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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Endlich im Wunschheim - und keine Spur von Erleichterung
29.07.2020 | 21:23
sarahf

Guten Abend, ich habe letztes Jahr viel geschrieben, vielleicht erinnert sich noch wer:) Das Forum war mir eine riesige Hilfe in einer Zeit als ich nicht mehr wusste wo oben und unten ist. Ich wohne im Ausland, keine Geschwister, Mutter wahnhaft dement. Nun ist folgendes passiert: Die Corona-Zeit konnte ich fuer die Pflege nutzen, da ich in Deutschland festsass. Zum Glueck! Es war eine Zeit mit vielen auf und abs, innigen Gespraechen, Verzweiflung meinerseits weil "jemand die Katze rasiert hat", "in ihrem Schreibtisch war", "etwas nicht stimmt", "was soll ich jetzt machen", Panik wegen jeder Kleinigkeit. Eben kompletter Verlust der Alltagskompetenz. Parallel dazu homeoffice. Irgendwann kam der erloesende Anruf: ein Einzelzimmer ist frei geworden. Gestern dann der Umzug und mir ging es gut. Heute das komplette Gegenteil. Ich sitze in meinem Elternhaus und vermisse meine Mutter so sehr dass ich sie sofort wieder herausholen wuerde. Am letzten Abend war sie ganz klar und ich fragte sie was fuer sie die schoenste Zeit war. Da erzaehlte sie von meinem Vater, von ihrem Beruf (der eine Berufung war), von ihrer Schwester, mit der sie wohnte, von ihrer Mutter und sagte dann: " Du bist mir das Allerliebste auf der Welt." Rausholen ist natuerlich totaler Quatsch , denn ich waere irgendwann durchgedreht. Auch ging es im Heim schon wieder los dass jemand ihre Tasche vertauscht habe, etwas nicht stimmt etc. Ich war heute nochmals im Heim und bin in die Teekueche gegangen ... und sah dass alle viel aelter sind als meine Mutter und gar nicht sprachen bei der Teerunde. Deprimierend. Das war mir vorher in meiner Verzweiflung gar nicht so aufgefallen. Wie ist es anderen gegangen in dieser Uebergangszeit? Wann hoert es auf so weh zu tun? Wann ist das Heim das neue Normale? Wie ueberlebt man die Aufloesung des Elternhauses? Wie immer freue ich mich von Betroffenen zu lesen.

29.07.2020 | 22:00
hanne63

Hallo Sarahf,
es kann ein paar Wochen dauern, bis sich jemand im Heim eingelebt hat.
Mein Vater sagte kürzlich, es sei jetzt sein neues Zuhause...da war sogar ich selbst überrascht, dass er es nach ein paar Monaten nun so sieht.

Die Auflösung des Elternhauses hat mich emotional mehr mitgenommen, als ich zuerst dachte. Wichtig ist dabei gewesen, dass ich mir die erforderliche Zeit gelassen habe, also mehrere Wochen.......und eine ganz große Hilfe war mir dabei ein Buch,das jemand hier im Forum empfohlen hat.

Titel: Bis zum Schluß
von Oliver Uschmann und Silvia Witt.
Da ist ein großes Kapitel genau diesem Thema gewidmet und ich habe es 2 x gelesen, bevor ich zur Tat schritt. Ich habe mich wirklich an die vorgeschlagene Reihenfolge gehalten, sonst wäre ich gar nicht voran gekommen oder hätte mich verzettelt.

Ich habe als Erinnerung für mich auch einige Fotos von dem Haushalt gemacht...obwohl ich nicht sehr glücklich darin war, war es trotzdem irgendwie schwer, loszulassen, aber man kann es überleben... ;)

Besuche im Heim belasten mich sehr, und zwar auch wegen der anderen Bewohner...und der allgemeinen Umstände in einem Pflegeheim....es wirkt auch auf mich jedesmal sehr deprimierend...aber mit der Zeit nimmt es mich weniger mit, bzw. man gewöhnt sich an alles.....

liebe Grüße

30.07.2020 | 21:28
Rosina

Liebe Sarah,ich habe deinen Artikel gelesen,kann dir leider keinen Rat geben aber vielleicht tröstet es dich,dass es mir ebenso geht.Meine Mutter kam nach einem Krankenhausaufenthalt und Kurzzeitpflege in ein Seniorenheim,ich war so froh,dass ich zu Hause ihre Demenz und schwere Osteoporose nicht mehr ertragen musste alle Verantwortung und der Wahn jeden Tag,haben mein eigenes Leben fast zerstört,jetzt sind in dem Heim viele noch dementer,werden gefüttert,sprechen kein Wort,laufen nicht,sitzen nur da und starren vor sich hin. Sie hat keine Ansprechpartner,ich habe auch überlegt,sie wieder aus dem Heim zu holen,überlege heute noch,komme aber zu keinem Ergebnis.Wenn ich sie hole,muss ich mich Tag und Nacht um sie kümmern,mir ihre dementen Vorwürfe den ganzen Tag anhören,das Essen richten,sie waschen,pflegen das Haus erhalten mit Garten ,alle Angelegenheiten erledigen,die Inkontinent nicht zu vergessen ,Betten abziehen,halt alles,was ich schon so lange gemacht habe,würde von vorne anfangen,das will ich mir nicht mehr antun,weil mein eigenes Leben den Bach runtergeht.Aber das andere,auszuhalten,ist eine Kunst.Jeden Tag denke ich darüber nach,weil meine Mutter nur jammert,sie hält das dort nicht aus.Ich weiß auch nicht,was ich machen könnte,es gibt nur die Lösung,ein anderes Heim,aber ob das dort besser ist?U ND Man bekommt ja keinen Heimplatz.Es ist keine gute Situation,ich habe auch keine Lösung. Aber vielleicht tröstet es dich,dass es mir genau so geht.Gruß Rosina

31.07.2020 | 09:27
Andydreas

Hallo,

auch ich musste ja bekanntlich nach jahrelangem Kampf aufgeben und meine Mutter in ein Heim geben. Es gab für mich keine andere Lösung mehr.
Ich hatte auch in der ersten Zeit ein schlechtes Gewissen deswegen, da ich mir auch vorgenommen bis zum Ende durchzuhalten, so dass sie zu Hause friedlich sterben könne, aber das sie die Nahrungsaufnahme völlig eingestellt hatte und auch kaum noch trank wurde mir die Verantwortung zu groß.
Der Weg ging über das Krankenhaus in ein Heim in der Nähe.
Plötzlich war alles ganz einfach. Es wurde in kürzester Zeit eine entsprechende Einrichtung gefunden.
Meine Mutter kann das Bett kaum noch verlassen. Sie hat auch keinerlei Kontakt zu anderen Bewohnern. Sie spricht fast nicht mehr, verweigert weiterhin jede Nahrungsaufnahme und trinkt auch zu wenig.
Ich besuche sie jeden Sonntag Nachmittag für eine gute Stunde. Sie nimmt mich kaum noch wahr und zeigt mir die kalte Schulter. Beim letzten Besuch hat sie sich offensichtlich schlafend gestellt um nicht mit mir reden zu müssen.
Finde ich auch sehr bedrückend. Aber wichtig ist mir, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, weil ich mir sagen kann, dass ich sehr viel für sie getan habe. Durch die Aufnahme im Heim ist mir eine gewisse Abnabelung gelungen, die eigentlich schon vor etlichen Jahren hätte stattfinden müssen.
Nichtsdestotrotz werde ich sie auch weiterhin im Rahmen meiner Möglichkeiten unterstützen. Ich weiß sie versorgt. Auch medizinisch wird sie beobachtet, da die Einrichtung mit einer Arztpraxis zusammen arbeitet, die sich in diesem Bereich auskennt. Was mich bedrückt ist also nicht das schlechte Gewissen, sondern das unendliche Mitgefühl mit meiner Mutter, die so ein schweres Leben ertragen musste und jetzt alleine ihren letzten Kampf mit sich selber ausfechten muss. Sie wird nicht künstlich ernährt werden, da das in einer Patientenverfügung so festgehalten wurde. Also Lulu auch ich vermisse meine Mutter sehr, kann aber wirklich nichts mehr für sie tun. Nur noch im Rahmen meiner Möglichkeiten unterstützen. 'Wichtig ist die eigene Gewissheit alles getan zu haben was ging.

31.07.2020 | 10:06
martinhamborg

Hallo sarahf, natürlich wünsche ich Ihnen, dass Ihre Mutter neue Kontakte im Heim findet und sich gut einlebt und Sie wieder mit einem guten Gefühl in Ihre zweite Heimat gehen können.
Aber - in Anlehnung an Rosina würde ich sagen - auch Trauern ist eine Kunst, da gehören Zweifel und Gefühlschaos dazu. Das tröstet nicht, aber es ist leider "normal".

Vielleicht können Sie häufiger an diesen wunderbaren letzten Abend denken und in diesem Sinne Ihre Besuche gestalten?

Fragen Sie bitte im Heim nach dem Eingewöhnungskonzept für Ihre Mutter und stimmen Sie Ihren möglichen Beitrag ab! Ansonsten finden Sie in diesem Forum ganz viele Erfahrungen für diesen schweren Weg. Alles Gute, Ihr Martin Hamborg

31.07.2020 | 12:49
Lulu

Liebe alle,

ja, die erste Zeit, wenn der Angehörige im Heim ist, ist schwer. Ich fand die Situation am Anfang auch sehr gewöhnungsbedürftig. Man wünscht sich, das die Angehörigen im Heim irgendwie glücklich oder zumindest zufrieden sind. Die Realität ist leider eine andere. Meine Mutter hatte es mit ihrem Heim gut getroffen, nette Pfleger, großes Einzelzimmer, gutes Betreuungskonzept,... Ich hatte wirklich wenig zu bemängeln und wenn, dann wurde freundlich darauf eingegangen.
Am Anfang habe ich sie sehr oft, meistens täglich, besucht. Sie fragte immer nur, ach, wo bin ich hier nur gelandet. Und die anderen Bewohner empfand ich auch als viel stärker betroffen, als es meine Mutter war. Am Anfang! In den letzten Jahren im Endstadium der Demenz war dann meine Mutter völlig apathisch, sprach nicht mehr, reagierte nicht mehr, erkannte mich nicht mehr. Diese Krankheit ist so schrecklich!
Deshalb bitte kein schlechtes Gewissen haben! Gelassen bleiben, sich selbst stärken. Wir können unseren Angehörigen nur beistehen, ihnen die Last nicht abnehmen. Wenn wir trösten, haben sie es nach einigen Minuten wieder vergessen, wenn wir mit ihnen lachen, ebenso.
Die Wohnungsauflösung bei meiner Mutter, liebe sarahf, war unproblematisch. Das haben die an ihrem Wonort lebenden Verwandten (die sich dann auch gleich das Haus unter den Nagel gerissen hatten) übernommen. Ich habe noch einige für sie wertvolle Erinnerungsstücke retten können. Bei Schwiemu hat mein Mann, der mit seinem Elernhaus noch sehr verwachsen war, ein ganzes Jahr gebraucht. Mittlerweile ist das Haus verkauft, um ihr Pflegeheim zu finanzieren. Wann hört es auf, fragen Sie? Bei mir jetzt ganz langsam, nachdem meine Mutter über ein Jahr schon tot ist. Auch andere können davon berichten (Hanne, Andydreas).
Ich verabschiede mich in den Sommerurlaub und wünsche allen viel Kraft und Durchhaltevermögen.

02.08.2020 | 11:47
sarahf

Guten Morgen,

Ich moechte Euch danken, dass ihr Euch die Zeit genommen habt, mit mir Eure Erfahrung zu teilen.

Bei mir geht es auf und ab. Das Zimmer haben wir gut eingerichtet, es sieht sehr gemuetlich aus mit alten Moebeln und Wandteppichen. Schockierend waren fuer mich die Diskussionen mit der Waescherei, von wegen: Wollpullover? Gehen nicht! (Obwohl das im Vertrag steht dass sie mit Mehrkosten gereinigt werden.) Eigene Bettwaesche? Braucht sie nicht! Bettueberwurf? Wieso? Da muss ich auf alle Faelle ein Auge drauf haben. Leider gibt es auch ganz wenig Obst zu essen, viel zu viel Suesses. Kann man so etwas ansprechen? Meine Mutter hat ihr Leben lang mit Silberbesteck gegessen, sich schoen gekleidet (wegen Arthrose mit Wolle) und sich gesund ernaehrt. Dass das nicht so weiter geht ist mir klar, aber irgendeinen Kompromiss muss man ja finden? Was meint ihr? Wieso soll ich ihre Wollpullover wegnehmen?

Der Heimleiter meinte, dass es schwierig werden wird weil andere Bewohner geistig und koerperlich angegriffen sind, meine Mutter im Moment nur geistig und auch einen hoeheren Bildungshintergrund und sozialen Hintergrund hat als die anderen Heimbewohner. Sie sagte mir gestern selbst, dass sie Angst habe niemanden zum Reden zu finden. Sie meint, sie fuehle sich wie in einem Ferienheim und hat noch nicht realisiert dass sie da bleiben wird. Im Moment ist sie noch in der Quarantaene.

Natuerlich nagt das schlechte Gewissen. Nachbarn (sehr hilfsbereit) sagen, und das nicht mal vorwurfsvoll: "Sie waren ihr ein und alles." "Es war so schwer fuer sie dass sie so jung so weit weg gegangen sind." "Ihre Mutter war viel zu viel alleine." Seitdem habe ich ein Maennchen auf meiner Schulter sitzen, das sagt: "Du haettest sie ja noch vor Jahren zu Euch nehmen koennen, so wie sie das mit ihrer eigenen Mutter gemacht hat. Dann waere es nicht so gekommen." "Warum bist du so weit weggegangen, und nun gefaellt es dir hier und heulst weil du nun endgueltig gehen musst." Das Maennchen werde ich im Moment nicht los. Man weiss es halt nicht. Im Demenztest schneidet sie regelmaessig sehr gut ab, 29/30 Punkten, konnte aber schon vor 2 Jahren nicht den Uhrtest (wusste nicht wo die Zeiger sind bzw. was von ihr gefordert ist). Natuerlich habe ich in den letzten Monaten gemerkt - Demenztest hin oder her - dass sie komplett verwirrt ist. Keine Waesche konnte ich ohne endlose Diskussionen waschen. Jede Rechnung war ein Drama. Jedes Werbeprospekt war ein Problem. Komische Dinge passierten in der Wohnung. Geister standen nachts im Raum. Das Telefon wurde abgehoert. Leute ausgetauscht. etc etc etc

Das Buch zur Wohnungsaufloesung habe ich mir gleich bestellt! Leider ist es noch nicht da. Ich werde Dinge einlagern, Dinge mitnehmen, und Dinge, die mich nicht gut fuehlen lassen, entsorgen. Ich habe eine kleine Kiste gemacht, wo ich zB. ihre Naturaufzeichnungen aufbewahre und Gedichte, die sie ausgeschnitten hat.

Ich bin ueberrascht, wie Verwandte von ihrer ploetzlichen Amnesie erloest sind und nun ploetzlich Dinge haben wollen. Ich habe gleich 2 Erinnerungsstuecke zu einem Freund von mir geschafft, der mir die letzten Jahre stets seine Couch, sein Essen und sein Ohr zur Verfuegung gestellt hat und sich ruehrend um mich gekuemmert hat, waehrend ich von meiner Verwandtschaft sehr allein gelassen wurde ("sie war wie eine Mutter fuer uns", "es ist so traurig", "was du Arme alles erledigen musst", "selbst Schuld, Du wolltest ja so weit weg", "und das obwohl sie sich immer um andere gekuemmert hat, wie unfair", "also wenn ich du waere wuerde ich ihr einen anderen Arzt/ein anderes Bett/einen anderen Pflegedienst etc etc etc besorgen").

In diesem Sinne: vielen Dank fuer den Austausch und viel Kraft an alle!!!



[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 02.08.2020 um 11:54.]

02.08.2020 | 13:38
hanne63

Liebe Sarah,
das Männchen auf Deiner Schulter heißt: schlechtes Gewissen......und schlechte Gewissen sind höchst überflüssig bei uns und gehören weg!!!
Den anderen (Nachbarn, Verwandten etc) kann man es nicht recht machen. Egal, wie und was man macht...es ist auf jeden Fall falsch...also nichts darauf geben und Ohren auf Durchzug.....manchmal ist es sogar der pure Neid, der dahinter steht.

Einlagern würde ich nach Möglichkeit nichts...weil das nur wiederum Kosten verursacht und man immer noch "Ballast" hat, weil man nicht endgültig los gelassen hat.

In den Pflegheimen kann in der Regel aus Zeitmangel nicht auf besondere Wünsche (Kleidung, Bettüberwürfe etc) eingegangen werden......das kenne ich auch...Sogar das "raus an die Luft bringen".....ist deshalb oftmals schwierig.....

Dass ein hohes Bildungsniveau schwierig werden kann im Alter...fürchte ich angesichts der Erfahrungen, die ich bisher sammeln "durfte" vor allen Dingen für mich selbst.....im Falle einer Demenz dürfte der Punkt aber mit Fortschreiten immer mehr in den Hintergrund treten......

Hast Du bereits einen Plan, was getan werden muß, wenn Deine Mutter wieder nach Hause möchte, nachdem sie realisert hat, dass sie für immer im Heim bleiben muß? Gegen den eigenen Willen untergebracht zu werden, dafür braucht es strenge Voraussetzungen und bis ein Betreuungsgericht die zwangsweise Unterbringung anordnen kann....da muß schon ein hoher Grad von Demenz (Selbst-/Fremdgefährdung) vorliegen.......wenn Deine Mutter noch verhältnismäßig klar ist, würde ich also die Wohnung evtl derzeit noch nicht auflösen.....bzw. Plan, wo sie dann alternativ wohnen könnte......das wollte ich auf jeden Fall als vorsorglichen Hinweis für Dich geben.

Liebe Grüße


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 02.08.2020 um 13:56.]

02.08.2020 | 17:10
sonnenblümchen

Liebe Sarah,
ich sehe es wie Hanne. Eltern wollen,wenn ihre Kinder jung sind, dass diese autonom werden. Stolz sind Eltern,wenn man für sein eigenes Leben Verantworung übernimmt. Wenn die eigenen Kinder ausziehen ist man auch stolz und trotzdem sitzt am auf dem ehemaligen Kinderbett und es kommen einem die Tränen. Ich denke,seine Eltern in ein Heim zu geben ist auch so ein Schritt des ,, Weitergehens". Es ist eine weitere Station des Abschiednehmens...und gleichzeitig wird einem bewußt, dass es wahrscheinlich das letzte ,, Zuhause" der Eltern sein wird.
Was will ich Dir sagen? Es ist normal, dass ein ,,Männchen" auf Deiner Schulter sitzt! Setze doch ein ,, Engelchen" auf die andere Schulter!!! Das kann dann sagen: ,,Ich habe die richtige Entscheidung getroffen! Ich kümmere mich um meine Mama ! Ich übernehme Verantwortung ! Ich verhalte mich erwachsen! Ich bin eine tolle Frau !" Das Engelchen wird immer dicker und der kleine Mann schrumpft und kann von deiner Schulter fallen.
LG

02.08.2020 | 19:23
Rose60

Die Idee mit dem Engelchen auf der anderen Schulter als Ausgleich finde ich total schön und hilfreich!!
Bei mir ist es mit dem schlechten Gewissen nach über einem halben Jahr weniger geworden, was natürlich bei jedem anders sein wird. Doch ich will sagen, es ist ein Prozess, in dem ich mir immer wieder sage, ich habe aus Verantwortung gehandelt, es darf auch mir wieder besser gehen u.v.m. Dazu haben mir außer diesem Forum (!!) auch mehrere Gespräche mit den Pflegern, der Heimleitung etc.geholfen, die mir dies mehrmals angeboten haben. Vllt ist dies nicht überall so, aber sowas gibts auf jeden Fall.

Die ersten Monate hat meine Mutter auch immer wieder darauf hingewiesen, dass sie kaum einen zum reden habe, sich unter lauter "Verrückten" befinde, bis ich mitbekam, dass sehr wohl einige noch orientierte Bewohner in ihrer Gruppe sind, die aufgrund körperlicher Behinderungen dort wohnen. Mittlerweile hat meine Mutter also Gesprächspartner, beim Essen, beim Sitzen im Garten, also mehr als vorher zuhause. Die Demenz schreitet bei ihr relativ langsam fort, letztes Jahr war sie mehrmals zuhause heftig gestürzt und mehrmals in der Notaufnahme gelandet, seitdem sie im Heim einen regelmäßigeren Alltag hat, nicht mehr. Lange hat sie sich gesträubt die Angebote im Heim anzunehmen, heute hat sie erstmals nach 10 Monaten gesagt "Ach...ich bin ja jetzt hierher gewöhnt"...

Es war oft schwer hartzubleiben und es war sicher für uns ein Vorteil, dass sie sich nicht selbst auf den Weg nachhause machen konnte, weil es zu weit weg ist, dafür in meinem Nachbarort, weil eben im akutfall nur hier ein Platz frei war. Doch mich kann ja niemand zwingen, sie wegzubringen. Und nun hat meine Mutter eine deutlich jüngere Freundin gefunden, die körperlich schwer pflegebedürftig ist sowie einen netten Tischnachbarn, der sie sehr mag und sie beide gelegentlich lachen, weil sie mal wieder den Wochentag nicht wissen...
Also, wie gesagt, es war oft sehr schwer und hat mich viele Tränen gekostet, aber nun scheint es gut zu sein. Die ersten Wochen konnte ich an fast nichts anderes denken und habe mit gelitten.

Bin gespannt, wie es weitergeht und danke euch allen für den wertvollen Austausch hier.

Rose60



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