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Sich helfen lassen, bevor man selbst ein Pflegefall wird

Synan Al-Hashimy am 28.05.2013, 14:22 | 1 Kommentar

Rund um die Uhr pausenlos für jemanden da zu sein, das belastet schwer. Was können pflegende Angehörige tun, wenn sie selbst Hilfe brauchen?

Sich helfen lassen, bevor man selbst ein Pflegefall wird

Wer mit einem demenzkranken Menschen zusammenlebt oder ihn versorgt, schränkt die eigenen Bedürfnisse immer mehr ein. Er hat sogar ein schlechtes Gewissen, wenn er einmal nur an sich denkt. Als pflegender Angehöriger vernachlässigt man seine Freunde, Hobbys und Freizeitbeschäftigungen. Und man achtet zu wenig auf die eigene Gesundheit.

Dabei tragen pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Denn sie erbringen rund um die Uhr Höchstleistungen, bekommen zu wenig Schlaf und sind besonders hohen seelischen Belastungen ausgesetzt: Da wandelt sich eine langjährige Partnerschaft schon bald in ein Pfleger-Patient-Verhältnis, oder das erwachsene Kind findet sich ungewollt in der Elternrolle wieder. So können ungelöste familiäre Konflikte wieder aufbrechen und das Verhältnis zusätzlich belasten. Man sorgt für einen Menschen, den man immer mehr verliert, und die Trauer darüber legt sich einem schwer auf die Seele.

Als Chefarzt des Alzheimer Therapiezentrums in Ratzeburg, das Rehabilitationsbehandlungen für pflegende Angehörige von Demenzkranken durchführt, erlebe ich jeden Tag Menschen, die für ihr tapferes Durchhalten mit ihrer Gesundheit bezahlen: Sie leiden unter schweren Erschöpfungszuständen, unter Depressionen und psychosomatischen Erkrankungen. Sie erleben Angstzustände, chronische Kopfschmerzen und chronisch degenerative oder entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates, weil sie über Jahre hinweg vollkommen überfordert und ohne jede Hilfe waren. Zu uns kommen die meisten dieser pflegenden Angehörigen viel zu spät.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Viele glauben, es sei ein Zeichen von Schwäche oder ihr persönliches Versagen, wenn sie als Angehöriger eines Menschen mit Demenz Hilfe und Unterstützung von anderen annehmen „müssen“. Ehepartner sind besonders betroffen: Der eine verspricht dem anderen, ihn nicht ins Heim zu geben, sich um ihn zu kümmern, wenn er krank und pflegebedürftig wird. Also bemüht er sich ständig um den demenzkranken Partner, macht ihn zum Mittelpunkt seines Lebens und ist bald davon überzeugt, dass kein anderer den Demenzkranken so gut versteht und mit ihm umzugehen weiß.

Weil wir wissen, wie schwer Pflegenden die Trennung vom demenzkranken Angehörigen fällt, nehmen wir auf Wunsch auch beide zusammen auf. Ein leichtgradig demenzkrankes Familienmitglied ohne Pflegestufe kommt zur Reha als Begleitperson mit. Liegt bereits eine Pflegestufe vor, wird die an Demenz erkrankte Person im Rahmen der Kurzzeitpflege betreut und versorgt und zwar im gleichen Gebäude in einem Pflegebereich. Sie können einander also jederzeit sehen.

Im geschützten Rahmen gemeinsamer Musik-, Kunst- oder Ergotherapie-Sitzungen erleben sich Angehöriger und Demenzkranker oftmals ganz neu. Andere therapeutische Maßnahmen erhalten sie getrennt voneinander. Und am Abend trifft man sich zum gemeinsamen Abendbrot. Schon bald entdecken beide Schritt für Schritt, dass es noch ein anderes Leben als das gewohnte gibt: Der pflegende Angehörige kommt innerlich zur Ruhe und „zu sich selbst“. Die an  Demenz erkrankte Person bekommt neue Anregungen durch Therapeuten und andere Patienten.

Ich wünsche mir, dass pflegende Angehörige und ihre Hausärzte die Regelungen der jüngsten Pflegereform auch wirklich nutzen, denn diese unterstützt ausdrücklich Reha-Maßnahmen für pflegende Angehörige. Schon bald nach der Diagnosestellung einer Demenz sollten pflegende Angehörige solche Möglichkeiten in Anspruch nehmen, dann können sie frühzeitig psychisch und seelisch gestärkt werden. So erhalten sie alle wichtigen Informationen zum Thema Demenz und können viele Krisen vermeiden oder entschärfen, weil sie bereits gelernt haben, mit dem Demenzkranken richtig umzugehen und zu kommunizieren.

Gerne gebe ich zur Beantragung von Rehabilitation

Dient dazu, den Gesundheitszustand mithilfe von Physio- und Ergotherapie und klinischer Psychologie zu erhalten oder verbessern. Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen.
Rehabilitation
Informationen für Betroffene und Hausärzte weiter.

Synan Al-Hashimy leitet als Chefarzt das im Januar 2012 gegründete Alzheimer Therapiezentrum (ATZ) in Ratzeburg, Schleswig-Holstein. Hier werden pflegende Angehörige von Demenzkranken im Rahmen einer stationären Rehabilitation

Dient dazu, den Gesundheitszustand mithilfe von Physio- und Ergotherapie und klinischer Psychologie zu erhalten oder verbessern. Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen.
Rehabilitation
behandelt. Demenzkranke Angehörige werden auf Wunsch mit aufgenommen, versorgt und gefördert. Mit seiner Ausbildung und Berufserfahrung zählt Synan Al-Hashimy zu einem kleinen Expertenkreis: Er verfügt über Facharztabschlüsse in Psychotherapeutischer Medizin sowie in Psychiatrie und Psychotherapie mit Zertifikat Gerontopsychiatrische Grundversorgung sowie Abschlüsse in vier anerkannten Psychotherapieverfahren. Der Fachmann für Demenzen mit psychiatrischen Auffälligkeiten kennt die besonderen Belastungen, denen Angehörige im Zusammenleben mit Demenzkranken ausgeliefert sind. Für ihn steht fest: Eine Demenz erzeugt immer zwei Patienten, den Betroffenen und seinen betreuenden Angehörigen.

Internet Links

Kontakt und Beratung Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg:
Schmilauer Straße 108, 23909 Ratzeburg, Telefon: 04541 133820

E-Mail
Webseite: www.alzheimertherapiezentrum.de

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1 Kommentar

Jochen Gust am 24.06.2013, 10:27 Hier ein Video mit Herrn Al-Hashimy in dem er als Referent des Eutiner Demenz Forums weitere Fragen beantwortet: http://www.youtube.com/watch?v=EACh_buIfAk

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