Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

DAS WEBLOG

Weglaufen

B., Angela am 30.04.2014, 14:03 | 0 Kommentare

Man dreht sich wieder um und dort, wo der an Demenz erkrankte Mensch eben noch saß, ist nur noch ein leerer Stuhl.Er ist auf einmal spurlos verschwunden, wie auch die Mutti von Angela B. Zum Glück wurde sie recht schnell wiedergefunden, aber die Angst, es kann wieder passieren, die bleibt.

Weglaufen

Die langen Nächte und grauen Tage sind vorbei und ich habe das Gefühl, dass der Frühling auch meiner Mutti gut tut. Endlich kann Sie wieder auf den Hof und den großen Garten hinterm Haus und sich über die „Frühlingsboten“ freuen. Sie steht oft am Küchenfenster, hat ein Lächeln um den Mund und ist scheinbar weit weg. Ich weiß nicht, was Sie denkt und fühlt. Es müssen aber nicht nur schöne Gedanken sein, denn es gibt Momente, da wird aus der ruhigen Person eine sehr aufgeregte, die schnell weg muss, wohin auch immer.
Dieses „weg müssen“ oder auch „irgendwohin müssen“ kam in den Wintermonaten öfter vor. Nur hatte es die Nachbarin erst Stunden später gemerkt. Zum gemeinsamen Mittagessen war Mutti noch zu Hause, wollte sich nach dem Essen etwas ausruhen. Die Nachbarin ging also wieder in ihr eigenes Haus und ließ meine Mutti alleine. Als dann der ambulante Pflegedienst gegen 16.00 Uhr kam, war sie nicht da. Es war dunkel, das Dorf klein, doch meine Mutti nirgends zu sehen.
Sie kennen das sicher. Helle Aufregung beim Pflegdienst, bei der Nachbarin und natürlich bei mir, die dann den Anruf erhielt: „Wir können Deine Mutti nicht finden“.
So schnell es ging, habe ich meinen Dienst beendet, bin ins Auto gestiegen und zu ihr gefahren. Als ich auf dem Hof ankam, sah ich wie meine Mutti - ohne Mantel, nur mit Hausschuhen und Schal - auch den Hof betrat. So wie ihre Hausschuhe und ihre Kleidung ausgesehen hatten, musste sie über Felder gelaufen sein. Sie war eiskalt, ihre Augen blickten aufgeregt und ängstlich, sie erkannte mich nicht. Sie sprach auch kein Wort. Ging ins Haus, legte sich ins Bett und schlief sofort ein.
Welch ein Glück, dass sie selbst nach Hause gefunden hatte. Nachdem ich den Pflegedienst und die Nachbarin beruhigte, setzte mich mit einer Tasse heißen Tee an das Bett meiner Mutti. Gut, dass ich den nächsten Tag frei hatte und bei ihr bleiben konnte. Sie schlief wie ein Kind bis zum nächsten Morgen.
Ich begrüßte sie und frühstückte mit ihr. Sie freute sich, dass ich da war. Kein Wort vom Tag zuvor. Den Tag schien es nicht gegeben zu haben.
Solche Situationen gab es inzwischen noch zweimal. Einmal ist sie in den Bus gestiegen um mich in der Stadt zu besuchen. Nachdem die Nachbarin mich informiert hatte, konnte ich sie gerade noch am Bus-Bahnhof „abfangen“. Was aber, wenn ich es nicht geschafft hätte. Suche per Familie, Freunde und Polizei? Ich beruhigte mich selbst, indem ich mir sagte:„Ist doch alles gut gegangen“. Am Nachmittag fuhr ich Sie dann wieder nach Hause und die Welt war in Ordnung.

Informationen zur Autorin

B., Angela wurde 1961 geboren, sie arbeitet als Verkäuferin ist alleinlebend und hat zwei erwachsene Töchter. Sie lebt in Sangershausen und pflegt schon seit zwei Jahren ihre an Demenz erkrankte Mutter (77).

Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker

Diesen Artikel kommentieren

Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet und müssen ausgefüllt werden.