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DAS WEBLOG

Auf der Suche nach Entlastung

Elisabeth Keller am 24.01.2011, 12:00 | 0 Kommentare

Heinrichs Demenzerkrankung hat mich Gott sei dank nicht kalt erwischt. Ich hatte mich schon vorher mit Alzheimer und anderen Formen der Demenz beschäftigt und wusste, worauf es nach der Diagnose ankommt. Unter anderem bin ich schon relativ früh in einen Selbsthilfestützpunkt gegangen. Das war ein erster wichtiger Anlaufpunkt und es hat sich auch gelohnt. Ich hatte ein gutes Gespräch, und in den Materialien, die ich mitnahm, fand ich eine wichtige Adresse: die der Alzheimer Angehörigen Initiative.

Menschen, die sich nicht mit Demenz auseinandersetzen müssen, bedenken oft gar nicht, dass neben den Erkrankten auch die Angehörigen Hilfe brauchen. Vielleicht ist das der Grund, wieso es zwar in vielen deutschen Städten schon Angebote für Angehörige gibt - aber eigentlich nicht genug.

In jedem Berliner Bezirk organisiert die Initiative eine Betreuungsgruppe. Da könnte ich meinen demenzkranken Mann hinbringen und er würde vier Stunden lang gemeinsam mit anderen aktivierend betreut. Leider will Heinrich das nicht, so dass ich diese Entlastung nicht nutzen kann. Wenn ich es einrichten konnte, bin ich alle zwei Wochen zur Angehörigengruppe gegangen. Da weiß jeder, wovon die Rede ist, wenn es um Demenz, Betreuung und Pflege geht. Alle haben ähnliche Sorgen. Man kennt sich untereinander. Solche Gespräche tun einfach gut. Leider kann ich auch dieses Angebot in letzter Zeit nicht mehr wahrnehmen. Heinrich geht an diesem Tag in eine Tageseinrichtung, um seine Kunsttherapie zu machen.
Die Angehörigengruppe kommt zusammen, wenn er von dort zurückkommt. Ich möchte dann zu Hause sein.

Mit Heinrich im betreuten Urlaub

Immerhin kommt jetzt einmal in der Woche für ein paar Stunden eine Betreuerin zu uns. In der Zeit kann ich mal alleine aus dem Haus oder mich entspannen. Außerdem schaffe ich es gottlob immer wieder, Heinrich zu Ausflügen mit der Alzheimer Angehörigen Initiative zu überreden. Zehn Tage lang fahren wir gemeinsam mit anderen Ehepaaren in den betreuten Urlaub. Wir gehen in den Zoo oder machen Rundfahrten zum Beispiel im Hafen von Stralsund oder auf Rügen. Unser absolutes Lieblingsziel ist Bad Bevensen in der Lüneburger Heide. Da waren wir bestimmt zehn Mal. Den betreuten Urlaub rechne ich über Verhinderungspflege ab.

Am Anfang hat mein Mann viel geschimpft auf Reisen; alles passte ihm nicht. Aber beim letzten Mal hat er zugegeben, dass es ihm gefällt. Und seitdem Heinrich eine Mundharmonika besitzt, ist sowieso alles anders. Er lässt sich bei den Ausflügen nicht lange bitten und spielt die Lieder seiner Kindheit.

Die Blogbeiträge von Elisabeth Keller entstehen aus Interviews, die die Redaktion des Wegweisers Demenz mit ihr führt. Sie lebt mit ihrem Mann Heinrich* im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen. Heinrich Keller leidet an Parkinson und Demenz. Früher arbeitete er als Ingenieur für Holztechnik in der Möbelindustrie und verbrachte einige Jahre im Auftrag der Handelspolitischen Abteilung der DDR-Botschaft in Jugoslawien. Elisabeth Keller war wissenschaftliche Mitarbeiterin im Außenhandelsministerium und schulte nach 1990 zur Betriebsprüferin um. Das Paar ist seit 30 Jahren verheiratet und hat keine gemeinsamen Kinder. Beide haben Töchter aus erster Ehe.

* Die Namen hat die Redaktion auf Wunsch des Ehepaars geändert.

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