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DAS WEBLOG

Urlaub trotz Demenz – ein Beitrag von Matthias Matlachowski

Matthias Matlachowski am 23.08.2010, 12:00 | 1 Kommentar

Noch einmal gemeinsam in den Urlaub fahren – diesen Wunsch erfüllen wir Demenzkranken und ihren Angehörigen im Modellprojekt "Gerontopsychiatrische Vernetzung in der Region Main-Rhön". In diesem Jahr waren wir beispielsweise in Ebermannstadt bei Forchheim und Bischofsheim an der Rhön, zwei landschaftlich schönen Regionen, die sich gut für Kurzausflüge eignen.

Erholung mit Aha-Effekt

Der Urlaub dauert stets knapp eine Woche. Im Mittelpunkt steht die Erholung. Zu unseren Zielen gehört aber auch, dass die Familien ihre neue Normalität akzeptieren lernen, also das Leben mit Demenz. Zu diesem Zweck mischen wir Nähe und Distanz: Morgengymnastik, Ausflüge und Physiotherapie machen die Erkrankten und pflegenden Angehörigen gemeinsam. Andere Module sind den Angehörigen vorbehalten. So thematisieren wir beispielsweise die rechtzeitige Vorsorge durch Vorsorge- und Betreuungsvollmacht sowie die Möglichkeiten der Pflegeversicherung. Außerdem bringen wir den Angehörigen Entspannungsübungen bei und zeigen ihnen, wie sie Konflikte meistern können. Dazu laden wir Referenten ein. Eine Teilnehmerin zog folgendes Fazit: "Ich pflege und betreue meinen Mann nun schon seit sechs Jahren. Wenn ich einige dieser wichtigen Informationen eher gehabt hätte, hätte ich manche schwierige Situationen anders meistern können."

Während die Angehörigen entspannen oder an Seminaren teilnehmen, kümmert sich erfahrenes Fachpersonal zusammen mit qualifizierten Ehrenamtlichen um die Erkrankten. Die Rückmeldungen der Angehörigen darauf sind sehr positiv. Besonders plastisch beschrieb eine Frau ihren Eindruck, die gemeinsam mit ihrem demenzkranken Mann erstmals dabei war: "Der Austausch mit den anderen Gästen brachte Sonnenstrahlen in meine Seele. "Andere Gäste hoben besonders hervor, dass sie im Urlaub mehr Vertrauen zu professioneller Hilfe gefasst hätten. Diese Angehörigen waren davon ausgegangen, dass nur sie ihren Partner umsorgen können. Wir haben ihnen gezeigt, dass Demenzkranke bei uns in guten Händen sind. Deshalb höre ich sehr oft Sätze wie: "Ich konnte endlich einmal durchatmen" oder "Ich habe hier Kraft getankt."

Kasse übernimmt Teil der Kosten

Für ihren knapp einwöchigen Urlaub zahlt ein Ehepaar 850 Euro. Darin ist alles inklusive – von der Unterkunft über die Mahlzeiten und zusätzlichen Getränke bis zu den Angeboten während der Woche und der Betreuung der Erkrankten. Da unser Angebot auch die Kranken- und Pflegekassen überzeugt hat, bekommen teilnehmende Paare bis zu 600 Euro erstattet. Im besten Fall heißt das, dass lediglich 250 Euro aus eigener Tasche zu zahlen sind.

Vernetzung ist alles

Die Seminar- und Urlaubswoche basiert auf einem qualitätsgesicherten pädagogischen Konzept, das ich zusammen mit der Alzheimer Gesellschaft Bayern erstellt habe. Darin sind beispielsweise Mindeststandards für die Herbergen und Hotels festgeschrieben, bei denen wir gemeinsam mit unseren Gästen unterkommen.

Ohne unsere vielen Partner könnten wir die Seminar- und Urlaubswoche allerdings nicht anbieten. Wir sind mit zahlreichen lokalen und regionalen Diensten der Altenhilfe vernetzt. Bei der Pflege und Betreuung arbeiten verschiedene Wohlfahrtsverbände Hand in Hand. Beispielsweise stimmen sich Diakonie und Caritas bei Pflege und Betreuung ab. Der Arbeitersamariterbund und das Bayerische Rote Kreuz stellen den Fahrdienst für die Ausflüge. Ärzte und Kliniken decken die 24-Stunden-Notfallversorgung ab.

Beratungsstellen, Ehrenamts-Koordinationsstellen, Pflegedienste und Tourismusbüros bringen sich ebenfalls in die Angebote ein. Betreuungsstellen der Landratsämter und Pflegeberater der Pflegekassen unterstützen beispielsweise als Referenten während der Angehörigenschulung.

Informationen zum Autor:

Matthias Matlachowski ist Diplom-Sozialwissenschaftler und Mitarbeiter im Diakonischen Werk Schweinfurt. Er leitet das Projekt "Gerontopsychiatrische Vernetzung in der Region Main-Rhön". Außerdem ist Matlachowski Lehrbeauftragter an der Evangelischen Hochschule Nürnberg. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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1 Kommentar

buni am 12.07.2012, 11:18 Rolf sagt:Hi Sabine, sehr spannend ist Dein Reiseblog. Ich tippe mal, dass Du viele rüstige ducesthe Rentner in der Reisegruppe hast, aber die sind eben gerne auf Achse. Indien ohne Reisegruppe wäre vielleicht doch zu abenteuerlich, aber bin kein Indienexperte. Viele Gruesse und viel Spass und schöne Erlebnisse wünsche ich Dir noch Rolf

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