sie lässt lieber teure Handwerker bei ihren Angelegenheiten Aufträge verrichten, als uns anzurufen, die wir soetwas einfach und schnell und kostenlos hätten machen könnten.

Bei allem, was wir für sie gemacht haben, werden wir inzwischen abgelehnt, verdächtigt und beschimpft. Früher hat sie sich darüber gefreut. Nun sind wir soweit, dass sie uns nicht mehr sehen will und mir eine üble Nachricht geschrieben hat, dass sie es bereut, meine Mutter zu sein. Überhaupt seien wir faul und unfähig.

Wohlgemerkt, es ist NICHTS objektiv auslösendes passiert, es ist „einfach“ immer schlimmer geworden mit den Unterstellungen und Beschimpfungen. Meine Familie und Freunde sehen, wie ich leide unter diesen Beschimpfungen und raten mir, den Kontakt abzubrechen. Ich grüble, was ich ändern kann und mir tut alles so leid. Mit ihrem Arzt habe ich gesprochen, der hat alles aufgeschrieben und versprochen, beim nächsten Besuch sich das anzuschauen. Danach sagte er dann, er dürfe mir nichts sagen.

Mir wäre nun am meisten geholfen, wenn ich von anderen Angehörigen lesen könnte, wie es bei ihnen so war, als eine Demenz sich anbahnte.
Denn ich habe inzwischen nahezu jedes verfügbare Buch über jegliche Form der Demenz gelesen, stelle aber bei meiner Mutter bisher kaum Vergesslichkeit oder mangelnde Orientierung fest. Sie kommt in ihrem Alltag überwiegend zurecht, braucht uns jedoch nicht, da sie angeblich alles mit Bekannten und Nachbarn erledigt. Dazu hat sie mir schon einige seltsame Geschichten erzählt, die vermutlich auch IHRER Wirklichkeit entsprechen.

Mich besorgen diese abrupten Anwandlungen und dieses kategorische Ablehnen uns gegenüber aufgrund völlig absurder Vorwürfe und Theorien. Sie lässt da nicht mit sich reden, hat immer Recht und wir sind dumm, wollen sie bevormunden etc.
Alles innerhalb von 1 bis 1,5 Jahren entstanden.

28.07.2020 | 07:58
RosaMaria

Hallo erstmal und mein tiefes Mitgefühl!
Leider kann ich keinen fachärztlichen Rat geben und kenne auch niemanden, der ähnliches durchmacht.

Aber Sie schreiben, dass alles nach einer OP angefangen hat.
Nun weiss ich, dass eine Vollnarkose solche verwirrten Zustände auslösen kann! Allerdings müssten die Ärzte das auch wissen und ein Neurologe sollte sich Ihre Mutter dringend anschauen.

Ich hoffe, mit meiner Antwort vielleicht etwas ankurbeln zu können und dass man mal in diese Richtung ( erhaltene Narkose ) denkt.

Viele liebe Grüsse und noch viel Kraft wünscht Ihnen RosaMaria

28.07.2020 | 10:50
Miracula

Danke, RosaMaria.
Der Krankenhausaufenthalt ist inzwischen 20 Monate her. Die ersten massiven Anzeichen habe ich ca. 3-4 Monate nach der Entlassung bemerkt. Zunächst habe ich da auch in Richtung postoperatives Delir gedacht- aber da war sie eigentlich sehr klar, nett und „normal“. Das Ganze fing erst Monate später an.

Dazu kam das immer geringer werdende Interesse an mir/uns und ihren Enkeln. Sie dreht sich nur noch um sich, um die Dinge, die sie als gegen sie gerichtet wahrnimmt (zB bin ich als Tochter schuld an ihrer geringen Rente, denn sie musste mich ja damals betreuen. Dass sie jahrzehntelang nichts eingezahlt hat als selbständige, sieht sie nicht).

Jede logische Argumentation unsererseits endet mit der Aussage, sie wüsste alles, wir nicht, sie sei schließlich nicht dumm. Also müssen wir uns erkundigen/informieren etc. Sie wüsste es schließlich.

Das ganze ist so absurd. Und sie tut mir so leid. Mein Vorschlag, als ihre diversen Anschuldigungen richtig bösartig wurden, doch mal gemeinsam zu einem Arzt zu gehen, wies sie empört zurück, schließlich seien WIR diejenigen, die ärztlich untersucht werden müssten, nicht sie.

Das „Problem“ ist, dass sie im Alltag noch relativ gut zurecht kommt und dabei ein sehr selbstbewusstes, gebildetes Auftreten hat. Somit vermutet niemand ausser uns Betroffenen, dass etwas nicht stimmt. Sogar ihr Arzt, bei dem sie wegen der Verschreibung der Medikamente war, hielt die „Differenzen“ zwischen ihr und uns für normal und vorübergehend nach ihrer Schilderung. Sie weiss genau, dass sie die tatsächlichen Verdächtigungen und Anschuldigungen niemandem erzählen braucht. Den Arzt hatte ich gebeten, aufgrund der Vorkommnisse genauer hinzusehen.

Mir bleibt im Moment nur, mich (auf den von ihr geäußerten Wunsch hin) zurückzuziehen, den Kontakt einzustellen (ebenfalls ihr Wunsch) und zu versuchen, die Aussage „sie bereue es, dass ich ihre Tochter bin“ stehenzulassen.

Sie hat in wenigen Tagen Geburtstag, den möchte sie aufgrund weiterer unwahrer Anschuldigungen, nicht mit uns verbringen.

Sehr sehr traurig alles, und ich kann es nicht zuordnen. Hätte ich eine Diagnose/einen Grund, könnte ich etwas weniger grübeln und versuchen zu akzeptieren, dass sie krank ist.

29.07.2020 | 10:06
hanne63

Liebe Miracula,
ich kann Ihre Verzweiflung sehr gut nachvollziehen.
Bei mir sind beide Eltern von Demenz betroffen und die Anfänge gehen auf 10 Jahre zurück.
Außenstehende "bemerkten" bis vor 2 Jahren nichts oder wollten nichts bemerken...
Insbesondere meine Mutter trat nach außen hin äußerst resolut und bestimmt auf.
Kurz: niemand glaubte mir!
Den Alltag bewältigen beide bis fast zuletzt noch halbwegs gut, da sich sich gegenseitig "ergänzten"......obwohl ich vieles gar nicht mehr mit ansehen konnte....

Ärzte "durften mir nichts sagen, obwohl ich eine Betreuungsvollmacht hatte etc....Meine Eltern hatten wohl eine Diagnose, sagten sie mir aber nicht......man kann auch niemanden zu einer Diagnose zwingen, wenn sie nicht möchten, dann möchten sie nicht.

Selbst wenn man solch eine Vollmacht hat, und man bei Gericht dann ein Betreuungsverfahren einleiten möchte......heißt es sehr lange Zeit: das ist noch lange nicht der Zeitpunkt dafür, da muß erst noch einiges passieren.....
Ich schaltete später natürlich den sozialpsychiatrischen Dienst ein; auch der ließ sich lange Zeit vom tatsächlichen Zustand täuschen....aber ich war nun noch mehr in die Schußlinie meiner Eltern geraten, da ich ja die Behörden eingeschalten habe etc....

Die Beziehung zu den Eltern verschlechterte sich ebenfalls und ich zog mich noch mehr zurück, bzw. machte gute Miene zum bösen Spiel, wenn ich dort war....
Allerdings hielt ich mich ständiger Bereitschaft, für den Fall der Fälle dann da zu sein und die erforderlichen Schritte einzuleiten....
Das war ein sehr langer, kräftezehrender Weg.....
auch mußte ich feststellen, dass unnötige Geldausgaben gemacht wurden und es immer hieß, die Eltern sind voll geschäftsfähig und können machen, was sie wollen usw......Demenzkranke drohen Gefahr zu laufen zu einem Selbstbedienungsladen zu werden...und man kann es meist nicht verhindern......
Ein Delir nach einem Krankenhausausfenthalt kam bei meinem Vater auch noch hinzu; aber das war nach ein paar Tagen vorbei.
Jetzt leben beide Eltern in einem Pflegeheim.....die Lage hat sich für mich entspannt.....was nicht heißt, dass es dann keine Sorgen gibt ;-).....

Ich weiß nicht, ob Ihnen meine Schilderung etwas weiter helfen kann.....die Lage der Angehörigen ist meistens ziemlich schwer...und man muß sich auf einen langen Weg einstellen und warm anziehen...in einer Angehörigengruppe, wo ich anfangs war, hatten alle anderen offenbar nur gaaaanz arg liebe Eltern, die auch durch die Krankheit nicht unlieb geworden sind...da fühlte ich mich sehr allein gelassen.

Ich kann nur den einzigen Rat geben: auf sich selbst zu achten.....

viele Grüße





[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 29.07.2020 um 10:09.]

29.07.2020 | 12:15
Lulu

Hallo Miracula,

auch ich bin Tochter einer an Demenz erkrankten Mutter mit langer Leidensgeschichte. Meine Mutter ist im letzten Jahr verstorben, doch erinnere ich mich noch gut an die Anfänge und an meine Gefühle der Machtlosigkeit.
Die Demenz wurde sichtbar nach dem Tod meines Vaters, doch konnte man die Symptome anfangs nicht von denen einer Depression unterscheiden. Dazu hatte meine Mutter eine sehr starke Fassade, die sie aufrechterhalten konnte. Die Hausärztin verschrieb Antidepressiva, die aber von ihr nicht eingenommen wurden. Ich wohnte zu weit weg, um mich wirklich kümmern zu können.
An ihrem Wohnort gab es aber andere Verwandte, die sich "kümmerten", nämlich in erster Linie um ihre Bankkonten. Da ich nicht weiß, über wieviel Vermögen meine Mutter verfügte, kann ich den Verlust nicht abschätzen. Meine Vorschläge, mal eine neurologische Untersuchung zu veranlassen wurden von meiner Mutter und den Verwandten abgelehnt. Heute weiß ich warum: denn solange es keine ärztliche Demenzdiagnose gab, konnte man sich an ihrem Vermögen schadlos halten.
Das Ganze flog nach einem Zusammenbruch meiner Mutter mit anschließender Krankenhauseinweisung auf. Dort gab es dann endlich die Demenzdiagnose, ein rechtlicher Betreuer wurde durch das Amtsgericht bestellt. Ich habe dann für meine Mutter einen Pflegeheimplatz an meinem Wohnort organisiert. Zum Glück konnte von ihrem Vermögen noch soviel gerettet werden, dass die Kosten des Heims gedeckt werden konnten. Andernfalls hätte ich einspringen müssen.
Meine Erfahrung: Oft sind Katastrophen notwendig, damit sich etwas ändert und Behörden oder Ärzte aufmerksam und tätig werden.

29.07.2020 | 12:21
hanne63

Hallo Lulu und Miracula,
jetzt wo ich den Beitrag von Lulu lese, wird mir im Nachhinein noch einiges klarer.....insbesondere wer alles einen Nutzen von dem Ganzen gehabt haben könnte........

ja, ich kann bestätigen, dass erst Katastrophen, im Fall meiner Familie, sogar mehrere (!!) passieren müssen, bevor Behörden einschreiten und/oder eine rechtliche Betreuung eingerichtet wird....zuvor wird auch manchmal vieles als "normale Familienstreitigkeit, weil es ""schon früher immer so war""...etc...abgetan....

viele Grüße

30.07.2020 | 15:20
Rose60

Hallo miracula,
da sind Sie wirklich in einer emotional sehr belastenden Situation und ich verstehe Ihren Konflikt damit sehr gut.
Ich bin nun auch nicht medizinisch gebildet und weiß nicht, ob nachlassendes Gedächtnis zwingend am Beginn einer Demenz steht... allerdings kenne ich von meiner Mutter auch solche Situationen, in denen sie einen Umzug zugesagt hatte und am nächsten Tag definitiv nichts mehr davon wusste, in Tränen aufgelöst war und bis dahin noch als "orientiert " galt. Im Nachhinein waren die ersten Auffälligkeiten auch eine Zeit nach einer Vollnarkose wegen OP. Überall erzählte sie, sie komme noch prima allein klar, hatte aber schon sehr viel Hilfe durch meine Schwester, Pflegedienst etc.
Mein Vater , mittlerweile verstorben, hat sich mit Demenz noch einen Neuwagen gekauft , der Vertrag musste mit Verlust gekündigt werden. Auch einige Elektrogeräte, die teils mehrfach vorhanden waren, kaufte er, fühlte sich auch von anderen verfolgt, ungerecht behandelt etc. Mich hat er als Tochter unter Morddrohung "verstoßen ", weil ich rechtliche Betreuung beantragt hatte nach seiner nächtlichen Attacke und Morddrohung an meine Mutter, an die er sich danach in der Psychiatrie angeblich auch nicht erinnern konnte.
Also da gibt es einfach die unterschiedlichsten Auswüchse und ich halte Ihre Vermutung einer Demenz für sehr realistisch. Ganz offensichtlich hat doch Ihre Mutter bzgl.Ihres beschriebenen Mietvertrages einiges vergessen oder auch anders in Erinnerung, es wird ihr Angst machen und sie verunsichern, daher sucht sie die Schuld im außen, bei Ihnen.

Nun können Sie offensichtlich momentan aber nichts gegen den Willen Ihrer Mutter veranlassen, schätze ich. Meine Mutter ist bis heute nicht wirklich diagnostiziert auf Demenz, es wird nun aber immer offensichtlicher, sie wird bald 90. Es muss nicht die ganz große Katastrophe geschehen, nur wird eine Veränderung oft z.B. durch einen Sturz oder sonstiges Ereignis mit Notdienst eingeleitet. Bei meiner Mutter gab ein gebrochener Arm den Ausschlag zu kurzzeitpflege im Altenheim, wo sie nun weiterhin wohnt, seit 1 Jahr erzählt sie anderen, dass sie in kurzzeitpflege sei, kann aber selbst nicht den gewünschten Wechsel nachhause vornehmen, macht im Heim auch einen sehr zufriedenen Eindruck.
Mich hat es phasenweise viel Tränen wegen schlechtem Gewissen gekostet, bis ich kapiert habe, dass Diskussionen zu nichts führen. Meine Mutter ist immer noch sicher, dass sie prima allein zurecht kommt. So arbeiten wir mit Vertröstung, was der nächste Monat bringt, Corona als Ausrede hilft auch gerade und damit kommen wir nun alle zurecht. Das Heim ist sehr schön, alles Einzelzimmer und meine Mutter ist weiterhin überzeugt, dass sie dort nicht hingehört, doch von uns konnte niemand mehr die notwendige Betreuung gewähren.

Loslassen - ich fürchte, mehr können Sie gerade nicht machen. Dann die weitere Entwicklung abwarten.
Ich wünsche Ihnen die notwendige Geduld, mit sich selbst, mit Ihrer Mutter, mit der zukünftigen Entwicklung, die Ihnen auch kein Arzt voraussagen kann.
"Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht zuende"... weiß gerade nicht den Autor.

Alles Liebe für Sie
Rose60

30.07.2020 | 17:58
Miracula

Danke, Ihr Lieben, für Eure aufbauenden und trotzdem ehrlichen Worte und Beschreibungen.
Es tut mir sehr gut zu lesen, wie es Euch mit Euren Angehörigen ergeht und ergangen ist. Das Schlimmste im Moment ist für mich die Unsicherheit: Ist es eine Krankheit? Oder evtl. eine Nebenwirkung der Medikamente (gegen Epilepsie)? Oder ist es ihre Absicht und sie verletzt mich bewusst, warum auch immer? Die Worte und Unterstellungen, die Verdächtigungen und Verleumdungen auch gegen meine Familie sind sehr belastend und machen mich sehr traurig.
Wie sehr hätte ich mich auf einige friedliche Jahre mit gemeinsamen Unternehmungen gefreut, sie in der Nähe im Service Wohnen (eigene Komfortwohnug) und wir mit ihren Enkeln in Laufweite.
Nun hat sie alles abgelehnt, uns abgelehnt, weiß alles besser und wir sind prinzipiell an allem Schuld, was ihr nicht behagt und was sie als Belastung empfindet. Sehr schade.

Je mehr ich die realitätsfernen Äußerungen und die Anschuldigen durchdenke, komme ich auch zu der Idee (wie Rose60 auch schreib), dass sie Veränderungen und Vergesslichkeiten bemerkt, die sie erschrecken und die sie daher „zurechtbiegt“. Darauf hingewiesen, wie es in Wirklichkeit ist, wird sie dann aufbrausend, ungerecht und aggressiv gegen die empfundene Ursache- mich.
Das erklärt allerdings noch nicht die Anschuldigungen gegenüber meinem Mann, den sie regelrecht auf dem Kieker hat, er würde sie ausspionieren und ihren PC und das Handy über seltsame Wege auslesen. Das ist ein regelrechter Wahn.
Ereignisse, die mehrere Jahre zurück liegen (ca. 5-10) erinnert sie jedoch meist richtig und mit überraschender Detailtreue.
Ich werde erstmal versuchen, das zu tun, was ich FÜR MICH rechtfertigen kann- zB ihr zu ihrem Geburtstag demnächst zu gratulieren, obwohl sie ja gesagt hat, sie will den Kontakt abbrechen und uns nicht mehr sehen.
:(
Liebe Grüße von
Miracula

30.07.2020 | 19:28
Rose60

Hallo Miracula ,
Gerade diese wahnhaften Wahrnehmungen und Anschuldigungen kann man theoretisch gut mit minimalen Dosen von Neuroleptika behandeln, die die Ängste und Unruhe nehmen sollen. Vielleicht wäre es eine Idee, einmal einiges für den Hausarzt genau zu protokollieren, auch damit einen gewissen Verlauf zu dokumentieren.

Schwierig wenn Ihre Mutter natürlich momentan dafür nicht offen ist. Meiner Mutter wurde es im Heim vom Arzt verordnet , was aber nicht heißt, dass sie immer alles so nimmt...
Und bei meiner Mutter ist das Verhalten nun wirklich deutlich weniger aggressiv geworden, vor allem seit ich nicht mehr auf Einsicht hoffe. Rational kommt man bei Demenz nicht wirklich weiter. Soll heißen, ich kann mir gut vorstellen, dass sich Ihr Verhältnis nochmal bessern wird.
Man muss es für sich selbst erstmal klarkriegen, dass der Mensch, wie man ihn/sie kannte sich verändert, im Gehirn vermutlich einiges umstrukturiert wird und durch die nun fehlenden Verknüpfungen nicht mehr entsprechend notwendige Gedankengänge für den alten Menschen möglich sind.
Aber ich will natürlich keine Ferndiagnose stellen, halte es aber wie gesagt für gut möglich.
Und ob Antiepileptika derartige Veränderungen machen können, weiß ich nicht...
Liebe Grüße



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