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DAS WEBLOG

Demenzkrank – was nun?

Manfred Funk am 31.01.2011, 13:00 | 2 Kommentare

Als Krankenpfleger habe ich viele Jahre sowohl im stationären Bereich, als auch in der ambulanten Pflege gearbeitet und kann dadurch das Für und Wider beider Versorgungsvarianten recht gut beurteilen. Viele Pflegeheime bieten inzwischen verschiedene Wohn- und Betreuungsformen an, die sich nach den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz richten. Oft habe ich jedoch miterlebt, dass der Entschluss für den Wechsel in ein Heim nicht nach sorgfältiger Abwägung getroffen wird – sondern vielmehr, weil Angehörige sich mit der Pflege überfordert und alleingelassen fühlen oder nach jahrelanger Pflege einfach nicht mehr können. Oft führt die Wahl dann zu Schuldgefühlen.

Ich habe bei der Unterbringung meiner an Demenz erkrankten Eltern auch lange mit dem Gedanken an einen Heimplatz gespielt. Aber ich wollte mich nicht über ihre stets klare Willensäußerung ("Wir wollen nicht ins Heim") hinwegsetzen. Zudem hatte ich Sorge, dass die Übersiedelung in eine neue, unbekannte Umgebung sie verunsichern würde und sich auch die Orientierungsprobleme in der Übergangszeit verstärken können. Da ich allein mit der Versorgung meiner Eltern überfordert war, habe ich die Unterstützung durch einen Pflegedienst in Anspruch genommen; ergänzt durch eine gelegentliche Verhinderungspflege in Form einer rund-um-die-Uhr-Betreuung. Zusammen mit anderen Unterstützungsleistungen hat dies meinen Eltern ermöglicht, weiter in ihrem Haus zu leben.

Weder eine ambulante Versorgung noch ein Platz im Pflegeheim sind Patentlösungen. Dennoch kann ich Angehörige und Betroffene nur ermutigen, sich Hilfe zu suchen. Alles selbst machen, muss und kann man nicht.

Manfred Funk ist examinierter Krankenpfleger und seit vielen Jahren bei einem ambulanten Pflegedienst tätig. Er absolvierte unter anderem eine Fachweiterbildung zum Pflegedienstleiter. Zuvor arbeitete er mehrere Jahre in der Intensivpflege und im Krankenhausmanagement als Pflegedirektor. Manfred Funk ist ledig und lebt in der Nähe von Karlsruhe.

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2 Kommentare

Ursula Pohl am 18.02.2011, 10:11 Ich finde es bewundernswert, wie Sie sich Ihrer Eltern annehmen können.
Wie aber soll man das leisten können, wenn die demente Mutter in einer eigenen Wohnung nicht direkt in der Nähe wohnt und ich einen Mann habe, der auch noch ein Recht auf mich hat? Es sind auch noch 3 erwachsene Kinder da, mit denen ich auch Zeit verbringen will, damit sie auch mal für mich da sein wollen, wenn ich in 10-15 Jahren in dieses "gefährliche" Alter komme.
Es sind auch noch Enkelkinder da, für die ich regelmäßig zuständig sein muss. Irgendwann muss und darf man auch an sich denken, ohne ein schlechtes Gewissen gemacht zu bekommen, wenn man einen dementen Menschen in ein Heim bringen muss, um selbst noch die Kraft zu haben, ihn besuchen zu können. Es gibt durchaus empfehlenswerte Heime, die mit Demenz umgehen können und den Menschen dort abholen, wo er gerade ist und sich seiner liebevoll annehmen.

Tölle, Maria am 30.01.2012, 12:14 Tatsächlich kann und soll niemand über die eigenen Kräfte hinaus zuhause "um jeden Preis" pflegen, aber es gibt sehr viele Möglichkeiten der Betreuung zuhause, die einfach nicht bekannt sind und die nicht ausgeschöpft werden. Ich hätte mir diese Möglichkeiten damals als pflegende Angehörige sehr gewünscht. Um so erstaunter bin ich, dass es nun niemand wahr nimmt.
Als Fachkraft betreue ich aktuell eine dementiell veränderte Dame zuhause, deren Schwiegertochter alle Möglichkeiten kennt und ausschöpft: Pflege durch ambulanten Pflegedienst, besondere Betreuung im niedrigschwelligen Angebot, Urlaubs- und Verhinderungspflege - auch stundenweise zur Betreuung.
Es ist außerordentlich schade, dass so viele pflegende Angehörige über diese Möglichkeiten völlig unzureichend informiert sind und dass es andererseits auch noch häufig viel zu wenige "neue Versorgungsmöglichkeiten" z. B. über Ehrenamtliche und Besuchsdienste gibt - in einem erstrebenswerten Bürger-Profi-Mix.

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