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Schnee und seine kühle Schönheit

Katrin Hofmann-Schröder am 03.03.2017, 17:59 | 0 Kommentare

Katrin Hofmann-Schröder arbeitet mit an Demenz erkrankten Menschen. Sie schreibt über die Freude, die die Demenzpatienten hatten, als sie Schnee in ihren Händen hielten. Haptik ist für an Demenz erkrankte Menschen sehr wichtig. Auch wenn dieses Glück nur für kurze Zeit war, weil der Schnee recht schnell schmolz, aber die Begeisterung sah Katrin Hofmann-Schröder noch lange in den Augen ihrer Bewohner und Bewohnerinnen.

Schnee und seine kühle Schönheit

Katrin Hofmann-Schröder arbeitet mit an Demenz erkrankten Menschen. Sie schreibt über die Freude, die die Demenzpatienten hatten, als sie Schnee in ihren Händen hielten. Haptik ist für an Demenz erkrankte Menschen sehr wichtig. Auch wenn dieses Glück nur für kurze Zeit war, weil der Schnee recht schnell schmolz, aber die Begeisterung sah Katrin Hofmann-Schröder noch lange in den Augen ihrer Bewohner und Bewohnerinnen.

Schneehase in einer roten Plastikschüssel
Foto: Katrin Hofmann-Schröder

Der Winter bringt auch hier im Harzvorland oftmals wundersame Schönheiten zum Vorschein.
Wenn der Raureif auf den Ästen sitzt und diese Gebilde so frostig-weiß glänzen, dann staunen viele Bewohner regelmäßig über solche Schönheit.
Doch was ist das eigentlich, was da so herrlich glänzt und funkelt?

Gerade in den grauen, kalten Tagen von Herbst und Winter ist es nicht leicht, für die Aktivierung geeignete Mittel und Materialien hervor zu zaubern.

Sinnanregende Spiele machen ja den meisten Spaß, wenn sie von den Betreuungskräften gut und überlegt vorbereitet werden. Jeder kann sich dabei über einen Erfolg freuen.
Also berieten wir, was wir zur Aktivierung in die Vormittagsgruppe einbringen könnten. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, die an den Wochentagen immer eine kleine, etwa acht Bewohner umfassende Runde betreute, meinte, dass wir doch mal etwas Schnee „zeigen“ könnten.

Nicht ganz leicht umzusetzen, aber alle hatten Ideen und nach einigen Minuten der Morgenbesprechung brachten wir die Vormittagsrunden in Gang.
Ich bat eine Pflegepraktikantin aus dem Wohnbereich, mir dann, wenn ich alle vierzehn teilnehmenden Bewohner beisammen hatte, einen Eimer mit Schnee zu füllen und ihn mir hoch zu bringen. Sie wirkte erst erstaunt, erfüllte mir diese Bitte aber zuverlässig. So bekam ich nach der Begrüßung ganz geheimnisvoll einen dunkelblauen Eimer in den Raum gestellt.

Die strahlende Sonne und der blaue Himmel verhießen zusammen mit dem funkelnden Schnee einen schönen Tag. Ich konnte in den teils neugierigen, teils fragenden Augen meiner Bewohner die Freude darüber und Motivation erkennen.
Ich bat einen meiner „Herren“, mal in den Eimer zu schauen. Er blickte hinein und fragend wieder hoch: „Weißes Zeug!“ Ob er es mal anfassen möge? „Das ist ja kalt und nass!“
Eine neben ihm sitzende Dame griff auch in den Eimer und rief „Das ist ja Schnee!“

Plötzlich wollten alle mal den Schnee anfassen und spüren. Mit der liebevollen Warnung, dass dieser auch kalt ist, gab ich jedem einen kleinen Schneeball in die Hände. Einige erschraken, andere waren wie verzaubert. Es war für mich wunderbar, diese verschiedensten Empfindungen zu erahnen, zu sehen und zu hören. Ein Herr fragte, ob wir gleich mal eine Schneeballschlacht machen könnten, was ich lächelnd verneinte. Einige hatten ihren Schneeball schon etwas geformt, so nach und nach wurden die kaltweißen Kugeln in den Händen auch wärmer, begannen zu tauen.

Auch um Verkühlungen der oftmals sehr empfindlichen Haut zu vermeiden, ging ich herum und bat alle, die Schneebälle wieder in den Eimer fallen zu lassen. Da ich vorsorglich einige Papierhandtücher und Pflegecreme mit in die Gruppenstunde genommen hatte, konnten sich die Bewohner abtrocknen und entweder selbst die Hände eincremen oder ich tat dies für sie.

Der Schnee im Eimer war noch relativ fest, daher beschloss ich spontan, vor Ablauf der Stunde noch eine Figur zu bauen. Es sollte kein Schneemann werden, sondern etwas anderes. Ich fragte, was ich denn aus dem Schnee noch machen könnte und als erste Antwort kam „Schneehase!“.
Das bekam ich schnell hin und konnte auch noch ein Foto davon machen.
Diese Stunde in der Gruppenrunde war sehr schön und wir haben uns alle noch lange daran erinnern können.
Es war immer wieder erstaunlich, wie empfindsam und doch mutig die meisten demenziell erkrankten Bewohner mit ungewohnten Eindrücken umgingen. Sie dabei zu begleiten, zu unterstützen und zu erfreuen, das war stets meine Freude und Begeisterung.

Foto der Weblogautorin Katrin Hofmann-Schröder
Foto: Katrin Hofmann-Schröder

Katrin Hofmann-Schröder war 1998 einige Monate ehrenamtlich als Betreuungshilfe in einem Altenpflegeheim tätig. Sie kümmerte sich schon während dieser Zeit und die nächsten Jahre um ältere Nachbarinnen und deren Wünsche, Alltagsbelange und Haushalt, u. a. mit Gesprächen, Spaziergängen, gemeinsamen Musik- und Rommè-Stunden. Nach einer Qualifzierung 2010 zur Betreuungskraft nach § 87b SGB XI (Demenz-Betreuerin) war sie 4 Jahre in einer stationären Pflegeeinrichtung als Betreuungskraft tätig. Besonders gern wurden von ihr durchgeführte Musiknachmittage mit selbst gespieltem Piano, klassischer- und Schlagermusik von den Bewohnerinnen und Bewohnern besucht. Da ihr Herz und ihre Empathie auch außerhalb der beruflichen Betreuungstätigkeit für Senioren/innen offen ist, beschreibt sie mit Humor und Mitgefühl, Toleranz und Ehrlichkeit ihre Erlebnisse im Beruf und im Alltag.

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