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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wie geht es Euch denn so - Thread II
01.08.2020 | 12:56
Teuteburger

Hallo in die Runde,

nachdem ich viermal versucht habe, mich anzumelden und ich viermal versucht habe in Sonnenblümchens "Wie geht es Euch denn so"-Thread zu schreiben und ich jedesmal rausgeflogen bin, habe ich mir gedacht, ich eröffne ihn hier neu. Zudem sehe ich auch nur die Seite 11, egal ob dahinter noch die Seite 12 oder 13 folgt.

Bin ich die Einzige, der es so geht?

Zurück zum Thema: *smile*

Bei uns geht es mit der Depression/Demenz weiter. Essen und Trinken wird immer schwieriger. Sie isst und trinkt zwar, aber immer weniger. Sie hat Schluckbeschwerden, Rückenbeschwerden, kann immer schlechter laufen. Die Ärztin kommt zum Hausbesuch und tut was sie kann. Aber es wird auch nicht viel angenommen.
Wir schaffen es manchmal sie zu beschäftigen, aber die Lustlosigkeit am Leben wird stärker. Ich verstehe sie auch. Wenn sie kaum mehr vor die Tür kann, dann ist ihr Leben gefühlt zu Ende. Ich habe das schon öfters erwähnt. (Hamsterrad) Ich glaube, dass jeder Mensch seine eigene Lebensgrenze hat. Was für den einen noch lebenswert erscheint, ist es für den anderen noch lange nicht.

Die Vorstellungen, die meine Schwiegermutter vom Leben gehabt hat, haben in einigen wesentlichen Lebensbereichen noch nie mit der Wirklichkeit übereingestimmt. Und jetzt kommt sie hinten und vorne nicht mehr klar und ihre Gefühle und ihr Verstand kollabieren. Und das macht natürlich depressiv. Ihr Lebenssinn ist weg. Sie fühlt sich bestraft, missachtet, im Stich gelassen. Und ich glaube, dass es vielen Demenzkranken so geht.

Was Sie Herr Hamborg über die Depression schreiben, stimmt. Sie braucht hier klare Ansagen. Aber das hilft auch nicht immer. Und die Demenz ist nach solch geistigen Unfällen meist stärker als vorher. Zufall? Wohl eher nicht.

Mir geht es mit all dem oftmals bescheiden, da auch alles andere nicht einfach ist bei mir. Es ist ein Warten auf den Supergau und auf das, was dann kommt. Und ehrlich gesagt: Ich will das nicht haben, kann es aber mit meinem Wissen darüber einordnen und schauen, wie ich dann einigermaßen überleben kann.

Und wie dreht sich euer Hamsterrad?

Liebe Grüße an alle, die hier mitlesen






[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 01.08.2020 um 23:39.]

01.08.2020 | 13:27
hanne63

Grüß Dich Teuteburger,
das war ein gute Idee von Dir einen neuen Thread aufzumachen; der erste ist vielleicht für das System inzwischen zu lang geworden; ich sehe auch nur Seite 11....und erst wenn ich weiterklicke kommt Seite 12 etc.

Ich habe auch öfters mal Probleme, mich anzumelden und weiß nicht, woran es liegt......dann geht es wieder. (Das ist übrigens auch bei einem anderen Forum (Deutsche-Alzheimer.de) der Fall...dort habe ich es inzwischen aufgegeben...mal funktionierts mal nicht...ich zweifelte schon an meinem Verstand...das brauch ich nicht noch zusätzlich ;-)

Mein Hamsterrad dreht sich derzeit etwas langsamer....aber ich kann mir ja ausmalen, was mir und meinen Eltern noch bevorsteht....ich erhole mich derzeit und sammele Kräfte für die Zukunft.

liebe Grüße

01.08.2020 | 22:56
Elisabetha

Hallo in unsere Runde,

mein Stiefvater ist nun nach seinem erfolgreichem Fluchtversuch aus dem Pflegeheim bereits "4 Wochen!!!" wieder zu Hause.

Es fällt mir sehr schwer, dies alles mit Haltung zu tragen. Heute Nachmittag dachte ich nicht mehr atmen zu können, so wütend und verzweifelt macht mich diese Situation. Einzig der Gedanke an Euch, die Ihr ebenfalls jeden Tag erneut versucht den Alltag mit all seinen neuen Herausforderungen zu meistern und zu überstehen, ließ mich wieder etwas zur Ruhe kommen. Meine destruktiven Gefühle ständig unterdrücken zu müssen, kostet mich am meisten Kraft. Immer wieder nehme ich mir vor, geduldiger und verständnisvoller zu sein, aber es will mir nicht mehr gelingen. Dieser Mann hat es in nur einem Monat geschafft, den kompletten Tagesrythmus auf den Kopf zu stellen. Hätte ich nicht die Aussicht, dass am Montag der Betreuer aus dem Urlaub kommt, wäre ich schon explodiert.

Nun bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich mich um mein Leben betrogen fühle. Da bin ich ganz bei Teuteburger: "Ich warte auf den Supergau und warte, was danach kommt" und bei Sonnenblümchen: "Aber die Storries kennt Ihr ja schon.
Warten auf den Tod, der nicht kommt."

Meine bisher gut bewährte Strategie, aufzuräumen, etwas Sinnvolles für mich zu tun etc. greift nicht mehr. Ich fühle mich wie gelähmt, starre in meinen Pausen Löcher in die Luft oder falle in einen kurzen komaähnlichen Schlaf. Werde ich dann wieder wach, springt mich dieses allesverzehrende "Kümmermonster" sofort an. "Schau auf die Uhr, sie müssen ihre Tabletten nehmen und vorher etwas essen. Du musst im Ryhtmus bleiben, der Hund muss raus, Du musst, Du musst ..."

Es gibt einen sehr alten Film, "Der Tiger von Eschnapur". In einer Szene findet ein deutscher Architekt in einem indischen Palast unerwartet ein dunkles Verlies, in dem Lebrakranke eingekerkert wurden. Dieses Geräusch, als die Kerkerinsassen sich ungläubig, noch an das Licht der Fackeln gewöhnend, langsam erheben und nur ein Raunen von sich geben, lässt mich jedes Mal erschauern. Plötzlich wird ihnen klar, dass ihnen soeben die Chance einer Rettung zuteil wird und somit steigert sich dieses Raunen in eine unruhige und verzweifelte Aufbruchsstimmung. Gruselig!

Natürlich gibt es einen Grund, weshalb ich Euch von dieser Filmszene berichte. Sobald ich die Wohnung meiner Lieben betrete und sie mich erblicken, werde ich sofort "verhaftet". "Eben habe ich etwas gehört, eben kommt sie. Elisabethaaaa, bist Du es?" Meine Mutter, mein Stiefvater und unser Hund scheinen nur auf mich gewartet zu haben. Als könnte es nur noch mir gelingen, die Welt in die Wohnung zu bringen. Irgendwie erinnert die Atmosphäre auch an eine Gruft, leblos und trostlos. Die Klinke zur Wohnungstür noch in der Hand, möchte ich am liebsten auf dem Absatz kehrt machen und augenblicklich flüchten. Das ist dann wieder mein "Tiger von Eschnapur-Deja-vu".

Ich bin ein extrem freiheitsliebender Mensch, der mit der ausgeprägten Anhänglichkeit und auch körperlichen Nähe eines Demenzkranken nur sehr schwer umgehen kann. Daher kann ich meine Besuche nur noch auf immer kürzere Phasen beschränken, um gleich darauf wieder ins normale Leben zurückkehren zu können. Wie ein Taucher, dem nur ein bestimmter Vorrat an Sauerstoff zur Verfügung steht und dann wieder auftauchen muss. Genauso fühle ich mich, wenn ich meine "Schicht" einmal wieder bewältigt habe und japsend nach Luft auf dem Flur stehe.

Wird es für mich je wieder ein lebenswertes Leben geben? Werde ich dann noch in guter körperlicher und geistiger Verfassung sein? Gebe Gott, dass ich es rechtzeitige merke, wenn dem nicht so sein sollte, damit ich meinem Sohn dieses Pflegeelend ersparen kann.

Ach, Ihr Lieben, es ist so tröstlich zu wissen, nicht alleine zu sein.

Euch allen viel Kraft und glückliche Veränderungen.

Herzlich

Eure Elisabetha

02.08.2020 | 20:06
Elisabetha

Hallo Sonnenblümchen,

ich freue mich so über Deine Antwort, wirklich, eigentlich habe ich gar nicht damit gerechnet, eine Reaktion zu erhalten. Meine gestrigen Zeilen waren nicht sonderlich erbaulich, sondern spiegeln mein Seelenleben nach einem ganz "normalen" (Wahnsinns-) Tag.

Als ich heute Morgen meinen eigenen Beitrag nochmals las, bin ich erschrocken. Mein Gott, jeder Satz ist die aufrichtige Wahrheit. Aber will ich den Rest meines Lebens so weitermachen und total verkümmern? Das ist dann die für mich typische Reaktion auf eine Talfahrt. So nicht und jetzt erst recht! Aber wo anfangen und wie? Alles was den formellen Teil der Rückkehr meines Stiefvaters in ein Pflegeheim betrifft, ist Sache des Betreuers. Die Selbstfürsorge ist meine Aufgabe.

Also muss ich dringend etwas für mein Seelenleben unternehmen und auch meine grauen Zellen herausfordern, bevor ich im grauen Sumpf der ansteckenden Lethargie und Gleichgültigkeit versinke. Da ich dazu neige, in diesen euphorischen Momenten gleich die Alpen versetzen zu wollen, greife ich gerne auf meine neue Bucherwerbung zum Thema Kaizen zurück. Großes in kleinen Schritten erreichen. Gut, damit kann ich leben. Also Step by Step!

So habe ich ganz spontan im Internet das Wort "Selbstmotivation" eingeben und prompt blitzte vor meinen Augen ein You-Tube-Video von Christian Bischoff, einem Persönlichkeits- und Mentaltrainer auf. Schaden kann es nicht, sagte ich mir und klickte erwartungsfroh das Kurz-Video zum Thema "Respekt" an und dann das nächste u.s.w. Eine schier unerschöpfliche Kraftquelle tat sich da vor mir auf. Ich liebe es, wenn meine Entschlossenheit mit solch einer Fundgrube belohnt wird.

Ich habe einige Jahre im Außendienst gearbeitet und wurde mit zahlreichen Seminaren u. A. auch zur Persönlichkeitsbildung erschlagen. Daher bin ich ziemlich skeptisch geworden, wenn es um Mentaltrainer oder Coaches geht. ("In zwei Jahren kann auch Dein Porsche vor Deiner Eigentumswohnung stehen! Alles eine Frage der richtigen Motivation!" Aha. ) Doch von Christian Bischoff´s Beiträgen fühle ich mich angesprochen und motiviert.

Für mich zählt jetzt einfach eine neue Ausrichtung für mein Leben. "Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt " (Konfuzis). Damit ergeben sich immer wieder neue Begegnungen und Chancen. Um meiner aufkeimenden Freude auch einen positiven Ausdruck zu verleihen, habe ich mich trotz erdrückender Temperaturen auf den Weg zum Eiscafé gemacht und mir etwas Schönes gegönnt. Nur für mich!

Als ich im Anschluss meine beiden zum Abendessen rief und sie dann schlurfend in die Küche kamen (man meint, sie hätten mir eine Ehre erwiesen, ihre heiß geliebte Couch zu verlassen) wurde ich mit eindeutigen Körpergeräuschen konfrontiert, die mich bei meinem Sohn im Säuglingsalter noch in Verzückungen hatten geraten lassen. Da war sie wieder, diese vertraute Erkennnis, die ich so hasse und die mich jedes Mal schmerzt. Dieses hässliche Nichtvorhandensein von Wertschätzung. Die Argumente Alter und Krankeit zählen für mich nicht, denn bei anderen können sie sich ja auch benehmen. Ihr wißt, was ich meine.

Nun möchte ich meinen Beitrag für heute mit eine wunderschönen Methaper beenden:

Eines Abends saß ein alter Indianer mit seinem Sohn am Lagerfeuer.
Es war dunkel geworden.
Die Bäume um sie herum warfen schaurige Schatten und das Feuer knackte und knisterte, während die Flammen in den Himmel züngelten.

Der Indianer schaute nachdenklich in die Flammen.

„Das Flammenlicht und die Dunkelheit, sind wie die zwei Wölfe,
die in unseren Herzen wohnen.“

Fragend schaute ihn sein Sohn an.
Nach einer Zeit des Schweigens begann der Indianer seinem Sohn
eine Geschichte zu erzählen.

„Der eine, – der Schwarze Wolf ist böse.
Er arbeitet mit Angst, Ärger, Sorgen, Schuld, Lügen, Unterdrückung, Vorurteile, Eifersucht, Neid, Gier, Überheblichkeit, Arroganz, Feindschaft und Hass.
Er ist rachsüchtig, aggressiv und grausam.

Der andere, – der Weiße Wolf ist gut.
Er nutzt Zuneigung, Vertrauen, Aufrichtigkeit, Offenheit, Liebe, Wohlwollen, Güte, Verständnis, Mitgefühl, Freundschaft, Frieden, Rücksicht, Gelassenheit, Hoffnung, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Wahrheit und Freude.
Dieser Wolf ist liebevoll, sanft und mitfühlend.

In jedem von uns lebt ein Weißer und ein Schwarzer Wolf.
Zwischen beiden Wölfen findet ein immer währender Kampf statt.“

Der Enkel schaute nachdenklich in die Flammen des lodernden Feuers.
Er dachte über die Worte seines Vaters nach.
Nach einer Weile frage er:
„Sag Vater, welcher der Wölfe gewinnt den Kampf?“

Der Indianer sah ihn eindringlich an und antwortete:
„Es gewinnt der Wolf, den du am häufigsten fütterst!“


Wenn hier ganz offen und auch oftmals verzweifelt geschildert wird, was in Euch vorgeht, so sind es die Beiträge von Eurer Verzweiflung, Wut und Angst, die mir wieder bewußt machen, dass ich nicht alleine bin und wie stark wir doch alle sind. Wir haben gelernt, in die Abgründe des Lebens zu blicken und auch die Konfrontation mit unseren dunkelsten Schattenseiten ertragen. Wir lernen, wie man Trauern auf Raten aushält, versuchen, das Trauma unserer Kindheit zu verarbeiten, den Eltern die Ehre zu geben, sich jedoch gleichzeit endgültig von Ihnen abzunabeln - und das alles im Endspurt der Zielgeraden, stets im Bewusstsein unserer eigenen Endlichkeit. Das hat aufrichtigen Respekt verdient, meint Ihr nicht.

Es grüßt Euch herzlich

Elisabetha

02.08.2020 | 21:56
Barbara66

Liebes Sonnenbluemchen, liebe Elisabetha!
Auch ich verstehe Euch sooo gut.
Ich habe letzte Woche den Bericht im Fernsehen gesehen,in dem Annette Frier sich mit Demenzkranken unterhält und mit diesen zusammen Musik (singen)machen möchte.
Was für "Vorzeige -Demente"-ja die hätte ich auch gerne an meiner Seite und wuerde sie gerne betreuen.
DAS IST DOCH NICHT DIE REALITÄT
Der Wahn meiner Mutter wird immer schlimmer.
Mein Bruder war für 2 Tage hier und sie war in "Topform"(total wahnhaft).
Sie hat am Mi Abend nach dem Abendbrot wohl geschrien:Oh mein Gott,jetzt haben die mir eine Spritze in den Kopf gesetzt?????
Sie ist zusammengesackt und hätte nicht mehr alleine die Treppe hoch ins Bett geschafft.
Mein Bruder hat sie hochbegleitet.
Paranoia überall! !!!
Und mein Vater begreift die Krankheit immer noch nicht und glaubt ihr alle erfundenen Geschichten, die sie erzählt.
Heute schickt sie ihn mit einem Zettel und 30 Euro zu mir.
Er solle 20 Resedorm Tabletten bei mir kaufen (ein Schlafmittel,welches schon 20 Jahre nicht mehr im Handel ist-Demenzkranke leben in der Vergangenheit! !!).
Ich habe meinen Vater angeschrien, ob er die Krankheit immer noch nicht begreift!?
Sagt er :Nein
Klarer Fall von Demenz auch bei meinem Vater.
Wenn ich heute eine Knarre gehabt hätte, ich hätte beide erschossen.
ICH WILL MEIN ALTES LEBEN ZURÜCK! !!!
Ich ertrage diesen Wahnsinn nicht mehr.
Ich habe mir immer wieder vorgenommen,ruhig zu bleiben.
Es gelingt mir nicht!!!!
Alles Gute
Barbara

02.08.2020 | 22:26
hanne63

Guten Abend in die Runde,
besonders an Sonnenblümchen, Elisabetha und Barbara,

ich verstehe Euch so gut...und bin heilfroh, derzeit den Wahnsinn nicht mehr selbst aushalten zu müssen, weil meine Eltern inzwischen in einem Heim leben (was mir aber wiederum ein schlechtes Gewissen macht, wenn ich die Gesamtumstände sehe...)

zum Thema der Darstellung Demenz in Filmen und Fernsehen...da werde ich derzeit nur noch wütend...weil es mich zu anfangs auf eine falsche Fährte geführt hat....diese softe Demenz....die da immer gezeigt wird..offenbar läßt sich mit den schlimmen Fällen oder einfach gesagt mit der fortgeschrittenen Demenz weniger Geld dann in den Massenmedien verdienen...

auch in den Selbsthilfegruppen habe ich die Erfahrung gemacht...dass da eher Demenzkranke im Anfangsstadium oder ich nenn es jetzt mal "Demenz light" vorhanden war....

und wenn das Stadium über das Light-Stadium hinausgeht....da steht man dann allein da... habe ich jedenfalls so erfahren...

auch jetzt..wo meine Eltern im Heim sind....und ein "ewig sich kümmernder und sich einmischender" "wohlwollender" Nachbar...sie nun dort besucht hat....sagt mir auf einmal....dass er das schwer aushält, und gar nicht weiß, ob er noch einmal dort hin möchte....ach ja....aber hallo...vorher hatte ich mit diesem Herrn mehrfach das Vergnügen bzgl. schlechtes Gewissen machen...und Heimeinweisung hinauszuzögern, da er quer-getrieben hat, wo es nur ging......und sich eingemischt....jedenfalls von meiner Seite her ungefragt....

in den letzten Stadien...(wie viele mag es wohl geben...es ist einfach fürchterlich)....verabschieden sich immer mehr Besucher, Nachbarn etc...
das ist es auch, was mich gewundert hat...: das ich nie (!!!) bei meinen Besuchen im Heim (Demenzstationen, auch beschützte Station..also 2 verschiedene Stationen)...andere Besucher gesehen habe..ich bin zwar sehr selten dort...aber ich habe nie jemanden anders als Besucher gesehen....
jetzt wo meine Mutter auf einer sog. gemischten Station ist...da habe ich immer sehr viele andere Besucher gesehen (also alles vor Corona noch)....und daraus schloss ich dann...dass eben auf der Demenzstation, bes. auf der geschützten...nur noch sehr selten Besuche stattfinden (auch ohne Corona)...und ich mache auch niemanden einen Vorwurf..weil es einfach nur sehr schwer auszuhalten ist.......
anfangs versuchte ich einen Besuchsdienst zwecks Spaziergänge zu organisieren für meine Mutter....da bekam ich dann zu hören, dass es eine Pflegekraft (die ansonsten außerhalb des Heimes arbeitet)...es nicht aushält, weil die Station einfach zu bedrückend ist...und sie es nicht mehr machen möchte...na super...wenn sogar die Profis..das nicht aushalten...das nur mal so als Info für Euch...die Ihr noch ZuHause Euch müht.....
Es beschäftigt mich immer noch alles sehr...und das obwohl ich selbst ja nicht direkt pflege....es geht nicht spurlos an mir vorüber...das merke ich...
und wenn ich Euch so lese...leide ich mit.

das alles wird nicht in der Öffentlichkeit gezeigt...und niemand ist darauf vorbereitet.

Vielleicht kann ich insoweit einen neuen Rat geben...den ich aus den letzten Wochen geschöpft habe:
Vertraut nur noch auf Euch selbst....was man selbst fühlt und für richtig hält...dahin geht der Weg....

liebe Grüße

P.S.: die meiste Kraft derzeit schöpfe ich übrigens aus dem Austausch in diesem Forum....

03.08.2020 | 02:08
Teuteburger

Hallo in die Club-Runde,

ihr habt ja viel geschrieben. Und es freut mich von Euch allen etwas zu hören. Leider komme ich erst jetzt zum Schreiben.
Mein Wochenende war anstrengend, auch wenn mein Mann heute bei meiner Schwiegermutter gewesen ist.

@Hanne,

ich finde es gut, dass du versuchst Kraft zu schöpfen, aus den Dingen, die dir helfen, wie dem Schwimmen ect. Ein langsam drehendes Hamsterrad und eine ungewisse Zukunft, wie bei uns allen, das braucht auch Kraft.

Du hast auch einmal etwas geschrieben, dass du vom Optimisten zum Pessimisten geworden bist in der Zeit, in der die Demenz deiner Eltern begonnen hat.

Für mich existieren beide Seiten gleichzeitig. Zu mir hat einmal jemand gesagt: Positives Denken bringt da nichts mehr, ab einem gewissen Punkt. Zumindest nicht in dem Sinne, dass alles ein gutes Ende nimmt, sondern dass hin und wieder, trotz allem, ein kleiner Lichtblick zu sehen ist, mit dem Rattenschwanz von dem im Gepäck, dass die andere Seite auch bald wieder auftauchen wird.

@Sonnenblümchen,

ja der tägliche Kraftakt, das Murmeltier und die immer sich ähnelnden Vorfälle, ohne Aussicht auf Besserung, kein Verständnis und Toastbrot. Es ist eine Verantwortung, die man im Grunde so nicht will und doch macht es kein anderer.

Das ist ein emotionaler Spagat, den ich gut nachvollziehen kann.

@Elisabetha,

die Geschichte aus dem Tiger von Eschnapur hat mir gut gefallen. Sie trifft den Nagel auf den Kopf, was die Erwartungshaltung an einen selbst, von Seiten der Demenzkranken angeht. Sie spiegelt auch gut die eigene Hilflosigkeit im Angesicht dessen, was man da sieht, wieder.
Mich hat dein Text, so wie auch die ehrlichen Zeilen von Hanne, Sonnenblümchen und Barbara, sehr berührt. Und der letzte Abschnitt von deinem zweiten Post ganz besonders.

Die Indianergeschichte ist in meinen Augen von demjenigen, der sie geschrieben hat, gut gemeint gewesen, dass ganz sicher. Aber sie ist für mich nicht so stimmig, wie deine eigenen Worte. Der gute Indianer geht davon aus, dass man Emotionen einfach mal so füttern kann oder sie sein lassen kann. Es gibt noch so eine Indianer-Geschichte, die heißt: Im Schlechten das Gute sehen. Für mich sind beide ähnlich weich gespült, wie die Filme, die Hanne und Sonnenblümchen erwähnt haben. Denn wenn das Leben tatsächlich immer schön und gut wäre, dann gäbe es diese Emotionen kaum. Stattdessen werden Geschichten erzählt, damit man mit den Lebensumständen oder dem, was einen quält, gelassener umgehen soll. Das kann sogar gelingen, vielleicht sogar bis hin zur Abstumpfung.

Ich fände es zum Beispiel toll, wenn in Heimen eine echte familiäre Atmosphäre herrschen würde, wenn das Essen hier gut wäre, wenn es Demenzdörfer geben würde, wenn alle Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen hätten, so dass man nicht alles arbeiten muss, sondern dass man zum Beispiel aus freien Stücken in Altenheimen ect. aushelfen kann und man auch wieder mit gutem Gewissen gehen kann, weil ein anderer dann vorbeischaut und hilft. Ich fände es gut, wenn Sonnenblürmchen Hilfe von einem ganzen Arbeitstrupp bekäme, wo man sich täglich abwechseln kann, damit es keinem zuviel wird. Und ähnliches wünschte ich mir für alle anderen usw.
Was wäre dann mit den negativen Emotionen`? Ich glaube, sie wären bei vielen Menschen dann weniger oder weg. Negative Emotionen haben für mich immer einen realen Hintergrund. Und jedes Gefühl, braucht, so meine Meinung, auch die passenden Ressourcen oder zumindest eine gute Perspektive und Verständnis für die Lebensumstände im Hier und Jetzt und nicht nur ein Füttern von der einen oder der anderen emotionalen Seite. Das ist mir noch nie gelungen und wenn, dann nur bei seichten Umständen.*smile* Mich stört daran zum Beispiel, dass man negative Lebensumstände als normal ansehen soll und das tue ich nicht. Ich habe da andere Herangehensweisen, die mir besser helfen, wenn auch nicht immer.

Ich denke bei meinen Überlegungen auch an @Barbara, die das ehrlich ausgedrückt hat. Wenn man solche paranoiden Zustände hautnah miterleben muss, dann braucht es glaube ich mehr an Verständnis/Wissen/inneren Abstand, als man jetzt tatsächlich aufbringen kann.

Was die Filme angeht, da stimme ich Euch beiden zu, Hanne und Sonnenblümchen. Ich habe auch einmal ein Buch vor vielen, vielen Jahren von Nicholas Sparks gelesen. Da ging es auch um Demenz. Ach herrje, wenn ich daran denke. *lach* Als ob Liebes"geschichten" das ganze Leben in Ordnung bringen könnten.

Liebe Grüße in die Runde und seit alle herzlich gedrückt



[Dieser Beitrag wurde 6mal bearbeitet, zuletzt am 03.08.2020 um 03:02.]

03.08.2020 | 07:26
sonnenblümchen

Guten Morgen Ihr Lieben,
was ich Euch fragen wollte? Wie verhalten sich Eure Partner eigentlich? Haben sie sich während der Pflegezeit auch verändert ?
LG

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 05.08.2020 um 08:21.]

03.08.2020 | 12:05
Teuteburger

Hallo in die Runde,

@Sonnenblümchen, ich habe einen etwas anderen Tagesablauf, da ich mich dem Arbeitsrhythmus meines Mannes angepasst habe. Wir essen sehr spät zu Abend und entsprechend verschiebt sich alles nach hinten. Aber gestern ist es wirklich noch später geworden, weil ich nachmittags in einen komatösen Schlaf gefallen bin. Ich war danach nicht mehr müde . . .

Engelchen und Teufelchen, ich musste dabei arg grinsen.
Die Idee mit dem Fahrradfahren ist sicher gut. Mir hilft es auch immer selbst tätig werden zu können. Du kannst ja mal berichten, wie du angekommen bist. *smile*

Mir tun die Demenzkranken alle sehr leid. Ich war ja auch schon öfters in einer Tagesgruppe dabei. Für mich ist das so zweischneidig. Genauso wie mit dem Pessimisten und dem Optimisten. Auf der einen Seite ist da noch etwas Leben und man kann auch etwas Freude haben, auf der anderen Seite liegt da viel Leid in der Luft. Wie gesagt, ich sehe beides und ich entscheide mich nicht für das ein oder andere. Trotzdem freue ich mich im Moment, wenn etwas Schönes gelingt, vergesse aber trotzdem nicht den Rest.
Meine Schwiegermutter hat die meiste Zeit im Leben versucht optimistisch zu sein, sie hat sich von allem Negativen abgelenkt und immer mehr verdrängt, bis dann nichts mehr gegangen ist. Ich für mich lerne daraus, mich nicht von wichtigen Lebensfragen/Themen dauerhaft abzulenken, sondern hinzuschauen. Ich kann versuchen mir das anzueignen, was mich das Negative besser verstehen lässt.
Hilfreich ist für mich zum Beispiel, dass ich innerlich bei mir bleiben kann und das ich dem anderen sein Leben lassen kann, auch wenn es noch so anders und noch so verquert ist. Das entlastet mich interessanterweise. Ist das Optimismus?
Aber ich habe natürlich meine Grenze, was dies angeht und weil ich diese kenne und ich mir eingestehe, bis hier kann ich noch helfen, aber ab dem und dem Punkt muss ich es sein lassen, sonst tue ich mir und dem anderen keinen Gefallen mehr. Und diese Grenze kennt meine Schwiegermutter inzwischen auch. Es ist wie bei dir Sonnenblümchen, wenn du sagst, ab dem und dem Punkt, ist es besser, wenn ein Heim die weitere Pflege übernimmt., so wie bei Andydreas oder Hanne. Vorher, das wissen wir inzwischen, passiert nicht viel.
Soweit zur optimistischen Theorie.*lach*

Ich wünsche allen einen guten Tag

und liebe Grüße



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 03.08.2020 um 12:10.]

03.08.2020 | 19:46
Teuteburger

Hallo Sonnenblümchen und alle die mitlesen,

Danke für deine lieben Worte. Bei mir ist es interessanterweise so, dass ich gefühlt, kaum Unterschiede zwischen den beiden Damen mache. Aber mit meiner Mutter kann ich doch mehr besprechen als mit meiner Schwiegermutter, aber das liegt am mangelnden Interesse, was meine Schwiegermutter hat und nicht daran, dass ich hier Unterscheidungen mache.

Deine Fahrradtour wäre filmreif gewesen. Aber ich kann mir denken, dass es schon abenteuerlich war mit der Fahrradkette. Ich gehe morgens meist direkt eine Runde laufen um den Block. Zehn Minuten, mehr nicht. Mir hilft das zum Beispiel. Auf dem Fahrrad ist es noch eine Tour frischer als wenn man im Trabschritt läuft. Somit mein Mitgefühl, Sonnenblümchen, denn heute war es wirklich frisch.

Und jetzt noch was für die Optimisten aus der Nachtcafé-Fernsehtalkshow. Ich mag die Sendung gerne sehen, wenn ich Zeit habe. Hier ging es auch um Liebe und um Demenz.
Die Geschichte fängt bei 1.07.30 h an. Die Frau im roten Kleid mit den langen Ohrringen. Wie in Hollywood.
https://www.youtube.com/watch?v=BYoY-71THOU

Ich habe auch einmal eine Frau beim Spazierengehen getroffen. Sie erzählte mir von ihrer demenzkranken Mutter, die bereits verstorben ist. Sie war auch ein relativ leichter Demenzpatient gewesen und es hat mit einigen wenigen Schwierigkeiten bis zum Schluss gut funktioniert. Die Mutter war auch in einem Heim, konnte sich über Vieles noch freuen, wie beim Spazierengehen über die Blumen usw.

Du hast gefragt, wie unsere Partner mit der Demenz umgehen, Sonnenblümchen. Recht gut auf der einen Seite. Aber auch hier gibt es Grenzen. Mein Partner hilft seiner Mama in technischen und in Unterhaltungsdingen. Er ist, da er noch arbeiten geht, sonntags immer bei ihr. Er kann aber schwer mit den Depressionen und Aggressionen von ihr umgehen. Er will aber hier dazulernen. Manches fällt ihm schwer. Wir kommen beide bis zu dem Punkte zurecht, wo wir noch ganz wenige Stunden mal für uns haben. Diese sind rar gesät, aber wir verstehen uns im Kern der Sache gut. Was dein Mann gesagt hat, dass hätte auch von meinem Mann kommen können. *lach*

Ich wollte noch etwas zu dem schreiben, was @Hanne geschrieben hat: Dass im fortgeschritteneren Stadium der Demenz die Besucherzahlen abnehmen. Das stimmt in der Tat, leider. Auch in unserem Verwandtenkreis ist das ein Thema. An Geburtstagen wollen sie alle, aber ansonsten nur wenige regelmäßig in größeren Abständen. Die anderen gar nicht.

Liebe Grüße an alle



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 03.08.2020 um 19:50.]



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