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DAS WEBLOG

Vom Schicksalsschlag zu einem erfüllten Leben finden

Hanni Alberts am 23.01.2012, 10:00 | 0 Kommentare

Im Alter von 45 Jahren war ich der Ansicht, mein Leben im Griff zu haben. Ich arbeitete als selbstständige Personalberaterin und lebte mit dem Bewusstsein, dass alles so weiter dahinplätschert. Ich war zufrieden, aber nicht besonders enthusiastisch. Plötzlich, von einem Tag auf den anderen, änderte sich alles: Mein Leben stand Kopf. Bei einem Krankenhausaufenthalt meiner Mutter wurde eine Demenz vom Typ Alzheimer festgestellt und meine früher so selbstständige, agile Mutter wurde innerhalb eines halben Jahres zum Pflegefall.

All die typischen Veränderungen ihrer Verhaltensweisen hatte ich zuvor weder als Krankheitssymptom noch Alarmsignal wahrgenommen. Im Gegenteil, ich hatte alles bestens verdrängt und in der Schublade "Altersvergesslichkeit" abgelegt. Ich hatte einfach Angst vor einer alles verändernden Krankheit, von der ich nichts wusste und auch nichts wissen wollte. Angst davor, dass nichts mehr so bleibt, wie es einmal war und Angst davor, meine Rolle als Kind aufgeben zu müssen.

Die schwierigste Phase meines Lebens

Ich organisierte den Pflegealltag meiner Mutter mit einem ambulanten Pflegedienst und der Hilfe einer Nachbarin. Ich schränkte meine Arbeit auf das allernotwendigste ein und kümmerte mich um meine Mutter. Die Demenz nahm in rasenden Schritten zu, so dass ein Aufenthalt in der Psychiatrie notwendig war. Nach ihrer Entlassung suchte ich ein passendes Pflegeheim für die Rund-um-die-Uhr-Pflege. Als meine Mutter schließlich im Pflegeheim gut eingelebt war, verstarb sie an einem Schlaganfall. 

Um ihren Tod zu verarbeiten, habe ich mir Zeit zum Trauern genommen und meinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Ich habe mich geöffnet, um auch die schönen Momente der "pflegenden" Vergangenheit zu sehen und daraus Kraft für die Zukunft zu schöpfen. Mit der Demenz war bei meiner Mutter wieder die ungetrübte Liebe zu Tage getreten, so bedingungslos und rein wie bei Kindern.

In einem Zustand der inneren Leere und tiefsten Trauer beschloss ich, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und ihm eine neue Richtung zu geben. Ich gab mir selbst den Startschuss zur Reflexion meines Lebens in allen Bereichen – Beruf, Partnerschaft, Lebensraum und Gesundheit. Nach dieser Analyse arbeitete ich an einer Lösung für die "defizitären" Bereiche. Ich habe mich mit meinen innersten Wünschen und Ängsten befasst und mich mit meiner bisherigen "Opfer-Haltung" auseinandergesetzt. Gleichzeitig machte ich mir meine Stärken bewusst und folgte meiner Intuition. Kleine Erfolge stellten sich schon nach kurzer Zeit ein, Bekannte nahmen mich als fröhlicher wahr. Dies gab mir die Kraft, weiter an den "Baustellen" zu arbeiten. Heute lebe ich glücklicher als je zuvor: Ich habe meinen Beruf aufgegeben und bin meiner Berufung gefolgt. Ich arbeite nun als freie Autorin und bin von der Großstadt umgezogen aufs Land. 

Meine Erfahrungen mit der Pflege und dem Tod meiner Mutter haben mir die Augen geöffnet für die wirklich wichtigen Dinge im Leben; auf die eigene innere Stimme zu hören anstatt den gesellschaftlichen Normen Rechnung zu tragen. 

Hanni Alberts ist Diplom-Ökonomin und arbeitet als freie Autorin in Hessen. Ihre Erfahrungen mit der Pflege ihrer demenzkranken Mutter und deren Tod hat sie in einem autobiographischen Ratgeber für Angehörige von Menschen mit Demenz niedergeschrieben.
Wenn Sie mehr lesen wollen: http://HanniAlberts.de/

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