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Ratgeberforum "Gesetzliche Leistungen"

Bild: Ratgeberforum "Gesetzliche Leistungen" Menschen mit Demenz haben Anspruch auf Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung, um ihre medizinische Versorgung, Betreuung und Pflege zu finanzieren. Manchen steht auch ergänzende Sozialhilfe zu. Die Sozialarbeiterinnen Renate Gascho und Birgit Spengemann verfügen gemeinsam über mehr als 45 Jahre Berufserfahrung in der Betreuung und Beratung älterer und demenzkranker Menschen. Sie wissen, was Betroffenen zusteht und beraten im Internetforum kompetent zu leistungsrechtlichen Fragen. Bitte beachten Sie dabei, dass die Auskünfte allgemein gehalten sind. Auskünfte zu landesspezifischen Sonderleistungen wie z. B. Pflegewohngelder sowie das Errechnen von Leistungen im Einzelfall können bei der Beantwortung der Anfragen nicht berücksichtigt werden. Bitte wenden Sie sich hierzu an Ihre zuständige Behörde.

Autor Pflegewohngeld
30.05.2012 | 09:10
Hummel67

Liebes WegweiserDemenz-Team,
ich würde gerne wissen, wonach sich das Pflegewohngeld bezieht bzw. wie es sich berechnet. Mein Vater bekam in dem 1. Heim ein weitaus höheres Pflegewohngeld, als im jetzigen Heim (Differenzbetrag 200€). Das Amt hat auch über den zweiten Pflegewohngeld-Betrag keinerlei Erlass bzw. Bescheid herausgegeben oder gar diese Summe in dem Bescheid mitgeteilt. Vom Heim haben wir dann den zweiten Betrag erfahren und auch den Bescheid zwischen Stadt und Heim eine Kopie erhalten. Eine Nachhaltigkeit ist mehr als mau und nun wende ich mich nochmals an Sie. Mir ist schon bewußt, dass das BundesLand NRW als einziges Bundesland über diese Bezüge verfügt.
Schon einmal lieben Dank für Ihre Mithilfe.
MfG
Hummel67

30.05.2012 | 20:45
birgitspengemann

Sehr geehrte/r Frau/Herr Hummel 67,

bei Pflegebedürftigen, die in einem Pflegeheim versorgt werden, übernimmt die Pflegeversicherung lediglich die reinen Pflegekosten. Die sogenannten Hotelkosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten (für die Instandhaltung der Gebäude) werden dem Heimbewohner als Selbstbehalt oder Eigenanteil in Rechnung gestellt. In einigen Bundesländern, neben Nordrhein-Westphalen noch in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, übernimmt das Sozialamt zumindest anteilig die Investitionskosten für den Heimbewohner in Form des Pflegewohngeldes. Das Pflegewohngeld wird immer direkt an das Heim gezahlt.

Pflegewohngeld ist ein Anspruch des Pflegeheimes, deshalb wird der Antrag in Nordrhein-Westphalen grundsätzlich vom Pflegeheim gestellt (in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ist dafür eine schriftliche Zustimmung des Pflegebedürftigen notwendig). Nur wenn das Pflegeheim keinen Antrag stellt, ist der Pflegebedürftige antragsberechtigt. Ich vermute, dies ist der Grund dafür, dass Ihr Vater oder Sie als gesetzlicher Vertreter, keinen Bescheid darüber erhalten haben. Hatten Sie beim ersten Heim den Antrag selber gestellt oder hatten Sie vom Heim unaufgefordert eine Durchschrift bekommen?

Sie fragen nach der Berechnung des Pflegewohngeldes. Vom Einkommen des Bewohners wird der Betrag für Unterkunft und Verpflegung abgezogen, ebenso ein Grundbarbetrag (das sogenannte Taschengeld) in Höhe von aktuell 100,98 € sowie ein weiterer Selbstbehalt in Höhe von 50,-€ (Stand 2008 - ich konnte leider keine aktuellen Berechnungsbeispiele finden). Ist die Summe der Abzüge höher als das Einkommen, werden die Investitionskosten voll übernommen. Ergibt sich ein Einkommensüberhang, wird das Pflegewohngeld um diesen Betrag gekürzt.

Die Differenz in der Höhe des Pflegewohngeldes, die Sie ansprechen, wird mit der unterschiedlichen Höhe der Investitionskosten der jeweiligen Einrichtungen zusammenhängen. Im Bundesdurchschnitt betragen die monatlichen Investitionskosten in Pflegeheimen 375,-€. Bei meinen Recherchen lagen die von den Heimen angegebenen Investitionskosten zwischen 270,-€ und 555,-€ . In den Preislisten der Pflegeheime sollten die Kosten aufgeschlüsselt dargestellt werden.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen Ihre Fragen ausreichend beantworten und wünsche Ihnen alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Birgit Spengemann

31.05.2012 | 09:32
Hummel67

Sehr geehrte Frau Spengemann,
besten Dank für Ihre so ausführliche und verständliche Rückantwort. In Sachen Antrag: Beim 1. Heim wurde auch kein Antrag gestellt. Wir hatten einen Sozialhilfeantrag gestellt für meine Mutter, wo es mehr als Verzögerungen und Fehler in der Bearbeitung gegeben hatten. Nach einem Anschreiben an den Amtsleiter kam das alles erst ins Rollen und wir bekamen für das 1. Heim eine mtl. Rückzahlung von 434€ und für das neue Heim 230€. Ganz makaber ist nun, gestern erhielten wir eine Erhöhung der Heimkosten "Ankündigung der Heimkostensätze sowie des Entgeltes der Investitionskosten". Können wir diese Erhöhung einfließen lassen und das Amt diesbzgl. anschreiben? Oder macht das weniger Sinn? Bin echt überfordert mit Amt und solchen Dingen und langsam kann man echt ungehalten werden. Jahrelang hat man sich nix zu Schulden kommen lassen, getan und gemacht und nun braucht man mal etwas Unterstützung und es wird rumgezickt wo es nur geht. Unverständlich und man hatte uns derzeit schon gesagt: "Besser sie hätten HartzIV". Na ganz tolle Aussage und was macht man mit uns....genau, gar nchts. Sorry bitte. Gerne würde ich wissen, wie ich mit dieser Erhöhung umgehen kann, um noch etwas Beihilfe zu erlangen. Nochmals vielen Dank für Ihre Hilfe.
Beste Grüße
Hummel67

01.06.2012 | 07:58
birgitspengemann

Sehr geehrte/r Hummel67,

nach Ihrem Beitrag von gestern bin ich etwas irritiert. Haben Sie für Ihren Vater Hilfe zur Pflege oder Pflegewohngeld oder beides parallel beantragt?

- Das Pflegewohngeld bezieht sich, wie bereits in meiner Antwort vom 30. 5. 12 beschrieben auf die Investitionskosten, die ein Pflegeheim den Bewohnern in Rechnung stellt.
- Die "Hilfe zur Pflege in stationären Einrichtungen" kann beantragt werden, wenn das Einkommen des Heimbewohners nicht für den übrigen Eigenanteil (Miete und Verpflegung) ausreicht.

- Der Vorteil beim Pflegewohngeld ist, dass der Pflegebedürftige einen höheren Sparfreibetrag hat (bis zu 10.000.-€) und die Unterhaltspflicht der Kinder nicht geprüft wird.
- Bei Gewährung von Hilfe zur Pflege, hat der Pflegebedürftige einen wesentlich geringeren Sparfreibetrag (ab Vollendung des 60.Lebensjahres = 2.600,-€) und die Kinder werden auf ihre Unterhaltspflicht überprüft.

Egal, welche dieser Leistung/en für Ihren Vater aufgrund seines Heimaufenthaltes vom Sozialamt geleistet werden, eine Erhöhung der Heimkosten sollte dem Amt unbedingt mitgeteilt werden, damit eine Neuberechnung erfolgen kann.

Wenn Sie Fragen zu den konkreten Berechnungen des Sozialamtes -Ihren Vater betreffend- haben, können Sie sich auch an einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe wenden und einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren. Mit dem nachfolgenden Link können Sie sich auf der Internetseite der Pflegestützpunkte Nordrhein-Westphalen über deren Beratungs- und Angebotsspektrum informieren und den Stützpunkt in Ihrer Wohnortnähe ermitteln:

http://www.landeszentrum-pflegeberatung-nrw.de/pflegestuetzpunkte-in-nrw.html


Mit freundlichem Gruß

Birgit Spengemann

01.06.2012 | 10:15
Hummel67

Liebe Frau Spengemann,
herzlichen Dank für Ihre ausführliche und immerzu Hilfe.
Mein Vater bekommt - schon witzig eigentlich - ein Pflegewohngeld aufgrund der derzeit beantragten Sozialhilfeantrags meiner Mutter. Denn eigentlich benötigt sie noch Gelder, damit ihr Leben einigermaßen bezahlbar ist und dann ging es hin und her und nach irgendwann mal ein Schreiben an die wohl richtige Stelle udn Person ging, kam ein Bescheid mit dem Pflegewohngeld heraus.. Also etwas verwirrend, auch für uns, können Sie glauben. Aber auch danke für den Hinweis und Auskunft auch in Sachen Taschengeld. Wenn man nicht wüßte, wo man überall fragen kann und darf, dann wären wir aufgeschmissen.
Danke für Alles.
Beste Grüße
Hummel67



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