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Kein Druck, kein Zwang, keine Tricks – ein Beitrag von Martin Hamborg

Martin Hamborg am 01.07.2010, 20:00 | 14 Kommentare

"Meine Mutter will nicht mehr, sie lehnt jetzt das Essen ab", "sobald sie das Essen sieht kneift sie den Mund zusammen..." – Aussagen wie diese höre ich häufig, wenn Demenzkranke in die letzte Lebensphase kommen. Doch ist es wirklich schon ein Beweis, dass ein demenzkranker Mensch sterben möchte, wenn er Essen ablehnt? Eine Antwort darauf ist nicht so einfach. Denn je weiter die Demenz fortschreitet, desto wahrscheinlicher ist es, dass auch die Nahrungsaufnahme gestört ist.

Warum Demenzkranke Essen und Trinken manchmal verweigern

Das kann daran liegen, dass die Kranken Essen, Geschirr, Besteck und Getränke nicht mehr erkennen. Manchmal "vergessen" sie auch einfach die Fähigkeit zum Essen und Trinken oder spüren nicht mehr Hunger und Durst. Auch Faktoren, die nichts mit der Demenz zu tun haben, können sich niederschlagen. Vielleicht wird das Essen einfach nur unappetitlich serviert, oder es gibt zu viel Unruhe und Ablenkung. Eventuell belasten auch Schmerzen oder die Nebenwirkungen von Medikamenten den Magen.

Häufig gibt es nicht nur einen Grund, wenn die Lust am Essen ausbleibt. Deshalb ist eine gute Beobachtung und fachliche Beratung nötig, bevor Angehörige, Ärzte und Pflegekräfte die schwierige Frage beantworten: Können oder müssen wir auf die Gabe von Essen verzichten? Nach wie vor glauben viele, dass Sterben ohne Essen und Trinken grausam sei. Es hat sich noch viel zu wenig herumgesprochen, dass der Verzicht auf Essen und Trinken körpereigene Stoffe aktiviert, die Schmerzen mindern.

Aber wann können wir einschätzen, ob ein Demenzkranker "nicht mehr will"? Und wie lange trägt der mutmaßliche oder geäußerte Wille? Aus fachlicher Sicht sehe ich uns verpflichtet, immer wieder Essen und Trinken anzubieten. Aber wir müssen auch akzeptieren, wenn dies nicht angenommen wird. Dann gilt: kein Druck, kein Zwang, keine Tricks!

Kleine Wunder machen nachdenklich

Demenzpatienten leben nur im Moment. Das müssen wir akzeptieren. Genauso wie die Tatsache, dass ein Rest an Selbstbestimmung immer bleibt. Diese Grundeinstellung habe ich von einer demenzkranken Frau lernen dürfen. Mit 95 Jahren hatte sie sich über drei Wochen lang offensichtlich zum Sterben gelegt. Sie ruhte so friedlich in ihrem Bett, dass die Mitarbeiter ein schlechtes Gefühl hatten, wenn sie ihr Medikamente, Getränke oder Essen reichten.

Gemeinsam mit dem Hausarzt und den Angehörigen führte ich dann ein langes und tränenreiches Gespräch am Sterbebett. Wie immer hatte ich die alte Dame im Blick, konnte jedoch keine Anteilnahme wahrnehmen. Die Entscheidung war gefallen: Keine Medikamente mehr, Loslassen erlauben und gleichzeitig immer wieder Essen und Trinken anbieten und deren Ablehnung akzeptieren. Nach nur drei Tagen saß die alte Dame wieder auf ihrem gewohnten Platz. Auf meine Frage: "Das ist ja schön, dass Sie wieder hier sind" antwortete sie verwundert: "Wieso, ich bin doch immer da."

Informationen zum Autor:

Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung. Der Diplompsychologe ist unter anderem für die Kieler Servicehäuser der AWO tätig.

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14 Kommentare

Heiner am 08.07.2010, 15:11 Kein Zwang, keine Tricks - sehr gut. Aber dann verstehe ich das Ende des Textes nicht ganz. Haben Sie am Bett der alten Dame nur so getan, als würden Sie ab sofort kein Essen und keine Tabletten mehr verabreichen? Und das hat sie gehört und sich entschieden, weiterzuleben?

Martin Hamborg am 14.07.2010, 08:01 Im Text ist es vielleicht nicht richtig deutlich geworden: Weil der mutmaßliche Wille bei einem Demenzkranken immer nur für den Moment gilt, müssen wir weiterhin Nahrung und Getränke anbieten.
Und zwar so, dass der Demenzkranke die Möglichkeit hat, zu essen und zu trinken. Nimmt er etwas zu sich, ist dies zu respektieren. Lehnt er das Angebot ab und dreht z.B. den Kopf weg, gilt dies ebenso.
Hier liegt der wesentliche Unterschied zu einem sterbenden Menschen ohne Demenz, bei dem wir davon ausgehen können, dass der Wille kontinuierlich ist.

Susann am 28.10.2010, 08:55 Wir haben unserer demenzkranken 89-jährigen Oma ihren Willen gelassen daß sie im Moment auf keinen Fall zu uns ziehen möchte - \"erst wenn ich mal alt und krank bin!\" Wir haben aber eine Tagespflege organisiert. Ich stelle mir jeden Morgen den Wecker und coache sie per Telefon, daß sie bereit ist, aufzustehen und sich vom Busfahrer dieser auffallend gut strukturierten Einrichtung abholen zu lassen. Und ich muß ehrlich sagen ich wende alle Tricks an, daß sie bereit ist, denn den ganzen Tag alleine zu sein bekommt sie nicht mehr richtig auf die Reihe. (Wir haben mit der Pflege Daheim-Schwester entspr. beraten und auf diese Tagespflege umgestellt.)
Also ich wende Tricks an zum Überreden und Positiv-einstimmen.
Heute morgen hat sie gerade den Hörer neben das Telefon gelegt - nach langem Hin und Her - da kann ich also nichts mehr machen.
Sie hat den festen Willen in ihrer Wohnung zu bleiben. Wir halten die Wohnung sauber - diesbetr. gibt es vorerst keine Probleme. Diesen Willen haben wir ihr also zunächst gelassen. Wir hören uns aber von Verwandten an (die bezüglich des Problems wirklich ahnungslos sind) daß wir völlig verantwortungslos handeln.
Handeln wir verantwortungslos??? Wir müßten strikt gegen den Willen unserer Oma handeln wenn wir derzeit Veränderungen einleiten möchten. Auch der von der BKK angebotene Monat Pflege in einer Einrichtung zu unserer eigenen Erholung würde unserer Oma das Herz brechen (weil sie nicht erkennen kann daß es nur vorübergehend wäre) Darum haben wir auch hiervon noch abgesehen.
Wie können wir unsere Verantwortung RICHTIG, aber ohne seelisch zu verletzen, wahrnehmen???

Katja am 29.10.2010, 14:08 Als wir einmal für längere Zeit in den Urlaub fahren wollten, haben wir unsere Oma in ein Heim gegeben und ihr erzählt, dass es ein Hotel wäre. Das hat prima funktioniert. Auf Nachfragen sagte sie später immer, was für ein schönes Hotel es gewesen sei und wie wohl sie sich dort gefühlt hätte. Nur die Kosten wären etwas hoch gewesen.

Martin Hamborg am 01.11.2010, 12:06 Zwei wichtige Themen, Verantwortung und Tricks, möchte ich gern noch aufgreifen:

Die Übernahme der Verantwortung

Susann weist in ihrem Beitrag darauf hin - sie ist ein Dilemma in der Betreuung Demenzkranker.
Es gehört zum Wesen der Krankheit, dass klare Willensäußerungen dem eingeschränkten Risikobewußtsein gegenüberstehen. Der Kranke bewertet die Situationen in seiner subjektiven Welt, häufig mit dem, was im Langzeitgedächtnis gespeichert ist und einem manchmal starken Selbstbewußtsein aus der Vergangenheit und der gefühlten alten Rolle heraus.

Diskussionen, Beweise, Zurechtweisungen und die Hoffnung auf Einsicht helfen dabei selten. Im Gegenteil, sie verstärken die Abwehr, den Ärger und die in der Situation erlebte Abhängigkeit. Dies kann zu einem Teufelskreis werden, der manchmal in Tätlichkeiten endet. Ein schlechtes Gewissen und Macht der Fürsorge heizen den Teufelskreis eher an.

An dieser Stelle hat mir die Sprache selbst geholfen:
Ver-antwort-ung: fragt (nur) nach meiner Antwort auf die Herausforderungen und die gibt es nur mit dem Demenzkranken und nicht gegen ihn.

Deshalb gibt es manchmal kein "richtiges" Verhalten, aber richtig ist alles, wenn die Richtung stimmt und die gibt erstmal der Demenzkranke vor: Wenn wir seine Gefühle, Bedürfnisse, Ängste, Antriebe und Erinnerungen erkennen, können wir sie vielleicht in eine bessere, sicherere Richtung lenken, je mehr Wertschätzung, desto besser.

Wenn ein Demenzkranker in der eigenen Wohnung sein "zuhause" sucht, ist es ein Hinweis darauf, dass die Geborgenheit, die Begegnungen, das Gefühl daheim zu sein ... nicht mehr da sind.

Es ist ein zentrales Ziel der Tagespflege und des Pflegeheims, das Gefühl zu schaffen, daheim anzukommen. Und dann erleben wir Menschen, die im Heim ganz zuhause sind, so sehr, dass sie in alle Zimmer gehen und sich in jedes Bett legen, an "fremde" Schränke gehen...

Das Ziel ist Katja mit dem Hotelbild gelungen. Bei uns haben einige Demenkranke das Gefühl, sie seien in einer Pension. In beiden Bildern steckt das subjektive Gefühl, so frei zu sein, dass man gehen kann.

Probleme können entstehen, wenn wir das Bild mit der Realität gleichsetzen und nicht sagen: "wie im Hotel". Viel länger als das sprachliche Verständnis ist die Wahrnehmung für die kleinen Gesten und eine entlarvenden Mimik bei Demenz erhalten. Deshalb, lügen und betrügen Sie nicht: Wie ein Lügendetektor achtet der Demenzkranke auf die nichtsprachlichen Hinweise.

Damit wird von Ihrer Seite Ihre Beziehung um so mehr belastet, je mehr Sie solche "Tricks" anwenden. Psychologisch können Sie dann in die Rolle des Betrügers rutschen - und die ist keine gute Basis für den gemeinsamen lezten Weg.

Im Ratgeberforum werden viele "richtige" Möglichkeiten diskutiert und Sie bekommen vielleicht Anregungen, wie Sie validieren können. Ich wünsche Ihnen, dass etwas für Sie "richtiges" dabei ist!

Eva am 07.06.2013, 20:28 Vorab vielen Dank für den sehr guten Artikel, der genau meine Crux widerspiegelt. Die demente Mutter will nicht essen, will nicht trinken. Man bietet immer an, manchmal klappt es manchmal nicht und man freut sich über jedes Schlückchen und jedes Bröckchen, dass angenommen wird.
Meine Mutter hat leider keine Patientenverfügung gemacht.
Ich denke, dass die eigene Nahrungsaufnahme nicht ausreichen wird auf Dauer.
Kann man hier den Willen des Dementen respektieren, was ich gefühlmäßig bevorzugen würde oder ist man rechtlich gezwungen eine künstliche Ernährung einzuleiten (Magensonde, Tropf), was schließlich auch ein Eingriff mit Schmerzen und Risiken ist. Meine Mutter hat im Krankenhaus alle Braunülen nach kürzester Zeit rausgerissen. Sie würde das sicherlich auch mit einer Magensonde versuchen.
Haben Sie da Erfahrungswerte. Über eine Antwort würde ich mich freuen. Vielen Dank.

Sabrina W. am 01.09.2018, 10:48 Hallo,

die Oma von meinem Mann, also die Mama meiner Schwiegermutti ist Demenz krank, verweigert seit vielen Wochen essen und trinken, liegt nur noch im Bett..sagt immer wieder sie möchte nicht mehr leben..sie möchte Zuhause sterben..nicht mehr ins Krankenhaus oder ein Heim..drei Kinder hat sie..wir akzeptieren ihren Wunsch...aber ein Kind hat solange auf Oma eingeredet bis dann endlich doch eingewilligt hat das erstmal ein Pflegedienst tägliche zu ihr kommt..und nun hat er dafür gesorgt das sie im Pflegeheim ist...all das wollte Oma eigentlich nicht...leider hat sie keine Patientenverfügung gemacht...sie wollte Zuhause sterben in ihrem Bett..alle drei Kinder haben sie immer gut versorgt..dem Sohn aber wurde es scheinbar zuviel, er wurde seiner Schwester gegenüber aggressiv hat sie angeschrien, sie würde sich nicht um Omi kümmern...er macht alles..was überhaupt nicht stimmt..ich selbst weiß das sie sehr viel gemacht und macht...viele Jahre...es ist eine Frechheit das sie sich das jetzt von ihrem Bruder anhören muss..man möchte nur das beste für Omi...warum bekriegen sich die Kinder untereinander so sehr..das verstehe ich nicht...der Sohn hat nun auch alles im Alleingang, ohne Absprache mit seinen Geschwistern gemacht..das ist die nächste Frechheit
Frechheit..plötzlich war Omi nicht mehr Zuhause, wir suchten sie, bis wir sie in einem Pflegeheim gefunden haben..klar ist Omi dort vielleicht besser aufgehoben als Zuhause dahin vegetieren..es war aber nicht ihr Wille, wiederum hat sie Demenz..was uns so ärgert an der Sache das der Sohn alles ohne Absprache mit weiteren Familienangehörigen macht, welche sich auch jahrelang wirklich liebevoll um Omi gekümmert haben..und jetzt voll schreien lassen müssen, sie hätten nichts gemacht...was hat dieser Unmensch für ein Problem frage ich mich? klar möchte er auch nur das beste für seine Demenz kranke Mutter..das wollen wir alle..mich beschäftigt das auch sehr, weil es meinem Mann auch sehr beschäftigt...warum kann man nicht vernünftig ohne schreien in gemeinsamer Absprache alles klären....dieser Sohn kann es leider nicht...es besteht nur noch Kontakt zu ihm wegen unserer Omi..

Anna am 05.05.2015, 15:19 Meine Mutter ist im Spätsommer 2014 mit 85 Jahren in einer vollstationären Einrichtung, also einem Heim, verstorben - besser: sie ist friedlich eingeschlafen. Sie hatte neben einer Hirnschädigung durch einen Suzidversuch mit Rattengift vor vielen Jahren eine durch jahrzehntelangen Benzoediazepam-Abusus maskierte Alzheimer-Demenz. Sie hat einige Wochen vor ihrem Tod langsam zunächst die Nahrungsaufnahme eingeschränkt und schließlich auch verweigert, danach auch das Trinken.
Ich war gesetzliche Betreuerin meiner Mutter und hatte somit auch die Entscheidung zu fällen, wie damit umzugehen sei. Das Heim wollte eine PEG, und später dann \"wenigstens subkutane Flüssigkeitszufuhr\". Ich habe lange und oft mit den Ärzten meiner Mutter gesprochen, und habe dann entschieden - und zwar gegen beides. Das ist mir nicht leicht gefallen, aber ich erinnere mich noch gut an das letzte Gespräch mit ihrem Hausarzt, der mich deutlich fragte, was meine Mutter gewollt hätte - und mir dazu nochmals deutlich machte, dass sie sich nicht quält, sondern eine künstliche Flüssigkeitszufuhr viel mehr eine Qual werden würde. Und so haben wir sie gehen lassen - intensiv durch uns und in den Nächten auch durch einen Hospizdienst begleitet. In den wachen Momenten, die sich in den letzten Tagen immer noch hatte, hat sie mich angelächelt und gesagt, nun würde sie endlich sterben - eine Erinnerung, die ich niemals vergessen werde. Es war ihr Wunsch - und jede PEG oder Flüssigkeitszufuhr hätten ihren Sterbeprozess nur verlängert - wem wäre damit geholfen gewesen? Ihr sicher nicht. Es gibt sicher kein \"richtig oder \"falsch\", dafür sind Menschen zu individuell - auch, und das wird leider viel zu oft vergessen, Menschen mit Demenz.

Sabrina am 31.01.2018, 10:32 Meine Schwiegermutti ist 74 Jahre alt. Letztes Jahr wurde bei ihr Demenz diagnostiziert. Seitdem hat sie mehr als 12 Kilo verloren. Und auch geistig sehr doll abgebaut. Sie isst und trinkt sehr wenig oder überhaupt nicht. Sie ist aber der Meinung das sie viel essen und trinken würde und lehnt dadurch jede weitere Hilfe vom Pflegedienst ab. Genauso ist es mit der Körperpflege. Sie lässt sich auch da nicht von den Pflegerinnen helfen. Nur ist es mittlerweile offensichtlich, das keine Körperpflege mehr stattfindet. Wie bringt man ihr das bei sich helfen und unterstützen zu lassen? Meine Angst ist es, dass bald gar nichts mehr geht, aufgrund des wenigen essens und trinkens. Und das sie durch die wenige Körperpflege und ihren Haushslt den sie auch nicht mehr schafft, verwahrlosen tut. Beim Haushalt lässt sie sich auch nicht helfen. Schließlich lebt sie alleine und wir können sie nicht 24h bewachen. Also was sollen wir tun?????

Ulrika am 19.02.2018, 16:49 Hallo Sabrina, mit meiner Mutter mit 73 geht es ähnlich. Sie möchte in ihrem Haus leben, obwohl gerade das und der Alltag eine enorme Belastung für sie sind und sie es alleine nicht mehr schafft. Da durch ihre eigene Person nicht viel Schmutz im Haus entsteht, muss ich mich hauptsächlich nur um die Küche und den Müll kümmern. Was die Körperpflege angeht, wird es immer problematischer, weil sie verständlicherweise äusserst ungern darauf angesprochen wird und aber meint keine Zeit dafür zu haben. Wenn Sie sich dann zurecht macht, nimmt das den ganzen Vormittag in Anspruch und sie hat bis mittags nichts gegessen oder getrunken. sie hat kein Hungergefühl mehr und langsam fällt es ihr auch schwer, Speisen zu benennen. Ich bringe ihr mehr als genug essen, aber leider müssen wir häufig wegwerfen. Glücklicherweise konnte ich sie nun zu zwei Begleiterinnen überreden, die nun 20 Stunden in der Woche kommen werden und dafür sorgen werden, dass sie ihre Tabletten nimmt und isst und trinkt und sich ordentlich anzieht und wäscht und im Haushalt etwas nach dem rechten sehen. Alles natürlich unter dem Deckmantel der Gesellschaft und für mehr Freude im Leben. Das ist vorerst meine Lösung, bis es so garnicht mehr geht. Sie war leider schon mehrfach wegen Dehydrierung im Krankenhaus und wenn sich das wieder häufen würde, würde ich sie ganz vorsichtig dazu überreden, in eine betreute Einrichtung zu gehen. Es ist eine grosse Herausforderung... Ich hoffe, das hilft vielleicht ein bisschen, und wenn es nur das Gefühl ist, nicht alleine zu sein. in den 70ern ist das alles einfach so früh!!!

Daniela am 10.03.2018, 01:02 Bei meinem Vater (72 J.) hat sich sein Zustand, vielleicht nach seinem Sturz, stark verschlechtert.Davor hat er höchstens mal vergessen, wo sein Auto steht. Und meine Mutter erzählte mir letzte Woche, dass er sich nicht erinnert, ob er schon, oder was er gegessen hat. Vorgestern ist er nachts zu Hause schwer gestürzt. Die Hüfte ist zum 2.mal gebrochen. Er darf jedoch nicht mehr operiert werden, weil er nach Aussage des Arztes, dies nicht überlebt in seinem jetzigen Zustand. Ich bin so erschrocken, weil ich es erst jetzt im Krankenhaus bemerkt habe, wie weit die Demenz vorangeschritten ist. Er möchte nichts mehr essen, weil er einen unangenehmen Druck im Oberkörper hat. Manchmal sagt er, ihm ist schlecht, er kann nichts mehr essen, er hat keinen Appetit. Ich freue mich, über jedes Stückchen, dass er isst. Ich habe, neben Obst auch Schokolade mitgebracht, aber ich weiß nicht, ob Schokolade überhaupt eine gute Idee war. Für mich ist das gerade ziemlich frisch.
Werde am Montag eine Pflegestufe beantragen.
Nachdem ich diese Seite hier gefunden habe, frage ich mich, ob es gut wäre, wenn ich ihm vorlese, wie wichtig die Nahrungsaufnahme in seinem Zustand ist?
Es tut mir so weh zu sehen, wie er gestern Tränen in den Augen hatte, und mich mit großer Angst anschaute, er wusste nicht mehr wo er ist.
Ich bin das einzige Kind und meine Mutter ist auch krank (körperlich)
Ich bin für jeden Tip dankbar, an was ich alles denken sollte, oder wie ich ihm helfen kann.
Ich wünsche allen viel Kraft auf diesem Weg.

Helmut am 05.04.2018, 14:40 Ja es ist schwer so einen Menschen, der Demenz hat das richtige zu machen.
Meine Frau hat auch Demenz u. ich pflege Sie noch alleine zu Hause, aber es wird immer schwieriger. Ich muss Ihr alles sagen, was Sie tun
muss (ziehe Dich an, dabei lege ich Ihr die Sachen alle schon hin, putz Dir die Zähne, gebe Ihr schon Zahnpasta auf die Zahnbürste, sonst würde Sie nicht putzen, Kochen: Speisen zubereiten geht gar nicht.
Jetzt bringe ich Sie 1 mal die Woche 3Stunden in eine Betreuungsrunde für Demenzkranke, wenn Sie da ist, dann ist es gut, aber erst dahinbringen ist immer ein Kampf mit viel Tricks u. Notlügen. Deshalb wünsche ich Ihnen auch viel Kraft u. alles Gute.

Tanja am 07.05.2018, 23:14 Hallo Daniela, und hallo allen anderen.

Seit Eurem Beitrag ist jetzt doch schon einige Zeit vergangen.
Ich habe gerade meine Ausbildung als Demenzbegleiter abgeschlossen.
Es gibt so vieles, was man beachten sollte und so vieles was einem helfen kann. Ich würde die Demenz Sprechstunden der sozialen Dienste der Senioreneinrichtungen oder ambulanten Dienste in Anspruch nehmen. Die Berater können Angehörigen sehr hilfreiche Tips und Möglichkeiten an die Hand geben.
Fast jede Senioreneinrichtung, bietet diese Sprechstunden kostenlos an. Ein persönliches Gespräch hat auch nochmal eine ganz andere Wirkung als ein Text im Forum.
Mich würde interessieren wie es Euch mittlerweile ergangen ist.
Auch ich wünsche allen viel Kraft und Geduld.

Ostrowski am 28.07.2018, 09:45 Mein Mann ist 67 Jahre hat seit 4,5 Jahren Demenz seit drei Wochen gibt es jeden Morgen Theater wenn die Fahrer der Tagespflegekommen und ihn abholen möchten , er steigt einfach nicht ins Auto weder bei mir noch bei den Fahrern dabei fühlt mein Mann sich dort richtig wohl kommt zufrieden und ausgeglichen wieder was kann ich noch machen hat jemand eine Idee. Danke im vorraus

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