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Einen Menschen mit Demenz versorgen und dabei gesund bleiben

Synan Al-Hashimy am 20.08.2015, 16:50 | 0 Kommentare

Was brauchen Angehörige, die sich um einen Menschen mit Demenz kümmern und mit ihm leben? Gibt es eine Belastungsgrenze und wann ist sie erreicht?

Einen Menschen mit Demenz versorgen und dabei gesund bleiben

Zuneigung und Liebe, Mitleid und Dankbarkeit, Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl bringen Menschen dazu, ein von Demenz betroffenes Familienmitglied zu betreuen und zu pflegen. Diese Gefühle führen pflegende Angehörige aber auch geradewegs in ein Dilemma: Denn mit der Übernahme von Betreuung und Verantwortung für den demenzkranken Partner, die Eltern oder Großeltern stellen die meisten so lange ihre eigenen Bedürfnisse hinten an, bis sie sich selbst verlieren: Ihr Leben fokussiert sich nur noch darauf, den Alltag mit dem Demenzerkrankten irgendwie zu überstehen. Sie haben bald keine eigenen Interessen, keine Hobbys und auch bald keine Freunde mehr.
In meinen Therapiegesprächen mit pflegenden Angehörigen, die eine Rehabilitation

Dient dazu, den Gesundheitszustand mithilfe von Physio- und Ergotherapie und klinischer Psychologie zu erhalten oder verbessern. Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen.
Rehabilitation
bei uns durchführen, stelle ich ganz häufig auch fest, dass einige von ihnen weitgehend uninformiert über das Krankheitsbild Demenz sind, bis sie zu uns kommen – sei es, weil sie es nicht wahrhaben wollen oder weil sie sich scheuen, Rat zu suchen.
Das macht pflegende Angehörige krank
Weil die psychosoziale Belastung langsam aber stetig für sie ansteigt, werden Menschen, die tagtäglich mit einem von Demenz betroffenen Familienmitglied leben, krank. Das ständige Eingebundensein, das einen nicht mehr zum Schlafen kommen lässt und zermürbt, führt schließlich zu einem Verlust aller sozialen Aktivitäten, zu Einsamkeit und Niedergeschlagenheit. Für ihren aufopfernden Einsatz erhalten sie außerdem kaum Anerkennung – das frustriert zusätzlich. Und es hat spürbare gesundheitliche Folgen: Das Immunsystem pflegender Angehöriger ist häufig besonders geschwächt, viele der pflegenden Angehörigen weisen körperliche Beschwerden wie z. B. Magen-, Glieder- oder Herzbeschwerden auf. Und es lässt sich auch statistisch nachweisen, dass sie einen erhöhten Medikamentenkonsum haben: Schlaf- und Beruhigungsmittel, Schmerzmittel, Psychopharmaka.
Das können pflegende Angehörige selbst tun
Meiner Meinung nach ist eine wichtige Voraussetzung um gesund zu bleiben, über die Krankheit Demenz und die Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Familien ausreichend informiert zu sein. Wer außerdem in Schulungen gelernt hat, wie man mit den Betroffenen umgehen kann, und die ihm zustehende Beratung (z. B. in einem Pflegestützpunkt) nutzt, Entlastungsangebote kennengelernt hat und weiß, wie man sie finanzieren kann, der hat schon einen wichtigen Schritt getan, sich selbst zu schützen.
Das aber ist leichter gesagt als getan, denn es setzt voraus, dass man die Demenzerkrankung des Partners oder des Elternteils akzeptiert hat, aber sich trotzdem nicht von ihr dominieren lässt. Das gelingt dann, wenn man Hilfe einfordern und annehmen kann, wenn man sich Auszeiten gönnt und weiterhin soziale Kontakte pflegt. Dazu muss man sich um sein eigenes Wohlbefinden genauso kümmern wie um das seines Schützlings.
Die Rehabilitanden, die zu uns nach Ratzeburg kommen sind körperlich und seelisch häufig schwerstbelastet und, wie ich oft höre, vollkommen am Ende ihrer Kräfte oder in einer ausweglos scheinenden Situation. Dann fallen Sätze wie dieser: „Aber trotzdem kann ich meinen Mann doch nicht in ein Pflegeheim abschieben, das habe ich ihm doch versprochen!“ Dann frage ich: „Würde wohl Ihr Mann das von Ihnen verlangen, wenn er heute wüsste, was sie mitmachen?“
Es ist aber häufig auch die Angst vor einer Verurteilung durch Familie, Freunde und Nachbarn, die viele davon zurückhält, über eine Alternative zur häuslichen Versorgung weiter nachzudenken. Man kann aber spüren, wann die eigenen Grenzen erreicht sind. Deshalb rate ich meinen Patienten dazu, wieder zu lernen, auf die eigene Stimme zu hören und nicht auf das, was andere denken könnten oder erwarten. Es ist mutig, aus dem Stimmengewirr die eigene Stimme wieder herauszuhören. Und manchmal wird diese auch sagen, dass es für beide besser sein kann, wenn der Betroffene in einer Demenz-WG oder in der Demenz-Wohngruppe eines Pflegeheims lebt.

Synan Al-Hashimy leitet als Chefarzt das im Januar 2012 gegründete Alzheimer Therapiezentrum (ATZ) in Ratzeburg, Schleswig-Holstein. Hier werden pflegende Angehörige von Demenzkranken im Rahmen einer stationären Rehabilitation

Dient dazu, den Gesundheitszustand mithilfe von Physio- und Ergotherapie und klinischer Psychologie zu erhalten oder verbessern. Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen.
Rehabilitation
behandelt. Demenzkranke Angehörige werden auf Wunsch mit aufgenommen, versorgt und gefördert. Mit seiner Ausbildung und Berufserfahrung zählt Synan Al-Hashimy zu einem kleinen Expertenkreis: Er verfügt über Facharztabschlüsse in Psychotherapeutischer Medizin sowie in Psychiatrie und Psychotherapie mit Zertifikat Gerontopsychiatrische Grundversorgung sowie Abschlüsse in vier anerkannten Psychotherapieverfahren. Der Fachmann für Demenzen mit psychiatrischen Auffälligkeiten kennt die besonderen Belastungen, denen Angehörige im Zusammenleben mit Demenzkranken ausgeliefert sind. Für ihn steht fest: Eine Demenz erzeugt immer zwei Patienten, den Betroffenen und seinen betreuenden Angehörigen.

Internet Links

Kontakt und Beratung Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg:
Schmilauer Straße 108, 23909 Ratzeburg, Telefon: 04541 133820

E-Mail
Webseite: www.alzheimertherapiezentrum.de

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