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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Korsakow-Demenz plus Substitution
14.08.2020 | 15:45
Mohnblume

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Installation von Hilfen für eine Dame mittleren Alters, die an Korsokow-Demenz erkrankt ist, gestaltet sich schwierig. Dies insbesondere auch, da sie zusätzlich suchtmedizinisch betreut werden muss (Opiat-Substitution) und Alkoholmissbrauch weiterhin besteht. Hat jemand Ideen für Hilfen in Berlin?

15.08.2020 | 11:41
klauspawletko

Hallo Mohnblume,
Im Bezirk Kreuzberg gab es ein Heim, in dem kleine Wohngruppen von Alkoholikern versorgt werden, die ein Konzept des kontrollierten Trinkens verfolgten. Das Heim befindet sich in der Blücherstraße. Das war bislang aber ein Männerheim.
Probieren Sie vielleicht einmal hier:

https://www.charlottenhof-heime.de/cma-wohnheim_fuer_suchtkranke.html

Ich hoffe, das kann Ihnen weiter helfen.
Beste Grüße von
Klaus-Werner Pawletko

15.08.2020 | 11:44
martinhamborg

Hallo Mohnblume, Ihre Frage ist noch sehr allgemein, aber ich möchte einige grundlegende Gedanken beitragen.

Die Diagnosen Kosakowdemenz und aktiver Alkoholkonsum lösen im Altenhilfesystem zumeist einen Abwehrreflex aus - jeder hat andere herausfordernde Bilder und Erfahrungen vor Augen und die Konzepte der Altenhilfe - die ich gern mit demenzfreundlich oder "Rund-um-glücklich-Pakete" überschreibe, haben diametral andere Anforderungen als psychiatrische Konzepte, die sich inhaltlich auf Aushandlungsprozesse ausrichten.
Besonders schwierig ist dies im Umgang mit Menschen, die - und/oder deren Umfeld - an der Suchterkrankung leiden. Hinzu kommt, dass in Suchteinrichtungen kontrolliertes Trinken selten möglich ist.

Insofern wundert es mich nicht, dass selbst in Berlin - wo es eigentlich etliche Menschen mit einer solchen Doppeldiagnose geben müsste - um diese Zielgruppe nicht geworben wird.

Damit sind wir bei dem zweiten Problem: Diese Doppeldiagnose ist ein Stigma, von dem sich auch sozialpsychiatrisch orientierte Profis kaum freimachen, weil ein Mensch mit diesem Stigma einfach jede gut funktionierende Demenzgruppe kaputtmachen und Betreuende an allen Grenzen führen kann - aber nicht muss.

Deshalb sollten wir lieber über den Menschen sprechen.
- Was braucht sie, damit die korsakow-typischen Verhaltensmuster nicht auftreten oder erträglich sind?
- Wie könnte ein kontrolliertes Trinken aussehen?
- Kann sie Regeln in Gruppen einhalten, beteiligt sie sich, akzeptiert sie Grenzen?
- Wo liegen ihre persönlichen Stärken und Potenziale?
- Welchen wertvollen Beitrag kann sie in der neuen Gemeinschaft leisten?

Mit diesen Fragen kommen Sie vielleicht in der Suche weiter.
Ich habe viele positive Erfahrungen gemacht, in denen Inklusion und kontrolliertes oder betreutes Trinken möglich war - und ich habe bitter miterleben müssen, wie lange es dauert, einen geeigneten Platz zu finden, wenn dies nicht gelingt. Hinzu kommt, dass Probleme im Pflegegrad zu wenig berücksichtigt werden, spezielle Versorgungskonzepte fehlen und zudem die Wahrscheinlichkeit hoch ist, schlechte Prüfungsergebnisse durch den MDK zu bekommen. Auch aus diesen Gründen sehe ich die Suchthilfe in der Pflicht, angemessene Strukturen für ihr älteres Klientel zu schaffen und nicht die Altenhilfe.

In diesem Forum möchte ich aber nicht so sehr über Konzepte diskutieren, sondern um konkrete Erfahrungen mit dem Menschen. Das dies hier möglich ist, zeigen viele Beiträge aus der Vergangenheit.
Ihr Martin Hamborg

15.08.2020 | 18:43
Mohnblume

Sehr geehrter Herr Homburg, Sie haben die Problemlage sehr treffend beschrieben. Leider wird dieses Klientel nicht gern gesehen, Krankenhäuser scheuen sich nicht vor einer zügigen Entlassung in die Obdachlosigkeit. Hier gibt es eine gerontopsychiatrische Versorgungslücke und - wie ich denke - gesundheitspolitischen Handlungsbedarf.

Vielen Dank für die Hinweise!



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