Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

DAS WEBLOG

Meine Lernphase im Bereich Liebe

Hanni Alberts am 04.02.2013, 14:58 | 0 Kommentare

Was nützen einem alle Reichtümer der Welt? Liebe kann man nicht kaufen. Ein warmherziges sanftes Lächeln oder das Halten der Hand bleiben immer im Herzen und im Gedächtnis.

Meine Lernphase im Bereich Liebe

Nachdem ich Ihnen bereits von meinen Fortschritten in Sachen Toleranz, Geduld und das Leben im Hier und Jetzt berichtet habe, ist heute Zeit für die Liebe!

Meine Mutter und ich hatten schon immer einen „guten Draht“, eine enge gefühlsmäßige Bindung. Mit ihrer Demenzerkrankung war es dann damit vorbei, keine vertraulichen Gespräche mehr und keine entspannte fröhliche Atmosphäre erfüllte mehr den Raum. Nein, ich stand nun irgendwie allein da mit einem gigantischen Berg an Problemen und meine Mutter weilte in einer entfernten Galaxie.

Durch ihre Demenz reagierte meine Mutter viel stärker auf Emotionen als auf Informationen, da ihr Verstand diese nur schwer verarbeiten konnte. Wenn ich mich ihr auf der Gefühlsebene näherte, konnte ich manchmal wieder ein bisschen dieser Nähe und Vertrautheit spüren, die uns einst verband.

Es waren nur kurze Momente, die ich früher in meinem rasanten Alltag überhaupt nicht wahrgenommen hätte. Durch die Pflege öffneten sich für mich neue Türen zur Wahrnehmung der Liebe. Eine Pforte zu meinem Herz ging während eines Besuches bei ihr im Pflegeheim auf.

Wir saßen auf einer alten Couch mitten im Flur der Abteilung, und ich beschäftigte mich mit der Maniküre ihrer Fingernägel, als meine Mutter plötzlich meine Hand zu sich rüber zog. Sie drehte sich zu mir, lächelte und schaute mich liebevoll an. Ihr intensiver Blick erreichte direkt meine Seele und ich spürte ihre ganze Liebe. So saßen wir einige Zeit Händchen haltend zusammen und keiner sprach ein Wort. Die Welt und alles um uns herum, das geschäftige Treiben auf der Station und der harte Alltag, waren vergessen. Es zählte nur dieser einzige Moment, ein Augenblick der Harmonie und Liebe.

Für Außenstehende waren es keine großartigen Ereignisse, zwei Menschen sitzen nebeneinander und halten Händchen. Doch ich hatte das Gefühl, unsere Seelen berührten sich und ein Hauch von Frieden erfüllte uns. Diese Erfahrung gab mir zum damaligen Zeitpunkt die Kraft für den nächsten Tag und die Gewissheit, dass eine seelische Verbindung jenseits der Realität existiert.

Auch heute, einige Jahre nach dem Tod meiner Mutter, nehme ich mir Zeit für die kleinen schönen Dinge im Leben und genieße sie. So erlebe ich zahlreiche Glücksmomente, die meinem Alltag mehr Freude verleihen.

Auf diese Weise kann sich das „Tütititi“ von einem kleinen Hausrotschwanz in unserem Apfelbaum zu einem beglückenden Konzert entwickeln.

Hanni Alberts ist Diplom-Ökonomin und arbeitet als freie Autorin in Hessen. Ihre Erfahrungen mit der Pflege ihrer demenzkranken Mutter und deren Tod hat sie in einem autobiographischen Ratgeber für Angehörige von Menschen mit Demenz niedergeschrieben.
Wenn Sie mehr lesen wollen: http://HanniAlberts.de/

Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker

Diesen Artikel kommentieren

Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet und müssen ausgefüllt werden.